Friedliches Vermitteln zwischen sozialen Gegensätzen - ein Vortragsworkshop mit Wolfgang Peter, 2026

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Am 21. Februar 2026 hielt Wolfgang im Rahmen der Anthroposophischen Tagung (jährlich) einen Vortrag zum Thema "Friedliches Vermitteln zwischen sozialen Gegensätzen" und im Anschluss als Workshop zum Mitmachen Übungen aus der Sprachgestaltung.

Dr. Wolfgang Peter am 21. Februar 2026 auf der Anthroposophischen Tagung in Wien. Hier klicken um zum Video zu gelangen

Transkription des Vortrages vom 21. Februar 2026

Stand 21. Feb 2026 +++ Dies ist ein Rohtext. Er muss noch von Hand überarbeitet werden. Möchtest du MitTun? +++

Brücken bauen: Vom Gewordenen zum Künftigen 00:00:12

Ja, es geht weiter mit dem Brückenbauen. Und zwar wollen wir Brücken bauen vom Gewordenen zum Künftigen. Und wir werden dann am Ende, gegen Ende oder vielleicht diesmal sogar ein bisschen früher, weil ich viel Material hier habe, Sprachgestaltung machen. Arbeiten mit der Sprache. Und es wird sich zeigen, dass die Arbeit mit der Sprache eine der Brücken sein kann, die uns vor allem natürlich von Mensch zu Mensch führt, die uns aber auch führt zu einem tieferen Verständnis von uns selbst, wenn man bewusst zuschauen kann, sich selbst dabei. Das wird eine Aufgabe sein.

Also Brücken vom Gewordenen zum Künftigen. Das Gewordene, wenn ich es jetzt in seiner strengsten Form nehme, dann sage ich, es ist das Abgestorbene. Das sage ich jetzt ganz bewusst einmal so. Das, was fest geworden ist, was sich nicht mehr verändert, nicht mehr in Bewegung ist. Also das Mineral zum Beispiel, das wir hatten. Die Erde war, bevor sie Mineral geworden ist, bevor sie mineralisch geworden ist, durchaus in einem sehr lebendigen Zustand als Gesamtorganismus, als gesamte Erde. Also als etwas sehr Bewegliches, etwas Fließendes noch. Nicht so wie dünnes Wasser, zähflüssiger vielleicht, aber doch etwas beständig Fließendes, bis eigentlich erst dann die Zeit kommt, wo es zu kristallisieren beginnt, sich zu verhärten beginnt. Wo sich dann die Gesteinsschichten bilden.

Bis heute ist noch in der Tiefe etwas zu merken von dieser Lebendigkeit. Alle Kontinente schwimmen, nicht auf dem Wasser, aber auf dem zähflüssigen Untergrund. Und das heißt, das Antlitz der Erde, wenn man halt jetzt mehr Zeit hat als wir Menschen, wenn man ein bisschen Jahrtausende, Jahrhunderte überschauen kann, dann sieht man, dass die Kontinente in ihren Konstellationen sich verschieben gegeneinander, dass sie sich auch verformen mit der Zeit, dass also da beständige Änderungen drinnen sind. Aber trotzdem, die Erde ist auch immer mehr auf einem Zustand, der immer mehr hingeht Richtung Erstarrung. Der ist noch lange nicht zu Ende, dieser Prozess der Erstarrung. Also es hat begonnen als etwas ganz Lebendigem heraus, ist aber dann auf den Weg gekommen, immer mehr zu erstarren und das geht noch weiter.

Platon, Aristoteles und das intellektuelle Denken 00:02:45

Und das prägt unsere Zeit auch sehr stark, obwohl wir so innovativ sind auf der einen Seite. Auf der anderen Seite sind wir, habe ich so den Eindruck, heute auch was die Bildung betrifft, alle sehr stark erstarrt im reinen Intellekt. Das war etwas, was eine großartige Erfindung war, das logische Denken, das ableitende Denken. Eine Erfindung der griechisch-lateinischen Kultur, etwas ganz Starkes, etwas wo Aristoteles natürlich Meilensteine gelegt hat. Der Übergang deutlich von Platon zu Aristoteles, obwohl sie eigentlich beide ziemlich die gleiche Anschauung haben, aber sie gehen ganz anders damit um. Platon schaut die Ideen noch, die Ideenwelt. Das Wort Idee, Ideen kommt von idein, sehen, etwas sehen, etwas geistig sehen, nicht das Äußerliche nur. Oder im Äußeren das Geistige sehen, auch das drinnen.

Und für Aristoteles ist dieses Erlebnis eigentlich ziemlich weg, er sieht das nicht mehr, dieses Übersinnliche, das das Sinnliche gestaltet, er sieht es viel weniger, versteht aber noch, was Platon sagt, war ja auch Schüler Platons unter anderem. Aber es geht dann in die Logik hinein und die Blüte dieser Logik, die Anwendung haben wir heute in den Naturwissenschaften, in der Technik, in allen Themen. Also Technik ist auch etwas sehr Interessantes, was mit der Menschheitsentwicklung von Anfang an im Grunde zusammenhängt, weil der erste Faustkeil, den man sich zuspitzt, ist der Beginn der Technik im Grunde. Dort fängt es an, oder das als Feuerstein dann zu verwenden, oder dann noch raffiniertere Methoden sich zu entwickeln, Feuer zu erzeugen, das einem nicht von der Natur geschenkt wird. Das ist etwas, was im Großen und Ganzen über das Tierreich hinausgeht. Sicher, Sie werden sagen, vielleicht die Biber bauen auch Dämme, aber sie bauen Dämme und wissen nicht wieso, warum und so, sie können es einfach. Der Mensch konnte von Anfang an im Grunde fast nichts. Er ist eigentlich von den ganzen Lebewesen in der Natur draußen so ziemlich der Untalentierteste. Er muss lernen. Er muss lernen und er muss lernen, auch mit der Zeit bewusster zu lernen.

Der Entwicklungsgang der Menschheit ist auch ein solcher, wo das Bewusstsein immer stärker wächst in gewisser Weise, aber es verändert sich sehr stark. Wenn man die Schilderungen von Rudolf Steiner nimmt, und die sind durchaus nachvollziehbar, denke ich, dann hat die Menschheit am Anfang die Natur, die Welt ganz anders erlebt als wir. Wir erleben uns heute als Mensch. Ich stehe hier, Sie sitzen da vorne, die Wand, das ist alles mir gegenüber. Sie sind eigentlich zunächst einmal Gegenstände für mich, im Erlebnis. Wenn Statuen dort sitzen, dann sind sie starr, sie bewegen sich wenigstens, aber zumindest heute haben wir den Gipfelpunkt, dass wir eine Naturwissenschaft haben, die im Grunde alles als Gegenstand auffasst, auch den Menschen. Er ist eine biologische, biodynamische Maschine, aber Leben beruht auf physikalischen, physischen Prozessen, ist die Anschauung, die man heute hat. Also genau dass dieselben Kräfte, die im Toten, im Mineralischen, im Stein arbeiten, arbeiten nach dieser Anschauung auch im Menschen. Es gibt viele Prozesse, die in diese Richtung gehen. Das ist unverkennbar. Die Frage ist nur, erklärt uns das den Menschen oder nicht?

Die Erstarrung des Lebens und das gläserne Meer 00:06:47

Und wenn man, sage ich mal, die Erdentwicklung anschaut, ist eines eben auffällig, dass sie auch am Anfang jedenfalls etwas sehr, ja, ich würde durchaus sagen, Lebendiges ist, in gewisser Weise sogar etwas Durchgeistigtes, ist Beseeltes irgendwo. Das ist sehr schwer zu bemerken. Äußerlich merkt man zumindest noch, dass sie in der Vergangenheit viel, viel erregsamer, viel bildsamer war und dass sie auf einem viele Milliarden jahrelangen Weg der Erstarrung begriffen ist. Und wir sind heute mit unserem Denken in diese Erstarrung stark hineingekommen, weil das, was Aristoteles oder Platon noch erlebt haben als das Denken, da war es noch ein erlebtes Denken, auch durchaus beim Aristoteles, ein erlebtes Denken ist etwas anderes als dieses Denken, das wir heute haben. Das ist ein totes Denken.

Und darum sehen wir eigentlich auch dort, wo wir das Leben beschreiben wollen, nur das Tote. Und wir sehen es auch in all den Dingen, ja, bis in das politische Leben hinein, die Gesetzgebung, alles feste Regeln, feste Regeln überall. Wir brauchen es heute. Ja, keine Frage, wir können das von heute auf morgen gar nicht abschaffen, aber wir sind immer mehr gefangen in einem Korsett drinnen, das uns die Bewegungsfähigkeit nimmt. Und überhaupt Wahrheit, ja, es kann ja doch nur eine Wahrheit geben. Und wenn wer etwas anderes behauptet, einer von ihnen muss Unrecht haben, ist aber gar nicht wahr. Das Leben zeigt uns, dass die Wahrheit des Lebens sich in unerschöpflich vielen Formen gestalten kann.

Und das beruht darauf, dass sie gerade nicht angetrieben wird durch die kleinsten Teile des lebendigen Wesens, durch die Zellen oder durch die Gene oder was da drinnen ist, sondern dass es eigentlich gerade umgekehrt ist. Das Urlebendige ist die Erde. Und aus diesem Urlebendigen hat sich langsam etwas herausgebildet an Einzelwesen. Nur ein erstes eben zum Beispiel, wenn die Erhärtung beginnt, Kristalle, die sich bilden. Kristalle entstehen alle aus einem sehr lebendigen Prozess. Wenn sie im Entstehen sind, heute noch. Kein Quarzmineral oder was ich finde, das so fix und fertig vom Himmel gefallen wäre oder aus der Erde aufgetaucht wäre, sondern es wurde gebildet in einem lebendigen Prozess. Sie kennen das wahrscheinlich, wenn man Eisblumen hat. Heute erlebt man das kaum mehr, weil wir haben alle toll isolierte Scheiben. Da kommt die Kälte nicht mehr so stark herein, dass sich wirklich die Feuchtigkeit der Luft niederschlägt am Fenster und dann diese Eiskristalle bildet und die wie Pflanzenformen aussehen, interessanterweise. Also das heißt, Formen, wie man sie im Lebendigen des Pflanzenwesens auch findet. Und das passiert in der Natur aber überall. Überall, wo sich Kristalle bilden, kommen sie aus einem solchen lebendigen Wachstumsprozess heraus. Deswegen sind trotzdem Kristalle keine Lebewesen, aber sie entstehen aus dem Gesamtleben der Erde heraus.

Sie entstehen nicht einfach aus irgendwas Festem heraus, sondern sie entstehen aus etwas Fließendem, Aufgelöstem, wenn man so will, dass das dann langsam sich bildet zu einer Erstarrung und dann aber bei den Kristallen es nicht so weit bringt in diese lebendig schwungvollen Formen, bei denen bleibt es nicht, sondern es bildet sich dann eine geometrische Form, eine streng geometrische Form. Also jeder Kristall mit seinem eigenen Kristallsystem, das er drinnen hat, mit seinen eigenen Variationen. Also der Kristall schafft es nicht, diesen Lebensprozess, der in der ganzen Erde, ja sogar in unserem ganzen Sonnensystem, wenn man so will, oder sogar noch weiter könnte man gehen, weil auch das ganze Sonnensystem hat sich gebildet aus einem lebendigen Prozess. Das sind nicht einfach nur physikalische Prozesse, wo tote Dinge sich irgendwie bewegen, sondern da ist Gestaltung drinnen. Die Sonne und die Planeten, das war mal eines. Es war eines. Und es ist ein gewaltiger Prozess gewesen, bis die Sonne dann wirklich so zu leuchten beginnt, wie sie heute leuchtet. Das war nicht sofort, sondern das ist alles ein Prozess, der erst beginnt. Das ist im Prinzip eine luftartige Substanz, eine gasförmige Substanz, aus der sich das alles gebildet hat, die aber in lebendiger Bewegung ist. Und aus dem bildet sich langsam das Planetensystem heraus, unter dem Einfluss wieder des eigentlich lebendigen Kosmos, der dahinter steckt.

Also auch nicht als etwas Isoliertes, sondern etwas, was eingebettet ist in viele, viele andere Sternensysteme, könnte man sagen. Das alles gehört dazu. Wären die Sternensysteme nicht da, oder wären sie anders, hätte sich die Erde oder unser Sonnensystem auch nicht bilden können. Also da ist ein gewaltiger Bewegungsprozess, ein Lebensprozess drinnen, aber es dauert, dauert, ganz lange bis auf der Erde es dann beginnt, dass dieses Leben im ganzen Kosmos sich hineinbegibt, in das Stoffliche und wo jetzt dieser Kristall nicht nur erstarrt, sondern wo das Ganze in Bewegung bleibt, Formen bildet, Formen, Metamorphosen von Formen bildet, die jetzt angetrieben sind durch das Leben der Erde im Grunde. Das Leben der Erde ist das Erste, und aus dem bilden sich die Pflanzen als nächstes. Und die Kristalle sind etwas, was als Verhärtung aus dem Prozess herausfällt. Das wird sogar in der Bibel geschildert, es wird gesprochen, in der Apokalypse des Johannes ist das ganz deutlich, vom gläsernen Meer wird gesprochen, das gläserne Meer. Ein wunderbarer Ausdruck, der zeigt, dass mit dem Gläsernen sind eigentlich die Kristalle gemeint, aber sie sind aus etwas wie wässrig-beweglichem, wie fließend-beweglichem heraus ursprünglich entstanden. Also aus einem Lebensprozess heraus.

Der Ursprung des Lebens und die Illusion künstlicher Intelligenz 00:13:45

Und die nächste Frage ist, wenn wir jetzt da schon eine gewisse Umkehrung haben zu dem, wie es die Naturwissenschaft heute ist. Weil heute für die Naturwissenschaft entsteht alles aus dem Toten. Das heißt, tote Stoffe, die sich bewegen, zufällig bewegen, und irgendwann bleibt halt etwas über, was eine höhere Funktion erhält, und dann wird es lebendig. So denkt man es sich, so entstehen die ersten Zellen. Und da hätte das Leben begonnen. Das ist ja die große Frage in den Naturwissenschaften. Ja, wie ist es gekommen, dass dann das erste Leben entstanden ist, und dass es nicht nur Steine gab? (Zuschauer niest) Gesundheit. Der Punkt ist, es ist umgekehrt. Es ist genau umgekehrt. Das Tote entsteht aus dem Lebendigen. Ist eigentlich ganz natürlich. Das erleben wir immer wieder. Das Leben stirbt, und dass es dann langsam zum Toten Mineralischen zerfällt. Also eigentlich in dem Moment, wo es vom Leben verlassen wird, das haben wir ja heute schon gehört, dann beginnt es an zu zerfallen, und die restliche lebendige Natur stürzt sich darauf und versucht, das als Nahrungsquelle oder als was immer aufzusaugen, also wieder in den ganzen Lebenskreislauf in Wahrheit auf andere Formen hineinzuführen. Also wenn etwas stirbt, stirbt zwar dieses eine Lebewesen, aber nicht das Leben der Erde als Ganzes, sondern es geht gerade auch wieder über in die Erde.

Aber wenn man jetzt den umgekehrten Prozess denkt, das Mineralische ist entstanden aus dem Lebendigen. Die Frage ist, jetzt könnte man sich stellen, wo kommt dann das Lebendige her? Wo kommt das Lebendige her? Was wäre die nächsthöhere Stufe? Naja, in der Natur, das haben wir ja gesehen, was über der Pflanze steht, ist das Tier. Das Tier, das sich bewegen kann, das auch eine Empfindung in sich trägt, die die Pflanze in dieser Art nicht hat, obwohl ja oft geschildert wird, ja Pflanzen haben auch eine Empfindung, und wenn man ihnen schöne Musik vorspielt, also Mozart zum Beispiel, das mögen sie und dann wachsen sie gerne, dann heißt es aber nicht unbedingt, dass die Pflanze das empfindet, so wie wir, seelisch empfindet. Das heißt, verinnerlicht ist es, sie lebt es aus, indem sie wunderbar gedeiht. Tatsächlich, und auf Pflanzen wirkt es sehr wohl, auch wenn man sich liebevoll mit ihnen beschäftigt. Wenn man sie irgendwo stehen lässt, auch wenn ich sie gießen tue es eh jeden Tag, aber eigentlich ist es mir egal. Nein, es hat gerade alles, was mit den Lebensprozessen zu tun hat, hat sehr viel zu tun damit, dass Menschen seelische Zuwendung dem geben, oder in gewisser Weise auch, aber nicht jetzt so bewusst wie beim Menschen, auch Tiere. Tiere und Pflanzen haben ja eine ganz enge Beziehung im Grunde.

Das ist doch ein wunderbares Bild, also der große Sprung von den ersten Farnen in der Natur, wenn man jetzt ein bisschen größeres was zu wuchern anfängt, es gab ja zunächst keine Blütenpflanzen, keine Spur noch, sondern natürlich die Schachtelhalme und solche Dinge und Farne in Hülle und Fülle, die es in ein bisschen abgeänderter Form natürlich aber heute noch gibt, aber einfache Pflanzen, noch keine Sträucher, noch keine Bäume, vor allem keine Blütenpflanzen. Die Blütenpflanzen sind ganz was Interessantes, weil dort dieser Bildeprozess der Pflanzen, so wie es auch Goethe schildert in seiner Metamorphose der Pflanzen, wo sich der Spross bildet, der der Sonne folgt im Grunde, also der Quelle des Wachstums, wo man schon wieder sehr deutlich sieht, aha, ja die Sonnenkraft, die hat auch was mit der Lebenskraft der Erde zu tun. Wäre die Sonne nicht da, wäre sehr schnell das Leben weg auf der Erde. Sehr sehr schnell wäre es weg, also noch viel schneller, als dass die Erde vereisen würde und so, noch längst bevor die ganz vereist ist, wäre das Leben weg, wenn die Sonne erlöschen würde. Tut sie Gott sei Dank nicht so schnell, da können wir zumindest noch nicht so eingreifen, dass wir die auch kaputt machen. Wir beschäftigen uns im Moment ein bisschen damit, die Erde kaputt zu machen, ja vielleicht um daran zu lernen, dass es so nicht geht und dass wir sogar das Leben der Erde fördern könnten, dass wir sogar mehr Leben erzeugen könnten, wenn wir uns beseelter, bewusster, geistiger zur Natur zuwenden, als sie nur als toten Klotz zu verstehen.

Und im Grunde macht das die Naturwissenschaft. Ich will jetzt gar nicht schimpfen über die Naturwissenschaft, ich bin selber Naturwissenschaftler, nur es ist ein Denken, das langsam ans Ende kommt. Der Zweck dieses Denkens ist eigentlich, manifestiert sich heute in den ganzen Maschinen, die wir haben, in den Geräten, das ist alles, das funktioniert wirklich zunächst einmal ganz aus dem Toten heraus. Das ist etwas Abgestorbenes. Da wirken noch gewisse Prozesse nach, vielleicht aus dem Lebendigen, aber es lebt nichts mehr in den Maschinen drinnen. Also auch wenn man heute die Robotik hatte, man ist ja schon fantastisch, was die alles können, Purzelbäume, Fußballspieler können spielen, alles. Es geht wunderbar. Also die Chinesen sind da führend, das sind sogar die Amerikaner weit hinten nach. Die sind vielleicht noch ein bisschen voraus mit der künstlichen Intelligenz, aber was ist wieder künstliche Intelligenz? Abgestorbene Intelligenz. Denken, das einmal Menschen gedacht haben. Und das können sie erfassen, das können sie praktisch in seiner Gesamtheit überschauen. Alles, was irgendwo niedergeschrieben und dann elektronisch gespeichert wurde, auf das haben diese Programme, diese künstliche Intelligenz Zugriff und kann mit dem jonglieren. Es kann aber nicht wirklich kreativ sein, es ist nur scheinkreativ. Es gibt ja ganz tolle Sachen. Man kann sagen, ich will jetzt ein Bild im Stil von Rembrandt. Mach mir sowas, ein neues Motiv. Und daneben nimm einen begabten Maler, dem man auch sagt, male jetzt etwas im Stil von Rembrandt. Wenn man wach genug ist, wird man den Unterschied merken. Man wird merken, ja die künstliche Intelligenz, ja das schaut schon irgendwie wie Rembrandt aus, aber es ist tot. Es ist tot, wenn man es anschaut. Das werden viele heute nicht mehr empfinden, weil sie nicht so ein feines Empfindungsvermögen haben. Aber es sind gewaltige Unterschiede. Das sind im Übrigen auch die großen Unterschiede zwischen den Kunstwerken, die es gibt. Da gibt es Durchschnittliche, da gibt es Miese. Ich meine, ja, Anerkennung, das wer überhaupt macht einmal, aber es ist halt nicht so viel kreative, schöpferische, gestaltende Kraft drinnen. Und so ist es auch bei der künstlichen Intelligenz. Sie hat keine kreativ schaffende Kraft, sondern sie kann eigentlich nur das, was schon da war in Variationen, in hunderttausenden Variationen neu arrangieren. Aber deswegen ist es noch nichts Neues, weil es nichts Ganzes ist, nicht aus dem Ganzen erlebt worden ist, wo keine Idee dahintersteckt.

Publikumsfrage: Gedankenlesen und Gehirn-Computer-Schnittstellen 00:21:31

Zuschauer: Ich habe eine Frage. Bitte. Für die künstliche Intelligenz oder die Roboter, ein zukunftsauf Gedankenlesen, was Menschen denken?

Ja, das ist eine sehr interessante Frage. So wie es jetzt ist, im Moment nicht, aber man macht sich Gedanken über das Gedankenlesen. Nämlich auf technischem Wege. Weil man sagt, ja, und da gibt es ja eigentlich, es gibt schon Möglichkeiten dazu, die sind noch etwas schwer zu handhaben. Aber man hat das entwickelt, um Patienten zu überwachen, die in ein tiefes Koma verfallen sind. Sogenannte Locked-In-Patienten nennt man die. Die nämlich das Spezielle haben. Sie sind äußerlich gesehen in einem tiefen Koma. Alle Körperwerte, die man messen kann, zeigen das. Und trotzdem ist er wach. Er hat aber nicht die Augen offen, ein schrecklicher Zustand eigentlich. In einem gefangen zu sein, im Körper gefangen zu sein, eigentlich natürlich nicht wissen, wo man ist, weil die Sinnesorgane kann er nicht benutzen. Er kann nicht einmal einen Finger rühren oder einen Wimpernschlag machen. Aber er ist wach. Und es gab erfolgreiche Versuche mit diesen großen Scannern, PET-Scanner oder dergleichen, die man auch für andere Untersuchungen verwendet, wo man Gehirnscans machen kann. Kann man verfolgen die Gehirnaktivität und dann hat man den Menschen Fragen gestellt und antwortet darauf mit Ja oder Nein. Sprechen konnte er nicht. Aber die Gehirnzellen zeigen etwas an, bestimmte Muster, weil die Sprache in gewissen Regionen mit gewissen Gehirnzentren verbunden ist und sich dort die seelische Aktivität des Menschen spiegelt. Und das kann man mit diesen Geräten feststellen. Und so haben sie ein Frage-Antwort-Spiel entwickelt. Stell dir zum Beispiel deine Wohnung vor oder stell dir vor, du bist in der Wüste. Das eine ist Ja, das andere ist Nein. Und damit sind ganz definierte Zentren, die aktiv werden. Und mit diesen Ja-Nein-Fragen konnte man in Kommunikation treten und kann es heute noch. Also mit diesen Menschen, die nicht sich äußern können, die nicht zeigen, dass sie bei Bewusstsein sind, weil sie auf nichts körperlich reagieren, außer im Gehirn spiegelt sich etwas wieder, wenn er aktiv wird. Und das ist so ein erster Ansatz dazu.

Und man arbeitet ja heute schon massiv und es gibt auch schon erste Ansätze, die funktionieren, an Schnittstellen zwischen Gehirn und elektronischer Maschine. Also wo Elektroden eingeführt werden in das Gehirn und man damit wieder für zum Beispiel gelähmte Menschen oder was, die damit ja einen Computer steuern können, das funktioniert heute schon. Also man kann schreiben am Computer nur durch Gedankenkraft, die aber elektronisch abgegriffen wird. Und ja, damit kann er sich äußern im Grunde. In dem Fall halt noch freiwillig, aber die Zukunft könnte dorthin gehen, dass die Maschinen fähig sind, also mit wesentlich geringerem technischem Aufwand die Gehirnströme, die Gehirnaktivität von anderen Menschen zu registrieren und dann mit so einer Art Gedankenlesen zustande zu bringen. Ja, das ist...

Zuschauer: Und hast du auch das Gefühl, dass das Denken überflügeln kann, also dass sie uns überflügeln können?

Naja, also an der schöpferischen Kreativität wirklich etwas ganz Neues in die Welt hineinzubringen, sicher nicht. Das fehlt ihnen, weil es ist trotzdem, es ist einfach eine Maschine. Es ist eine Maschine, die nicht auf den Lebensprozessen beruht, nicht auf den seelischen Prozessen und nicht auf den geistigen Prozessen beruht. Also die künstliche Intelligenz hat sicher keinen Geist, sie hat keine Seele und Leben hat sie auch nicht, in Wahrheit. Also sie ist einfach ein, sie ist wirklich ein physikalisches Ding. Aber es ist verblüffend, welche Erfolge man da bereits erzielt und in welcher Zeit, also die ersten Versuche oder dass überhaupt der Begriff gebildet wurde, war in den 1950er Jahren, aber da ist lange nichts geworden. Es hat begonnen jetzt 2022 oder was, wo ChatGPT in die Welt gegangen ist und mittlerweile so funktioniert, dass man in vielen Situationen nicht mehr unterscheiden kann, ob der Text, der jetzt geschrieben ist, von einem Menschen geschrieben ist oder von der Maschine. Konkret gesagt, es ist immer eigentlich von einem Menschen geschrieben, nur sie hat es geschickt zusammengeholt und das ist jetzt so, dass man es eigentlich nicht mehr unterscheiden kann.

Also das, was in der Frühzeit der künstlichen Intelligenz, gab es ja den Alan Turing, der hat einen Test entwickelt, also sich ausgedacht, irgendwer nennt das der Imitation Game und er sagt also, interessant wird es mit der künstlichen Intelligenz dann, wenn der, der damit umgeht, nicht mehr unterscheiden kann, ist es ein Mensch oder ist es eine Maschine. Also der hat es damals nur mit dem Plan gehabt, es über Sprache zu übertragen, also über Ton oder über Text, der übertragen wird und die Menschen sollten halt jetzt schauen, also ist das die Maschine oder das? Wer ist der Mensch, wer ist die Maschine? Also hinter einem Terminal ist ein Mensch gesessen, der hat geantwortet und beim anderen die Maschine. Also das hat er eigentlich nur als Gedankenexperiment entworfen und er hat es ganz bewusst genannt, Imitation Game. Also er hat nicht behauptet, dass sie Bewusstsein hätte oder dass sie menschenähnlich wäre oder irgendetwas, aber sie kann ihn perfekt imitieren. Also das heißt, die künstliche Intelligenz kann nichts anderes, aber das sehr perfekt, also sehr erstaunlich.

Da gibt es übrigens auf YouTube ein tolles Video, einen tollen Vortrag von einem Kinderarzt, der sich damit beschäftigt, ja genau, David Martin. Da geht es im Großen und Ganzen darum, sie haben ein Testprojekt, sie haben sich unterhalten mit dem ChatGPT im Grunde über Anthroposophie, über das Geistige, wie das ist mit dem Sehen von Engeln und alles mögliche und es ist erstaunlich, wie toll die antwortet und Vorschläge bringt. Interessant, aber das sind alles Gedanken, die schon irgendwo irgendwer gedacht hat in Wahrheit. Das ist das Interessante daran, aber die Täuschung ist mittlerweile fast perfekt und der nächste Schritt, und das wird sicher nicht sehr lange dauern, dass wir die Roboter haben, die natürlich auch dann über die künstliche Intelligenz entsprechend antworten können, Aufgaben übernehmen können, verbale Befehle oder was empfangen können und sich danach eigenständig in der Welt bewegen können. Da wird es halt immer schwieriger jetzt. Nämlich, was tun die dann wirklich? Kein Programmierer kann mir überschauen, was die wirklich tun wird. Es ist auch so, wenn ich dieselbe Frage noch einmal stelle, kommt schon wieder eine andere Antwort. Es hat eine andere Konstellation. Also es ist nicht einfach immer dasselbe, was er antwortet, sondern es ist sinngemäß, stimmt es wieder, es wird in die ähnliche Richtung vielleicht gehen, aber es ist doch anders formuliert oder vielleicht sogar ein ganz anderer Gedankengang. Kann ohne weiteres sein. Also man ist total überrascht, man kann das nicht vorhersehen. Und in der Programmierung, es gibt keine Programmierung im Grunde. Ja, das System muss einmal programmiert sein, aber was das mit den Daten macht, das ist nicht mehr nachvollziehbar für den Menschen.

Und wenn jetzt dazukommt, das ist jetzt der nächste Schritt, der jetzt im Gange ist, dass die Agents entstehen, das heißt, die selber aktiv werden, die nicht nur Gedanken sozusagen neu formulieren und ausspucken, sondern die jetzt, ja, gebuche mir eine Reise, ich würde gerne eine schöne Reise machen, wo ich mich erholen kann, wo das Wetter schön ist, suche mir etwas heraus und bestelle es gleich. Das geht im Prinzip schon. Also die künstliche Intelligenz sucht heraus nach den Gewohnheiten seines Benutzers, weiß sie, was der mag, welches Klima der vielleicht mag oder so, sucht was heraus, das günstigste Angebot, was ist und bucht es selbstständig. Im Prinzip geht das schon, es ist noch nicht freigegeben, aber im Prinzip geht das schon. Und der nächste Schritt ist, dass die selber aktiv werden. Ganz klar. Ich meine, das ist die Welt, in der wir leben, weil es geht ja jetzt um Brückenbauen zum Künftigen, also das steht uns sicher ganz knapp da, das wird in dem Jahrhundert noch völlig selbstverständlich werden. Und das wird aber natürlich viel Einfluss haben darauf, auch wie die Menschen sich weiterentwickeln, wie gehen sie mit ihrem Denken um, übergeben sie jetzt alles der künstlichen Intelligenz oder werden sie für etwas anderes vielleicht wach? Weil tatsächlich dieses intellektuelle Denken, Fakten zusammensuchen, Schlüsse daraus zu ziehen oder so, kann mittlerweile die künstliche Intelligenz besser als der Mensch. Schneller, besser, niemand kann heute mehr ein Universalgelehrter sein, der das ganze Wissen der Welt im Gedächtnis gespeichert hat, also den gibt es einfach nicht mehr. Die künstliche Intelligenz kann zugreifen auf den gesamten Wissensschatz der Menschheit, sofern er digital gespeichert ist, also elektronisch gespeichert ist. Das heißt, auf das Wissen der Menschheit, komplett. Und es kann damit umgehen.

Das heißt, die große Problematik wird sein, Wege zu finden, dass die Menschheit nicht völlig abhängig wird von dem, dass sie etwas anderes entwickelt. Und zwar genau die Seite an Kreativität, an individuellem künstlerischen Können, sage ich einmal, ich sage es bewusst jetzt, künstlerisches Können, eben dieser künstlichen Intelligenz so überlegen ist, dass wir nicht an die zweite Stelle treten und dann im Grunde die Sklaven dieser künstlichen Intelligenz werden. Ich weiß, da gibt es eh schon viele utopische Romane, die das zeichnen, Utopie ist es fast nicht mehr. Es ist ganz nahe der Realität, es werden viele Berufe bereits ersetzt dadurch, Anwaltsgehilfen oder so, die die Gesetze durchsuchen für einen bestimmten Fall. Das kann die künstliche Intelligenz 10.000 Mal besser als der beste Anwaltsgehilfe. Nur die Frage, ob dann Anwälte herauskommen, die die Erfahrung haben, die sie vielleicht gewonnen haben, weil sie die ganzen Akten studiert haben und das Ganze, was niedergeschrieben ist, das ist eine andere Sache. Das heißt, man wird sich einen anderen Blick, einen anderen, tieferen Blick für die Sache erwerben müssen.

Die Wahrnehmung der geistigen Welt und das innere Erleben 00:34:07

Und da komme ich zu etwas anderem noch. Wir leben, laut Rudolf Steiner, und ich halte das für absolut richtig, obwohl es sich noch nicht so massiv zeigt, es ist im Prinzip für jeden Menschen heute die geistige Welt, die Wahrnehmung der geistigen Welt offen. Wir müssen nur, nur, das ist jetzt der kleine Haken dran, und damit meine ich im Übrigen nicht ein altes visionäres Hellsehen, also ich fahre jetzt hinterher und sage, ich habe eine Erscheinung gehabt, mir sind drei Engel erschienen und die haben mir gesagt, so und so wird es werden. Nein, sondern wo es eine Steigerung dessen ist, was unser Denken ist, das heißt, die gleiche Bewusstheit oder noch eine höhere Bewusstheit hat, wo ich mir ganz bewusst bin, ich bin tätig, ich als Individualität bin tätig, aber ich mache jetzt nicht abstrakte Gedanken, sondern, naja, ich gehe vielleicht dorthin, was der Platon noch aus Anlage instinktiv hatte, ich sehe die Ideenwelt und ich sehe es sogar so konkret, dass ich geistige Wesenheiten sehe, die da drinnen sind. Weil jeder Gedanke in Wahrheit ist eine geistige Wesenheit. Sehen ist jetzt im weitesten Sinn gemeint, also man muss keine Vision haben, man muss keinen optischen Eindruck dabei haben, aber man hat eine Überschau über geistige Zusammenhänge. Und das ist für unsere Zeit unbedingt notwendig.

Wir stehen in einer unheimlich komplexen äußeren Welt, wo sich an allen Ecken was tut und wie überschaut man das, weil es hat Konsequenzen bis vor die eigene Haustür, bis ins eigene Wohnzimmer. Wie überschaue ich das, wie kann ich unterscheiden, was die sogenannten Fake News sind, also was eigentlich eine Täuschung ist, die Presse ist voll davon, weil selber getäuscht werden und ein paar Monate später kommt man darauf, ja das war alles ein Blödsinn, war nichts, haben wir uns umsonst gefürchtet. Schauen Sie in die Zeitungen, es ist immer Katastrophennachrichten im Grunde, das ist das Beliebteste, das verkauft sich am besten. Auf das Wortenschein die Leute schon, das fürchtet mich. Ja und jetzt kommt der dritte Weltkrieg, der läuft im Übrigen eh schon die ganze Zeit, also kriegt man aber nicht mit, weil man es sich wieder falsch vorstellt, aber es wird immer mit der Angst der Menschen geschürt. Angst, Angst, Angst. Und was ist Angst? Das ist Ahriman, der finstere, der Geist der Finsternis. Das heißt dort, wo mir gerade dieses Geisteslicht, das ich aber selber hervorbringen muss, ich habe nicht geistige Augen, die mache ich auf und dann sehe ich, sondern da muss ich Licht in mir werden, da muss ich das geistige Licht in mir schöpferisch erzeugen und durch dieses geistige Licht, das ich schöpferisch erzeuge, wird mir etwas unter Anführungszeichen sichtbar von der geistigen Welt. Etwas, wozu ich Beziehung habe.

Und das kann ich erkennen, die Fähigkeit ist laut Rudolf Steiner seit Beginn des 20. Jahrhunderts da. Und man merkt nicht einmal bei den Anthroposophen so allzu viel davon. Weil das müsste langsam zum Standard werden. Es müsste eine neue Naturwissenschaft kommen, wo diese Seiten berücksichtigt sind, wo man die Sphäre des Lebens zum Beispiel erkennen kann, so wie es Goethe im Ansatz hat. Der hatte das bereits. Und daher sehr interessant, dass Rudolf Steiner gerade mit Goethe beginnt eigentlich seinen Weg in die Welt hinein, indem er sich mit den Schriften von Goethe und eben namentlich mit den naturwissenschaftlichen Schriften beschäftigt. Da ist ein Ansatz drinnen, ein schauendes Denken, anschauende Urteilskraft, nicht logisch ableitende. Das kann die künstliche Intelligenz viel besser. Aber das ist eine Fähigkeit, die wir in praktisch allen Bereichen entwickeln müssen, vor allem auch im sozialen Bereich. Weil wenn man sagt, man kann geistige Wesen wahrnehmen. Mir fallen welche ein, die sehr leicht eigentlich wahrzunehmen sind, zumindest dass sie da sind. Sie alle hier sind geistige Wesen. Ich schätze sie nicht als Roboter ein, so gut ist der Roboter in Australien auch nicht. Also ich denke, sie sind wirklich lebende Menschen, fühlende Menschen, geistige Menschen, denkende Menschen.

Nur wenn ich ein Weltbild mir aufgebaut habe, das sagt, ja eigentlich ist der Mensch im Grunde halt wie eine biochemische Maschinerie. Also alles läuft bewusstlos, im Grunde ab nach rein, physischen Gesetzmäßigkeiten, physikalischen Gesetzmäßigkeiten und sonst nichts, dann sehe ich die geistigen Wesen nicht. Ich sehe jedenfalls dann nicht, dass mir so viele geistige Wesen tagtäglich begegnen. Ich kann gar nicht anders. Da müsste ich schon ganz in der eigenen Schicht wohnen, dass es mir nicht begegnet. Und selbst wenn ich dort im Wald bin, begegnen mir Tiere, die auch etwas Beseeltes haben. Sie haben zwar nicht den individuellen Geist wie der Mensch, aber sie haben sehr wohl etwas Beseeltes. Also ein Seelenwesen ist da. Jetzt rede ich noch gar nicht von den Elementarwesen, die dazwischen sind. Das ist ein bisschen schwieriger wahrzunehmen. Aber ein erster Schritt wäre wirklich bei den Wesen, die uns tagtäglich auch sinnlich begegnen und wir halt einfach, ja, wie Goethe anfangen, eine sinnlich-übersinnliche Wahrnehmung zu erleben. Die sinnlich-sittliche Wirkung der Farben, von der hat er gesprochen. Die Farben sind ja einerseits, na klar, was Sinnliches, aber sie haben auch eine gewisse seelische Wirkung, eine sittliche Wirkung in seinem Sinne. Indem man Seelisches da überhaupt ansieht als etwas, was die innere Haltung des Menschen verbessert.

Apropos Farben, vielleicht ist eh heute auch schon angetönt worden, die Menschen verlieren die Wahrnehmungsfähigkeit für die Feinheiten der Farbe. Das Knallige. Rot, Grün, die Primärfarben irgendwo nebeneinander, möglichst grell, das geht noch. Und Rudolf Steiner hat deutlich davon gesprochen und mir kommt vor, das ist schon sehr im Werden, dass die Menschen verlernen werden, die Welt farbig zu sehen. Das ist gar nicht so von der Hand zu weisen. Das Interessante ist nämlich, dass die Entwicklung der Tiere, die meisten Tiere sind farbenblind, sind ganz wenige. Also auch der Stier, der auf das rote Tuch läuft, ist farbenblind. Die Katzen sind im Wesentlichen farbenblind und die sehen mehr oder minder hell und dunkel Variationen. Der Mensch, beim Menschen ist es wieder hervorgekommen. Interessanterweise, wenn man weit zurück geht, das kann man heute sogar rekonstruieren, fragt mich nicht genau wie, ich bin kein Archäologe oder so, aber die Saurier waren starke Farbseher, so wie heute überhaupt. Die Reptilien sind starke Farbseher. Ganz interessant, gerade die relativ niederen Wesen, die sich nicht auf vier Beine so deutlich stellen, die Saurier schon ein bisschen, aber es sind eben Saurier, es sind Kaltblütler, die keine eigene innere Wärme haben. Gerade bei Menschen ist diese eigene innere Wärme aber auch was ganz Wesentliches für das Selbstbewusstsein. Da fängt es an, dass wir etwas verinnerlichen. Wir haben das gehört, Seele hat was zu tun mit Innenweltbilden, ein inneres Erleben bilden.

Und das ist durchaus auch ein sinnlich-übersinnliches Erleben. Auch wir haben Sinne, die ans Innere gerichtet sind. Gleichgewichtssinn hat was mit dem Äußeren zu tun, aber auch mit dem Inneren. Ich erruhe in mir selbst. Oder ich merke, ich muss meine Aufrechte ununterbrochen erringen. Wir machen es nämlich aktiv. Daher ist es so schön, das Wort Ich. Das Ich, der Strich, wenn man schreibt. Der Atem, der durchgeht. Das ist eigentlich das, was hinter dem Wort Ich als Bild steht, hinter dem deutschen Wort Ich. Das ist nicht nur ein Begriff, sondern man kann etwas erleben dabei. Und dann kann ich mich erleben als Mensch, der da aufrecht steht und atmet. Dann kriegt es eine tiefere Bedeutung. Auf der anderen Seite sagt Rudolf Steiner auch, das Wort Ich, das deutsche Wort Ich, das sind auch die Initialen des Jesus Christus. Und gerade diese aufrechte Haltung zu spüren, verbunden mit der Atmung, sich zu spüren, da kommen wir in die Kreuzesgestalt sogar hinein. Das steckt irgendwo drin. Wir machen das irgendwie ununterbrochen. Auch wenn wir nicht die Arme so ausbreiten, machen wir es halt ansatzweise, indem wir uns halten drinnen. Dann bilden wir dieses Kreuz in uns, immer wieder, ansatzweise. Da kriegt man vielleicht ein bisschen eine Idee davon, wie kommt der Steiner auf solche Dinge. Man muss es erleben einfach. Nicht als selbstverständlich hinnehmen. Aha, ja, bin ich eh gewohnt. Ich stehe halt. Vielleicht stehe ich ein bisschen schlampig da. Aber das ist alles selbstverständlich.

Das eigene Denken beobachten und Goethes Märchen 00:44:54

Dieses Selbstverständnis unseres täglichen Lebens, das müsste eigentlich beobachtet werden von uns selbst. Was passiert da? Was passiert, wenn ich gehe? Was passiert, wenn ich meine Arme bewege? Wie ist das anders, wenn ich Werkzeug ergreife und damit etwas tue? Oder wenn ich als Dirigent vielleicht da bin? Oder wenn ich zeichne, male damit? Was spielt sich da innerlich ab? Der Steiner hat begonnen, in seiner Philosophie der Freiheit davon zu sprechen, von einer anderen Bewegung, die man beobachten soll, nämlich das eigene Denken. Das wäre der nächste Schritt auch, der notwendig wäre. Nicht nur gescheit zu denken, sondern sich zu beobachten dabei. Zuzuschauen. Wie bringe ich das denn überhaupt zustande? Was passiert denn da? Das ist eine Fähigkeit, die eigentlich jeder Mensch hat, aber die kaum genützt wird. Und weil uns auch die Schulen meistens trainieren darauf, ja, dass wir das denken, dass wir es halt können, dass wir logisch denken können und fertig. Und wenn wir es können, dann reicht es.

Wir müssten lernen, uns zuzuschauen damit. Wir leben heute im Bewusstseinsseelenzeitalter. Und Bewusstseinsseelenzeitalter heißt als allererstes bewusst werden für sich selbst. Was tut sich in mir? Bei allem. Bei der körperlichen Bewegung, bei der seelischen Bewegung, wenn ich mich aufrege über irgendwas. Ja, warum bin ich jetzt schon wieder ganz, ganz echauffiert, seelisch in Aufregung versetzt. Ja, da hat mir ja irgendwer ein Wort gesagt. Das kann ja nicht sein. Wieso tut er das und ärgert mich schon? Das muss einem einmal auffallen. Ich könnte ja genauso sagen, ja gut, habe ich zur Kenntnis genommen. Interessiert mich nicht. Mit dem gebe ich mich gar nicht ab weiter. Ich bin frei, wie ich damit umgehe. Aber viele sind offenbar nicht frei, sondern wenn ihnen eine Frechheit begegnet, müssen sie mit der Doppelten antworten. Naja, dann schaut es mit dem Frieden schlecht aus. Oder überhaupt, der wagt es, eine andere Meinung zu haben als ich. Also folglich ist er, auf gut Wienerisch gesagt, ein Trottel. Weil ich habe ja recht. Ich weiß es ja, dass ich recht habe. Und das Paradoxe kann ja sein, dass der recht hat und ich auch. Aber wir haben andere Perspektiven. Weil es gibt unendlich viele Perspektiven. Auch das hat Goethe erkannt. Kenne ich mein Verhältnis zu mir selbst und zur Außenwelt, so heißt es Wahrheit. Und so kann jeder seine eigene Wahrheit haben und es ist doch immer dieselbe. Nur von einer anderen Seite gesehen. Und erst alle zusammen geben wirklich das große Ganze. Was zugleich auch heißt, alle, die ganze Menschheit zusammen. Menschheit zusammen, alle zusammen eigentlich. Alle Perspektiven zusammengenommen, die umfasst das Ganze bis zu einem gewissen Grad.

Und ja, das kann und wird nicht funktionieren. Zumindest nicht jetzt, in näherer Zukunft. Dass wir alle diese Perspektiven in gleicher Stärke einnehmen können. Das wird kein Mensch schaffen, aber wir können zumindest ein bisschen beweglich sein. Und eigentlich immer froh sein und dankbar sein, wenn wer sagt, ja interessant, was du sagst, aber ich sehe das ganz anders. Das ist doch das Beste, was uns passieren kann. Das ist wirkliche Bereicherung. Sonst koche ich immer in meinem Ding und denke, ja, so muss es sein. Natürlich. Anders geht es nicht. Und wenn man so Vorlesungen hält, dann wird man die Studenten entweder vertreiben irgendwann, sie werden sich etwas anderes suchen, oder sie werden genauso. Nullsoll kann ich sein. Ich habe es so gelernt und so ist es. Dabei, gerade in den Wissenschaften sieht man es deutlich, dass viele Dinge oft nach kurzer Zeit, nach zwei, drei Jahren schon wieder ganz anders gesehen werden. Da gibt es nur eine bessere Perspektive, die uns noch mehr erklärt. Also auch das muss man sehen, dass der Blick auf die Wirklichkeit, auf die Wahrheit, sei es in der Natur draußen oder auch in dem, was bei den anderen Menschen ist, dass das immer in einem Prozess drinnen ist. Und dass wir immer wachsam sein müssen. Also das heißt wirklich gehen, immer wieder über diese Brücke.

Wir gehen immer über diese Brücke drüber. Es ist so schön, wir haben jetzt gerade das vierte Mysteriendrama gespielt im Schloss Hohenfels und da haben sie uns installiert hinten ein riesiges Gemälde von Goethes Märchen zu Goethes Märchen. Der Tempel, der am Schluss aufsteigt und die Brücke, die verbindet das Festland, das ist unsere Erdenwelt mit dieser geistigen Welt, die der Tempel repräsentiert und wo jetzt plötzlich alle Menschen hin und her gehen können. Das ganz was Selbstverständliches ist, dass wir hier in der sinnlichen, physischen Welt leben und zugleich in der geistigen Welt leben. Das hat auch Goethe schon gesehen. Also davon hat er ganz deutliche Ahnung gehabt. Und gerade über Goethes Märchen hat Rudolf Steiner schon sehr früh gesprochen. Und im Übrigen die Mysteriendramen von Rudolf Steiner haben als Ausgangspunkt das Märchen von Goethe. Zuerst hat er wirklich die Gestalten, die da drin vorkommen, eins zu eins übernommen im Grunde. Er hat dann gemerkt, jetzt entwickelt sich das ein bisschen anders. Wenn man es künstlerisch ergreift, er will ja nicht noch einmal das Märchen wiederholen. Das hat nicht funktioniert. Eigentlich wollte er nur das Märchen inszenieren im Grunde. Auch für die Bühne, dass man es sehen kann einmal und die Figuren sich veranschaulichen kann. Aber wie es so ist, wenn man es als künstlerischer Mensch ergreift, zeigt es auch andere Aspekte, die drinnen stecken, die halt Goethe zufällig nicht niedergeschrieben hat, die aber durchaus drinnen stecken. Weil auch wenn man so eine Dichtung oder einen Roman oder irgendwas niederschreibt, es ist ein Bruchteil von dem drinnen, was wirklich dahinter steckt, was wirklich auch die Kraftquelle ist, aus der der Künstler es geschaffen hat. Oft ist sich der Künstler selber dessen gar nicht bewusst, was da alles noch dahinter steckt. Da kommt was und irgendwann kann er ein Stückchen davon bewusst greifen und dann gibt es die Gestalt.

Das Gehirn als Spiegel und Rudolf Steiners Hellsichtigkeit 00:51:55

Aber da ist noch viel mehr drin, wenn es wirklich ein Kunstwerk ist. Und im Übrigen auch ein Punkt, als Künstler noch was anderes zu werden, ist auch in den Mysteriendramen ein großes Thema, nämlich mit vollem geistig erwachten Bewusstsein dabei zu sein. Ich bin begabt, es kommt, mir fallen die Ideen zu, ich mache es halt. Ja, jetzt ist es. Aber ich weiß eigentlich gar nicht, wieso, warum. Ich weiß gar nicht, warum mache ich das. Wie tue ich das? Ich durchschaue es nicht in seinen ganzen Zusammenhängen. Also bewusster zu werden. Ich meine, viele Künstler haben dann mit einem gewissen Recht die Angst davor, dass sie dann ihr Talent verlieren. Weil das, was sie inspiriert sozusagen, der Genius, der kommt, der Genius im Übrigen sind wir eh selber, das Genie, das ist unser höheres Ich in Wahrheit, das ist unser wirkliches Ich, das uns inspiriert und das sowieso immer mit der geistigen Welt in Verbindung steht. Nur kriegen wir mit unserem Alltagsbewusstsein nichts oder wenig davon mit. In manchen vielleicht glücklichen Momenten kann das passieren. Wenn ein großer Wurf einem gelingt irgendwo, man weiß gar nicht, wie das passiert ist, aber man konnte es. Weil das wirkliche Ich, unser Genius, unser Genie, weiß das hat jeder Mensch. Ansatzweise. Kann schon besser ausgebildet sein, kann weniger ausgebildet sein, aber warum erzähle ich das? Das ist die Brücke in die Zukunft. Weil die nächste Kulturepoche, die kommt, wird darum gehen, das dauert noch ein bisschen, haben wir noch ein bisschen Zeit, aber nur die Zeit verfliegt schneller, als wir denken, die wird davon geprägt sein, dass wir jetzt ja Freiheit, Ich-Bewusstsein, alles da, aber jetzt das höhere Ich, uns dessen bewusst werden, was Rudolf Steiner auch das Geistselbst nennt. Wo wir den wirklich geistigen Kern erleben, unsere Ich-Kraft. Also das, was es eigentlich ist.

Wir haben bis jetzt nur so eine halbe Spiegelung und nur darum können Menschen auf die Idee kommen, ja klar, wenn der Mensch stirbt, zerfällt halt der Körper und dann ist er aus und weg. Man kann sich erinnern daran, aber ein Weiterleben nach dem Tod, wie soll es das geben, wenn das alles zerfällt? Das kann sich unser rein sinnlich geprägtes Bewusstsein heute noch gar nicht vorstellen, aber das wird einmal ganz selbstverständlich sein. Und eigentlich müssen wir das jetzt in unserer Zeit schon vorbereiten, dort hinzugehen. Und das wirklich nicht aus einem naiven Glauben nur. Auch über die Stufe müssen wir hinwegkommen. Das war einmal die Vergangenheit, ja, die Kirche hat es gesagt, man hat es geglaubt und die Amtskirche in ihrer besten Form, es gab ja wirklich und gibt auch heute gute Priester, die das wirklich vermitteln können. Aber trotzdem unterm Strich, ja, ich glaube es und ich finde es schön und ich glaube es wirklich, aber ich kann mich nicht selber überzeugen, dass es wirklich so ist. Weil ich noch nicht wahrnehmend bin für das eigene Geistige als erstes. Das ist nämlich das Erste, dass man sich selber als geistiges Wesen wahrnimmt, nicht nur als gescheites Wesen, als intelligentes Wesen. Das ist nur, das ist etwas sehr physisches. Also Gottes Verstandesdenken hängt sehr stark mit der Tätigkeit auch des physischen Gehirns zusammen, weil das hat die Aufgabe, die fertigen Gedanken, die gewordenen Gedanken ins Bewusstsein zu spiegeln. Das heißt, alles was wir denken, auch wenn wir eine ganze logische Kette denken, da ist natürlich ein Prozess drinnen, aber was als Gedanke sich dann in unser Bewusstsein spiegelt, ist schon abgestorben. Da ist das Leben schon draußen. Aber wir spüren zumindest dabei, wir sind tätig im Denken, das spüren wir sehr wohl dabei, wir tun etwas und wir merken auch, es sind aber Zusammenhänge da, die habe ich mir nicht einfach aus den Fingern gesogen, sondern die bestehen in der Welt auch wirklich. Aber da überschaue ich nur diese fertigen Ergebnisse in Wahrheit, beziehungsweise die logische Kette, das logische Verbinden von Begriffen.

Aber die nächste Ebene, lebendiges Denken, der Name sagt es eigentlich schon, ich arbeite mit Lebenskräften. Ich arbeite nicht mit dem im Grunde mehr oder weniger toten Gehirn, und das Gehirn ist was relativ Totes. Es gibt zwar noch eine gewisse Lebensaktivität natürlich, indem es die ganzen elektrischen Impulse da gibt und so, übrigens Elektrizität hat auch schon sehr viel mit untersinnlichen Kräften zu tun, mit Kräften, die nicht ins Geistige eigentlich führen, sondern die aber sehr gut für die Spiegelung von etwas Geistigem da sind. Aber es ist eben nicht das Spiegelbild, es ist noch nicht die Wirklichkeit des Geistes. Da tun wir uns noch schwer. Im Übrigen, was spiegelnd ist, spiegeln sind Metallflächen, polierte Metallflächen oder der Metallbelag spiegelt im Hintergrund. Metalle sind elektroschleitend. Darum werfen sie das Licht zurück. Und so wirft das Gehirn, wie soll man sagen, das Geisteslicht zurück, aber ohne, dass wir es als solches erkennen, weil wir nur das Spiegelbild sehen. Wir tauchen nicht in die Realität des Geistigen ein. Das ist das Problem. Und da müssen wir jetzt aufpassen in unserer Zeit, dass wir wirklich beginnen, unser Denken zu transformieren.

Darum halte ich also die, gerade diese, eine der ganz frühen Schriften von Steiner, früh jedenfalls bezüglich des Anthroposophischen und es ist vielleicht die anthroposophischste Schrift von ihm überhaupt, eben diese Philosophie der Freiheit. Und da hat er das Wort Anthroposophie noch nicht geprägt. Und hat im Gegenteil sogar in der Zeit zwischen erscheinender Philosophie der Freiheit und dann, wo er dann in die Theosophische Gesellschaft kommt und dort Vorträge macht und dann wirklich beginnt, über das Geistige zu sprechen, in der Zeit dazwischen spricht er nicht darüber, über diese Zusammenhänge. Und schon gar nicht über das Christentum und dergleichen, das ist eher im Gegenteil. Es ist also ein Prozess, von dem einen sich zu trennen und das andere dann wirklich vor die Welt zu stellen. Und man sieht auch, wie da bei Rudolf Steiner aber auch der Schicksalsweg eine Rolle spielt, weil ihm diese Möglichkeit gegeben wurde, das ist auf ihn zugekommen. Er wurde eingeladen dort zu diesen Vorträgen, nachdem er eigentlich schon nimmer gewusst hat, wie er sein Leben gestalten soll, in Berlin wo er damals war. Weil diese Redaktionstätigkeit, die er hatte, war so schlecht bezahlt, dass man eigentlich im Grunde nicht leben konnte davon und keine Perspektive da war. Und dort hat er auf einmal ein Publikum gefunden, das offen war für geistige Dinge und das auch ihm ermöglicht hat, frei darüber zu sprechen. Und im Freiheit darüber zu sprechen, kommen auch die Kräfte, die er zur Zeit lang, wie soll ich sagen, sehr zurückgehalten hat, ganz stark und auf ganz neue Weise heraus.

Das ist ja auch interessant bei Rudolf Steiner, dass er als Kind ja offensichtlich hellsichtig war, das schildert er ja in seiner Lebensgeschichte, in meinem Lebensgang. Wie er mitbekommt, als neunjähriger Bub sitzt er in der Bahnhofshalle im Wartesaal und erlebt, wie eine Frau hereinkommt und sagt, tue für mich, was du kannst. Und sie kommt ihm irgendwie bekannt vor, obwohl er sie nie im Leben gesehen hat, aber die Gesichtszüge, die er erlebt, erinnern ihn an einen Familienmitglied. Und dann verschwindet die Frau im Ofen. Also sie war offensichtlich nicht wirklich physisch da, sondern es war ein, wie soll man sagen, ein Tagtraum, wie auch immer, nur es hat sich herausgestellt, tatsächlich genau zu dem Zeitpunkt, wo er das erlebt hat, hat eine Tante seiner Mutter, also eine Schwester seiner Mutter, eine Tante von ihm, Selbstmord begangen. Und das ist was ganz Tragisches. Und solche Dinge, die tauchen dann in den Schriften von Steiner ganz auf, in den Mysterien zum Beispiel. Dass alles, was in Menschenseelen lebt, im Geist des Außenreichen weiterwirkt. Das ist nicht nur verschlossen da drinnen. Wer offen dafür ist, kann das mitkriegen. Das hängt mit solchen Erlebnissen zusammen. Also das heißt, wir sind mit dem Geistigen der Welt verbunden und das schlägt Brücken über Raum und Zeit in Wahrheit.

Transformation des Denkens und die nächste Kulturepoche 01:01:52

Ja, das kann man sich jetzt als moderner Mensch gar nicht vorstellen, irgendwo. Aber das sind Gedanken zumindest, die die künstliche Intelligenz so noch nicht hat. Oder nur sofern sie es gerade aus den Texten Steiners abgelesen hat, dann kann sie natürlich sowas auch konstruieren bis zu einem gewissen Grad. Und sogar sehr geschickt. Ich habe auch so Unterhaltungen geführt über Anthroposophie und mit dem ChatGPT und mit anderen auch. Es ist spannend, was da rauskommt. Manchmal sind schwere Schnitzer drinnen, aber im Großen und Ganzen. Ja, ja, du hast eine Ahnung von Anthroposophie. Aber das ist nicht ihre Ahnung, sondern das ist die Ahnung, die in den Texten drinnen liegt. Dort liegt die Wahrheit drinnen. Und sie kann suchen und finden. Und als solches ist es ein nützliches Werkzeug in Wahrheit. Also wenn wir vernünftig damit umgehen, brauchen wir keine Angst vor der künstlichen Intelligenz haben. Eher vor uns selber, dass wir nicht vernünftig genug umgehen mit diesen Dingen. Aber sie werden nie unser Geistiges ersetzen können. Das ist es nicht. Aber sie können uns helfen, das abgestorbene Denken zu verwalten. Das Wissen der Menschheit zu verwalten im Grunde und bereitzustellen. Weil das kann kein Mensch heute. Niemand. Niemand kann das überschauen. Wenn man denkt, die Bibliothek, die ich jetzt ausgestellt habe, sollte ich das alles parat haben. Das schaffe ich nicht. Sorry, das schaffe ich nicht. Es gibt einzelne Menschen, die merken sich 10.000 Bände, die sie gelesen haben. Das sind Einzelbegabungen. Die haben ein ganz stark ausgeprägtes fotografisches Gedächtnis, das wir alle haben. In Wahrheit nur kaum jemand kann es ins Bewusstsein heben.

Also das ist zum Beispiel auch so etwas Interessantes. Die Polizei verwendet das öfter mal. Ja, da ist ein Auto gewesen. Mehr weiß ich nicht. Wie war das Kennzeichen? Welche Farbe hat es gehabt? Weiß ich nicht. Dürfen wir es in Hypnose befragen? Und in Hypnose kommt es heraus. Das Wissen ist da. Man kann es nur nicht abrufen. Also Gedächtnis, da prägt sich etwas ein, was wir gedacht haben. Und wenn wir es sehr bewusst gedacht haben, können wir es auch ganz gut wieder abrufen. Wenn wir es aber nur so beiläufig gedacht haben. Ja, ein Auto war da. Weil, dass wir überhaupt ein Auto als Auto erkennen, da muss schon das Denken mitspielen. Sonst erkenne ich das Auto nicht als Auto. Also die Katze erkennt die Maus, bildet sich nicht den Begriff Maus. Das ist etwas, was sich bewegt und wo der Instinkt leitet, aber sie kann nicht bewusst sein. Ah ja, das ist eine Maus. Ah nein, das ist die liebe Maus vom Nachbargarten. Na, die rühre ich nicht an. Wenn geht das über den Instinkt. Und so nehmen wir aber auch, ich sage einmal 80 Prozent der Welt unbewusst wahr. Wir kriegen es gar nicht mit. Da brauche ich Sie ja nur fragen. Sie sind vielleicht mit der U-Bahn oder mit irgendwas dahergekommen, sind hunderten Leuten begegnet. Wie haben die ausgeschaut? Wie haben die reingeschaut? Was haben sie angehabt? Wir haben das gesehen, aber es ist weg. Ja, Gott sei Dank, weil wir würden uns zumüllen. Stellen Sie sich vor, das ganze Leben haben wir diese Details bewusst vor uns. Wir kämen nie mehr dazu, irgendwas anderes zu denken.

Also ja, und das heißt, natürlich wird uns die künstliche Intelligenz von einigen Dingen befreien, in gewisser Weise. Aber gut kann es nur gehen, wenn wir einen anderen Ersatz dafür kriegen. Und das Wichtigste ist eben heute, dass wir andere sein, ein kreatives, ein gestaltendes Denken entwickeln. Ein lebendiges Denken, ein gestaltendes Denken, ein imaginatives Denken. Imaginativ im weitesten Sinn heißt, geistig Zusammenhänge zu schauen, zu sehen und vielleicht dann weiter sogar zu kommen, zur Inspiration, auch zu verstehen, was ich da sehe. Nicht nur so etwas Chaotisches wahrnehme, sondern es auch wirklich durchdringen kann. Die Möglichkeit ist da. Wir können das. Es gibt keine Hindernisse eigentlich mehr. Wir haben nur eine Kultur aufgebaut, die im Grunde noch immer auf den Sockeln der griechisch-lateinischen Zeit ruht. Und das ist gut. Ja, das soll ja sein. Nicht, dass ich das jetzt weglöschen will, nur es reicht nicht. Es reicht nicht. Wir müssen das Denken und die Erkenntnisform unserer Zeit entwickeln. Das wollte Rudolf Steiner mit der Anthroposophie machen. Das ist die Brücke. Das ist die Brücke, die dann von der griechisch-lateinischen Zeit und von den großen Schätzen, die da drinnen waren, führt bis zur nächsten Kulturepoche sogar. Also dort die Epoche der Brüderlichkeit, wenn man so will. Der Geschwisterliebe oder Geschwisterlichkeit, wie immer wir es nennen. Wie der Menschlichkeit eigentlich. Wird nicht bei allen Menschen ankommen, so wie heute auch nicht alle die großen intellektuellen Denker sind. Und manchmal denke ich mir, das ist vielleicht gar nicht so schlecht. Manche sind schon, ich weiß nicht, aber die einen guten Instinkt haben manchmal. Kann manchmal auch besser sein.

Das Interessante ist auch, wenn man dieses neue Denken entwickelt, dann baut sich ab das normale Gedächtnis und das normale Denken. Oder zumindest es fällt schwerer. Es fällt schwerer. Und da muss man halt jetzt in unserer Zeit auch das Gleichgewicht finden, um damit umgehen zu können. Also wenn man jetzt nur den ganzen Tag, ich bin im schauenden, gestaltenden Denken drinnen, dann werde ich wahrscheinlich nicht einmal mehr die Milch einkaufen gehen können und mich da zurechtfinden. Wo ist das Geld? Was wollt ihr von mir? Wieviel? Wo? Warum? Weil man dann in einer anderen Sphäre lebt. Der Witz ist, wir sollten lernen, und das ist unsere große Aufgabe, in beiden Welten zu leben. Weil auch dieses logische Denken, das in der griechisch-lateinischen Zeit entwickelt wurde, seine Blüte hatte in dieser Zeit, das ist ja auch das Zeitalter, wo der Christus auf Erden geboren wird. Mitten hinein eigentlich im Grunde in diese Epoche. Und die hatte eine ganz große Aufgabe, nämlich, dass etwas Höchstes Geistiges auf die Erde gebracht wird. Und das heißt ja nicht, dass wir die Fähigkeit verlieren sollen. Also wenn wir auf Erden stehen, sollen wir mit dem umgehen können. Und Technik können, Wirtschaft verstehen und so weiter. Sicher auch nicht alles, wie gesagt, Universalgelehrte, das wird nicht mehr funktionieren heute. Aber zumindest einen praktischen Bereich da wirklich voll drinnen stehen, das gehört genauso dazu, wie aber auf der anderen Seite langsam die Schritte in eine höhere Ebene. Die ist ganz nah da. Die ist wirklich ganz nah da. Da könnten wir jetzt noch stundenlang reden darüber. Ich weiß nicht, wie schauen wir mit der Zeit raus? Wir sollten dann zu den Sprachübungen kommen.

Praktische Übungen zur Sprachgestaltung 01:09:47

Gut, dann gehen wir gleich in was Praktisches hinein. Künstlerische Tätigkeit, aber ganz bewusst. Nämlich nicht nur in den Inhalt, sondern auch in den Klang der Sprache. Das gehört dazu. Wenn ich ein Gedicht lese, wie ich es schreibe, einfach logischer unterbettet das Ganze. Aha, ich habe es verstanden. Ja, ich habe es verstanden. Wird einem bei Gedichten eh schwer gelingen, dass man es gleich auf Anhieb versteht. Oft sind die spannendsten Gedichte die, wo man sagt, ja was meint er denn jetzt wirklich genau? Ist nicht immer so einfach. Bei den klassischen ist es noch leichter, bei modernen Gedichten ist es viel schwerer, aber da steckt oft viel Geist drinnen. Es gibt auch viel Ungeist. In jeder Zeit gibt es 99 Prozent Ungeist und eins, was genial ist und wo alle sagen, das ist so ein Blödsinn. Das versteht ja kein Mensch. Ja, weil es zu neu ist.

Gut, wir werden uns beschäftigen. Bitte, wenn Sie herkommen, zuerst einmal Sprachgestaltung. Nehmt sich bitte. Ich sage jetzt, nehmt euch. Ich bin jetzt beim Du. In der Kunst gibt es nichts anderes. Nehmt euch von allen was. Genau. Und wir werden ein bisschen was davon machen, sicher nicht alles, weil sonst sitzen wir Mitternacht noch da. Also bis halb? Bis halb, ja. Da können wir schon ein bisschen was machen. Ich habe deine auch ausgelegt. Und ich habe auch noch Gedichte mit. Gedichte von deinem Vater, das habe ich auch drinnen. Gesang der Geister über den Wassern habe ich drinnen. Wir werden nicht alles machen können, aber bis halb können wir uns austoben.

Weil da in der Sprache, im Umgang mit der Sprache, wenn man nicht nur auf den Inhalt geht, sondern auf das Formen, was sagt mir jeder Laut, was sagt mir jede Lautverbindung, da steckt das Geistige nämlich der Sprache drinnen. Das steckt nicht in den gescheiten Gedanken alleine. Das ist der müde Schatten, aber dahinter steht in der Sprache selber der Sprachgeist. Und der Sprachgeist ist eine Realität. Bei uns ist es einfach ein Wort, ja der Sprachgeist, und man muss aufpassen drauf. Aber das ist eine geistige Wesenheit in Wahrheit. Und die kann man ja leben, und damit ist man in der geistigen Welt drinnen. Also das heißt, das ordentlich rezitieren, und man ist in der geistigen Welt. Man weiß es vielleicht gar nicht normalerweise. Aber man ist mittendrin. Das heißt, wenn man gute Texte, gute Gedichte spricht, wirklich sie spricht, nicht nur verhirnt und ah ja, interessant, gescheit, sondern sie spricht, wirklich gestaltet spricht, sie spürt, dann sind wir im Geistigen drinnen.

Nochmal, rauschende Reden rollten im Raum bei Sprachgestaltung. Erste Seite. Und darf ich Sie bitten, das in, darf ich euch bitten, weil jetzt müssen wir auf Du und Du sein, es im Stehen zu machen, wenn es irgendwie geht. Weil dann der Klang einfach schöner ist, man spürt, das lebt im ganzen Körper drinnen. Weil wir sind das Instrument, wir sind das tollste Musikinstrument, das es gibt. Tolleres gibt es gar nicht.

Rauschende.

Rauschende Reden rollten im Raum.

Leises Geheimnis, wissende Stimme,

ahnende Sprache, staunende Laute,

kämpfende Rede.

Logisches Tönen, düstere Rufe,

also im Raume rollen die Reden und rauschen.

Gut, gehen wir gleich auf die nächste Seite. Die Vokalübungen. Fangen wir mal mit dem A an. Denkt daran, beim A ordentlich den Mund aufzumachen. Das ist auch in der Sprache, ich verstehe es halt so, aber für den Klang der Sprache, am Anfang war das A. Da kriegt man nichts vom Klangcharakter mit. Es geht also jetzt wirklich um den Klangcharakter, den wir erleben im ganzen Körper. Wo sind Resonanzen, was klingt mit, Kopf da, bis ins Knochensystem bei manchen Sachen hinein. Es will sogar Bewegungen uns suggerieren oder es sind Bewegungen im Körper damit verbunden. Also beim A, das wird nicht ein A-Geste sein. Also beim Mund auch so A, A, A, A, da kommt nichts aus. Wenn es groß macht, A, A, A, da aufmachen, wirklich weit, beim Knödel essen geht es A und da von der Gestik öffnen, am Anfang.

Am Anfang war das A,

als man das All am Tag da sah,

ward Adam wach, war Sprachkraft da,

Sprachklanghaft A.

Gut, gleich das E, da haben wir jetzt eher sowas.

Dem strebt entgegen E,

erkennt der Mensch, den Menschen je,

des Ewigens Welt erenger sie,

es lebt dem E.

So machen wir das jetzt nochmal alle. E ist eine starke Spannung da drinnen, es ist von der Natur her eher unsympathisch. Ich sage immer, das ist der Nachbar, das ist der Gartenzaun, was der schon wieder macht, der kommt mir aber da nicht in meinen Garten rein. So, ich baue einen Zaun auf, ich sperre mich gegenüber der Welt und das kann so stark sein, dass die Stimme wirklich schneidend wird. Es ist aber ein tolles Erlebnis, das zu spüren, man soll es nicht immer im Alltag einsetzen, aber es zu können, das ist gut. Dann reicht manchmal ein Wort und es ist Stille.

Dem strebt entgegen E,

erkennt der Mensch, den Menschen je,

des Ewigens Welt erenger sie,

es lebt dem E.

Gut, machen wir einen Sprung noch zum U hinunter. Jetzt gehen wir in die Gruft, Entschuldigung, gehört jetzt auch dazu, U und durch und durch. U wird eng, U, U, das ist nichts weit offen, U eng. Man spürt es, wenn man stärker spricht, wie es da eng wird, zieht zusammen.

Und durch und durch muss U,

durch Gruft und Schlucht ruft's Mut uns zu,

durch Gut und Blut, durch Furcht musst du

zur Frucht durchs U.

Gut, Konsonanten, im Übrigen die Vokale sind das mehr musikalisch klingende Element in der Sprache. Wenn wir keine Vokale hätten in der Sprache, würde die Sprache sehr armselig klingen. Sie wird gar nicht klingen, sie scheppert dann vielleicht ein bisschen. Weil das Scheppern kommt mit den Konsonanten hinein, aber die bildet Formen. Und die bildet vor allem das Verständnis. Macht zuhause mal den Versuch, aus einem Satz, den ihr lest, nur die Vokale herauszunehmen. Man versteht nichts. Die Konsonanten, wenn ich nur die Konsonanten in ein Wort lasse, versteht man es. Absolut. Daher in vielen alten Sprachen werden nur die Konsonanten geschrieben und Vokalisierung frei noch empfinden. Das heißt, da ist ein Raum für individuelles Empfinden dafür gegeben. Nehmen wir den ersten Konsonanten, das H des Himmels auch. Das ist der zarteste. Im Übrigen, Konsonanten sind keine Klänge, keine musikalischen Klänge eigentlich, sondern es sind Geräusche, wirkliche Geräusche, die dadurch entstehen, dass die gestaltete Atemluft sich bricht irgendwo da an den Hindernissen im Mundraum, im Spracheraum sozusagen, an den Zähnen oder am Gaumen oder wo auch immer. Und das sind also Geräusche. Das heißt, nur Konsonanten zu sprechen ist ein bisschen schwierig. Also darum ist Tschechisch nicht leicht, das zu sprechen, weil da sind sehr viele Konsonanten drinnen, relativ wenig Vokale.

Gut, das Himmelshauch. Fliegen wir hinaus in den Himmel.

Das Himmelshauch schuf Hall und Licht

aus Urweltrauch.

Aus Herzen bricht der Sprachehauch,

erwacht ein Ich.

Der Rachefluch, der heilige Spruch

verhallt im Todeshauch.

Ja, wunderbar. Einatmen, ausatmen. Diese großartige Tätigkeit. Einatmen, Inkarnation, bei mir sein. Kleiner Abglanz des Inkarnationsvorgangs. Bei jedem Einatmen. Wenn man fest einatmet, wird mir alles spannend. Aber da stehe ich da, sehr bewusst. Gehe ich weg mit dem Bewusstsein, in eine andere Welt eigentlich. Vielleicht wache ich nicht gleich auf dafür, aber ich gehe weg von da. Daher, das Seufzen ist auch sowas. Mir tut alles weh. Und für einen Moment fühle ich mich erleichtert. Die ganze Spannung fällt für einen Moment ab. Also in jedem Atemzug, Inkarnation, Exkarnation. Wiederholte Erdenleben sind nicht der große Rhythmus. Das ist das ein bisschen Größere dann. Aber im Kleinen, jeder Atemzug.

So, noch eines. Auf der hintersten Seite machen wir aus der Quelle laufend schnelle. Die Quelle aus der Quelle. Quack, quack, quack, quack, quack. Auf der letzten, hinter, genau.

Aus der Quelle laufend schnelle,

lispelnd, lallend.

Quellen schwellend, Well auf Welle.

Gleich dem Leben, gleich des Lichtes voller Helle.

Wie der Liebe stiller Fülle.

Eilt zum Flusse, fällt zu Tale.

Grollend, rollend, sprudelnd labt sie Land und Leute.

Will ins volle Meer zerfließen.

Well an Welle, bald gewaltig.

Löst sich schließlich, quillt als Wolke auf ins All.

Ja, schön. Na, da fallen wir jetzt gleich dazu ein, ganz was anderes. Gesang der Geister über den Wassern. Von Goethe wieder. Machen wir es mit Titel gemeinsam. Gesang der Geister über den Wassern.

Des Menschen Seele gleicht dem Wasser.

Vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es.

Und wieder nieder zur Erde muss es

ewig wechseln.

Strömt von der hohen steilen Felswand

der reine Strahl.

Dann stäubt er lieblich in Wolkenwellen

zum glatten Fels.

Und leicht empfangen, wallt er verschleiernd.

Leis rauschend zur Tiefe nieder.

Ragen Klippen dem Sturz entgegen.

Schäumt er unmutig stufenweise zum Abgrund.

Im flachen Bette schleicht er das Wiesental hin.

Und in dem glatten See weiden ihr Antlitz

alle Gestirne.

Wind ist der Welle lieblicher Buhler.

Wind mischt von Grund aus schäumende Wogen.

Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser?

Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind?

Jetzt sehen wir uns gleich aus. Ecce Homo, der Nietzsche. Ein anderes Element. Nietzsche, Ecce Homo. Eines habe ich noch zu vergeben da. Wir haben es ja erfüllt. Nur das Oberste, das Erste. Ecce Homo.

Ja, ich weiß, woher ich stamme.

Ungesättigt gleich der Flamme.

Glühe und verzehr ich mich.

Licht wird alles, was ich fasse.

Kohle alles, was ich lasse.

Flamme bin ich sicherlich.

Hat das nicht Kraft? Sicherlich, ja. Ist doch ganz stark. Also das gehört auch. Es gibt ganz zarte Dinge. Es gibt kräftige Dinge.

Ja, habt ihr das? Christgespräch. Da vorne liegt es. Da liegen noch genug, wer es nicht haben sollte. Christgespräch. Und dann... Schauen wir weiter. Brauchst du eins, Elisabeth? Sehr gut. Christgespräch.

Herrgott du, Gott der Götter,

guter Geist, der du den Tod getötet,

den Sonnenthron in unsere Welt gestellt,

die Erde zu erheben durch deine Niederkunft

und Wiederkunft.

Dich ruf ich aus dem Dunkeln.

Dumpf, stumpf, verdunkelt sind die Brüder all

im Würgegriff des Bösen.

Wir taumeln halbbewusst dem Abgrund zu

und die Natur verendet.

Es stirbt das Meer, es weint der Wald.

Und ich, ich rufe dich, wo bleibst du?

Doch da ertönt dem Ohr das Weltenwort im All.

Ich hab ja dich.

Herrgott du, Gott der Götter, guter Geist,

nichts hast du sonst zu sagen?

Aufbäume ich mich, was lässt du mich allein?

Wir brauchen Götterhilfe.

Zu schwach ist unsere Kraft.

Prometheus selbst, für seinen Freiheitswillen

ans Erdenlos gebannt, dem Flug der Zeit

das Leben hingegeben.

Durch Herakles' geweihte Willenskraft

allein ward er gerettet.

Zu schwach bin ich.

Woher kommt Kraft für mich, O Christ,

der Welt zu helfen?

Doch da ertönt es tröstend,

hilfreich mild in mir.

Du hast ja mich.

Schön. Vielleicht machen wir das fünfte Element auch. Jetzt haben wir schon so viele Elemente gehabt. Wasser, Feuer, die Luft fehlt uns noch, aber das fünfte vor allem, das ist wichtig. Das fünfte Element.

Der Geist ist Feuer, das lodert und leuchtet.

Ein Sturm ist die Seele, von Herzblut durchfeuchtet.

Und schwellend wogt Leben, und flutet und waltet

im Leibe wie Felsen, hochragend gestaltet.

So stark ist und brandet und brauset wie Wetter

naturhaft die Urkraft im Sohne der Götter.

Nur eines ist größer als irdisches Streben

kann Felsen erheben und glättendes Leben

lässt schweben die Seele, den Geist sich erheben

kann Opfern hienieden, kann Frieden dir geben

zu Sternen aufstreben, zum Himmel erheben

der reinste der Triebe, unendliche Liebe.

Schön. Schön. Jetzt kennt man nur die Rückseite. Da ist noch eine Rückseite da. Nehmen wir die auch noch. Und dann machen wir Schluss, hätte ich gesagt. Weil, das sagt uns schon der Titel. Es ist soweit.

Ehe noch der letzte Ölbaum stirbt,

den Christi Auge geschaut,

erscheinet er im Ätherlicht,

der tief auf ihn vertraut.

Erinnerung an Christi geschichtliche Zeit,

sie reicht nicht zweitausende Jahre weit.

Der Glaube erblindete, schandtatbereit

durch Fürsten und Händler und Geistlichkeit.

Trotz Dummheit und Stumpfheit,

es ward prophezeit, wer suchet, der findet.

Es ist soweit.

Ehe noch der letzte Ölbaum stirbt,

den Christi Auge geschaut,

erscheint er dem im Ätherlicht,

der tief auf ihn vertraut.

Genau. Das ist durchaus Motto unserer Zeit. Das Geistige in seiner höchsten Gestalt kann uns heute erscheinen und ist bereits vielen Menschen erschienen. Vor allem in entsprechenden Notlagen. Wer behalten will, kann es auch behalten. Ja, ja, natürlich, selbstverständlich. Vielen Dank, wir haben jetzt eine halbe Stunde Pause und um 19 Uhr geht es dann weiter. Und bitte, das Buffet ist so reichlich. Und wir sind so wenige. Schlagt es zu. Sonst müssen wir das ganze essen.

Glossar

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