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Verwurzelung - Stärkung durch Verbindung. Ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2026
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Transkription vom Beitrag vom 16. Oktober 2026
+++ Stand 18. Oktober 2026: Dieser Text ist eine automatische Transkription und muss noch von Hand überarbeitet werden. Gerne kannst du MitTun +++
Einleitung: Verwurzelung als Prozess, und das Rotkehlchen auf der Gabel 00:00:15
Ich freue mich auch, dass ich hier sein darf und dass ich etwas mit Ihnen und mit euch teilen darf. Und das wird kein guter, gediegener, schöner Vortrag, wo man etwas, was weit weg ist, so beschreibt, sondern bei diesem Thema kann ich das nicht anders, als dass das sehr persönlich, sehr biografisch ist. Sorry, ich muss jemand begrüßen. Das ist so, die Leute, die die Hände in der Erde haben, die haben es nicht einfach in solchen Sälen und die sind froh, wenn sie so eine Verbindung haben.
Also, ich werde vier Dinge besprechen, vier Kapitel, vier Unterkapitel. Das erste wird handeln über Lust und Liebe, auch anderes. Das zweite wird sich beschäftigen, das kann gar nicht anders sein, mit der Kuh, aber die Kuh ist hier eigentlich eher aus meinem Hintergrund. Und das dritte ist die Frage des Schicksals und das vierte ist eigentlich eine Anrufung. So ist vielleicht die Struktur, dass Sie ein bisschen wissen, wenn Sie gehen, weil es irgendwie komisch ist, was Ihnen dann später noch fehlt.
Ja, ich bin wirklich sehr froh und ich möchte mich nochmal offiziell bei den beiden bedanken, die dieses Thema ausgesucht haben. Ich habe ein halbes Jahr damit gelebt, Verwurzelung, und ich glaube, ich kann dazu etwas beitragen, eben aus dem eigenen Erleben, aus dem eigenen Reflektieren, aus dem eigenen Drinnenstehen. Und Verwurzelung im Sinne des Sich-mit-der-Welt-Verbinden, des In-der-Welt-Seins und damit auch den Blick darauf lenken, dass dieses In-der-Welt-Sein anziehend ist.
Und nicht nur anziehend ist für andere Menschen, für Menschen, die es vielleicht schwer haben, für Menschen, die ganz jung sind, das ist auch anziehend für das, was wir Natur nennen, was eigentlich Kultur, Natur ist. Und ich habe versucht, in meinem Leben aufmerksam zu sein auf diese Menschen, die das besonders gut können. Und jemand, der wirklich in seinem Garten verwurzelt ist, deshalb war ich vorhin da und habe dich gesucht im Garten, da passiert es, das war nicht bei ihm, das war bei einer Frau, die steht da und dann bückt sie sich wieder und dann, die Handgriffe sind eigentlich nicht ein Rupfen und ein Kämpfen, sondern es fließt und man ist drinne und dann greift sie wieder zur Grabegabel und dann ist das Rotkehlchen gerade weg.
Also sie muss, dann frage ich sie, ja, ja, ich muss immer aufpassen, dass ich das nicht erwische. Das Rotkehlchen, was auf der Gabel dabei sitzt, wie diese Frau arbeitet. Ich kann da fast nicht mehr normal sprechen, das berührt mich unglaublich, wie durch die Besonnenheit, wie durch dieses in der Sache drinnen sein, Tiere so interessiert sind, dass sie einfach da sein wollen. Das kann man nicht mit Darwinismus begründen. Das ist nicht, da gibt es keinen Reiz für das Rotkehlchen, da in diese Gefahr zu gehen. Das ist einfach dieses Interesse, dieses Verbundensein des Menschen als etwas, was immer in diesem Moment etwas Neues schafft.
Verbunden sein, nicht als etwas Räumliches, verbunden sein als etwas Prozessuales. Also ein Thema, was uns alle in der größten Tiefe berührt und ich könnte jetzt auch noch viele Geschichten erzählen, was das bei den Pflanzen ist. Ich will es vielleicht nur kurz andeuten, der Züchter, der die richtige Pflanze findet, der sucht nicht, sondern der findet. Die Pflanze meldet sich, die ist es und dann entsteht etwas. Einer der erfolgreichsten biodynamischen Getreidezüchter hat mir mal gesagt, ja, es ist eigentlich dann ein Versprechen. Wenn ich es gefunden habe, dann muss ich in ein Versprechen gehen. Mit dir mache ich was, wir beide und das dauert dann 15, 18, 20 Jahre und dann ist eine Sorte da und dann wird diese Sorte angebaut in halb Europa. Einmal gefunden, aber eben nicht suchen, sondern es kommt etwas.
Ich möchte das jetzt hier ausdehnen, wirkliches Verbundensein, wonach wir doch zu streben haben, bedeutet einladend, hereingeleitend für die Menschen, die noch nicht geboren sind. Ist unsere Arbeit, ist unser Sein, ist unser Untereinander umgehen so, dass es Lust macht, hereinzukommen? Die Anthroposophie ist nicht nur da, dass wir uns innerlich entwickeln, dass wir ein gutes Gemeinschaftsleben haben und dass wir ein neues Geld haben und so weiter, sondern wir müssen im Bewusstsein haben, die Menschen, die eigentlich kommen wollen und machen wir dafür eigentlich Landebahnhöfe, ist das eigentlich interessant, was wir tun? Das ist die Frage, die möchte ich im Hintergrund mitnehmen.
Also, verwurzelt, verbunden sein, natürlich ist es an einem Ort, aber es ist ein Prozess, es passiert in der Zeit und es hat diesen Charakter, dass sich die Tiere interessieren, die Pflanzen, wenn man das wirklich kann, sich interessieren und schlussendlich, dass das, was eigentlich uns alle ernährt, der fruchtbare Boden, die Mineralität selbst in eine Beziehung tritt zu uns. Ich formuliere das extra so komisch.
Das vielleicht sozusagen zur Einleitung, dass deutlich wird, es ist ein großes Thema für mich und es hat eben auch diese Dimension, wie sind wir verbunden mit den Menschen, mit den Wesen, mit den Neu-Hinzukommen-Wollenden auf die Welt, dass sie das können, dass sie sich eingeladen fühlen.
Die drei Zaubermittel: Interesse, Lust und Liebe, Besinnung 00:08:08
Ja, wenn wir jetzt fragen, wie machen wir denn das, was brauchen wir denn da, was ist denn eigentlich wichtig, dann wird es schwierig, dann wird es gar nicht so einfach, weil wir in einer Kultur leben, wo wir gerade das genießen, dass wir eben unverbunden sind, aussteigen können, müssen jetzt auf einmal oder dass wir schnell nach hier und nach dorthin können und dass wir vielleicht eine neue Entwicklung brauchen und das alte jetzt einfach mal aufhören müssen. Also unsere Kultur ist so, dass wir Verbundenheit durch Verwurzelung eigentlich ganz merkwürdig finden.
Und da sind für mich drei Dinge aufgetaucht, die ich nehme aus diesem wunderbaren kleinen Vortrag, aus diesem Vortrag Praktische Ausbildung des Denkens, Rudolf Steiner, 1909, die Zaubermittel, drei ganz einfache Zaubermittel. Interesse, Lust und Liebe und Besinnung. Das habe ich jetzt etwas verkürzt, bei Steiner heißt das nicht Besinnung, sondern da heißt das innere Befriedigung an der Reflexion. Also es ist ein bisschen größer, es ist nicht nur Nachsinnen, sondern es ist wirklich größer.
Ich beschreibe die drei erst mal und dann möchte ich dazu ein bisschen ausführen, warum halte ich die für so entscheidend bei dieser Frage können, wollen wir uns verwurzeln. Interesse, wie bin ich wirklich interessiert an dem, was um mich ist? Bin ich in dem, was um mich ist, selber drinnen? Oder rauscht das irgendwie so durch? Und da ist noch dies und da ist noch das. Und es ist eigentlich ganz schwierig, wirklich innerlich in einer Sache konsequent dran zu bleiben. Ich bin sehr sanguinisch, ich weiß, worüber ich spreche und ich verdanke den Kühen unglaublich viel, dass ich diese harte Schule hatte. Wie kann ich wirklich Interesse aufbringen, immer wieder, immer wieder an derselben Stelle, immer wieder mit denselben Problemen, trotzdem voll drinnen, Interesse dazwischen sein.
Also nicht das, ja, kann man irgendwie so, es ist so beliebig oder es ist halt jetzt gerade so, morgen wird es wieder besser oder so, sondern wirklich drinnen sein. Sich interessieren für das, was da vor mir ist. In Bezug auf die menschliche Begegnung, der, der jetzt vor mir steht, ist der Nächste. Nicht alles Mögliche und dieser große Philosoph und das habe ich gestern gehört und so weiter, sondern der, der da vor mir ist. Dieses Kind, dieser Patient, diese Kuh.
Und Interesse ist auch die Frage, kann ich mich so fokussieren, kann ich dann so drinnen sein, dass in mir das Andere wirbt. Also kann ich Interesse so weit treiben, dass ich wirklich in dem bin, was mir gegenüber ist. Bei meiner Frau habe ich gelernt, die ist Pädagogin, die Frage ist eigentlich, bin ich da, wo meine Füße sind. Tolle Formulierung, für die Pädagogen ist das ganz toll. Bin ich da, wo meine Füße sind oder bin ich irgendwo? Ich muss auch mal irgendwo sein, ganz klar und bei einer Musik und so weiter. Aber zunächst ist die Frage, wenn man über Verwurzelung spricht, kann ich das sein, kann ich das aufbringen, dass ich da bin, wo meine Füße sind und in dem, was mir gegenüber ist, kann ich das so drinnen sein, dass das in mir wachsen kann, dass ich immer mehr das sein kann.
Und jetzt dieses Zweite, Lust und Liebe. Ich liebe den Steiner dafür, dass er das so dahin knallt. In allem Handeln, in allem, was ich tue, so verbunden sein, dass es nicht nur Spaß macht oder nicht nur irgendwie ganz locker von der Hand geht, sondern dass man aus dem Verbundensein, aus dem Interessiertsein eine Lust an der Handlung hat. Dass Handeln die tiefste Befriedigung ist, die man eigentlich haben kann. Dass das wirklich etwas ist wie Lust. Die Lust am Handeln, die Lust am Vollziehen, die Lust am Tun, die Lust am Drinnensein.
Und das Dritte, was uns vielleicht heute am allermeisten Schwierigkeiten macht, kann ich mich überhaupt zurückziehen und besinnen. Dass alles, was ich vorher hatte, überwinden und in eine innere Arbeit gehen. Und jetzt ist wieder eine Verbundenheitsfrage, aber mit was denn? Mit mir selber, mit dem Ideengehalt, mit dem geistigen, was da drinnen wirksam ist, mit dem ich verbunden bin. Habe ich die innere Ruhe, habe ich die innere Fähigkeit, einen Moment Verwurzelung nach innen, Verwurzelung in das, was das trägt. Nicht da drinnen, sondern in dem, was das hervorgebracht hat, in dem, womit ich da verbunden bin.
Die Lust am Tun und die Befriedigung, die innere Stimmung einer, ich glaube, jeder kennt das. Wenn man irgendwo fünf Minuten gedacht hat und aufsteht und denkt, oh, stimmt, so habe ich es eigentlich noch nie gedacht. Es ist wie Musik, es ist wie ein Gedanke, ein Zusammenhang, der mir das erste Mal so deutlich geworden ist. Und der ist einfach der Richtige, der passt jetzt. Und man geht eigentlich in einer unglaublichen Befriedigung wieder raus und es flutet die Welt wieder um einen rum.
Und oft reicht ja ein Klo dafür. Man muss ja auch gar nicht immer die Hose runterziehen, man kann einfach auch so auf dem Klo sitzen. Und diesen Moment, wenn man keine Zeit hat, wenn alles immer um einen rumwuselt, man braucht eigentlich gar nicht mehr. Das wird überall akzeptiert, dass man aufs Klo geht und alleine ist. Ein Moment der inneren Besinnung, wie ist das eigentlich? Und nicht im Handy oder im E-Mail oder so, sondern ich führe mich an meine Wurzel und an das, was durch mich eigentlich werden will, was durch mich eigentlich in der Welt sich vollziehen kann. Und gar nicht in dem, wie jetzt da die nächsten Schritte sind, sondern was ist eigentlich meine Quelle und wie ist diese Quelle eigentlich zu erschließen, wie ist die eigentlich fruchtbar zu machen? Und das macht jeder individuell und da kann man gar nicht jetzt sagen, so ist das richtig oder so ist das falsch.
Ja, das wollte ich gerne zu Anfang hinstellen, diese drei Zaubermittel, die sind für mich jedenfalls immer noch mit das Größte. Und ich habe eigentlich auch schon ein bisschen deutlich gemacht, was passiert, wenn man es nicht hat oder was das Gegenteil ist. Die Interesselosigkeit, das haben wir so viel in unserer Kultur. Und die Erledigungswirtschaft, man muss etwas erledigen, furchtbar. Man ist nicht wirklich mit Lust und Liebe dabei, sondern dann ist das eigentlich abstoßend. Für jeden anderen Menschen ist das abstoßend, für alles ist es eigentlich furchtbar. Und am furchtbarsten ist es eigentlich für einen selber. Wäre doch viel besser, man würde es nicht tun.
Ja, und dass man eben gar keinen Moment hat, etwas innerlich so zu bearbeiten, dass man Freude hat an diesem Moment der inneren Reflexion, des inneren Beschauens, das sozusagen in eine innere Anschauung bringen. Das aus dem Zusammenhang, in dem es erschienen ist, zu verwandeln und innerlich so zu greifen, dass es etwas wird, womit man sagt, das ist jetzt so und so mit mir verbunden.
Die Kuh: Körper, Leben und die Wiese 00:18:02
Ja, also das vielleicht zu Anfang. Und jetzt gehe ich weiter und möchte aufzeigen am Beispiel der Viehhaltung, am Beispiel des Umgangs mit den Kühen, wie das eigentlich zu differenzieren ist, diese Frage des verwurzelt Seins.
Und da ist ja zunächst, wenn man jetzt, ich spreche einfach über mein Leben und über meine Arbeit, die ich heute nicht mehr mache, aber die ich lange, lange gemacht habe und die mir immer noch die Möglichkeit gibt, hier heute zu Ihnen zu sprechen. Wenn man da mit den Tieren umgeht, dann hat man zunächst ein Riesenpaket Weisheit. So ein Kuhstall ist ein riesen Paket von Weisheit. Und diese Weisheit ist geronnen in Formen und Gestaltung, in Atem, in Schnaufen, in Stinken und so weiter. Und vor allem im Körper. Glauben Sie nicht, dass die Kühe nur das sind, was in dem Körper ist. Aber dieser Körper entsteht zunächst in Ihnen, den haben Sie, der ist das Dominante zunächst. Und dieser dominante Körper ist physisch und ist eigentlich alles aus der Vergangenheit. Entstehen tut der nicht jetzt, sondern diese geronnene Weisheit ist Vergangenheit.
Und das könnte man nennen, vielleicht den Körper, die physische Situation, wie auch immer, die Körperlichkeit. Und wenn Sie damit umgehen, dann merken Sie, für die Kühe braucht es bestimmte Wege, die müssen in einer bestimmten Weise gestaltet sein. Kühe können Treppen laufen, aber die Treppen müssen 65 cm lang sein und dürfen nur 12 cm hoch sein. Dann können die das. Aber das hängt mit ihrem physischen Leib, mit ihrem So-Sein zusammen. So sind die.
Ich glaube, ich brauche das gar nicht tiefer auszuarbeiten. Das Nächste, was Sie da haben, wenn Sie mit solchen Tieren zu tun haben, und das ist jetzt nur an den Tieren beschrieben, das können Sie in alle verschiedenen Bereiche übertragen, wenn Sie sich wirklich mit einer Sache verwurzeln wollen, hat das immer diese fünf Aspekte. Und das Nächste ist, dieses Tier frisst eigentlich den ganzen Tag. Und wenn es mal, es frisst offiziell sozusagen acht Stunden, aber den Rest, die anderen zweimal acht Stunden, ist es eigentlich nur damit beschäftigt, das Gefressene wieder zu verarbeiten.
Und jetzt können Sie das dabei bewenden sein lassen, aber Sie können sich auch klarmachen, in diesem ständigen Fressen, in diesem ständigen Aufnehmen, ist eine unglaubliche Verbundenheit mit einer Welt, die eigentlich die Kuh ist. Und wenn Sie nicht ganz blöd sind und ganz dumm sind, was wir heute meistens sind, dann würden Sie am besten der Kuh immer das Futter geben aus diesem Lebenszusammenhang, in dem sie drin ist. Das kann man dann Hof nennen oder Hoforganismus, das spielt jetzt keine Rolle, wir wollen jetzt nicht Biodynamik sozusagen hier einen Grundkurs machen, sondern ich will Ihnen einfach nur sagen, wenn die Kuh in der Lage ist, immer das zu fressen, wo sie eigentlich ist, dann wird es noch intensiver. Und Sie erleben, dass dieses Tier plötzlich einen ganz anderen Charakter hat, das ist jetzt ein Charakter von etwas, was diese Welt nicht nur verarbeitet, sondern macht.
Indem die Kuh frisst, entsteht überhaupt erst die Wiese. Glauben Sie nicht, dass es irgendwo Wiese gäbe, ohne die Tiere, die ständig davon fressen. In den 80er, 90er Jahren, Ellenberg hat das herausgefunden, wo kommt eigentlich die Vegetationsforschung, wo kommt eigentlich das Grünland her? Da hat man so wilde Theorien gehabt, ja oberhalb der Baumgrenze auf 2200 Meter, da gibt es sowas ähnliches und das rutscht jetzt auf den Lawinen runter und dann ist es unten und deshalb gibt es das Grünland. Natürlich würde da nach wenigen Jahren wieder Wald sein. Also man hat das noch nicht verstanden, bis in die 80er Jahre, die Wiese ist nicht dadurch, dass die Menschen die gemacht haben oder die Lawine, die herbeigebracht hat, sondern weil die Kuh sie frisst. Immerhin fast die Hälfte unserer landwirtschaftlichen Fläche. Also die Kuh ist eigentlich da, wo Wiese ist, wo Futter ist. Nicht nur da, wo sie sie jetzt gerade melken oder riechen oder misten.
Das heißt, wir haben einen zweiten Bereich, der ist, man könnte sagen, der lebendige, der Lebensbereich, der Bereich, wo ständig eigentlich Gegenwart entsteht. Die ist da nicht, sondern die entsteht aus diesem Prozess. Vorher habe ich gesagt, ist es etwas, was aus langer Vergangenheit so geworden ist. Hier haben Sie einen Teil, der neu entsteht, jeden Moment. Und eines der entscheidendsten biodynamischen Grundlagen ist, dass man diesen Moment versteht als den Quellpunkt von Bodenfruchtbarkeit.
Die Kuh, die aus dem Zusammenhang frisst, in dem sie lebt, und das innerlich beschaut, innerlich bearbeitet, innerlich verwandelt, innerlich befruchtet. Vor ein paar Wochen ein englischer Forscher, der hat gesagt, was in der Kuh sich vollzieht, ist mikrobiologisch. Das kann man jetzt erst in den letzten Jahren so richtig toll erforschen. Da hat er gesagt, das ist ein Highspeed-Boden. Das, was da drin passiert innerhalb von ein bis zwei Tagen, das braucht draußen im Boden Jahre. Ganz toll, ganz cooler, neuer Blick, den wir eigentlich aus der Biodynamik in einer anderen Sprache kennen, aber nie sozusagen dingfest machen konnten. Was sich in der Kuh vollzieht, ist ein seelisch-physisch lebendiger Akt, der dafür sorgt, dass da Fruchtbarkeit entsteht. Und Steiner bringt diesen Terminus, die Kuh hat die Fähigkeit, eine kosmisch-quantitative Analyse zu machen. Das, was die Kuh eigentlich den ganzen Tag macht, ist eine kosmisch-quantitative Analyse. Und sie analysiert das, was da ist, die Lebensverhältnisse aus diesem Futter, den Bezug, was da eigentlich die Zusammenhänge sind, und sie gibt dem etwas hinzu, was für die Dauerfruchtbarkeit so entscheidend ist.
Beziehung, Verantwortung und der Tod des Tieres 00:25:11
Ich will weitergehen, wir kommen zu einem dritten Bereich, und das ist der Bereich der Beziehung zu den Tieren, Ihrer Beziehung zu den Tieren oder meiner Beziehung zu den Tieren, und zur Gesundheit. Haben Sie eine vernünftige Mensch-Tier-Beziehung, haben Sie eine Beziehung, in der Sie wirklich mit den Tieren verbunden sind, oder sind diese Tiere eigentlich dann doch irgendwie schnaufende Maschinen für Sie? Und wenn Sie eine Beziehung haben, wie sind Sie in dieser Beziehung so präsent, dass Sie mitkriegen, diesem Tier geht es jetzt nicht gut, und es muss was geändert werden.
Und aus dieser Nähe der Beziehung im richtigen Moment, am richtigen Platz, am richtigen Tier, am richtigen Ort, das richtige Tun. Präsenz, hier ist absolute Gegenwart gefragt. Hier ist Drinne-Sein gefragt, hier ist Erfahrung gefragt, hier ist Verbundenheit gefragt.
Und diese präventive Medizin, dieses Drinne-Sein in den Verhältnissen, wirft Sie zurück auf eine riesige Verantwortung. Dieses Tier ist da, weil Sie es wollen, weil Sie verbunden sind mit dieser Herde. Und damit ist sofort die Frage gestellt, wann ist der richtige Zeitpunkt, dass dieses Tier stirbt. Sie können sich nicht nur über die wunderschöne Geburt freuen, des Kalbes, sondern Sie sind verantwortlich für den Tod des Tieres. Das können Sie nicht wegschieben. Da wird es auf einmal ganz schön existenziell.
Und wenn man das ernst nimmt, dann muss man dabei sein, dann will man dabei sein, wenn das Tier getötet wird. Und wenn man das fragwürdig findet, wie ich zum Beispiel in meinen ersten Jahren, und ein Tier nicht töten möchte, und dann merkt, was man ihm da antut, wie das dann eigentlich geht, wie man plötzlich mitbekommt, was dieses Töten, was dieses Beenden dieser Form des Lebens, was das für eine Kulturmaßnahme ist, das geht einem ganz schön an die Nieren, dieses Thema. Ich will das auch gar nicht weiter hier vertiefen. Ich will aber darauf hinweisen, dass das hier dazugehört, an dieser Stelle. Verbundenheit mit der Welt bedeutet, sie zu erschaffen, sie zu verwandeln und auch Tod hinzubringen. Das gehört dazu. Das muss man sich klar machen. Das kann man nicht verschieben auf andere oder ignorieren.
Züchtung: Zukunft entsteht nur in mir 00:28:07
Und dann gibt es einen vierten Bereich, den kann man sagen, der hat nur mit Zukunft zu tun. Wir haben in der Biodynamik lange das eigentlich nicht richtig verstanden. Diese Frage nach der Zukunft heißt bei dem Verwurzeltsein in dieser Herde, in diesem Hof, mit diesen Tieren, die heißt in mir und nur in mir. Nicht im Tier, nicht auf der Wiese, nicht in dem Stall, nirgendwo anders. Nur in mir kann entstehen die zukünftige Kuh.
Züchtung, das gibt es schon 1886, gibt es einen berühmten Züchter Nathusius, der sagt ja, das zukünftige Kalb, das entsteht im Herzen des Züchters. Eine tolle Formulierung. Die heißt, ich habe mit meiner sympathischen, mit meiner zuwendungsintensiven Beziehung die Fähigkeit, das richtige Kalb für den richtigen Bullenvater, für die richtige Herde zu finden. Züchtung ist immer eine Frage von etwas, was nicht da ist. Ich hole Zukunft herein. Keine Kulturpflanze gäbe es ohne diesen Moment. Kein Kulturboden, nichts. Menschen, die sozusagen in sich tragen, die Fähigkeit, wie es werden kann, wie es werden soll, wie es gut wird.
Nie ist das fest und lassen Sie sich bloß nie erklären, Züchtung sei Genetik, nur. Natürlich muss ich Genetik auch verstehen, weil das ein physischer Aspekt dieses Aktes ist. Aber mehr ist es nicht. Das Eigentliche ist geronnene Zuwendung in die Zukunft. Sie müssen total verwurzelt sein mit einer Sache, um darin zu finden, in sich, wo geht das eigentlich hin? Was braucht das jetzt? Es ist auch wiederum gar nicht so schwer. Wenn Sie in einer Herde sind, Sie haben ein bestimmtes Problem und vielleicht haben Sie ein Klauenproblem. Sie haben viele Kühe, die sich immer wieder was reintreten und ein bisschen weiche Klauen haben. Dann müssen Sie einfach gucken, welches sind die Tiere, die am besten damit zurechtkommen. Und dann gucken Sie sich die an und gucken sich ein Jahr an. Dann müssen Sie Aufzeichnungen haben, wie war denn die Mutter und wie war denn die Großmutter. Und dann sind plötzlich nur noch zwei Kühe übrig. Ist auch wieder ganz einfach. In mir entsteht etwas, was eigentlich die Zukunft ist. Züchtung.
Der fünfte Aspekt, das könnte man sagen, ist die spirituelle Orientierung. Oder ist das Motiv, ist die Haltung, ist der innere Drive, mit dem ich verbunden bin. Mit dem ich da drinne bin. Mit dem ich mich da sozusagen verwurzelt habe. Und diese innere Orientierung, da kann uns die Anthroposophie sozusagen auf jeder Seite, in jedem Moment ist ganz viel da. Da haben wir ein riesiges Kapital. Wie können wir eigentlich eine Orientierung haben, die jetzt, um am Beispiel der Kühe zu bleiben, über das hinausgeht, ja ich mache das, um Geld zu verdienen. Das ist heute die Orientierung. Ganz klar. Auch im Biolandbau. Auch bei vielen biodynamischen Kollegen. Das ist die Orientierung. Damit ist es leider dann oft auch erschöpft. Und diese anderen vier Punkte, die muss man halt irgendwie noch machen für die Richtlinie oder wie auch immer. Also welche innere Orientierung, welche innere Motivation habe ich eigentlich?
Die fünf Aspekte rückwärts durchgegangen 00:32:15
Fünf Aspekte, die man sehr gut übertragen kann, eigentlich auch fast alles. Und ich gehe sie jetzt sozusagen noch mal kurz von hinten her durch. Mit welcher inneren Frage, mit welcher inneren Beziehungssuche bin ich unterwegs? Und was habe ich da vor mir? Also das ist diese erste. Was habe ich da vor mir? Was ist das eigentlich? Was ist diese Kühe? Was sind die eigentlich? Ah, die sind eigentlich diese ganze Landschaft. Die sind eigentlich die Quelle der Fruchtbarkeit für diesen ganzen Hof. Die Möhre, die da aus dem Betrieb rausgeht, die ist eigentlich nur denkbar. Die kann eigentlich nur sein, weil da die Kühe sind. In der Möhre ist die Kuh. Auf einmal ist die Kuh ziemlich groß.
Also wie sind die physischen Verhältnisse wirklich? Wir täuschen uns da oft. Wie viel atmen wir jetzt ein von der Uroma? Die ist auch irgendwie in unserer Atmosphäre und so weiter. Das ist gar nicht so ganz easy. Wir denken immer so puff, puff, puff, das wär's. Nein, nein, wir sind sehr viel tiefer verbunden mit allem Möglichen, als wir so glauben.
Und diese Seite hier, diese Lebensfrage oder diese Lebenswelt, bin ich eigentlich da dran? Dieser Bereich, in dem ich da bin oder auf was ich mich da einlasse, woraus speist sich das? Was ist da eigentlich die Kraft? Wo kommt es eigentlich her?
Und dann diese dritte Ebene, wie stehe ich eigentlich selber dazu? Wie habe ich eigentlich in meinem Drinnensein, da erlebt man so tolle Sachen. Ich muss noch eine kurze Geschichte dazu erzählen. Ich gehe abends, das war gar nicht bei uns, das war auf einem anderen Hof, gehe ich so nochmal eine kleine Runde und sehe einen älteren Mitarbeiter im Schweinestall. Und ich dachte nachher, vielleicht ferkelt da eine Sau oder sowas. Was macht der um zehn, halb elf da im Schweinestall? Und der geht da so durch mit der Gabel und macht so ganz paar Handgriffe. Und eigentlich macht er dann das Licht aus und geht. Und am nächsten Tag habe ich ihn gefragt, was hast du denn da eigentlich gemacht? Ja, ich mache das immer so. Und dann kam eigentlich nichts. Er selber hat eigentlich nichts gemacht, aber es war ihm ganz wichtig.
Und ein anderer hat mir dann mal in der Schweiz gesagt, ich muss nochmal in Kuhstall meinen Kühen Gute Nacht sagen. Er macht auch eigentlich nichts und macht was ganz wesentliches. Geht in eine Verbindung. Ist wirklich da. Und das ist dann so ein bisschen durchtanzen mit der Gabel, das Stroh nochmal zurechtschieben oder so, dass es die schön liegen. Und eigentlich ist es, er nimmt es nochmal und jetzt kann er raus.
Also diese Beziehung, die schafft Gesundheit. Die ist sozusagen die eigentliche Quelle von Gesundheit. Dass ich dann irgendwie auch ein homöopathisches Mittel brauche oder dass ich irgendeine Salbe brauche oder dass ich auch einen Antibiotika brauche. Das ist alles die Folge dann. Erst ist es eine Beziehung, dann ist es gut.
Und die letzte Ebene, die uns ganz schwer fällt und die man glaube ich durch die Landwirtschaft wirklich ein bisschen verstehen kann, haben wir einen Blick auf das, was in Zukunft nötig sein wird. Haben wir eine Rote Bete, die wir im Februar ernten können. Warum sage ich so einen Quatsch? Man erntet doch Rote Bete im Herbst und Möhren und sowas. Nein, in 20 Jahren wird es im Winter Wachstum geben und im Sommer wird drei Monate lang ziemlich tot sein. Wir dürfen nicht klagen, wir müssen das sehen, so ist es. Und wir müssen damit arbeiten. Sind wir da dran? Sind wir an so einer Roten Bete oder an einer Möhre oder an einem Kürbis, die das können? Das sind doch diese Fragen. Das braucht 20 Jahre, bis man was hat. Aber man kann darauf zugehen. Man muss einen Sinn dafür haben, wo geht es hin? Was braucht man eigentlich? Aus welcher Zukunft muss man eigentlich arbeiten?
Das Schicksal und die rätselhafte Überkreuzung 00:37:01
Dieser nächste Teil, wo ich diesen schwierigen Begriff des Schicksals bringen möchte oder daran anknüpfe oder damit arbeiten möchte, das ist für mich überhaupt nicht so einfach, wie über Kühe zu sprechen. Das möchte ich nur vorausschicken. Bitte verzeihen Sie mir, wenn das ein bisschen stammelig ist.
Verwurzeln bedeutet, das habe ich versucht klarzumachen, auch mit sich selber, in sich selber, mit seiner eigenen Geistigkeit sich zu verwurzeln. Ich nehme jetzt eine Quelle, die werde ich nachher auch benennen. Das bedeutet, ich mache mir Gedanken. Ich bin in einer geistigen Arbeit, ich bin in einer denkerischen Arbeit, ich bin in einer begrifflichen Arbeit über die Welt. Die Welt gibt mir Veranlassung, innerlich geistig tätig zu werden. Die Welt ermöglicht mir, mit ihrem So-Sein innerlich sie zu bearbeiten, danach zu fragen, was ist da die Quelle, was ist da die falsche Verbindung, was ist und so weiter. Ich bin innerlich gedanklich tätig aufgrund der Situation der Welt. Das kennt jeder.
Und jetzt kann man einen Schritt weiter gehen und kann merken, dass in diesem Tätigsein ja ich es bin, der denkt. Und der andere das anders macht. Und ich in diesem Denken selber drinnen bin. Dass das sogar meins ist, vielleicht mein innerster Kern. Und dabei plötzlich eigentlich die Welt sehr uninteressant wird. Kommt mal mit. Kennt man das Erlebnis ein bisschen? Ich bin so in einem begrifflichen, so in einem inneren Erfahren eines aus der Welt mich provozierenden, mich anregenden Gedankenzusammenhangs, dass ich immer mehr zu dem komme, was steht da eigentlich hinter, wo kommt das eigentlich her, mit was ist das eigentlich verbunden und so weiter. Und plötzlich kommt dieser Moment, ja, ich denke ja darüber so. Und jetzt merke ich, darin bin ich. Ich bin jetzt das. In meinem Denken bin ich zwar von der Welt sozusagen provoziert oder angeregt oder ermöglicht, aber ich finde mich in meiner Denktätigkeit.
Und das Gegenstück, ich sage mal kurz die Quelle, das ist ein wunderbarer Leitsatzbrief. Rudolf Steiner, die Leitsatzbriefe. Etwas vom Geist, Verstehen und Schicksalserleben. Das können wir als Text vielleicht dann auch im Film zeigen, dass man das finden kann. Das ist mir sehr wichtig, das kann man wirklich lesen, das ist nicht schwer. Man muss vielleicht zwei-, dreimal lesen und man braucht auch erstmal nur die erste Hälfte. Einfach sowas mal lesen.
Ich erlebe mich, etwas von mir, obwohl ich gestartet bin an der Welt. Und das Gegenstück ist, ich versuche in mich, mich zu versenken und merke, dass ich ja der bin, der die Welt, die Welt hat mich so gemacht. Mein Schicksal ist, dass ich jetzt hier bin und dass ich bestimmte Eltern hatte und, und, und, und. Ich verdanke der Welt mein So-Sein. Also indem ich mich in mich selbst versenke, merke ich, ich bin eigentlich mit der Welt durch einen Schicksalsverlauf verbunden.
Kann man das denken? Ist doch cool, oder? Dass sich das so kreuzt. Indem ich mich der Welt zuwende, kann ich merken, ich bin da drin. Ich denke das so. Das ist eigentlich mein Erlebnis von mir selbst. Und indem ich auf der anderen Seite mich sozusagen versuche, in einem meditativen Innenweg mit mir selbst zu verbinden, merke ich ja, ich bin eben so. Mein So-Sein hat, da hat die Welt mich, hat da einen Anteil dran, ist da wirksam gewesen. Nicht nur, gar nicht, das will ich gar nicht sagen, vielleicht auch gar nicht hauptsächlich, aber ich werde hingeführt auf die Welt.
Und diese rätselhafte Überkreuzung, die zeichnet Verwurzelung aus. Jetzt bin ich angekommen. Jetzt bin ich in diesem unglaublichen Kreuz. Ich wende mich zu mir und merke eigentlich, dass ich ein Schicksal habe, an dem die Welt beteiligt war. Und ich wende mich zur Welt und merke eigentlich, ich bin es, der so denkt.
Und wenn einem das gelingen kann, dann merkt man auf einmal, es ist ein riesiges Geschenk, es ist ein unglaubliches Vermögen, dass ich hier jetzt so sein darf. Jeden Moment. Dass ich an diesem Ort tätig sein darf. Dass ich an diesem Ort empfindend, freudevoll, humorvoll mit anderen Menschen arbeiten kann. Dass ich an diesem Ort in diesem Moment jetzt diese innere Rückzugsbewegung haben darf. Dass ich mich besinnen kann. In diesem Sinne, wie ich es da formuliert habe.
Das heißt, die Frage der Verwurzelung ist die Frage, habe ich wirklich Lust, habe ich wirklich das so erkannt, dass in dem Gebundensein, in dem ich mich binde, in dem ich sage, hier, jetzt, so, entsteht etwas völlig Neues, wovor ich vorher gar keine Ahnung habe. Ich sage es nochmal mit anderen Worten. Indem ich herausgehe aus dem überall und gleichzeitig nirgends, in das ich bin es und die Welt ist durch mich, entsteht eine Bindung, meine Töchter haben mal gesagt, als ich in den Hof reingefahren bin, jetzt sind wir wieder zu Hause, waren die noch kleine Kinder, die haben gesagt, ja, der Papa, der gehört ja diesem Hof. Das beschreibt das eigentlich ganz gut. Die Kinder, die können ja Sachen ganz kurz und knapp ausdrücken. Der ist da drinnen, der hat sich irgendwie entschlossen, das zu sein.
Ich meine das jetzt gar nicht angeberisch oder irgendwie egomäßig, überhaupt nicht, sondern indem ich ganz da drinnen bin, habe ich etwas, was mich eigentlich zum Mensch macht. Was mir nochmal ganz neue Freiheitsgrade ermöglicht, was man ja gar nicht denken würde. Man würde ja immer denken, man ist gebunden. Das ist vielleicht jetzt ein bisschen schnell gewesen, oder? Ging das so, konnte man das verstehen? Also, ich versuche es nochmal mehr von außen zu formulieren, indem ich den Entschluss fasse, jetzt, hier, so, das, entsteht etwas in mir, was eine völlig neue Kraft, ein völlig neues Terrain, ein inneres Leben freisetzt, was ich vorher nicht habe, was nicht da ist. Weil aus dem Verbundensein diese Öffnung entsteht. Aus der Öffnung entsteht keine Verbundenheit von selber. In dem Überallsein bin ich nicht verbunden. In dem Verbundensein kann ich auch einen Gesichtspunkt nach überall haben.
Ist jetzt vielleicht ein bisschen besser. Ich weiß, es ist eine Provokation. Und ich will die auch echt extra hier sagen, und ich glaube auch, dass es eine sehr wichtige Sache ist, weil wir heute in einer Zeit leben, wo das eine ganz große Schwierigkeit ist, diesen Schritt zu machen, weil man ihn nur aus Freiheit machen kann. Sonst ist er keiner. Wenn ich durch die äußeren Bedingungen gezwungen bin, jetzt hier da zu sein und das zu machen, dann ist es nicht das, was ich meine, sondern es kommt darauf an, dass ich selber diesen Schritt mache. Aber ich muss ihn machen. Und es gibt natürlich Situationen, wo man das auch wieder abbrechen muss und wo es irgendwie anders weitergeht, und das ist überhaupt nicht dogmatisch gemeint. Aber es ist so gemeint, dass ich deutlich machen will, ich kann aus meiner ganz eigenen Biografie ganz deutlich sagen, indem ich mich verbunden habe mit Haut und Haar, mit allem, ist mir etwas zugewachsen, was ich sonst nie gehabt hätte, was sonst völlig, wovon ich gar keine Ahnung hatte.
Anrufung - geht rein, verbindet euch! 00:47:40
Und damit möchte ich zum letzten Teil übergehen. Ich möchte eigentlich Ihnen und euch zurufen, geht rein, verbindet euch, redet mit den Kindern über die imaginären Krokodile, die ihr füttern müsst, mit Gummibärchen, jeden Tag immer wieder. Es ist wunderbar, wenn diese kleinen Kinder kommen und sagen, ja, hattest du heute Fütterungsdienst? Die Krokodile gibt es nicht, die Gummibärchen hat es nie gegeben, aber es ist eine wunderbare Welt.
Geht rein zu den Kranken. Und wenn ihr sie pflegt, wenn ihr ihnen zusprecht, wenn ihr verkörpert, ich bin hier, jetzt, diese Stunden, ich bin da, die größte Medizin, die es gibt. Ich habe gerade durch meine Töchter die Situation in einer neuesten Untersuchung der Psychiatrie, der wirklich schwersten psychiatrischen Erkrankung, was hilft Ihnen am allermeisten? Die Verlässlichkeit, dass dieser Mensch immer wieder da ist. Fünf Minuten, dieser Arzt. Nicht die Medikamente, nicht dies oder das oder jenes, sondern dass der da ist und dass der so ist, wie er ist. Und da gibt es so tolle Leute, so tolle Leute, die das einfach machen, einfach diese Gegenwärtigkeit der Zuwendung.
Und über die Landwirtschaft habe ich ja schon gesprochen. Sind Sie in der Lage, dieses Paket zu schultern? Das ist ein ziemlich heftiges Paket, weil man ist nie gut. Man hat immer das Gefühl, es könnte besser gehen. Ich könnte es besser machen. Es ist immer wirtschaftlich ganz schwierig und so weiter. Und trotzdem kann der Moment eintreten, wo Sie sehen, irgendwie geht das so. Irgendwie, warum es eigentlich jetzt geht, warum wir es irgendwie geschafft haben, warum es fertig geworden ist, warum sind eigentlich diese Leute und diese Leute noch zu der Ernte dazugekommen? Wo kamen die eigentlich plötzlich her? Warum war plötzlich doch genug Geld da, diesen Bau zu machen und so weiter? Typische Situation in der Landwirtschaft, wenn Sie verbunden sind, wenn Sie nur das so planen von außen und sagen, ja, das rentiert sich noch nicht, das können wir nicht investieren, das wird nichts. Das ist sowieso die ganze Landwirtschaft nicht so. Kann man eigentlich gar nicht so machen. Da wird besser aufhören, gar nicht erst anfangen.
Also kann ich so verbunden sein, dass ich in mir das andere bin. Jetzt bin ich noch mal ein Stückchen weiter gegangen. In mir lebt das, was da draußen ist. Dann bin ich wirklich verbunden.
Herzlichen Dank, so weit wollte ich kommen und ich würde gerne enden mit diesem wunderbaren Spruch, den ich häufig zum Schluss spreche, wie der Goethe das eigentlich formuliert, in einem einzigen Satz. Und das habe ich dem Peter Guttenhöfer zu verdanken. Ich war mal sein Schüler und dieses Gedicht begleitet mich bis heute und ich möchte es zum Schluss sprechen. Ein Satz, ein Tag und eine ganze Welt.
Früh, wenn Tal, Gebirge und Garten Nebelschleier sich enthüllen und dem Sehnlichsten erwarten Blumenkelche bunt sich füllen, wenn der Äther wolkentragend mit dem klaren Tage streitet und ein Ostwind sie verjagend blaue Sonnenbahn bereitet, dankst du dann, am Blick dich weidend, reiner Brust der großen Holden, wird die Sonne rötlich scheinend rings den Horizont vergolden.




