Die Apokalypse des Johannes - 325. Vortrag von Wolfgang Peter, 2026

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«Ein interaktiver Vortragszyklus über den Zusammenhang mit dem Wirken Jesu Christi und dem eigenen Ich. Ausgangspunkt sind die Schriften von Rudolf Steiner, z.B. die GA 104, GA 104a und GA 346. Hier fließen sowohl Fragen und Anliegen von Zuschauern als auch eigene geisteswissenschaftliche Erkenntnisse mit ein. Und es gibt immer Bezüge zu aktuellen Themen der Zeit.»

325. Vortrag "Die Apokalypse des Johannes" vom 28. Juli 2026 von Dr. Wolfgang Peter. Link zum aktuelles Audio folgt in Kürze ...

Transkription des 325. Vortrags vom 28. Juli 2026

+++ dies ist eine automatisch generierte Rohtranskription (Opus 4.8 Extra). Es wird noch eine händische Nachbearbeitung nötig sein. Willst du MitTun? +++

Begrüßung und der 17. Wochenspruch 00:41

So, aber jetzt sind wir da. Dann begrüße ich euch recht herzlich zur 325. Folge zur Apokalypse, und ich entschuldige mich für die technische Panne wieder am Anfang. Ich konnte das richtige Fenster nicht dazu bringen, dass es übertragen wird, es gibt ja in letzter Zeit mit dem Übertragungsprogramm einfach Schwierigkeiten. Ich wollte euch das zeigen mit den zwölf Sinnen und den ganzen Zusammenhängen, ich werde es möglichst auch heute machen, aber ich kann euch dieses Ding leider nicht einblenden. Das hat das ganze Übertragungsprogramm irgendwo geschmissen, auf gut Wienerisch. Es funktioniert einfach nicht. Es soll uns aber nicht aufhalten, der Ahriman pusht heute ein bisschen rein und der Luzifer lächelt dabei sehr nett, aber wir lassen uns nicht irritieren.

Ich begrüße euch auf jeden Fall jetzt mit dem 17. Wochenspruch, und der passt zu unserem Thema perfekt:

Es spricht das Weltenwort, das ich durch Sinnestore in Seelengründe durfte führen: Erfülle deine Geistestiefen mit meinen Weltenweiten, zu finden einstens mich in dir.

Also ein bisschen kompliziert, noch einmal. Es spricht das Weltenwort – das ist das Wichtigste –, das Weltenwort, letztlich der Christus, der dahinter ist, der in den Weltenweiten wirkt, in der ganzen Erde, im ganzen Erdumfeld, sich verbunden hat mit der Erde auch und durch das ganze Sinnliche zu uns durchwirkt, aber auch jetzt in unseren Seelengründen drinnen wirkt, der Christus in uns. Also man könnte sagen, der Christus in uns und der Christus um uns. Und damit ist das große makrokosmische Ich-Prinzip gemeint. Das heißt, die Schöpferkraft schlechthin, die gestaltend in der Welt wirkt und von der wir in uns einen kleinen Funken haben, den wir hegen und pflegen, hoffentlich.

Wir haben natürlich auch Widerstände. Gerade der Ahriman ist ja der, der immer möchte, dass wir ichlose Menschen werden, dass wir auf das Ich verzichten und einfach den Vorgaben folgen, die von dieser ahrimanischen und dahinterstehend auch asurischen und soratischen Kraft kommen, dass wir von dort sozusagen unsere Befehle empfangen und dem folgen. Und das ist ganz gegen die Entwicklung, wie sie laufen sollte.

Die zwei Aufgaben unserer Zeit: reine Sinneswelt und imaginatives Erkennen 00:03:59

Also diese schöpferische, weltschöpferische Kraft, diese Kraft des Ich-Bin, zu finden auch in mir. Aber das Wichtige ist dieses Aufnehmen des Weltenwortes durch die Sinnestore. Das ist für unser Thema jetzt sehr entscheidend, weil unsere Zeit, unser Kulturzeitraum, eigentlich zwei große Aufgaben hat.

Das eine: ganz hineingehen, immer bewusster hineingehen in das sinnliche Erleben, wirklich die Sinneswelt auch sehen können, einmal ganz frei von irgendwelchen Visionen, Imaginationen, die sich uns aufdrängen, sondern wirklich die pure Wahrnehmung der Sinneswelt bekommen. Das ist das eine, und damit kommt aber sehr viel anderes mit, weil sich in den Sinneswahrnehmungen in Wahrheit alles offenbart, was dahinter am geistigen Wesen steht, das durch die Sinneswelt wirkt. Und unsere Aufgabe ist es jetzt, diese geistige Welt, diese Seelenwelt, die ganzen Wesen, die uns in der Sinneswelt begegnen, als solche dann auch imaginativ erkennen zu können. Aber zugleich eben auch die reine Wahrnehmung der Sinneswelt.

Frei heißt das sein von allen alten atavistischen Visionen, frei auch von allem Fantasievollen, wo ich vielleicht in die Wolken, die da ziehen, alle möglichen Gestalten hineinschaue, die aber natürlich nicht wirklich da sind, sondern von uns gebildet sind. Davon müssen wir wegkommen einerseits. Ich meine, wir dürfen natürlich schon einmal die Wolken vorbeiziehen lassen und die Gestalten, die Gesichter, die Formen darin erleben. Aber wenn wir uns darin verlieren, kommen wir nicht zu dem wahren Geistigen, das dahintersteckt. Es muss eine Anregung sein, aber dann muss der Übergang erfolgen vom sinnlichen Wahrnehmen ins Übersinnliche, durch das Sinnliche hindurch. Also wie es so schön im Wochenspruch steht, dass wir durch die Sinnestore hinausgehen müssen, um das Weltenwort zu empfangen. Das Weltenwort ist die gestaltende Kraft in der Welt. Der Christus ist es, er hat den ganzen Kosmos geformt.

Der Mensch als Mitschöpfer – und die Elementarwesen, die dabei entstehen 00:07:15

Es ist dieses makrokosmische Ich-Prinzip, das immer stärker formend geworden ist. Schon während der alten Sonnenentwicklung ist der Christus der Herr dieser Entwicklung, ganz führend, und wir sollen immer mehr Mitschaffende werden. In unserer Zeit auch jetzt, und wir sind es ja auch bereits. Wir sind es, indem wir künstlerisch tätig sind, aber natürlich auch, indem wir unsere Technik hervorbringen, unsere Bauwerke, die äußere Gestaltung der Welt machen. Nur ist das meiste, was in dieser Art entstanden ist, nicht so entstanden, dass wir uns schon wirklich der geistigen Kräfte bewusst waren, mit denen wir dabei umgehen. Denn auch wenn wir ein Kunstwerk schaffen, wenn wir ein technisches Gerät entwerfen, bauen, in Serienproduktion gehen lassen, es sind immer geistige Wesenheiten damit verbunden. Mit jedem kleinsten Gerät, mit jedem Stein, den wir in der Natur finden, sind geistige Wesen verbunden, und wenn wir ihn formen, ihn zuschleifen, zuschlagen mit Hammer und Meißel, und wenn es nur etwas ganz Kleines ist, ist schon die Bildung von geistigen Wesenheiten damit verbunden.

Elementarwesen, namentlich Elementarwesen des festen Mineralischen, sind unheimlich beweglich, sind dauernd im Entstehen und Verwehen. Man darf sich diese unmittelbaren kleinen Naturelementarwesen, die hinter den Steinen, hinter dem fließenden Wasser stehen, nicht so vorstellen, wie wenn wir das Beispiel an uns Menschen nehmen, die wir eine bestimmte Zeit lang auf Erden leben. Sie sind immer wieder im Entstehen und Vergehen.

Bei den höheren geistigen Wesenheiten denken wir mit Recht, die sind immer da. Naja, wir sind auch immer da, wir wechseln nur die Geistgestalt in Wahrheit. Die hat eine andere Ausprägung, solange wir auf Erden inkarniert sind, und sie geht keineswegs verloren, sondern ist in anderer Form da, wenn wir im Leben zwischen Tod und neuer Geburt sind. Wir gehen dann nicht in unserer letzten irdischen Gestalt herum, die verliert sich sehr schnell, aber trotzdem sind wir ein gestaltetes Wesen mit einer ganz präzisen Signatur. Das Ätherische sind wir sehr bald darüber – nach dem Tod haben wir dieses große Lebenspanorama, in dem wir etwa drei, dreieinhalb Tage leben, aber dann verweht das. Es geht nicht verloren, weil in der Akasha-Chronik überhaupt nichts verloren geht, es entschwindet nur unserem Bewusstsein.

Kunstwerke und die hässlichen Wesenheiten im Hintergrund 00:12:37

Das ist das Große, dass wir eben nicht nur einmal auf Erden leben, sondern in wiederholten Malen, und dass wir gerade dadurch unsere Entwicklung durchmachen, uns immer mehr zur Freiheit entwickeln, immer mehr dazu, Mitschöpfer zu sein an der Gestaltung der Erde. Was wir als Künstler machen, von den ersten Höhlenmalereien angefangen, von den Schnitzwerken in der Urzeit der Menschheit, alles das hat bereits mitgewirkt an der Entwicklung. Das hat eine Bedeutung, das geht nicht verloren, das ist ein Impuls, der in der Weltentwicklung drinnen ist.

Gerade mit diesen Dingen – wenn wir Künstlerisches gestalten, Technisches gestalten, die Erde bearbeiten, wenn wir uns bewegen, ganz besonders wenn wir tanzen, vielleicht zur Musik tanzen –, mit all dem sind Elementarwesen verbunden, die entstehen und wieder vergehen. Wir erzeugen ununterbrochen Elementarwesen. Und es gibt auch andere Wesenheiten, die sich damit verbinden. Gerade dort, wo wir Kunst hervorbringen, aber auch Kunst ausstellen in Galerien, sind ganz besonders hässliche Wesenheiten damit verbunden, interessanterweise. Die bilden den Hintergrund, auf den sich die Schönheit dieser Werke abhebt, aber getragen sind sie im Hintergrund von ganz hässlichen Wesen.

Manches ist fast für die Ewigkeit, wenn man an die Pyramiden denkt oder was die Ägypter hervorgebracht haben, wo man vieles noch heute findet. Von den heutigen Dingen wird man viel weniger finden, das vergeht viel schneller. Das liegt im Zuge der Entwicklung, weil das Wichtige ja eigentlich nicht der äußere Gegenstand ist, der entsteht, sondern die Wirklichkeit des Kunstwerkes besteht in dem Schöpfungsprozess, der sich dann im fertigen Produkt ausdrückt. Aber in dem Moment, wo es fertig ist, ist es eigentlich fast auch schon fertig. Die größte Wirkung haben eigentlich die Sachen, die so schnell wie möglich wieder verwehen, die sich wieder auflösen.

Der Auflöseprozess der Erde und der A-Rupa-Zustand 00:16:13

Dieser Auflöseprozess ist drinnen, und wir sind in der Erdentwicklung deutlich über die Mitte hinaus. Wir sind schon drinnen, wo ein Auflösungsprozess da ist, wo aus dem, was an Schöpferkraft in die Gestaltung der Erde eingebracht wurde und sich in materieller, stofflicher Form gezeigt hat – durch den Einfluss der ahrimanischen Wesenheiten, die daran mitgewirkt haben, dass sich das, was eigentlich ein geistiger Impuls ist, auch verstofflicht –, aber um das Verstofflichte allein geht es nicht. Es ist wichtig für eine Zeit lang, für die Entwicklung der Erde, denn wenn das gar nicht stofflich wäre, dann hätten wir die Erdentwicklung nicht, wie sie sein sollte, wie sie zu unserer Freiheit führen kann, so dass wir wirklich ganz bewusste Mitschöpfer werden können.

Das ist etwas, was wir ablegen. Wir haben davon gesprochen, wie die ersten Leichname, die wir bei unserer Inkarnation auf Erden abgelegt haben, im Grunde sehr eng mit der Welt der Kristalle, der Mineralien zusammenhängen. Da ist etwas aus uns herausgesetzt worden und hat lange Zeiten überdauert, aber mit der Zeit zerfällt es zu Staub, der schließlich verweht, so wie sich die ganze Erde auflösen wird. Und zwar nicht nur, indem sie zerstäubt, sondern indem alles Stoffliche überhaupt verschwindet, indem es in den nächsten Zustand übergeht, noch während unserer Erdentwicklung.

Unsere jetzige Stufe, die wir als physische Erde betrachten, ist nur die mittlere Stufe von etwas ganz anderem, das aus einer geistig gestaltenden Kraft kommt. Das ist das, was die Inder als A-Rupa-Zustand bezeichnet haben. Rupa heißt Form, und A-Rupa heißt nicht geformt, also noch ganz etwas Bewegliches, das noch keine bestimmte Form angenommen hat, wobei die ganze Schöpferkraft als geistiger Impuls darin lebt. Das war die erste Stufe unserer Erdentwicklung. Von diesem A-Rupa-Zustand, von dem ganz Ungeformten, wo gewaltige schöpferische geistige Kraft da ist, aber noch nicht so weit gekommen ist, dass sie etwas wirklich in eine Form gewinnen lässt – es ist alles noch in Bewegung, alles noch geistiges Leben. Von diesem geistigen Leben ist dann irgendwann das ätherische Leben ein Abglanz. Davon haben wir ein kleines Abbild in einem schöpferischen Prozess, wenn wir mittendrin stehen, wo wir etwas tun wollen, den schöpferischen Drang spüren, etwas in die Welt hineinzusetzen, aber wo noch alles in Bewegung ist, noch keine Kontur gefunden hat. Da stehen wir vor dem gähnenden Nichts und wollen aus diesem gähnenden Nichts heraus etwas machen, etwas, was ganz unsere Schöpfung ist.

Die Akasha-Chronik als bewegliches Bild, das man selbst hervorbringen muss 00:20:58

Das ist im Kleinen, im künstlerischen Abbild, dieser Prozess, ein Kunstwerk zu schaffen, ganz egal in welcher Form – ob Malerei, Plastik, Sprache, Dichtkunst oder Bewegungskunst. Gerade die Bewegungskünste sind etwas besonders Spannendes, weil sie nie so weit kommen, dass sie eine fertige Form annehmen, die erhalten bleibt. Wenn ich tanze, wenn ich mich bewege, wenn ich spreche, vielleicht sogar spreche, ohne genau Wort für Wort alles vorgegeben zu haben, dann bin ich mitten in diesem lebendigen Prozess und es gerinnt gar nicht zu einer fertigen Form.

Das war kommend aus der Vergangenheit notwendig – wir hätten nicht einmal eine feste Erde, wenn es den Prozess nicht gegeben hätte –, nur gehen wir jetzt langsam in das über, wo all das wieder in Bewegung kommen muss und letztlich wieder in einen A-Rupa-Zustand, in einen völlig ungeformten Zustand übergeht. Aber was mit drinnen lebt, sind die Erfahrungen der daran beteiligten geistigen Wesenheiten, und insofern wir tätig waren, gilt es insbesondere auch für uns, wo das eine reine Fähigkeit geworden ist.

Selbst das, was in der Akasha-Chronik steht, insofern es die Vergangenheit als Bild festhält – da muss man gleich dazu sagen, es ist ein bewegliches Bild dort. Es ist nicht so, dass das eins zu eins festgehalten wird und ich mir vorstelle, wenn ich in die Akasha-Chronik schaue, dann ist das wie eine geisteswissenschaftlich aufgemotzte Videothek, wo ich alles ablaufen lassen und die Dinge hören und sehen kann, so wie wir sie äußerlich erlebt haben. Nein, es ist in Bewegung. Man kann in der Vergangenheit lesen, man kann in die Vergangenheit hören, aber nur in dem Maße, in dem ich fähig geworden bin, diese Bilder, diese Formen, diese Klänge, diese Geschmackserlebnisse, diese Farbenfülle ins Bewusstsein zu heben, indem ich tätig werde. Ich muss diese Bilder der Vergangenheit malen. Das klingt paradox.

Selbst in den Geschichtswerken geht das eine ziemliche Zeit in die Vergangenheit zurück, wo man Funde und Texte hat, aber um das, was wirklich damals geschehen ist, vor das geistige Auge zu stellen, muss ich das Bild machen, modellieren, gestalten, malen, es zum Tönen, zum Klingen bringen – die objektiven Worte, die damals gesprochen wurden. Ich kann sie nicht wahrnehmen, wenn ich sie nicht selbst hervorbringe. So funktioniert der Geist. Alles, was geistig ist, muss von einem geistigen Wesen hervorgebracht werden. Und was in der Akasha-Chronik festgehalten ist, ist Geistiges, auch wenn es sich auf äußere Ereignisse bezieht. Man erlebt nicht die äußeren Geschehnisse als solche, sondern man taucht ein in das, was die Menschen oder andere Wesen damals erlebt haben.

Die Akasha-Chronik ist nicht eine große übersinnliche Bibliothek, wo alles fertig ist und ich nur wissen muss, in welchem Regal es steht. Es ist eigentlich ganz einfach, ich muss das Bild nur hervorbringen. Aber wie sagt der Mephisto im Faust: Es ist zwar leicht, doch ist das Leichte schwer. Das ist genau die Kunst. Wir müssen den Mut und die Kraft aufbringen, mich in das Nichts hineinzustürzen und darauf zu vertrauen, dass ich das Bild hervorbringen kann.

Cäsar am Rubikon: eintauchen in die geistigen Impulse 00:28:38

Und trotzdem heißt Akasha-Chronik: Wenn ich dort mit meiner geistigen Kraft eintauche, dann kann ich das Bild hervorbringen, kann ich mir ein Bild von dieser Situation machen – zum Beispiel von dem, was Cäsar erlebt hat, als er den Rubikon überschritten hat. Äußerlich sehe ich gar nichts, aber etwas von den geistigen Impulsen, die er beim Überschreiten des Rubikon hatte, und was da an Emotionen, an seelischen Erlebnissen dabei war, in ihm selbst, aber auch in seinem Umfeld, in das kann ich eintauchen und es schöpferisch zu einem wirklichkeitsgemäßen Bild machen. Wirklichkeitsgemäß insofern, als alles drinnen ist, was sich seelisch, geistig, sogar in den Lebensprozessen abgespielt hat. Aber ich bekomme kein äußeres Bild.

Ich tauche ein in die eine oder andere Individualität, die das erlebt und dann letztlich durch ihr Erleben der Akasha-Chronik eingeprägt hat. Erleben hat zu tun mit den Lebenskräften, mit den astralischen Kräften und sicher auch mit den Ich-Kräften, die der Mensch in sich hatte und die dem Ganzen eine Prägung mitgegeben haben. In diese Impulse tauche ich ein, die sind zunächst wie alles Übersinnliche unsichtbar. Und indem ich eintauche, habe ich das Bild noch nicht fertig vor Augen, sondern ich erlebe die geistigen Impulse, die erregten Formbewegungen im Seelischen, und das geht weiter bis in formende Impulse, die im Ätherischen, in den Lebenskräften da sind. Gerade dort, wo es in den Bereich der Lebenskräfte geht, wo es Richtung lebendiges Denken geht – das lebendige Denken ist das, was mit den Ätherkräften arbeitet.

Imagination, Inspiration, Begriff – der Weg des lebendigen Denkens 00:32:33

Randbemerkung: Wozu braucht man dann überhaupt ein Gehirn, um denken zu können? Um denken zu können brauchen wir es eigentlich nicht, aber um dieses Denken in unserer heutigen Art zu Bewusstsein zu bringen, es zu Begriffen zu formen, ein begriffliches Denken zu entwickeln. Das deutsche Wort ist genial – in anderen Sprachen heißt es Konzept, aus dem lateinischen conceptus, da kommt es nicht so deutlich heraus, aber bei uns das Begreifen: Indem ich mir wirklich Begriffe bilde, bringe ich es so hin, dass diese Sache für mich quasi greifbar wird, sodass ich fast sagen kann, ich spüre das in meinen Fingern. Dann ist es drinnen, klar umzirkelt, aber dann bringe ich es auch zu einem Abschluss. Und ich darf dabei nicht stehen bleiben, sondern ich muss es wieder auflösen.

So ist es beim Schauen in die Akasha-Chronik: Ich gehe hinein, ich fange an zu formen, ich bin im Ätherischen tätig, es greift bis zu einer mehr oder minder endgültigen Gestalt. Das Ganze ist erfüllt mit astralischen Kräften, die dahinterstehen, die antreiben, dass sich das, was im Astralischen lebt, im Ätherischen abbildet – dadurch wird es Bild, wird es Imagination. Und kaum ist sie da, diese Imagination, ist sie schon wieder weg. Ich kann sie nicht festhalten, kann mich eigentlich auch nicht daran erinnern. Wenn ich sie wiederhaben will, wenn ich wieder darüber sprechen will, dann muss ich einfach in dieses Erlebnis wieder hineingehen.

Und solange dieses Erlebnis da ist, kann ich aus meiner individuellen Perspektive schildern, was damals passiert ist. Aus meiner individuellen Perspektive, weil es unendlich viele Perspektiven gibt, aus denen man es betrachten kann. Und wenn ich wahrhaftig eintauche und mich nicht durch luziferische oder ahrimanische Widersachermächte ablenken lasse, die mir das Bild verzerren, dann ist es ein richtiges Bild, eines, das dem damaligen Geschehen wirklich entspricht. Wenn mehrere Menschen dieselbe historische Situation reimaginieren, dann geht man bis an die Grenze heran, wo es fast Begriff wird, weil dieses Bilderleben ein Begriffenes werden muss. Dann haben wir es erst wirklich, vollbewusst gefasst. Das ist der Moment, wo wir aus dem Bildeprozess der Imagination weitergehen, den Durchgang zur Inspiration machen, die uns dieses Bild erklärt, wo wir anfangen zu begreifen, welche Bedeutung dieses Ereignis in der Geschichte hatte.

Die unendlichen Perspektiven der geistigen Welt 00:38:04

Es ist insofern lebendig, beweglich, als sich die verschiedensten Facetten davon zeigen lassen. Eben dieses Bild, das Rudolf Steiner oft gebrauchte, mit dem Baum, den man von verschiedensten Seiten betrachten kann – das ist ein äußeres Bild dafür, aber so ist es in noch höherem Maße in der geistigen Welt. Da gibt es unendlich viele Perspektiven. Weil die Geisteswelt nicht nur drei Dimensionen hat, es ist überhaupt nichts Räumliches, und trotzdem hat es unendlich viele geistige Perspektiven. Das ist so schwer in Worte zu fassen, weil es überhaupt nicht vergleichbar ist mit unserer sinnlichen, räumlichen Wahrnehmung. Angenommen, man ist in einem Konzert gesessen, hat die Töne von allen Seiten gehört, da hat man einen Raumklang, und der ist in dieser Form in der geistigen Welt nicht vorhanden. Trotzdem kann ich in das Erlebnis eintauchen, aber es ist raumlos geworden. Es tönt nicht von links oder rechts, sondern ich bin eins mit dem Klingen. Ich bin eins und ich begreife es, indem ich diesen Klang in der Wahrnehmung hervorbringe.

Im Grunde muss ich so weit kommen, dass ich all die schöpferischen Kräfte, die damals darin gewirkt haben, um dieses Ereignis zusammenzubringen, jetzt selber hervorbringe. Und dann kann ich, indem ich meine eigene Tätigkeit beobachte, um das hervorzubringen, was aber objektives Geschehen in der Vergangenheit war – weil das Alte endgültig verweht ist, muss ich es schöpferisch wieder hervorbringen, um es ins Bild zu bringen. Das ist das Wesen des Geistigen, dass wir das aus dem Nichts hervorbringen können. Im Physischen ist nichts mehr vorhanden, auch im Ätherischen nicht, nicht einmal im Astralischen – die ganzen Sympathie- und Antipathiekräfte, die Emotionen, alles ist weg. Es ist im Geistigen da, im völlig ungeformten Zustand, im sogenannten A-Rupa-Zustand. Aber in dem liegt der Keim, damit schöpferisch tätig zu werden, indem ich mich mit meiner Schöpferkraft damit verbinde und es selber hervorhole.

Das ist die Grundbotschaft, um die es heute geht, und auch der Grund, warum ich die ganze Serie immer noch Apokalypse nenne. Etwas zur Offenbarung bringen, was völlig unoffenbar geworden ist. Es ist weg, einfach weg. Es gibt nur die einzige Ebene, in der es da ist, im Geistigen, und im Geistigen heißt es: schaffend hervorbringen. Wie heißt es so schön im Faust, wenn Mephisto den Faust zu den Müttern ins Nichts hineinführt und Faust ganz bewusst sagt: In deinem Nichts hoffe ich das All zu finden. In diesem Nichts kann ich alles finden. Und das ist nicht willkürlich. Obwohl es willentlich und frei von mir hervorgebracht wird, ist es nichts Willkürliches, sondern etwas ganz Bestimmtes.

Die Übereinstimmung mehrerer Schauender – ein lebendiges Bild 00:45:24

Nur der Mensch, der es hervorbringt, kann es exakt genauso sehen, aber er kann sich mit einem anderen Menschen genau verständigen, und sie kommen darauf: ja, das ist die gleiche Situation, wir haben das Gleiche angeschaut, vielleicht aus etwas anderen geistigen Blickwinkeln, aber es ist dasselbe Ergebnis. Es gibt eine Übereinstimmung, aber keine tote Übereinstimmung, wie wenn ich eine Fotografie mache, die starr und unbeweglich ist, sondern es ist ein lebendiges Bild, um das ich herumgehen kann, bildlich gesprochen, ein Bild, das sich auch verändert. Wenn ich im Erdenleben verschiedene Perspektiven suche, gehe ich um den Gegenstand herum, um den berühmten Baum von Steiner. Wenn ich in der Akasha-Chronik lese, dann muss ich mich bewegen, aber nicht räumlich, sondern seelisch-geistig.

Wenn zwei oder mehr Menschen dasselbe Ereignis betrachten, werden sie praktisch nie genau das Gleiche erleben, aber sie werden genau erkennen, dass es dieselbe Geschichte ist. Wir können uns, indem wir uns die Schilderungen der anderen geben lassen, die Beweglichkeit erhalten, uns auch dorthin zu bewegen: aha, du betrachtest das so, so kann ich das auch betrachten. Dann kann ich meine Perspektive verändern und mehr oder minder auch das wahrnehmen, was der andere Mensch wahrgenommen hat. Und das mit vielen Menschen, sodass das Bild immer reicher wird.

Die Fähigkeit, die die Gottheit hat, ist es, gleichzeitig – wobei gleichzeitig schon wieder mit einem Fragezeichen zu versehen ist – es von allen Seiten zu sehen. Gleichzeitig heißt zugleich, die Entwicklung dieser ganzen Geschichte komplett zu überschauen. Nicht nur räumlich von allen Seiten, sondern auch zeitlich: zu sehen, wie es aus der Vergangenheit gekommen ist, wie es als Impuls aufgetaucht ist, wie es Folgen gehabt hat. Es steht in einer ganzen Bewegung drinnen, aus der die Zeit eigentlich besteht.

Die tragende Vatergottheit, die alles im Bewusstsein hält 00:50:16

Das ist eben genau der Unterschied zwischen uns und der Vatergottheit, die das alles in Zeitlosigkeit, in Raumlosigkeit in ihrem Bewusstsein präsent hat. Und indem die Vatergottheit das in ihrem Bewusstsein hat, trägt sie das Ganze. Das ist das, wovon Steiner gesprochen hat, was dieses Tragende der Gottheit ist – dass sie alles trägt, aber sich eigentlich aus dem Geschehen zurückgezogen hat. Das ist genau das: dass sie alles in ihrem Bewusstsein präsent hat, und dieses eigentliche Sein ist das Bewusstsein der Gottheit. Indem die Gottheit das alles in ihrem Bewusstsein hat, und immer auch das, was neu passiert und sich weiterentwickelt, trägt sie es vom Urbeginn an.

Schauen wir von mir aus nur zurück bis zum alten Saturn – über das andere können wir gar nicht sprechen, weil wir keinen Zugang dazu haben. Natürlich ist die Gottheit schon vorher da gewesen, aber der Zeitlauf in unserem Sinn, was überhaupt Sinn macht, von einem Früher und Später zu sprechen, reicht bis zum alten Saturn zurück. Dort fängt es an, dass wir geistig bis dorthin zurückreichen, weil wir da auf jeden Fall als Ich-Wesenheiten schon dabei waren. Auf dem alten Saturn wurde die Grundlage des physischen Leibes gelegt, als Wärmeleib, nur als reine Wärme. Für den Menschen, der als Geistesforscher hochentwickelt ist und bis in diese Zeiten zurücksehen kann, erfasst er zumindest brockenweise, ausschnittsweise, was damals passiert ist. Das steht in der Akasha-Chronik. Äußerlich, im Physisch-Sinnlichen, ist es längst nicht mehr existent, aber im Geistigen ist es da, und dort kann es schöpferisch herausgeholt, ins Bild gefasst werden.

In einem höheren Sinn ist es im Untergrund da, und das ist eben das, dass es die Gottheit in sich trägt. Sie trägt das Ganze, und sie trägt es insofern, als auch das, was jetzt, hier und heute, in dieser Sekunde passiert, in diesem nicht fassbaren Moment da ist – alle diese Momente hat die Vatergottheit im Bewusstsein. Das ist das, was ausmacht, dass sie diese ganze Entwicklung im Untergrund trägt, obwohl sie selbst nicht mehr schaffend tätig ist. Also die nicht geschaffene und nicht schaffende Wesenheit. Das ist das Allerhöchste. Das Schaffen hat sie weitergegeben an den Christus, an den Sohn. Und was neu dazugekommen ist mit der Erdentwicklung, mit dem Erdenleben des Christus: dass ab dem Moment der Mensch aus der Freiheit heraus immer mehr mitschaffend werden kann und werden soll.

Die Erlösung der Widersacher als Lösung des Rätsels des Bösen 00:56:39

Das wird einen ganz besonderen Reichtum der zukünftigen Schöpfung entwickeln, wo wir als Menschen mittätig sind. Auch wenn es am Anfang noch ganz klein ist, es ist nichts, selbst das Kleinste, umsonst. Es wird seine Spuren in der Weltentwicklung, in der Akasha-Chronik zurücklassen und dort als lebendige Kraft drinnenstehen. Die Akasha-Chronik als Weltengedächtnis ist in ständiger Bewegung, dieses Weltengedächtnis bildet sich immer weiter, und wir arbeiten immer mehr daran mit.

Das ist im Übrigen auch der Grund, warum es keinen Sinn macht, über einen Zustand vor dem alten Saturn und nach dem Vulkan zu sprechen, jedenfalls nicht in dem Sinne, dass es so und so passieren müsse. Es ist komplett offen. Und das Einzige, was wir mit ziemlicher Sicherheit sagen können – Sicherheit nämlich insofern, wenn wir nicht den Widersacherkräften unterliegen –, aber wir dürfen mit großer Hoffnung davon ausgehen, dass ein gewisser Teil der Menschheit bestimmt nicht diesen Widersachern verfallen wird, sondern ganz im Gegenteil mitarbeiten wird an der Erlösung der Widersacher.

Sie sind zwar ganz massiv beteiligt am Rätsel des Bösen, an der Kulturaufgabe, die wir jetzt in unserer Kulturepoche haben. Da geht es darum, ganz zentral das Rätsel des Bösen zu lösen, und lösen heißt dann auflösen, erlösen die Widersacher. Das ist die eigentliche Lösung des Rätsels. Wir dürfen uns das nicht so banal vorstellen: Ja, dann wissen wir endlich, was das Böse ist, warum es entstanden ist. Das ist nur die kleine Perspektive. Das Eigentliche ist, dass wir nur in dem Maße etwas erfahren, in dem wir an der Erlösung der Widersacher mitarbeiten. Und an der Erlösung der Widersacher arbeiten heißt, dass wir in die Haut des Drachen schlüpfen. Uns mit den Kräften verbinden, aber nicht darin untergehen, sondern ihnen eine neue Ausrichtung geben, eine neue Aufgabe – den ahrimanischen, den luziferischen Wesenheiten.

Wenn wir das nicht tun, dann gehen eine ganze Menge geistiger Wesenheiten verloren, indem sie einen ganz anderen Weg gehen. Das ist ein Mangel, der in unserer Entwicklung entsteht, der schwer wettgemacht werden kann. Menschen, die bis zum Venus-Zustand, also dem sechsten kosmischen Entwicklungszustand, nicht vor den Widersachern gerettet, aus dieser achten Sphäre herausgeholt werden, die sich in jedem Falle bilden wird, die sind für unsere Entwicklung verloren. Sie sind ab einem gewissen Zeitpunkt an dieses soratische Reich gekettet. Es hat dann mit uns nichts mehr zu tun, es ist unerreichbar für uns.

Bewusstseinsseele und Geistselbst – das Ich, das bis ins Physische arbeitet 01:03:51

Und um jetzt selber langsam voranzukommen, vielleicht gar nicht in dieser Inkarnation, sondern in einer der nächsten: In unserer Kulturepoche sollen wir die Bewusstseinsseele entwickeln, um dann im Ganzen vorzubereiten, in das Geistselbst hineinzugehen, ganz bewusst. Das ist die Hauptaufgabe in der nächsten Kulturepoche. Anthroposophie, geistiges Streben im Sinne einer modernen Geisteswissenschaft, man könnte es auch Geisteskunst nennen. Es ist etwas, was dem künstlerischen Gestalten, dem künstlerischen Schaffen nahesteht. Das sieht man schon jetzt auf dem Weg hin zur Imagination: um uns die Bilder der Akasha-Chronik aufzubauen, sie in Imaginationen hineinzuholen und diese Imaginationen dann wieder verwehen zu lassen und beim nächsten Mal neu und ein bisschen anders aufzubauen, wodurch sich eine andere Perspektive offenbart. In diese Bewegung hineinzukommen, das wird so wichtig sein. Erst jetzt haben wir die Vorbereitung dazu, mit der Bewusstseinsseele.

Diese Bewusstseinsseele, die wir jetzt entwickeln, heißt Freiheit entwickeln, das heißt, unser Leben auf den schöpferischen Impuls stellen, der bei jedem Atemzug in uns lebt. Wir arbeiten viel mehr schöpferisch, als uns bewusst ist. Mit jedem Atemzug, mit jedem Pulsschlag arbeiten wir an uns. Mit jedem Gefühl, mit jedem Impuls der Sympathie oder Antipathie arbeiten wir an uns und zugleich an der Welt mit. Und wir arbeiten vor allem an unserer Körperlichkeit, ununterbrochen. Während unserer Inkarnation, und zwischen den Inkarnationen bereiten wir die nächste Leiblichkeit vor.

In der siebten Kulturepoche wird es, für einzelne schon früher, aus sein mit den Inkarnationen auf der physischen Erde. Dann werden wir in der nächsten Ebene, in der ätherisch-astralischen Sphäre der Erde, leben und dort sehr fleißig tätig sein. Da wird es noch Leben auf der Erde geben. Es wird auch das geben, wovon Rudolf Steiner gesprochen hat: Die Erde wird ein selbsttätiger elektrischer Apparat. Diese untersinnlichen Kräfte der Elektrizität, des Magnetismus, in gewisser Weise der Kernkräfte, werden eine Bedeutung haben. Und wenn wir das in der Hand der Widersacherkräfte lassen, dann wird das zu einem frühzeitigen Sterben der Erde und der Wesen führen, die auf ihr leben. Die Erde ist über ihren Höhepunkt hinaus, sie ist eine sterbende, muss sie auch sein, wie alles, was in die physische Erscheinung tritt. Die Frage ist nur, in welchem Tempo und in welche Richtung es geht. Die eigentliche Mitte der Erdentwicklung ist in Wahrheit das Mysterium von Golgatha.

Die soratische Welt: die ewige Wiederkehr des Gleichen 01:15:00

Ich habe das schon einmal angesprochen, diese geniale Idee, die unter anderem Nietzsche geäußert hat: die ewige Wiederkehr des Gleichen. Etwas, das nach einer bestimmten Gesetzmäßigkeit abläuft und immer wieder so abläuft. Immer wieder das ewige Murmeltier sozusagen. Das ist das Idealbild der soratischen Welt: eine durchaus bewegliche Welt, aber eine, in der immer das Gleiche kommt. Das ist in gewisser Weise eine perfekte Welt, aber es ist der Albtraum der Vorstellung einer vollkommenen Welt. Es mag ja schön sein, eine Uhr zu haben, die so perfekt ist, dass immer alles funktioniert, nichts kaputtgeht, alles immer gleich abläuft – aber das über Äonen hinweg, ohne Chance, dass sich das je auflöst. Je mehr dieser Zustand der Perfektion nahekommt, umso mehr ist er, obwohl er in Bewegung ist, trotzdem tot, weil nichts Schöpferisches mehr drin ist. Das ist der Preis, wenn man eine perfekte Welt haben will: Dann ist Veränderung nicht mehr möglich. Die Beweglichkeit ist nur Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung. Etwas Neues, eine Bewegung in eine neue Richtung, gibt es nicht.

Das ist die große Aufgabe unserer Kulturepoche: einerseits das Rätsel des Bösen zu lösen, es von allen Facetten kennenzulernen. Mit dem Nachsatz, was Rudolf Steiner öfters erwähnt hat: Das Böse ist ein zeitversetztes Gutes. Etwas, was in der Vergangenheit sehr gut war für die Entwicklung der Menschheit, der Erde, des Kosmos, wird, wenn man es unverändert beibehält, irgendwann böse. Es hält die Entwicklung auf, weil Entwicklung Leben heißt und Leben Veränderung ist. Alles, und wenn es noch so gut ist, wird böse, wenn es sich nicht laufend verändert. Das ist das Prinzip in der geistigen Welt: Alles ist Verwandlung.

Darum ist es so schwer, geistige Wesenheiten wirklich zu beschreiben, wenn ich sie nicht in ein sinnliches Bild presse. Die schönen Engelbilder, die wir haben, sind großartig, sie sprechen etwas aus vom Wesen der Engel, nur schauen Engel nicht so aus, weil sie gar nicht ausschauen, weil sie keine sinnlich-physischen Wesen sind. Das Geniale dieser großen Engel-Gemälde ist, dass sie zeigen, wie diese Engelwesenheiten in den Menschen hineinwirken, wie sie gestaltend mitwirken, wie sie uns helfen, uns selbst zu gestalten. Weil das tun wir. Wir tun nichts anderes, auch während unseres Erdenlebens, als uns selber zu gestalten, bis ins Physische hinein. Es gibt keine Zelle in uns, in die wir nicht täglich, ja sekündlich hineinarbeiten. Wir, das heißt unser Ich, ist darin tätig.

Der Künstler, der bis ins Knochensystem an sich selbst arbeitet 01:21:18

Und daher seht ihr schon, wie schwer die Frage ist: Wie ist denn unser Ich? Kennen wir es überhaupt? Das sind die wichtigsten Aufgaben. Wenn ich ein Buch schreibe, egal ob einen Roman oder etwas Geisteswissenschaftliches, wo ich versuche, die geistigen Beobachtungen in Worte zu fassen, was Rudolf Steiner in so großer Masse konnte – das in Worte zu fassen, in Bilder, die bildhaft sind, aber zugleich gedankenklar und trotzdem nicht nüchterne, unbewegliche Begriffe, sondern so lebendig, dass es sich in der nächsten Minute schon wieder verändert hat. Der Begriff ist so beweglich. Das heißt nicht, dass das, was vorher war, seine Berechtigung verloren hat, aber es bleibt in Bewegung. Nichts kehrt genau gleich wieder und trotzdem bewegt es sich in einem bestimmten Raum.

Das brauchen wir in unserem Denken, aber auch in unserem Organismus. Er ist ununterbrochen in Bewegung, nicht nur äußerlich, sondern innerlich. Und da arbeitet das Ich mit. Wir sind der Künstler, der an sich selbst arbeitet, und zwar bis ins Physische hinein. Die lebendige, bewegliche Plastik, die sich dauernd verändert, die wir selbst sind, an der arbeiten wir ununterbrochen. Mit jedem Atemzug, mit jedem Wimpernschlag, in jedem Moment arbeiten wir an uns. Und bereiten so schon die große Aufgabe vor, die wir auf dem Weg zwischen Tod und neuer Geburt haben: uns eine neue Leibesform zu schaffen, die unseren im vergangenen Erdenleben erworbenen Fähigkeiten dienlich ist. Davon ist das meiste noch völlig unbewusst.

Da ist ganz wichtig der Anteil während unseres physischen Erdenlebens, wo wir wirklich bis in den größten Widerstand hineinarbeiten, bis ins härteste Stoffliche, bis ins Knochensystem hinein. Wobei wir wissen, die Knochen sind eigentlich relativ lebendig, die Knochenzellen regenerieren sich schnell, aber trotzdem ist der Knochen etwas sehr Massives. In dem Moment, wo der Mensch stirbt und das Leben nicht mehr durchfließt, bleibt es als etwas Hartes über die Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende erhalten. Dann ist es etwas ganz Mineralisches geworden. Das ist der weitergeführte Zustand von dem, was wir gesagt haben: Der erste Leichnam, den wir abgelegt haben, war die Mineralwelt. Das gläserne Meer, von dem in der Apokalypse die Rede ist. Das sind genau diese geistigen Kräfte, die gestalten, bis ins Mineralische hineingehen. Und daran arbeiten wir ununterbrochen, auch jetzt, gerade jetzt, wenn ich spreche. Es passiert bei mir, bei euch, überall, wo Menschen sind, dass die ganz individuelle Ich-Kraft daran arbeitet. Bei den Tieren ist es die Gruppenseele, bei den Pflanzen und auch bei den Mineralien.

Die Kultivierung der Erde und die Freiheit der Gruppenseelen 01:28:13

Wir haben auch einen Einfluss, und damit meine ich nicht nur das äußere Tun, indem wir die Landschaft pflegen, die Tiere versorgen, sondern indem wir geistig arbeiten, indem wir Ich-Wesen sind. Menschen, ein Menschen-Ich habend, das heißt ein freies, schöpferisches Ich, arbeiten wir an der Natur mit, vor allem an der künftigen Natur. Da müssen wir gar nicht äußerlich schaufeln – das ist natürlich auch wichtig, gerade beim Bestellen des Ackers oder beim Pflegen eines Waldes. Wobei es wichtig ist, dass wir Urwälder haben und Wälder, die keine Urwälder mehr sind, wieder zu Urwäldern werden lassen, und trotzdem auf der anderen Seite Kulturwälder, Kulturlandschaften schaffen. Wir brauchen heute auch die Möglichkeit, dass die Natur selber arbeiten kann.

Aber im Großen und Ganzen ist es richtig, dass der menschliche Einfluss immer mehr werden wird und werden soll. Wir müssen nur heute aufpassen, dass wir mit unseren dilettantischen Fähigkeiten – ich sage es provokativ – nicht zu viel herumpfuschen, und deshalb Bereiche in der Natur sich selbst überlassen. Trotzdem ist für die Zukunft die Kultivierung der Erde, die Gestaltung der Erde durch uns Menschen, immer wichtiger. Sie wird, wenn alles gut läuft, wenn wir nicht vorher die Erde zerstört haben, sondern Verständnis für sie entwickelt haben – wie wir sie beleben, beseelen, durchgeistigen, wie wir Pflanzen der Zukunft schaffen, die Tierwelt beeinflussen, die ganze Natur zu einem Ausdruck der Menschenentwicklung machen. Das wird eine Bedeutung haben für die Gruppenseelen der Tiere, der Pflanzen, der Mineralien. Da entstehen für diese Wesenheiten neue Entwicklungsmöglichkeiten, weil wir ihnen Arbeit abnehmen, aber ihnen zugleich die Chance bieten, ganz bewusst mitzuarbeiten.

Denn auch die Gruppenseelen sind nicht frei. Das ist das Gewaltige, geradezu Unglaubliche: Die ganzen Hierarchien, die über uns stehen, haben die Freiheit nicht. Sie können nur den Auftrag entgegennehmen, den sie besser oder schlechter umsetzen, natürlich auf einem sehr hohen Niveau. Aber die schöpferische Freiheit haben sie nicht. Dass sich die Vatergottheit in den Hintergrund des Schöpfungsgeschehens zurückgezogen hat, hängt damit zusammen, dass der Mensch in den Vordergrund treten soll, immer tätiger werden soll – als das schöpferische Wesen, das mit der Freiheit begabt ist.

Die kommenden Generationen und die nachwachsenden Widersacher 01:34:26

Unsere Aufgabe ist es letztlich auch, dass wir diese Möglichkeit zur Freiheit weitergeben an geistige Wesenheiten, die über uns stehen, die durch uns die Möglichkeit zur Freiheit bekommen. Gerade auch die Widersacherwesenheiten, namentlich die luziferischen, die ahrimanischen und hoffentlich auch die asurischen, werden die ersten sein. Wenn wir an ihrer Erlösung genügend energisch arbeiten, dann führen wir sie dorthin, dass sie als Erste nach uns der Freiheit teilhaftig werden. Und von dort geht es weiter zu den regulären Hierarchien. Aber sie sind nicht die Ersten – das Interessante ist, der Impuls geht jetzt von uns aus.

Das ist die riesige Perspektive in die Zukunft, die weit hinausgeht über unsere Entwicklung vom alten Saturn bis zum Vulkanzustand. Das ist sozusagen die Kinderstube, die erste Klasse, wo wir die Grundlagen lernen, wie wir uns diese Freiheit erwerben und gestalten. Die Widersacher sind uns als Hilfsmittel gegeben, an denen wir uns abarbeiten müssen, die uns Hindernisse in den Weg legen, die wir eigenständig überwinden müssen. Daran lernen wir, was Freiheit ist. Sie wollen uns unfrei machen und sind eigentlich selber auch unfrei. Sie wurden bestellt zu ihrer Aufgabe, sie hatten nicht die Möglichkeit, Nein zu sagen, weil das notwendig war, um eine neue Schöpfungsgeschichte in die Welt zu bringen.

Das Neue in der Entwicklung, in der wir stehen, ist, dass das kleinste, neugeborene geistige Wesen, der Mensch, dieses Geschenk bekommt, das ihm die Freiheit ermöglicht. Das ist eine sehr zweischneidige Sache, dieses Geschenk, weil es uns in den Abgrund führen kann oder dorthin, wo wir all die Wesenheiten, die mit dem Abgrund zu tun haben, ins Licht bringen. Aber es ist vollkommen offen, es kann auch vollkommen schiefgehen.

Es wird drei Abstufungen des Menschlichen geben. Wenn wir die Erdentwicklung gut absolviert haben, dann sind wir einmal eine Stufe des Menschlichen. Auf dem neuen Jupiter wird eine neue Menschheit dazukommen, Wesenheiten, die neu geboren werden, aber die von Anfang an auf den Weg der Freiheit geführt werden, in anderer Weise als wir, weil wir schon dafür gesorgt haben, dass der Freiheitsimpuls von Haus aus da ist. Sie werden viel selbstverständlicher damit umgehen als wir. Wir stolpern halt als Erste durch den ganzen Weg.

Aber es werden auch neue Widersacher nachwachsen. Widersachermächte entstehen, weil auch in der Zukunft Wesenheiten aus ihrer Freiheit heraus Fehler machen, problematische Dinge in die Welt setzen, die einen Weltenkarma erzeugen, das dann wieder aufgelöst werden muss. Und es werden auch aus dem Menschenreich Widersacher entstehen – Menschen, die diesen Weg nicht mitgehen können oder wollen, die noch nicht endgültig im soratischen Reich versinken, aber während unserer Entwicklung als hemmende Kräfte tätig sind.

Eigenverantwortung: den Weg ins Ungewisse selbst bahnen 01:48:17

Das Wesentliche ist, dass uns die Gottheit zutraut, dass wir das bewältigen können. Und wir haben alle Unterstützung dabei, wenn wir es wollen. Das Wollen heißt, dass wir aktiv werden, in Richtung der Freiheit. Die richtige Richtung ist nicht, dass wir uns in ein vorgefertigtes Programm fügen. Die Vatergottheit hat schon am alten Saturn ausgegeben: Es muss Richtung Freiheit gehen. Aber das Wesentliche ist, dass wir diesen Weg selber aus der Freiheit heraus gestalten und gehen. Das ist eine Sache, die nirgendwo so klar ausgesprochen wird wie von Rudolf Steiner, selbst wenn auch dort die Freiheit nicht immer praktiziert wurde.

Das heißt aber auch, dass wir uns die Freiheit aus eigener Kraft erwerben müssen. Wir sind gefordert. Eigenverantwortung, im Kleinen und im Großen. Das können wir tagtäglich üben: In jedem Wort, in jeder Handlung ist die Frage, ob wir sie aus ganz bewusster Verantwortung heraus tun oder nicht. Aus der Freiheit heraus selbstverantwortlich etwas in die Welt zu setzen, wo wir keine Anleitung, keine Vorschrift dazu haben. Das Interessante ist, schon im Alten Testament, mit den zehn Geboten: Da steht nirgendwo, was wir tun sollen. Die Gebote sagen, was wir nicht tun sollen, wo wir aufpassen müssen, dass wir nicht auf Abwege kommen. Aber nirgendwo steht, was wir tun sollen.

Es gibt schon Hilfsmittel in der Bibel, im Neuen Testament, auf die wir uns stützen können, indem wir uns in der Nachfolge Christi bewegen. Da ist ein Vorbild, an dem wir uns orientieren können, aber wohlwissend, dass wir nicht eins zu eins die Taten des Christus nachahmen – das könnten wir gar nicht. Es ist eine Orientierungshilfe, aber nichts anderes. Letztlich müssen wir unseren Weg selber suchen. Verantwortung übernehmen heißt vor allem, den Mut aufzubringen, diesen Weg zu gehen, der völlig ins Ungewisse führt, in einen Bereich, über den wir noch kein Wissen haben, den wir nur im Tun lernen können, Schritt für Schritt. Und das ist so schwer. Wir halten uns so gerne an Regeln, die uns gegeben sind. Und wenn es die besten Regeln sind – wenn wir stur an ihnen festhalten, machen sie uns schon zu Widersacherkräften.

Wenn wir an den Vorgaben Rudolf Steiners mit jedem Punkt und Komma festhalten und sagen, so wie es zu seiner Zeit gemacht wurde, so müssen wir es auch machen – erstens wird es nicht funktionieren, und Gott sei Dank wird es nicht funktionieren. Wir müssen lernen, kleine Nachfolger Rudolf Steiners zu werden, aber Nachfolger, die nicht immer genau in der Spur nachgehen, sondern irgendwann, nachdem wir ein paar Kilometer im Geisterland zurückgelegt haben, auch wagen, links oder rechts abzuzweigen in einen Bereich, den noch niemand betreten hat. Aus der Freiheit heraus. Und wer weiß, welchen geistigen Wesen wir dort begegnen – Wesen, die noch niemand beschrieben hat, weil die geistige Welt so unerschöpflich reich ist, weil sie ununterbrochen Neues hervorbringt.

Vom vorgezeichneten Weg zum unbekannten Gelände 01:56:14

In der Vergangenheit haben wir Regeln bekommen, eine deutlich gezogene Landkarte mit eingezeichneten Wegen, auf denen wir gehen sollen, und wo eingezeichnet ist, wo es gefährlich wird. Dieser Weg ist vorgezeichnet, zunächst einmal. Das ist der Übungsweg. Aber die eigentliche Arbeit fängt in dem Moment an, wo wir die Karte weglegen und sagen: Jetzt gehe ich ins Unbekannte. Da nützt mir die Karte nichts mehr, weil die Schwierigkeiten, die mir dort gestellt werden, nirgendwo drinnenstehen. Das ist der Weg, den ich mir mit jedem Schritt weiter wähle.

Es gehört Mut dazu, diesen Weg zu gehen, und es gehört dazu zu wissen, dass wir Fehler machen werden. Das ist fast sicher. Gerade an den Fehlern können wir lernen. Es muss kein hochdramatischer Fehler sein, auch kleine Fehler können dazu führen, dass wir einen zweiten oder dritten Anlauf nehmen müssen. Das gehört dazu, eben weil wir uns alles selber schaffen müssen. Es gibt kein Lehrbuch, in dem das drinnenstehen könnte. Das müssen wir erst schreiben, und wenn wir es geschrieben haben, dann können wir es verwerfen, verbrennen, in nichts auflösen – es hat dann seine Aufgabe erfüllt und kann niemand anderem die Aufgabe erfüllen.

Natürlich gibt es einen Übergang – sonst müssten wir ja auch die Werke Rudolf Steiners möglichst schnell loswerden. Nein, es kann eine Hilfe, eine Orientierungshilfe für andere Menschen sein. Aber interessant wird es dort, wo wir die Landkarten, die Krücken weglegen und unseren Weg gehen. Dazu gehört wirklich großer Mut. Nicht umsonst ist in den Mysteriendramen gerade der Johannes Thomasius die Kernfigur als geistig strebender Mensch. Maria ist ihm voraus, sie kann Dinge, die er noch nicht kann, aber an seinem Beispiel wird dauernd gezeigt, wie schwierig das ist, wo er immer sagt: jetzt nicht. Er will den nächsten Schritt nicht in Eigenverantwortung machen, er hat Angst davor. Und diese Angst ist verständlich und berechtigt, weil man genauso scheitern und karmische Schuld auf sich laden, anderen Schaden zufügen kann. Und trotzdem ist das während der Erdentwicklung der einzige Weg, wie wir weiterkommen. Wenn wir es verweigern und sagen, ich warte, bis die Zeit reif ist – diese Zeit wird nie kommen. Dann haben wir die Entwicklung verschlafen.

Die Christuskraft, die uns im Nichts hält 02:01:40

Wenn wir dort im Nichts stehen, wo wir ganz allein auf uns gestellt sind, dann sehen wir, dass eine ganz große Unterstützung da ist durch die Christuskraft. Nicht indem er uns Tipps gibt, indem er uns sagt, was wir tun sollen, sondern indem er uns darin stärkt, uns selbst zu halten, indem wir unser kleines Ich-Bin wirklich rege machen. Dazu hilft er uns, dazu regt er uns an. Machen müssen wir es selber.

Gerade die Widersacherkräfte, namentlich die ahrimanischen, wollen, dass wir diese Ich-Kraft zumindest nicht ins Erdenleben hineinnehmen, dass wir auf Erden ichlose Menschen sind. Und so viel ahnen die ahrimanischen Wesenheiten schon, dass wir diese Entwicklung der Ich-Kraft zur Freiheit hin nur hier auf Erden schaffen können. Wir stehen jetzt in einem großen ahrimanischen Zeitalter, und das geht durch die ganze Kulturepoche durch. Wir brauchen nicht zu glauben, dass Ahriman am Ende dieser Kulturepoche schon besiegt oder erlöst ist. Das wird nicht der Fall sein, wir werden immer intensiver mit ihm ringen müssen.

Aber das alles hilft uns, ganz bewusst den Entschluss zu fassen: Jetzt werde ich tätig. Ich übernehme die Verantwortung für meine Taten, für die Richtung, in die ich gehe. Und ich warte nicht, bis wieder wer kommt und mir sagt, was ich tun soll – denn das werden immer mehr die Widersacher sein, die uns das sagen, und sie sind wiff genug, es uns schmackhaft zu machen. Es wird uns lange Zeit nicht als Verführung zu etwas Bösem erscheinen, sondern gerade als etwas sehr Gutes. Der Ahriman kann sehr gut dafür argumentieren, und der Luzifer hilft mit, dass es uns angenehm und lobenswert erscheint. Aber dann verlassen wir den Weg der Freiheit. Der Weg der Freiheit ist der, wo wir durchs völlig unbekannte Gelände stolpern und uns den Weg selber bahnen müssen, weil wir das Potenzial in uns haben und die Freiheit anders nicht zu erringen ist.

Die Kirche, Leo XIV. und die falsch benannte „künstliche Intelligenz" 02:06:52

Es ist interessant, wenn man die Entwicklung in der Kirche anschaut, im offiziellen Christentum, ob katholisch oder evangelisch: Es wird immer mehr auf die Freiheit des einzelnen Menschen gesetzt. Auch bei den letzten Päpsten deutet sich, spätestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, ein Weg an, der in der Praxis noch lange nicht durchgeführt ist: zu sehen, die Kirche ist kein Machtinstrument. Der Papst, die Kurie sollte kein Machtzentrum sein, sondern es ist auf die Verantwortung des einzelnen Menschen, des einzelnen Christen gerechnet. Das wird jetzt wieder sehr deutlich ausgesprochen in der Enzyklika Leos XIV., die im Mai erschienen ist und sich interessanterweise sehr intensiv mit der technischen Entwicklung der Zukunft beschäftigt, insbesondere mit der künstlichen Intelligenz. Sie hat, wenn man den Titel aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt, den Übertitel „Großartige Menschheit". Es kommt heraus: Die Machtstrukturen müssen zurückgehen, der einzelne Mensch ist gefragt, mit seinem kleinen Beitrag, aber insgesamt schafft die Gemeinschaft der Menschen einen großartigen Beitrag.

Das geht über das hinaus, was künstliche Intelligenz ist. Wobei – meine Randbemerkung – der Name eigentlich völlig falsch ist. Diese technische Simulation des menschlichen Denkens hat alles, nur keine Intelligenz. Intelligenz kommt von intus legere, Lesen in den Dingen, Lesen, was in den Dingen am Geistigen liegt. Das ist wirklich Intelligenz: eintauchen können in die Welt mit unserer sinnlichen und geistigen Wahrnehmung, mit unserem Denken, und uns bewusst ein Bild von der Welt machen, aus der Freiheit heraus. Und da ist Intelligenz ein Mittel. Damit ist nicht der moderne Intellekt gemeint, nicht das abstrakte Denken unserer Zeit, sondern genau das, was Rudolf Steiner mit der Imagination als erster Stufe umschreibt: ein gestaltendes, imaginatives, bildhaftes Denken – wobei „bildhaft" heute sehr in Anführungszeichen zu sehen ist, weil es nicht darum geht, Visionen zu haben, sondern ein großes Panorama geistiger Zusammenhänge zu überschauen und an ihrer Gestaltung mitzuwirken.

Ausblick: kein Jota geändert – und doch ganz individuell 02:11:46

In dem Sinne werden wir weitertun. Das nächste Mal möchte ich auch andere Apokalypse-Texte heranziehen, andere Übersetzungen, zum Beispiel die von Siegfried Gußmann, die ganz anders, ganz ungewohnt ist, sehr komprimiert, sehr modern in der Sprache und trotzdem ganz authentisch. Wenn man aus der Akasha-Chronik das holt – das muss zumindest im Hintergrund mitschwingen –, dann hat man das Wort der Apokalypse, der Evangelien. Aber es muss ergriffen, ganz aus dem Eigenen gestaltet werden. Nur so kann man der Forderung gerecht werden, dass am Text der Bibel, namentlich des Neuen Testamentes, kein Jota geändert werden darf. Nichts darf man willkürlich verändern, sondern es muss so gegeben werden, wie es in der Akasha-Chronik steht, und aus dem muss es gelesen werden.

Das heißt, es muss ganz individuell ergriffen und gestaltet werden, sonst kommt man nicht heran. Es ist nichts, was ich fertig aus einem geistigen Bücherregal herausnehmen kann, sondern es ist nur da, wenn ich es durch meine freie geistige Tätigkeit hervorhole, besser gesagt gestalte. Daher wird im äußeren Wortlaut jede Übersetzung anders sein, auch in derselben Sprache, und erst recht in einer anderen Sprache. Die Übersetzung von Luther trägt seine Handschrift, Gott sei Dank. Eigentlich müssten wir sie selber finden, diese Übersetzung. Und wir können das – dazu müssen wir sie gar nicht aus der alten Sprache übersetzen, sondern wir können die Luther-Übersetzung hernehmen und sie in unseren eigenen Worten lesen, indem wir wirklich eintauchen und das, was durch die Schriftzeichen so karg angedeutet ist, zur individuell gestalteten Imagination hinführen und daraus den Inhalt des Alten und Neuen Testamentes gestaltend erleben.

Wenn wir einfach einen fertigen Text nehmen und ihn äußerlich durch den Intellekt interpretieren, dann haben wir wenig bis gar nichts. Wirklich kein Jota darf fehlen, das durch uns selber durchgegangen ist, das von uns bewusst ergriffen wurde. Johannes hat das gemacht – aus diesem Erlebnis heraus hat er die Apokalypse und das Johannes-Evangelium geschrieben, erst viel später niedergeschrieben, und nicht aus der Erinnerung, sondern aus der geistigen Welt geholt.

Obwohl wir jetzt oft nicht am Text der Apokalypse gearbeitet haben – ich erwähne das, weil ich mehrmals in den Kommentaren gelesen habe, dass manche glauben, sie seien auf dem falschen Dampfer und wollten eigentlich etwas über die Apokalypse hören. Wir beschäftigen uns scheinbar mit Dingen, die nicht offensichtlich mit der Apokalypse zu tun haben, aber sie sind einfach tätig gewordene Apokalypse: das aufzudecken, was noch nicht offensichtlich ist, Enthüllung, Offenbarung von etwas, was noch nicht gefasst wurde. Letztlich muss es jeder für sich selber machen, jetzt tun wir es halt ein bisschen gemeinsam. Ich möchte demnächst wieder ein bisschen den Text sprechen lassen und daran zeigen, wie man selbst diesen individuell gestalteten Text noch anders lesen kann.

Aber damit genug für heute, meine Lieben. Ich danke euch fürs Dabeisein, ich danke euch allen, die im Livestream dabei seid. Bis zum nächsten Mal.

Zuhörer: Wie heißt nochmal der Autor, von dem du das nächste Mal die Apokalypse-Version erzählst?

Wolfgang: Ja, Siegfried Gußmann mit Doppel-S. „Die Apokalypse des Johannes. Urbilder des Menschseins." Es gibt viele, aber die ist so knackig, finde ich, so ungewöhnlich. Und das ist gut, dass wir nicht immer nur so, wie ich es eh kenne – jeden Sonntag lese ich das selber wieder und habe es wie eine Litanei intus. Man muss es eigentlich immer wieder neu finden und gerade dadurch authentisch finden. Ihr werdet sehen, wie es euch gefällt. Manche werden sagen, das mag ich gar nicht. Andere werden sagen, das gibt mir eine Anregung, selber einmal an den Text heranzugehen, ihn selber neu zu formulieren.

Dann werden wir aktiv – das ist unsere Zeit, aktiv zu werden. Nicht immer passiv nehmen: aha, das ist das Richtige, Rudolf Steiner hat gesagt, das ist das Richtige, oder der Papst hat das gesagt. Das Wagnis müssen wir unternehmen. Das lohnt sich. Auch wenn wir vielleicht einmal einen Blödsinn machen und nicht so sattelfest sind. Das ist immer noch besser, als auf irgendeiner Schiene zu fahren, die uns immer weiter wegführt von unserer Individualität. Weil dort, wo ich im unsicheren Gelände gehe, wo ich nichts kenne, da mache ich meine Schritte sehr bewusst und schaue, ob ich nicht abstürze oder ob da ein Loch im Boden ist. Aber die Autobahn ist der Weg der Widersacher – da geht es dahin, nur die Frage ist, wo komme ich da noch raus.

Zuhörer: Du hast einen tollen Vortrag gemacht, vielen Dank, Wolfgang. Wirklich toll, danke fürs Mitmachen. Wunderbar, wirklich inspirierend.

Wolfgang: Gerne. Schönen Abend.

Zuhörer: Schönen Abend. Servus, danke.

Glossar

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Literaturangaben

Rudolf Steiner, Alexandra Riggins: Die sieben apokalyptischen Siegel, Triskel Verlag 2005, ISBN 978-3-905893-02-1;

Rudolf Steiner: Das Christentum als mystische Tatsache und die Mysterien des Altertums, GA 8 (1989), ISBN 3-7274-0080-3;

Rudolf Steiner: Die Apokalypse des Johannes, GA 104 (1985), ISBN 3-7274-1040-X;

Rudolf Steiner: Aus der Bilderschrift der Apokalypse des Johannes, GA 104a (1991), ISBN 3-7274-1045-0;

Rudolf Steiner: Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken, V: Apokalypse und Priesterwirken, GA 346 (2001), ISBN 3-7274-3460-0;

Emil Bock, Das Neue Testament, Übersetzung in der Originalfassung, Urachhaus, Stuttgart 1998, ISBN 3-8251-7221-X

Einzelnachweise

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