War Richard Wagner die Wiederverkörperung des Zauberers Merlin - ein Vortragsausschnitt von Michael Rheinheimer, Quartett-Tage Bodensee, 2026

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War Richard Wagner die Wiederverkörperung des Zauberers Merlin - ein Vortragsausschnitt von Michael Rheinheimer, am 22. Juli 2026 bei den Quartett-Tagen am Bodensee. Hier klicken um zum Video zu gelangen

Am 22. 7. 2026 hielt Michael Rheinheimer, Pfarrer der Christengemeinschaft Bonn-Bad Godesberg, einen Vortrag zum obigen Thema im Rahmen der Quartett-Tage am Bodensee 2026. Veranstalter war der Verein „Von Wert sein“.


Transkription des Vortrags vom 22. Juli 2026

von Elke J., Juli 2026

Rudolf Steiner besuchte die Burgruine Tintagel, das historische Artus-Schloss, August 1924 00:00:00

... zum Raum wird hier die Zeit, der Gral - und Richard Wagner, ich habe Ihnen mal etwas mitgebracht. Weiß jemand oder kann jemand einschätzen, wo das ist? Ja, England ist richtig, Cornwall, Tintagel.

Jemand mal da gewesen? Ja, Tintagel ist Cornwall. Das ist ein Landschaftsgebiet, das mit den Artus-Sagen in Verbindung gebracht wird. Tristan mit Isolde - spielt auch diese Überfahrt am Anfang von Cornwall nach Irland. Und Camelot heißt das Hotel dort. Und dann gibt es diese Burgruine Tintagel, wo Rudolf Steiner im August 1924 mal zu Besuch gewesen ist. Er hat gesagt, das ist das historische Artus-Schloss.

Und er hat den sehr süffigen Satz gesprochen und hat gesagt, „… aus der Akasha-Chronik fühlt man die Steine herunterpurzeln.“ Also er wollte sich aufmerksam machen, dass da noch unglaublich geistige Kräfte wirken. Und er hat - ich habe die Fotos selber gemacht - und er war, ich galube vor 100 Jahren, so Sommer 1926, ist ein Waldorflehrer aus Holland, Daniel van Bemmelen, den Namen müssen Sie jetzt nicht kennen, der ist da hingefahren. Und hier sieht man also die Burg Ruine, Cornwall, Westküste. Und dann hat er hier vorgestanden und hat da so raufgeguckt. Und dann hat er plötzlich so ein Gesicht gesehen, können Sie das so sehen, mit der Nase und so, mit dem Mund und der Stirn.

Und dann hat er plötzlich angefangen, den Pilgerchor aus dem Tannenhäuser von Richard Wagner zu singen. Und er hat sich sehr gewundert, warum singe ich denn jetzt hier in England, ich bin doch an einer völlig anderen Stelle, den Pilgerchor von Richard Wagner. Und dann hat er nochmal auf dieses Gesicht geguckt und hat gesagt, hä, der sieht doch aus wie Richard Wagner! So die Nase und Ähnliches. Und dann ist er nach Tintagel gegangen und hat das einem Einheimischen erzählt.

Merlins Cave 00:02:04

Da hat er gesagt, ja, ja, da ist so ein Gesicht, das nennen wir “Merlins Cave”. Merlin, der Zauberer, und der guckt dort aus dem Felsen, nachdem er von Vivienne verzaubert wurde. Und dann hat er das am Abend einer anthroposophischen Freundin, Elena Mary, erzählt, die im August 1924 mit Rudolf Steiner in Tintagel war. Und die war ganz aufgeregt und hat gesagt, ja, wussten Sie das nicht, als Rudolf Steiner in Tintagel war, da hat er gesagt, dass Richard Wagner in seiner letzten Inkarnation Merlin war, der Zauberer. Und er hat gesagt: “An seiner Musik können Sie das hören.” Und jetzt interessant, ja, die Engländer sagen, das ist Merlin. Und sozusagen bei den deutschen Anthroposophen oder vielen anderen, die gehen da hin und haben das Gefühl, da guckt Richard Wagner aus dem Felsen.

Also das ist so eine Geschichte. Tatsächlich, wenn man davorsteht - ich habe mir das länger angeguckt - kann schon den Eindruck haben, dass das vielleicht eine gewisse Ähnlichkeit hat. Manche sehen es auch nicht. Aber Daniel von Bemmelen hat diesen Legende oder diesen Mythos in die Welt gesetzt. Und dieser Satz, “... an seiner Musik können Sie das hören.” [gewandt an Marcus Baader] Ich bin ja morgen leider nicht da. Es hätte mich so interessiert, wie du das machst und darstellst. Ich bin ja Laie, musikalisch. Du bist da der Experte.

Aber ich habe viele Freunde, die Profimusiker sind. Vielleicht ist das der Grund auch, wenn man sagt, die wagnerische Musik ist von einem Zauberer, von einem Barden, von einem Menschen, der magische Kräfte hat, als solches komponiert worden. Vielleicht ist es auch der Grund, warum manche Menschen das nicht mögen. Weil sie das Gefühl haben, das lässt mich nicht frei. Ich habe eine gute Freundin, die ist Cellistin im Bonner-Beethoven-Orchester. Die liebt es, Wagner zu spielen und hasst es zugleich. Weil sie sagt, das kriegt ja kein freies Verhältnis dazu.

Richard Wagner hat eine mantrische Musik komponiert: Werkzeug für den Geist 00:03:58

Da hat aber ein Freund von mir mal einen ganz wunderbaren Satz geprägt. Er hat gesagt, Richard Wagner hat “eine mantrische Musik komponiert. “Das fand ich einen sehr schönen Begriff: Mantrische Musik! Wissen Sie, was mantrisch heißt? Kommt ja aus dem Sanskrit. Mantra? Es stellt sich aus Man- und -tra. Also Man- kommt von Manas, von Geist und -tra ist Werkzeug. Werkzeug für den Geist. Wenn etwas mantrisch ist, heißt es, dass es ein Werkzeug für den Geist ist.

Wenn eine Sprache, sage ich mal, so eine Alltagssprache “Sehr geehrte Fahrgäste, wir verspäten uns mit der Deutschen Bahn”, das ist nicht mantrisch, das ist Alltagssprache. Ein Dichter wie Erich Kästner könnte das dann verdichten, eine Alltagssituation, dass es plötzlich dicht wird, so verdichtet, künstlerisch. Und mantrisch ist, wenn dann plötzlich Novalis, “Hymnen an die Nacht” oder ein Spruch von Rudolf Steiner, wo man sozusagen merkt, die Sprache bekommt eine Dichtigkeit, wo man die Wörter auch nicht mehr austauschen kann. Dann wird das sozusagen durchlässig und dann kann diese Logos-Geisteskraft da hindurch wirken.

Rudolf Steiner: An Wagners Musik kann man die Artus-Merlin-Qualität hindurch hören 00:05:13

Und offenbar hat Wagner das auch mit der Musik gelungen. Steiner hat gesagt, an seiner Musik können sie diese Artus-Merlin-Qualität offenbar hindurch hören. Also vielleicht wäre das eine Möglichkeit, auch noch mal ein weiteres Verhältnis zum Lebenswerk Richard Wagners zu bekommen. Was mich an dem immer auch so fasziniert oder erstaunt hat - über Shakespeare sagt Rudolf Steiner, der hat - Sie alle kennen bestimmt irgendwelche Shakespeare …, Hamlet und Richard III., die ganzen Königsdramen. Und er hat mal gesagt, die Shakespeare-Gestalten, die existieren alle wirklich. Die gibt es in der geistigen Welt. Der Shakespeare stand da nicht so: “Ach, was denke ich mir denn da mal aus? Ich könnte es doch mal so machen.”  Sondern der war inspirationsfähig für etwas, das da ist, das aufs Papier zu bringen. Und bei Wagner denke ich, der ist sogar noch einen Schritt weitergegangen. Der hat es geschafft, die Figuren, die er da auf die Bühne gebracht hat, die sozusagen im Leben auch auftauchen zu lassen.

Sie kennen vielleicht so König Ludwig von Bayern. Dem hat es ja nicht gereicht, die wagnerischen Figuren auf der Bühne zu sehen. Sondern, wenn Sie mal in Neuschwanstein waren oder in - wie heißt das da in Bayern, im Ammergebirge? Linderhof. Linderhof, genau! Da hat er so eine Venusgrotte. Der wollte wirklich ... oder eine Gurnemanz-Klause, oder eine Hundinghütte. Der wollte wirklich diese Gestalten wirklich im Leben selber da eintauchen können.

Ich denk mir das auch immer, wenn man diese Bilder von Adolf Hitler 1934 bei den Bayreuther Festspielen sieht, nach dem Parzival, weil der oben auf dem Festspielbalkon ist, dort winkt – ja. Es gibt ja auch Äußerungen, ihn in einem Zusammenhang mit Klingsor zu sehen. Wenn man sich klar macht, der Wagner hat es geschafft, durch seine Musik den Klingsor selber real im Leben auftauchen zu lassen. Das ist für mich ein Alleinstellungsmerkmal. Ich kenne keinen anderen Künstler, dem das gelungen ist, diese Werke nicht nur auf die Bühne zu bringen, sondern die Kräfte, die in diesem Werk wirken - wahrscheinlich kann das nur ein Merlin - im Leben dann selber auftauchen zu lassen.

Wer ist Merlin? 00:07:28

Was wissen Sie von Merlin? Wer war das? Merlin ist ein Zauberer. Es gibt ja die Excalibur, er war Druide. Wir haben vorhin gehört von Excalibur, Arthur- Sagen. Es gibt die Gralsritter. Es gibt die Arthurs-Ritter. Und Merlin ist ein Barde, ein Zauberer, ein Magier gewesen. Das ist ganz interessant. Es heißt halb Gott, halb Teufel. Es gibt eine Legende von den Gralsdichtern aus dem 12. Jahrhundert. Da haben sich die Teufel nach der Auferstehung getroffen und haben gesagt, so ein Mist! Christus ist auferstanden. Wir haben verloren. Jetzt können wir nichts mehr machen in der Welt. Wie arbeiten wir jetzt noch weiter? Und dann haben sie gesagt, warum haben wir eigentlich verloren? Er hat gesagt, Schuld sind die Propheten, die immer sozusagen prophezeit haben, einmal wird einer kommen und auferstehen und deren Prophezeiungen haben den wie in die Welt geholt. Dann haben sie gesagt, was wir brauchen ist ein Prophet, der immer nur nach hinten guckt in die Vergangenheit und dass alles schrecklich ist. Und den müssen wir uns schaffen. Und so haben sie den Merlin geschaffen, einen Propheten, der immer nur nach hinten gucken soll, damit die Menschen vergessen, dass Christus auferstanden ist.

Und haben aber unterschätzt, dass der Merlin eine innere Kraft hat, dass er zwar dieses Erbe mit sich bringt und zum anderen aber auch mit den Christuskräften in einer Weise verbunden ist, dass er ja derjenige ist, der diese Artus-Tafelrunde als solches einsetzt. Wer waren die Artus-Ritter? Die Ritter der Tafelrunde - was haben die für eine Aufgabe gehabt? Ja, gerade nicht. Die Gralshüter haben auf der Gralsburg den Gral gehütet. Die durften nicht kämpfen! Das hat Amfortas ja gemacht. Die sollten den Graal hüten. Bei Wolfram von Eschenbach heißt es: Der Gral selber entscheidet, wer zu einem kommt. Und der Amfortas hat sozusagen zur Lanze gegriffen und gekämpft - deswegen die Wunde.

Die Artus-Ritter haben eine ganz andere Aufgabe, die sollen in der Welt kämpfen. Die ganzen Sagen von Drachen und bösen Zauberern und Elementarwesen und Zwergen. Also dieses ungeläuterte germanische Europa, das sollten die so weit läutern, damit dann Raum für das Christentum ist.

Die Geschichte von Merlin und Artus 00:10:07

Und die Geschichte von Merlin und Artus - Artus soll der König von Britannien sein, der Merlin schützt ihn erst, weil er Feinde hat. Dann hat er dieses Schwert Excalibur in einen Stein gesteckt und derjenige, der das Schwert zieht, ist der rechtmäßige König Britanniens. Und der Artus selber mit seiner Unschuld zieht dieses Schwert raus. Und Merlin ist jetzt derjenige, der ihn als Magier, als Barde aus dem Hintergrund berät und auch die Tafelrunde der Artus-Ritter für ihn einsetzt. Aber er hat mächtige Feinde, weil die ganzen Leute am Hof jetzt immer befürchten, dass der Artus von einem Zauberer beratschlagt wird. Die verschiedenen Sagen, die die unterschiedlichen Menschen unterschiedlich mitgeschrieben haben, berichten sozusagen von dieser Geschichte.

Richard Wagner und König Ludwig von Bayern 00:11:02

Ich denke mir da manchmal, es ist interessant, wenn man das ernst nimmt, was Rudolf Steiner über Richard Wagner und Merlin sagt, dass sich da so eine Geschichte oder so eine Schicksalssignatur ein Stück weit wie weiter fortsetzt. Denn den Namen, den ich gerade schon sagte, der Richard Wagner, der hat ja auch noch mal so einen jungen Freund gehabt, der auch König war, König Ludwig von Bayern. Womit ich jetzt nicht sagen will, dass das Artus war. Ich glaube nicht, dass das Schicksal oder das so simplifiziert wirkt.

Aber es ist so eine ähnliche Schicksalssignatur, weil der Bayerische Hofstaat, der war auch die ganze Zeit sehr missgünstig. Hat immer das Gefühl gehabt, der 51-jährige Richard Wagner hat einen äußerst unguten Einfluss auf diesen 18-jährigen König damals. Und das große Artusfest ist ja immer das Pfingstfest. Die Gralsritter sind immer mit dem Karfreitag ganz stark verbunden. Und das ist ganz interessant - als die beiden sich zum ersten Mal getroffen haben, war in Stuttgart, haben sich nicht persönlich getroffen. Richard Wagner war an .. könnte man sagen, in der größten Krise seiner Biografie. Man könnte sagen, auch in seinem Ich-Punkt. Bei manchen sind ja Krisen auch sozusagen der Punkt, wo man denkt, es geht nicht weiter. Aber gerade dadurch, dass man denkt, es geht nicht weiter, durch dieses Ohnmachtserleben kommt man zu dem, was die eigentliche Aufgabe ist. Wagner hat damals Tristan und Isolde komponiert. Das durfte in Paris nicht aufgeführt werden

Und Tristan und Isolde spielt in diesem Cornwall-Irland-Bereich, also in diesem Mysterienraum der alten Artus-Merlin-Geschichten.

Die Artus-Strömung erlebt den Christus im Außen, während der Gralsstrom den Christus innerlich, im Herzen wahrnimmt 00:12:48

Und man weiß, dass Wagner in einer frühen Fassung von “Tristan und Isolde” sozusagen etwas vorhatte. Der wollte im dritten Akt, wo der Tristan stirbt, einmal Parzival ganz langsam hinten über die Bühne gehen lassen. Also da schon so wie einen Blick in die Zukunft tun und hat es dann doch nicht gemacht. Er hat es irgendwie herausgenommen.

Mich hat das heute berührt. Barbara hat ja - wo ist sie? Da hinten - davon berichtet auch von der Art, den Christus zu erleben in einem selber. Und das ist ja auch eine ganz wunderbare und vertiefte Art, wie man das machen kann. Rudolf Steiner hat über die Artus-Ritter aber noch etwas ganz anderes gesagt, wie die den Christus erlebt haben. Die haben den Christus nicht in sich selber erlebt, sondern die sind nach draußen in die Natur gegangen und haben das durch diesen Blick nach draußen erleben können. Und Rudolf Steiner sagt, die haben einfach, als der Christus am Kreuz gestorben ist, in Palästina, haben die von Irland, Schottland, Tintagel aus, vor 2000 Jahren in der Natur wahrgenommen, es gibt Ostern! Können Sie das innerlich ein bisschen verstehen? Sie denken alle, ich kann es in mir erleben - kann ich ja auch. Aber er sagt, die sind rausgegangen und haben gesagt, jeder Grashalm weiß, dass es die Auferstehung gibt.

Und er hat das genannt “auf eine heidnische Art fromm werden”. Vielleicht gibt es ja auch - ich glaube, dass wir da übrigens alle unterschiedlich sind. Manche Menschen haben ein stark innerlich christliches Erleben, wenn sie das in sich selber spüren. Das ist mehr der Gralsstrom. Er sagt ja, die haben das im Herzen, das Blut, den Christus im Herzen haben das die Menschen innerlich wahrgenommen. Und er sagt, der andere, das ist so mehr der nördliche Artus-Strom, die schauen nach draußen in die Welt, durch die Sinne und können sozusagen in der Natura, in den Elementarwesen, in der Natur wahrnehmen, dass es Christus gibt. Und zwar völlig unabhängig davon, ob das irgendwie aufgeschrieben wurde oder ob es da historische Zeugnisse für gibt. Wie gesagt ja, vielleicht gibt es ja Menschen unter Ihnen, die das sofort nachvollziehen und sagen, wenn ich nach draußen in die Natur gehe ... bitte? [Publikumsstimme: Kollektives Bewusstsein] Ja! Kann ich das sofort. Da habe ich sogar ein viel stärkeres Erlebnis davon, was Christentum oder was Auferstehung ist, als wenn ich da in mich selber hinein lausche.

Da gibt’s nicht ... das eine ist nicht besser oder höher. Es sind einfach zwei verschiedene Richtungen. Ich kann durch die Sinne nach außen gehen, ich kann natürlich auch nach innen in mich hinein lauschen. Und der Artus Ritter- Strom, ganz stark, das Draußen - deswegen habe ich Ihnen das Bild mitgebracht - die haben das im Kräuseln des Wassers, im Wehen des Windes, im Sprühen des Lichtes, in diesen elementaren Kräften, das kann man bis heute dort wahrnehmen, haben die das Christentum eigentlich wahrgenommen. Und die Katholiken waren hoch erstaunt, wie man sowas wissen kann, ohne dass man denen das Missionieren sozusagen beigebracht hat.

[Publikumsstimme: Als ich da in Tintagel war, da war ein Sturm. Wir mussten irgendwann mal nach drinnen fliehen, wir mussten rein, weil es war draußen ein Sturm. Und da unten das Wasser, das war so eine Gischt, das war alles so wild, dass es geheißen hat, da dürfen wir auf keinen Fall hin. Das sind unglaubliche Naturkräfte dort.]

Wahnsinnige Naturkräfte, elementare Kräfte, die man bis heute unmittelbar stark dort wahrnehmen kann! Also einfach dieser Gegensatz, dieser Artus-Merlin-Strom, von dem Wagner kommt, das Wahrnehmen des Christus, der Auferstehung, in einem Hinschauen in die elementaren Kräfte in der Natur. Und dieser Grals-Strom, ein innerliches Wahrnehmen der eigenen Herz-, der eigenen Blutskräfte und in sich selber wahrnehmen können, es gibt Ostern, es gibt Auferstehung, es gibt den Karfreitag. Und diese beiden Ströme, Artus und Gral, die spielen natürlich in allen Grals-Sagen auch die Verbindung immer eine Rolle miteinander.

Das spirituelle Erlebnis Richard Wagners 00:17:03

Jetzt ist aber ganz interessant, der Parzival von Richard Wagner, der urständet auf einem spirituellen Erlebnis, das er selber gehabt hat und das er in seiner Autobiografie “Mein Leben” auch beschreibt.

Und Wagner war damals, ich glaube das war 1857 oder jedenfalls Ende der 50er Jahre - da war er in Zürich in der Villa Wesedonk im sogenannten Rüther Park. Und da wird berichtet - es war Karfreitag - und der Wagner saß da draußen - man kann da heute an diesen Ort noch gehen - hat in die Natur geschaut, hörte die Vögel singen, das Licht, wie das an Ostern und an Karfreitag ist und hat das Gefühl gehabt, heute ist ja Karfreitag, heute ist der Herr auferstanden. Und das war für ihn ein tiefspirituelles Erlebnis. Und aus dieser Erfahrung raus hat er dann Jahrzehnte später seinen Karfreitagszauber oder seinen Parzival komponiert. Und merken Sie, worauf ich hinaus will? Der Wagner - Merlin - schaut nach draußen in die Natur und hat ein Gralserlebnis. Also im Mittelalter würde man sagen, der Gralsweg ist der Weg nach innen und der Artusweg ist der Weg nach außen. Wagner schaut nach außen und hat das Erlebnis von innen. Also sozusagen das eine Erlebnis in dem anderen. Der Gralsritter hätte den Karfreitag in sich selber, in den Herzkräften, in dem ätherischen Blut zwischen Herz und Haupt in sich erlebt.

Der Artusritter hätte nach draußen geschaut. Wagner/Merlin sitzt in Zürich, schaut nach draußen auf den See, auf das Licht und erlebt da plötzlich diese Karfreitagsqualität. Und da geht für Wagner sozusagen ein ... sein Merlin-Sein, hat sich in seinem Leben als Richard Wagner wie auf eine neue Stufe gehoben. Und gerade dann, als er dieses Erlebnis hat, wenige Jahre später, kommt dann eben diese große Krise, wo er dann - sein Tristan kann in Paris nicht aufgeführt werden und Wagner hatte zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon die Hoffnung aufgegeben, dass er das noch, den Parzival, der ja sozusagen sein Opus Magnum oder zumindest wie eine Krönung seines Schaffens ist - wenn der Experte zustimmt oder sagt, das kann man offen lassen.

Wolfram von Eschenbach: Pfingsten ist das Artus-Fest. Richard Wagner trifft sich mit König Ludwig von Bayern Pfingsten 1864 00:19:26

Aber jedenfalls etwas, womit er das Ganze in eine wunderbare Abrundung gebracht hat, das hat er sich in diesem Moment eigentlich nicht mehr zugetraut, dass er das jemals noch fertig schaffen wird. Und interessanterweise an Pfingsten, an dem Fest von Artus, ja, es heißt bei Wolfram von Eschenbach, was immer mit Artus zu tun hat, ist an Pfingsten geschehen. Da haben sich Richard Wagner und König Ludwig von Bayern zum ersten Mal in München damals getroffen, ich glaube, Pfingsten 1864, also an dem Artus-Fest.

Und der Wagner war da in Stuttgart - an der Königstraße gibt es das Hotel Marquardt, das sollte ein Kino, haben so eine kleine Plakette hingetan, ja, hier war Wagner damals, als der Kabinettssekretär des Bayerischen Königs kam und gesagt hat, wenn Sie kommen, verehrter Meister, wird der neue Bayerische König Sie empfangen, Ihnen eine materielle Grundlage geben. Und am Pfingsten 1864 haben sie sich getroffen. Und es ist wieder so ein bisschen so eine Artus-Merlin-Signatur: Der 18-jährige König und dieser über 30 Jahre ältere Mann, der diese magische Musik komponieren kann. Und der Merlin hat sozusagen dem Artus damals so eine Art sein Camelot gebaut. In dem Fall ist es umgekehrt, ja, der König Ludwig wird dem Richard Wagner die Bayreuther Festspiele bauen. Und wieder ist es so, dass ein bayerischer Hofstaat da ganz misstrauisch ist, weil sie das Gefühl haben, der Bayerische König wird da von so einer rätselhaften Zaubergestalt wie aus dem Hintergrund wie manipuliert.

Und ich denke mir manchmal - waren Sie mal in Bayreuth im Haus Wahnfried? Ja, da steht ja da die Büste des Bayerischen Königs. Und dann steht da – sie haben es ja inzwischen renoviert: “Hier, wo mein Wähnen Frieden fand, Wahnfried sei dieses Haus von mir benannt.” Das Wort “wähnen” ist ja heute so ein bisschen aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Sagt ihr noch so: mir wähnte oder so, mir dünkte, ja? [Erwähnen]. Erwähnen, schön, ja. Man sagt halt, man ahnt oder so, man wähnt, Wahn vielleicht, ja, Wahnfried, man denkt da eher an eine ... eine Wahnvorstellung. Aber das Wähnen ist so ein erahnendes, ein erahnendes Wahrnehmen.

Die Gestalt der Kundry. Sie dient tagsüber den Gralsrittern und nachts Klingsor 00:22:02

Und da sagt er dann - er hat ja in Bayreuth, im Haus Wahnfried hat er die Parzival-Ouvertüre komponiert - “Hier, wo mein Wähnen” - also offenbar der Wagner, der durch dieses Karfreitags-Erlebnis sein altes Merlin-friedloses Wähnen, was auch noch manches Unerlöste hat, doch in einer besonderen Weise befrieden kann. Dunkle Ahnungen, ja?

Auch eine solche Gestalt, ja, ich weiß nicht, wie gut ... ja, wie wir hatten gesprochen, Parzival ... gibt es ja diese Gestalt der Kundry. Die hat er ja von Wolfram von Eschenbach weiter auch ausgearbeitet. Wagner ist der große Dichter im 19. Jahrhundert, der auch Reinkarnation und Karma auf die Bühne bringt. Die Kundry, wird gesagt, das ist die Reinkarnation der Herodias gewesen. Kennen Sie ja aus dem Evangelium, ja, Herodes und Herodias und Salome, den Tanz um die Enthauptung Johannes des Täufers. Es wird berichtet, dass die Kundry den Heiland ausgelacht hat am Kreuz und dann traf ihn sein Blick. Traf sie sein Blick.

Und da ist wie ein ... nachdem sie gemerkt hat, wer sie da anschaut, da ist sie innerlich so verwandelt, dass sie jetzt immer wieder kommen will, um das in einer Weise auszugleichen und erst erlöst werden kann, wenn ein Mann - das wird am Ende Parzival sein - ihren Verführungskünsten widersteht. Und dann sagt es der Klingsor - zweiter Akt Parzival - also “Kundry warst du und Gundvigrago und Herodias auch” - also Wagner geht ganz offen damit um, ja, im 19. Jahrhundert, dass da Figuren, eine Figur mit Kundry mit verschiedenen Erdenl. Und da geht er aber eben wie an das Äußerste an Brisanz, weil die Kundry ist eine Gestalt, die tagsüber den Gralsrittern dient und nachts Klingsor.

Ich weiß nicht, ob wir sowas akzeptieren würden, oder? Also stellen Sie sich vor, jemand, der tagsüber hier an den Quartetttagen mitwirkt, ja, und positive Impulse hat und nachts auf die Epsteininsel fährt. Dann würden wir doch sagen: “Entschuldigung mal! Entweder bist du ein V-Mann oder ein Agent?” Wir würden das einfach nicht akzeptieren. Wagner löst das - bitte? [Publikumsstimme: Als Missionar fährt er auf die Epstein-Insel] Ja, aber die Kundry, wenn sie den Gralsrittern dient, dient sie den Gralsrittern. Man kann jetzt nicht einfach sagen, du, du, du, nein, nein, sie tut ... das würden wir fast wie nicht ... Wagner macht das aber.

Das ist so wie, als wenn er diese Doppelgestalt des Merlin, die ja so in sich hat halb Gott halb Teufel da wie auf die Bühne bringt - und dann ist es ja - Parzival, dritter Akt - ja, nachdem er das Erlebnis des Karfreitagszaubers hat, also dieses innere Christuserleben, was er in der Natur erlebt - “Wie dünkt mich dort die Aue heut so schön, Wunderblumen, das ist Karfreitagszauber, Herr!” Und dann beschreibt er dort, wie er diese Christuskräfte in der Natur erlebt, dieses Gralserlebnis, im Artusstrom. Und dann kann Parzival die Kundry heilen. Und fast kann man den Eindruck haben, in Wagner/Merlin ist da selber etwas verwandelt oder geheilt worden, dadurch, dass er diese Gestalt des Kundry in dem Parzival in seinem Bühnenbeispiel auf die Bühne gebracht hat.

In Palermo, wo Goethe die Urpflanze entdeckte, schreibt Wagner seinen Karfreitagszauber 00:25:36

Und ich weiß nicht, ob Sie das wissen, Wagner hat ja den Parzival am Anfang in Bayreuth geschrieben, und abgeschlossen den ganzen dritten Akt Anfang der 80er Jahre, da war er in Palermo, in Sizilien, im Grand Hotel. Und es ist sehr interessant, ein Kilometer davon entfernt von dem Grand Hotel, die haben auch heute so eine Plakette: “Hier war Wagner mit Cosima, dritter Akt, Parzival, Palermo” - ist der botanische Garten, wo Goethe in seiner italienischen Reise war. Und da hat er sein großes Erlebnis mit der Urpflanze gehabt. Goethe sagte, alle Gestalten sind ähnlich, keine gleiche der anderen, und so deutet das Chor auf ein geheimes Gesetz, jede Pflanze sieht völlig anders aus, aber es gibt ein Urbild einer Pflanze, eine Urgestalt der Pflanze, die in allen Pflanzen sinnfällig wahrgenommen werden kann.

Das nennt er die Metamorphose der Pflanze. Und da, wo Goethe dieses innere Erlebnis hat, schreibt Wagner seinen Karfreitagszauber. Also da muss auch ein Genius oder eine Fügung über den gewissermaßen gewaltet haben, wo man merkt, wie so Dinge dann auch sich zusammenfügen.

Das Vergangene geht, das Gewesene kommt - Publikumsgespräch 00:26:49

Publikumsstimme: Michael, eine schwierige Frage. Ich stelle sie einfach. Mir kommt so ... der Gral ist der Geist, das ist der reine Geist. In dem Sinne auch wie der Kristallkern, der Nukleus. Und der Schwan ist ja so die Hüllenbildende, dass es zum Gefäß wird, dass also quasi dieser Geist sich inkorporiert, auch mit den Ahnen zu tun hat, weil es sich hier auf der Erde kristallisiert.

Michael: Aber es sind Ahnen, die aus der Zukunft kommen, nicht aus der Vergangenheit.

Publikumsstimme: Zukünftige Ahnen?

Michael: Ja, zukünftige Ahnen.

Publikumsstimme: Ich wollte nämlich auch sagen, der Schwan steht ja für die Ahnen.

Michael: Ja.

Publikumsstimme: Für die Kristallisation brauchen wir einen Nukleus und wir brauchen eine Sphäre und es muss hüllenbildend sein.

Michael: Ich schließe mal mit einem Zitat von Martin Heidegger, dem deutschen Philosophen, der mal gesagt hat: “Das Vergangene geht, das Gewesene kommt.” Wenn wir das verstehen - er hat gesagt, er hat unterschieden in der Vergangenheit, es gibt das Vergangene und es gibt das Gewesene.

Beides ist vergangen, kann man sagen, wo ist denn da der Unterschied? Offenbar gibt es auch in ihrer Biografie, schaut mal auf euch zurück, es gibt den Teil, der ist vergangen, kann man loslassen und dann gibt es das Gewesene. Das kommt aus der Zukunft einem wieder entgegen. Und die Kunst ist eigentlich, unterscheiden zu können zwischen Vergangenem und Gewesenem. Was ist vergangen in der Geschichte, was kann man loslassen, was ist das Gewesene? Und da kommt man wieder zu diesen Ahnen aus der Zukunft. Wenn man sagt: Ich ahne, dann ahne ich ja etwas, was da so sein wird, was kann. Weil die Ahnen sind ja das Gewesene, das wieder aus der Zukunft raus Dinge einem entgegentragen möchten.

Ende des Vortragsauschnittes

Glossar

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Akasha Chronik

  • „[…] er [Rudolf Steiner] hat den sehr süffigen Satz gesprochen und hat gesagt, aus der Akasha Chronik fühlt man die Steine herunterpurzeln. Also er wollte sich aufmerksam machen, dass da noch unglaublich geistige Kräfte wirken.“ | Rheinheimer, M. Richard Wagner - Merlin, 2026, 00:00:00

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Christus

  • „Rudolf Steiner sagt, die haben einfach, als der Christus am Kreuz gestorben ist in Palästina, haben die von Irland, Schottland, Tintagel aus, vor 2000 Jahren in der Natur wahrgenommen […] er hat das genannt “auf eine heidnische Art fromm werden”“ | Rheinheimer, M. Richard Wagner - Merlin, 2026, 00:12:48

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Rudolf Steiner

  • „[…] er [Rudolf Steiner] hat den sehr süffigen Satz gesprochen und hat gesagt, aus der Akasha-Chronik fühlt man die Steine herunterpurzeln. Also er wollte sich aufmerksam machen, dass da noch unglaublich geistige Kräfte wirken.“ | Rheinheimer, M. Richard Wagner - Merlin, 2026, 00:00:00   
  • „[…]  als Rudolf Steiner in Tintagel war, da hat er gesagt, dass Richard Wagner in seiner letzten Inkarnation Merlin war, der Zauberer. Und er hat gesagt: “An seiner Musik können Sie das hören.”“ | Rheinheimer, M. Richard Wagner - Merlin, 2026, 00:02:04
  • „Rudolf Steiner sagt, die haben einfach, als der Christus am Kreuz gestorben ist, in Palästina, haben die von Irland, Schottland, Tintagel aus, vor 2000 Jahren in der Natur wahrgenommen […] er hat das genannt “auf eine heidnische Art fromm werden”“ | Rheinheimer, M. Richard Wagner - Merlin, 2026, 00:12:48   

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Wagner, Richard


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