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Waldorfpädagogik 2025 - Warum gerade heute - ein Vortrag von Christoph Bolleßen, 2025
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Transkription vom Vortrag Waldorfpädagogik 2025 vom 15. Mai 2025
Begrüßung und Fragen zur Entwicklung der Waldorfpädagogik 00:00:50
Ja, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Anwesende, lieber Herr Alexander, ich bedanke mich für die sehr herzliche Einladung, für die tolle Schulführung, die wir gerade erhalten haben, hier in Heilbronn mal die Räumlichkeiten zu sehen. Und ich freue mich heute ganz besonders, dass wir das Thema Waldorfpädagogik im Jahr 2025 einmal gemeinsam anschauen, denn wie wir an dem Titel des Vortrags schon an der Frage merken, warum gerade heute im Jahr 2025 die Waldorfpädagogik? Das ist ja zunächst mal, wenn wir in die Landschaft der Waldorfschulen schauen, wir haben weltweit agierende Waldorfschulen, besonders Deutschland ist auch ein starker Standort mit vielen Institutionen, an denen die Kinder aus meiner Sicht Gott sei Dank die Möglichkeit haben, eine andere Form der Erziehung kennenzulernen. Und trotzdem muss man sich die Frage stellen, was ist denn von dem, was vor etwa 100 Jahren durch Dr. Rudolf Steiner als Impuls gegeben wurde für eine neue Art der Pädagogik, heute noch spürbar, was lebt heute noch von diesem Impuls? Sind vielleicht einige Dinge ein wenig aus dem Blick geraten? Hat uns der schnelllebige Zeitgeist oder vielleicht auch Zeitungeist ein wenig überrollt? Sind einige Punkte vielleicht nicht mehr ganz so klar, wie sie damals noch in der Welt waren? Die ersten Waldorflehrer, die von Rudolf Steiner noch persönlich instruiert wurden, gemeinsam mit ihm arbeiten durften. Wie sieht es heute aus? Wie steht es um die Waldorfpädagogik?
Verbindung mit dem Publikum 00:03:05
Und aus diesem Grund möchte ich heute versuchen, einige Aspekte, die aus meiner Sicht essentiell wichtig sind, um eine lebendige Waldorfpädagogik zu haben, heute zu skizzieren und dann auch gerne mit Ihnen im Anschluss an den Vortrag in einem Austausch an der einen oder anderen Stelle zu vertiefen. Und wenn Sie erlauben, würde ich gerne zu Beginn einmal kurz um Handzeichen bitten, wer ist denn Waldorflehrer unter Ihnen? Danke. Und gibt es Eltern, die ein Kind oder Kinder gerade in der Waldorfschule hier haben? Danke. Ja, das ist schön, dass auch Eltern anwesend sind, weil man vergisst ja manchmal, dass auch zum Schulorganismus nicht nur die Schüler und die Lehrer gehören, sondern natürlich auch die Eltern. Und das heißt, es betrifft im Grunde auch Sie. Ja, Waldorfpädagogik 2025. Wir alle wissen, vor 100 Jahren ist Rudolf Steiner über die Schwelle des Todes gegangen. Wir haben also das Todesjahr Rudolf Steiners in diesem Jahr, ein Gedenkjahr. Und deshalb freue ich mich auch sehr, dass wir gerade in diesem Jahr einmal auf dieses Thema gemeinsam schauen.
Was die Waldorfpädagogik nicht ist 00:04:47
Zunächst einmal nach der Frage, was ist denn eigentlich Waldorfpädagogik, wie können wir sie heute verorten, einordnen? Und da können wir zunächst einmal sagen, also Waldorfpädagogik ist nicht intellektuell gemütlich. Diejenigen, die die allgemeine Menschenkunde, die Vorträge zur allgemeinen Menschenkunde gelesen haben, die wissen wahrscheinlich, dass Rudolf Steiner diese Formulierung benutzt, dass er sagt, also wer als Waldorflehrer agieren möchte, der kann also nicht mit einer intellektuellen, gemütlichen Tätigkeit rechnen, sondern als Waldorflehrer steht man im Grunde genommen jeden Tag wieder vor der Klasse und soll die Fähigkeit haben, sich täglich neu unvoreingenommen auf das einzulassen, was die Kinder zeigen, was die Kinder entgegenbringen. Das heißt, die Waldorfschule soll also nicht eine Art Abarbeiten von vorgefertigten Regeln und Normen und Weisungen sein, sondern bei dieser Waldorfpädagogik soll es darauf ankommen, die unmittelbare Begegnung zwischen Lehrer und Schüler soll im Mittelpunkt stehen. Und natürlich auch mit Lehrer und Schüler als Wesen. Jede Klasse, auch die Schule ist ein Wesen und hat entsprechend auch gewisse Kräfte, die es gilt, gemeinsam zu stärken. Und Waldorfpädagogik ist ebenso keine Reformpädagogik. Wenn man heute einmal nachschaut im Internet und bei Wikipedia Waldorfpädagogik eingibt, dann kommt da ganz selbstverständlich, Waldorfpädagogik ist eine Form der Reformpädagogik. Das ist aus meiner Sicht nicht zutreffend, weil Reformpädagogik eben genau das, was ich vorher gesagt habe, nicht anstrebt. Bei der Reformpädagogik geht es eigentlich darum, gewisse Programme aufzustellen und diese Programme dann mehr oder weniger an den Kindern abzuarbeiten. Und das ist in der Waldorfpädagogik eben nicht gewünscht. Somit können wir diese zwei Dinge, um die Waldorfpädagogik ein wenig zu charakterisieren, schon einmal ausschließen.
Waldorfpädagogik ist Erziehungskunst 00:07:25
Vielmehr ist Waldorfpädagogik Erziehungskunst, so drückt es Rudolf Steiner aus. Und in diesem Begriff sehen wir zwei Worte zusammengeführt, nämlich einmal die Erziehung. Das heißt, es soll also so sein, dass die Kinder in irgendeiner Form erzogen werden. Man geht also nicht davon aus, wie es heute auch manche moderne Formen der Pädagogik gibt, dass die Kinder schon alles mitbringen und die müssen sich nur ausleben, sondern es geht in der Waldorfpädagogik um Erziehung und diese Erziehung soll künstlerisch getätigt werden. Das heißt, die Kunst, das künstlerische Element, das Lebendige steht im Vordergrund und Grundlage dieser Erziehungskunst ist die Menschenerkenntnis. Hier wird es dann langsam anthroposophisch, darauf arbeiten wir gleich hin. Und ausgehend von dieser Menschenerkenntnis ruht die Waldorfpädagogik diese Erziehungskunst auf zwei Säulen. Die erste Säule ist die Seelenkunde und die zweite Säule die Sittlichkeit. Heute würde man auch sagen Ethik oder Moral. Das heißt also, aus dieser Erkenntnis des Menschenwesens soll der Lehrer künstlerisch erziehen unter Berücksichtigung der Schwerpunkte Seelenkunde und Sittlichkeit.
Klarheit über das Wesen des Menschen 00:09:28
Und dann beginnt der Weg, wenn man sich mit der Waldorfpädagogik vertraut machen möchte, dieser Weg beginnt in aller Regel oder sollte beginnen mit der Frage, was ist der Mensch? Und diese Frage ist nicht unerheblich, denn diese Frage hat direkten Einfluss darauf, wie wir zum Beispiel als Lehrer, aber auch als Elternteil das Kind anschauen. Was sehe ich, wenn ich dem Kind gegenüber trete? Welche Gedanken kommen mir? Welche Gefühle habe ich dem Kind gegenüber? Diese Dinge sind nicht unerheblich davon abhängig, ob ich mich damit auseinandergesetzt habe, was der Mensch ist. Wer steht denn da vor mir? Woher kommt dieses Wesen? Ist das ein Wesen, das zum ersten Mal auf der Welt ist vielleicht, mit keiner Vorgeschichte, mit so gut wie keinen Fähigkeiten? Gibt es da vielleicht schon etwas, was vor diesem Leben mit diesem Wesen geschehen ist? Wir merken schon, dieser Blick auf den Menschen verändert viel, wie wir dem anderen Menschen, wie wir dem Kind gegenüber treten. Diese Arbeit daran, dieser Frage nachzugehen, ist ein erster Schritt, um sich selber so zu positionieren, dass wir in die Lage versetzt werden, in der Waldorfpädagogik zu stehen und mit den Kindern gemeinsam den Weg zu gehen.
Der Mensch - ein dreigliedriges Wesen 00:11:49
Und wenn wir nun versuchen, uns anthroposophisch dieser Frage zu nähern, dann müssen wir sagen, der Mensch ist ein dreigliedertes Wesen. Der Mensch besteht also aus Leib. Das ist das, was uns am ehesten entgegenkommt, wenn wir einen Menschen sehen, wenn wir mit einem anderen Menschen zusammen sind. Dann haben wir zunächst einmal diesen äußerlichen Eindruck des Leibes, aber dann merken wir sehr schnell, in dieser äußeren Erscheinung ist mehr enthalten. Wir haben Äußerungen, Bewegungen, Mimik, Gestik und wir haben auch ein gewisses Gespür dafür, dass jeder Mensch in irgendeiner Form in seiner Erscheinung etwas trägt, was ihn individuell macht, zum Beispiel der Gang, das Sprechen natürlich auch, das Aussehen, wie er sich kleidet, alle Verhaltensweisen spiegeln etwas, wo wir merken, der Mensch ist mehr als seine äußerliche Erscheinung. Und da kommen wir in den Bereich der Seele. Der Mensch ist also in der Lage, etwas Seelisches zu äußern. Er kann Freude zeigen, er kann traurig sein, er kann aufgeregt sein, er kann ruhig sein und das sind Dinge, die man als Waldorflehrer vor der Klasse jeden Tag anders erlebt. Man wird also unmittelbar durch die Kinder darauf aufmerksam. Der Mensch ist also nicht nur Leib, sondern der Mensch ist auch Seele und wie wir noch sehen werden, wird der Mensch dann auch immer mehr seinen Anteil entfalten am Geist. Die Kinder beginnen immer mehr individuell sich zu verhalten. Die Kinder werden immer mehr in das Denken hineinkommen und da sehen wir, es geht also noch über das Seelische hinaus, wenn man genau beobachtet.
Der physisch-stoffliche Mensch 00:14:22
Und wenn wir dieses Ganze jetzt in den Kontext hineinführen wollen, dass wir davon ausgehen, dass die Anteile des Menschen, die wir gerade ein wenig skizziert haben, auch einen Ursprung haben, eine Verortung, wenn man so will, dann können wir hier sagen, zunächst einmal haben wir vor uns die physisch-stoffliche Welt, in der sich der Mensch leiblich äußert.
Die Ätherwelt 00:14:51
Dann haben wir die Äther-Welt, die Welt der Kräfte, der Bildekräfte, die also bewirkt, dass jeder physische Leib anders aussieht. Obwohl wir alle Menschen sind, können wir unschwer erkennen, niemand gleicht dem anderen. Jeden Menschen gibt es nur einmal und das heißt, die Bildekräfte, die das physisch-stoffliche gestalten, sind bei jedem Menschen anders. Und diese Bildekräfte, die haben nun wieder übergeordnet ihre Direktive aus der Seelenwelt oder aus der Astralwelt.
Die Astralwelt 00:15:38
Und da haben wir die untere Astralwelt und die Ätherwelt. Das ist da, wo die Bildekräfte und die Seelenkräfte sich gegenseitig durchweben. Das ist ein sehr interessanter Bereich, den wir gleich noch weiter fokussieren werden. Aber wir können sagen, dass also die unteren Bereiche der Seelenwelt und diese Welt der Bildekräfte im Grunde genommen wie zwei Seiten einer Medaille sind.
Unser Anteil an der geistigen Welt 00:16:11
Und dann haben wir schließlich die obere Astralwelt und dann beginnt im Grunde der Anteil des Menschen an der geistigen Welt, die Welt der Urbilder oder auch das untere Devachan. Dort befinden sich dann mehr oder weniger die Keime des Menschen, aus denen dann in die physisch-stoffliche Welt hinein sich immer mehr die Gestalt des Menschen hinein verdichtet, sich gestaltet.
Erziehung im zweiten Jahrsiebt 00:16:55
Und wenn wir nun versuchen, einmal diesen Kontext im Bewusstsein zu behalten, und weitergehen jetzt konkret zur Pädagogik, so sagt Rudolf Steiner, die Erziehung des Kindes ist besonders anzustreben im zweiten Jahrsiebt. Das heißt also, wenn das Kind im Alter zwischen sieben und 14 Jahren alt ist. Und in diesem zweiten Jahrsiebt ist es ganz wichtig, sowohl für die Lehrer, aber auch für die Eltern, dass man sich als erwachsener Mensch klar macht, in dieser Zeit sollte das Kind besonders über das Gefühl erreicht werden, nicht über das Denken. Und man kann heute sehr stark beobachten, dass die Kinder im sehr frühen Alter durch die Erwachsenen, das ist nicht bewusst so, aber die Erwachsenen versuchen, die Kinder so schnell wie möglich in diese denkerisch-rationale Welt hineinzuholen. Und das ist aber ein nicht so guter Zug, weil wenn man das Kind so anschaut, wie wir es heute versuchen werden, dann wird man sehen, dass die Kräfte, die im Kind wirken, im ersten und auch noch im zweiten Jahrsiebt, diese Kräfte dürfen nicht zu früh in einen Bereich hinaufgeholt werden, der dann später im Erwachsenenalter sehr wichtig wird, der aber, wenn das Kind noch jünger ist, dann werden diese Kräfte in anderen Bereichen gebraucht, um dort gewisse Anlagen vorzubereiten, damit das Kind im Erwachsenenalter später die Früchte dieser Anlagen ernten kann. Und das heißt, Erziehung des Kindes im zweiten Jahrsiebt über das Gefühl.
Der Waldorflehrer als liebevolle Autorität 00:19:14
Und für den Waldorflehrer ist es dann wichtig, so sagt Rudolf Steiner, dass er vor den Kindern auftritt als liebevolle Autorität. Und wir erkennen zwei Elemente, liebevoll, aber auch Autorität. Das heißt, wir hatten es eben bei der Schulführung gesprochen, der Lehrer darf sich natürlich auch nicht von den Kindern vorführen lassen. Die Kinder werden natürlich versuchen, den Lehrer zu testen, die werden versuchen, den Lehrer aus der Fassung zu bringen. Und hier muss der Lehrer dann liebevoll, aber er muss auch diese Autorität haben, damit sich die Kinder an ihm aufrichten können. Das ist ganz wichtig, dass man diesen Teil nicht außer Acht lässt. Denn wenn der Lehrer nicht aufrecht steht vor der Klasse, dann können die Kinder kein Beispiel finden, was es bedeutet, aufrecht zu stehen und gleichzeitig aufrichtig und liebevoll zu sein. Das ist etwas, was besonders die Kinder der Mitte, darauf kommen wir gleich noch, Westen, Osten, Mitte, wir befinden uns Mitteleuropa, wir sind Menschen der Mitte. Und besonders für die Menschen der Mitte ist diese Aufrichtekraft enorm wichtig, vor allem für die Kinder, dass sie dies beispielhaft lernen. Und Rudolf Steiner geht auch so weit, dass er sagt, wer als Kind nicht die Erfahrung gemacht hat, sich einer liebevollen Autorität zu öffnen, sich ihr gewissermaßen auch hinzugeben, der kann später, wenn er dann im fortgeschrittenen Lebensalter ebenso junge Menschen vor sich hat, nicht in die Haltung des Schenkens hineinkommen. Das heißt, die Erlebnisse, die man als Kind an einer liebevollen Autorität haben kann, werden später im Alter zu Fähigkeiten, andere Menschen seelisch zu beschenken.
Was Waldorfpädagogik will 00:22:09
Und nun haben wir diesen wunderbaren Satz von Rudolf Steiner, den er den Waldorf-Lehrern mit auf den Weg gibt, viele werden ihn vielleicht kennen: "Das Kind in Ehrfurcht empfangen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen." Das ist eine wunderbare, künstlerische, tiefe Zusammenfassung von dem, was die Waldorfpädagogik sein soll, was die Waldorfpädagogik sein kann. Nämlich, dass wir an diesem Spruch Folgendes ablesen können. Wir können ihn so deuten, dass hier die drei Jahrsiebte des Kindes, die ersten drei, angesprochen werden und gezielt unter eine ganz bestimmte Fähigkeit oder Herangehensweise gestellt werden.
Ehrfurcht vor dem Willenswesen im ersten Jahrsiebt 00:23:25
Das Kind in Ehrfurcht empfangen, das bezieht sich auf das erste Jahrsiebt, das heißt von der Geburt bis zum siebten Lebensjahr. Dass wir uns also klar machen, dieser Mensch, der da vor uns liegt, zunächst mal, und strampelt und schreit, dieser Mensch ist nicht zum ersten Mal inkarniert, sondern dieser Mensch hat eine Vorgeschichte. Und wenn wir es anthroposophisch sehen, dann hat sich dieser Mensch ganz bestimmte Ziele gesetzt, die er erreichen möchte in dieser Inkarnation. Und um diese Ziele zu erreichen, um diese Inkarnation in Gang zu setzen, braucht dieses Menschenwesen sehr viel Willenskraft. Das heißt, wenn der junge Mensch durch die Geburt hindurchgegangen ist, dann ist er in erster Linie ein reines Willenswesen. Und vor diesem Willenswesen und vor diesen Motiven, die dieser Mensch hat, ich möchte jetzt in dieses Erdenleben und möchte bestimmte Dinge umsetzen, möchte mir bestimmte spirituelle Aufgaben vielleicht stellen, ich möchte bestimmte Menschen treffen, alte Konflikte wiedergutmachen und so weiter. Vor diesem Willenswesen, das da in reinster Form vor uns liegt, das sollen wir mit Ehrfurcht empfangen. Nicht nur mit einem, wie soll man sagen, süßes Baby. Sie wissen, was ich meine. Ich möchte jetzt nicht schauspielern, weil ich möchte das auch nicht schmälern. Also natürlich sind Babys süß. Und natürlich kann man sich, kann das Herz daran sich erfreuen an einem kleinen Baby. Aber es ist auch wichtig, eben darauf zu achten, wir haben hier einen Menschen vor uns. Das ist dieser Kniff. Also mit einer gewissen Ernsthaftigkeit auch diesem kleinen Menschen zu begegnen. Ehrfurcht zu haben. Wer kommt denn da zu mir? Wer kommt denn da zu uns? Also das Kind in Ehrfurcht empfangen.
Liebevolles Erziehen im zweiten Jahrsiebt 00:26:58
Dann haben wir dieses Schuljahrsiebt von sieben bis 14 Jahren. Und hier ist es nun so, dass sich dieser reine Wille langsam in ein Erdenbewusstsein kleidet. Das heißt, es kommen Eindrücke aus der physisch-sinnlichen Welt zu diesem reinen Willen hinzu. Es entfaltet sich langsam diese karmische Vorgeschichte in diesem Menschen, was zunächst noch zurückgehalten wird, damit der Mensch zunächst seinen physischen Leib ausbilden kann. Das wird nun immer mehr in den Lebensstrom dieses neuen Menschen hineingeführt. Und das Bewusstsein erweitert sich und es treten Gefühle auf. Dieser Wille wird gezähmt, könnte man sagen, und das Gefühlsleben wird in Gang gesetzt zugunsten der Erfahrungsfähigkeit dieses Menschen in diesem Leben. Und diesem sich werdenden Gefühlsmenschen sollten wir uns liebevoll nähern.
In Freiheit entlassen im dritten Jahrsiebt 00:27:27
Und dann schließlich geht es hinein in die Pubertät bis zum jungen Erwachsenenalter. Und hier kommt dann mehr und mehr das Denken im Menschen zum Vorschein, das Denken über sich selbst, das Denken über die Welt ist dann sozusagen eine Art Abschluss, sich zu individualisieren. Das Kind merkt, der Heranwachsende merkt, ich bin ich, hier bin ich und da ist die Welt. Und wenn die Pubertät beginnt, dann sagen die erstmal so, jetzt möchte ich erstmal nichts mehr sehen, bitte, sondern ich möchte jetzt nur noch darauf hören, was ich in mir spüre. Da gibt es ja diesen Spruch "Wegen Umbau geschlossen" - das ist das Motto der Pubertät. Und hier wird es dann ganz wichtig, die Kinder hinzuführen, heranzuführen an das Denken und sie dann in die Freiheit zu entlassen. Das ist dann so Richtung Oberstufe, Abitur, da sollte man dann schon diesen Freiheitsaspekt sehr stark betonen.
Vorbereitung der Seelenvermögen 00:28:50
Und das bedeutet im Grunde, dass Waldorfpädagogik möchte, dass die Seelenvermögen des Menschen, nämlich Denken, Fühlen und Wollen, so gut wie möglich vorbereitet werden für das spätere Leben. Das heißt, wie wir am Anfang gesehen haben, diese Säule der Seelenkunde, das ist genau das, was wir gerade besprochen haben. Und das beginnt damit, sich klarzumachen, wer ist der Mensch. Und auch wenn es ein kleines Baby ist, es ist ein geistiges Wesen, das sich entfalten wird.
Paradigmenwechsel zum lebendig-schöpferischen Denken 00:29:38
Und das bedeutet nun die große Frage, wie erreichen wir denn die Seele des Kindes als Lehrer, als Vater, Mutter. Und da können wir aus der Anthroposophie heraus die Antwort geben: Der Weg zur Seele des Kindes führt über eine neue Art des Denkens. Und das heißt, wir müssen das Denken oder auch Vorstellen, das müssen wir neu fassen. Wir müssen eine Art Paradigmenwechsel in uns vollziehen, dass wir die Frage stellen, welche Arten des Denkens gibt es denn? Und Rudolf Steiner unterscheidet hier zwei Arten des Denkens, nämlich einmal das sogenannte gewöhnliche Denken und das lebendig-schöpferische Denken. Und das ist nicht unerheblich, dass Waldorf-Lehrer sich damit auseinandersetzen. Nämlich aus diesem Grunde, weil das gewöhnliche Denken, das heißt, ich nehme eine Information auf, halte diese Information fest, zum Beispiel beim achtjährigen Kind muss man das und das machen. Diese Information ist hier, die Klasse ist vor mir oder der Schüler steht vor mir und dann handele ich nach diesem Schema. Die Seele des Kindes bekommt das mit. Das Kind merkt instinktiv, es besteht keine Verbindung zwischen mir und dem Lehrer. Und das hat damit zu tun, weil das gewöhnliche Denken eine Tätigkeit des physischen Leibes ist. Der physische Leib ist ein Spiegelapparat, in dem die Gedanken, die eigentlich lebendig sind, in toter Form erscheinen, in Form eines Leichnams erscheinen. Und dieses tote Denken erreicht die Kinder nicht. Das gewöhnliche Denken bleibt äußerlich, wir gehen mit diesem gewöhnlichen Denken an die Kinder heran und dieses Denken bleibt vor der Seele der Kinder. Warum? Weil wir die Schwelle zum lebendigen Denken nicht überschritten haben in der Selbsterziehung. Denn in der anthroposophischen Selbsterziehung ist es wichtig, die Verbindung aufzunehmen, zunächst einmal über die Erkenntnis, aber dann auch über das Erleben, was diese Erkenntnis in mir bewirkt, dass nämlich das lebendige Denken in erster Linie eine Tätigkeit des Ätherleibes ist.
Denken im Bewusstsen des Wesenhaften 00:33:24
Das heißt, wir erweitern unser Bewusstsein, erinnern uns daran, der Mensch hat nicht nur Anteil an der physischen Welt, sondern hinter der physischen Welt steht die Welt der Kräfte, der Bildekräfte. Und diese Welt der Bildekräfte ist gleichzeitig die Welt der unteren seelischen Kräfte. Und das heißt, wenn wir uns lebendige Gedanken machen über die Schüler, über die Welt, wenn wir die Welt wesenhaft erleben, es gibt nichts Unpersönliches in der Welt. Alles, was uns umgibt, ist wesenhaft. Wenn wir mal versuchen, so einen Waldspaziergang zu machen, dass wir unser Bewusstsein ganz klar halten und uns hineinversetzen, dass alles um mich herum, nicht nur die Vögel, die wir hören, nicht nur den Fuchs, den wir vorbeihuschen sehen, nicht nur die Spaziergänger, die uns entgegenkommen, sondern alles um uns herum ist wesenhaft. Jeder Stein, jede Pflanze, jeder Baum, die Luft, die wir atmen, alles hat einen wesenhaften Kern. Und wenn wir versuchen, über diesen Zugang immer weiter zu stärken in uns, die Welt mit anderen Augen zu sehen, dann können wir an den Punkt kommen, und ich denke, dass die Kinder das sehr schnell merken werden, dass wir auf einmal die Fähigkeit erhalten, über dieses lebendige Denken, indem wir unseren Ätherleib tätig werden lassen, aktivieren wir gleichzeitig auch unsere Seelenkräfte. Und in dem Moment, wo wir dann vor den Kindern stehen, verbinden sich unsere Seelenkräfte und unsere Ätherkräfte mit denen der Kinder. Die Kinder sind ganz offen dafür. Das heißt, diese Fähigkeit ist in meinen Augen etwas praktisch gesehen ganz Zentrales, sich damit vertraut zu machen. Wie lerne ich lebendiges Denken?
Von Geisterkenntnis getragener Unterricht 00:36:33
Und dann kommt wieder das zum Tragen, dass wenn wir dann diese Fähigkeit uns erwerben, die Seelen der Kinder zu erreichen, dann müssen wir natürlich darauf achten, dass wir auch dahingehend an uns arbeiten, dass wenn wir dann den Kindern etwas geben, dass das natürlich von Liebe getragen ist. Der Lehrer soll Liebe hineingießen in die Seele des Kindes. Das heißt, wenn wir also in uns Moralisches, Ethisches tragen, Liebevolles tragen, dann wird das auf die Kinder ausstrahlen, ohne dass man viele Worte machen muss. Und um an diesen Punkt zu kommen, ist es dann aus meiner Sicht unvermeidlich, unbedingt nötig, dass wir versuchen dahinter zu kommen, was Rudolf Steiner meint mit Geisterkenntnis. Dieses Element der Geisterkenntnis soll sich im Unterricht direkt widerspiegeln. Denn wie es nicht laufen soll, ist, dass die Kinder sozusagen verhärtet werden durch eine inhaltliche Unterrichtsführung, die getragen ist in erster Linie durch die materialistische Naturwissenschaft. Und man kann, glaube ich, sagen, dass heutzutage sehr, sehr viel Literatur für Lehrkräfte und so weiter von diesem Geist getragen ist. Wir sind heute unwahrscheinlich getrimmt darauf, beeindruckt zu sein, wenn jemand logische Beweise führen kann. Wenn jemand im Äußerlichen Dinge beweisen kann. Das beeindruckt uns. Aber das ist nicht das, was die Kinder brauchen, sondern die Kinder brauchen seelische Lebendigkeit. Das wird später noch früh genug Teil des Lebens werden müssen, denn unser Leben ist auch dadurch gekennzeichnet, dass wir uns heute mit dieser materialistischen Naturwissenschaft auseinanderzusetzen haben. Aber wenn sie zu früh an den Menschen herankommt als dominante Kraft, dann ist das der Tod der Seele. Denn diese materialistische Naturwissenschaft verhärtet, die Gedanken werden bis zur unmittelbaren Verhärtung geführt - das ist auch notwendig in bestimmten Lebensbereichen, um Dinge klar darstellen zu können - aber im Unterricht an der Waldorfschule sollte das nicht forciert werden. Denn die Seele der Kinder darf nicht verhärten.
Sittlich-moralische Impulse in der Erziehung 00:40:06
Jetzt kommen wir langsam zum Bereich der Sittlichkeit. Ebenso sollten wir darauf achten, dass wir nicht einen Schwerpunkt legen auf moralische Impulse, die nicht aus dem Lebendigen herauskommen, sondern in erster Linie alte Kulturen und alte Religionen fokussieren. Das erlebe ich heute auch sehr stark. Natürlich sollen die Religionen im Unterricht eine Rolle spielen. Die Kinder sollen kennenlernen, welche religiösen Strömungen gibt es und so weiter. Keine Frage. Aber ich erlebe heute sehr häufig, dass das, was eigentlich den Kindern vermittelt werden soll, eigentlich nicht zur Sprache kommt. Sondern dass alte Strömungen werden sehr stark emporgehoben. Ihnen wird eine sehr starke Wichtigkeit zugesprochen. Und wir dürfen nicht vergessen, dass das Ziel der Waldorfschule am Ende ist, das Kind in Freiheit zu entlassen. Wir brauchen selbstsichere Menschen, nicht Obrigkeitsgehorsam. Selbstvertrauen, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Zu wissen, es gehört auch mal eine Niederlage dazu. Man kann auch mal daneben hauen. Spielt keine Rolle. Bleib dir treu, hab Vertrauen in dich. Das ist die Botschaft. Denn sonst haben wir am Ende keine Freiheit. So wie wir heute in der Gesellschaft leider, wir haben eben darüber gesprochen, leider beobachten können, dass die Tendenz dahingeht, die Leute verlieren immer mehr Selbstvertrauen und suchen förmlich nach Unterordnung in den bestimmten Bereichen. Und um das zu erreichen, sagt Rudolf Steiner, ist es ganz wichtig, dass die Kinder im Unterricht oder in der Schule generell und auch zu Hause vielleicht mit Unterstützung der Eltern dieses Moralische, dieses Idealistische, man könnte auch sagen dieses Geistige, unmittelbar immer wieder als etwas erleben, was in die schlichte weltliche Materie eingreifen möchte, dass etwas Edles, etwas Hohes durch die Menschen in die Welt kommen möchte und hier einen Gestaltungsauftrag hat. Und dass wir das Künstlerische, das Höhere nicht auf ein Abstellgleis schieben, nur um darauf zu warten, dass wir endlich wieder Physik und Mathematik den Kindern beibringen. Nein, diese Dinge sind genauso wichtig. Der Geist, der in die Materie eingreifen möchte, also das Höhere, Edle, Moralische greift in die Welt ein. Das müssen die Kinder erleben. Und das müssen sie auch erleben im Klassenzusammenhang. Wenn Ungerechtigkeiten auftreten, dann muss man dafür sorgen, dass die Kinder spüren, Moment mal, das war nicht gut. Also Rudolf Steiner sagt ganz konkret, die Kinder müssen lernen, das Gute zu lieben und nicht das Böse lieb zu haben. Ganz einfach. Und dafür sorgt die liebevolle Autorität.
Verbindung zum Christuswesen 00:44:25
Und was diese Moralität zum Kern haben - ich darf sagen - muss, aus meiner Sicht, das ist eben der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Anthroposophie. Nämlich, dass wir in der Waldorfschule zunächst einmal wir als Lehrer oder als Eltern und dann durch unser Beispiel den Kindern die Möglichkeit geben, eine innige Verbindung zum Christuswesen zu bekommen. Diese Verbindung immer mehr zu stärken, die Kinder da heranzuführen. Nicht mit Gewalt. Wir machen ja mit den Kindern keine Anthroposophie in der Schule, das ist klar. Aber der Lehrer sollte in der Lage sein, aus seinem Inneren diese Verbindung den Kindern anzubieten, den Kindern zu zeigen und ebenso zum Mysterium von Golgatha. Denn fokussieren wir uns zu sehr auf das, was die äußeren Sinne uns vermitteln und setzen wir diese Eindrücke der äußeren Sinne nicht in einen höheren Kontext, dann sorgt das dafür, dass sich die Seelen der Kinder und letztlich auch unser aller Seelen zunehmend identifizieren, anknüpfen an die Vergänglichkeit. Es gibt ja diesen drastischen Ausspruch Rudolf Steiners: "Das Wesen der Erde ist der Tod." Aber es gibt eben noch diese ethischen Kräfte, die aus dem Höheren, aus dem Edlen geschöpft werden und inmitten dieses Todes gibt es die Auferstehung. Und genau diese Verbindung zur Auferstehung ist es, was den Kindern im späteren Leben, dieses Urvertrauen, ich werde mit jeder Situation im Leben fertig, das kommt hierher. Die alten Religionen vermitteln ein deterministisches Bild. Es gibt Regeln, es gibt Gesetze, denen unterwirft man sich und dann ist man gottgefällig. Das ist nicht das, worum es hier geht, sondern das hier bedeutet, ich trage die Kräfte in mir, die mich über den Tod hinausbringen können. Ich verliere also durch diese Kraft die Angst vor dem Leben und vor dem Tod.
Die Kraft des Vertrauens 00:48:31
Und das bedeutet, auf dieser Ebene schaffen wir in den Kindern langsam ein Fundament, auf das sie hineinwachsen können in ein bewusstes Leben, das sie stark macht, um weiter blicken zu können über den Punkt hinaus, der dann irgendwann dahin führen wird, dass wir diesen Körper ablegen. Das kommt auf uns alle zu, aber dies ist nicht das Ende. Habt keine Angst. In der vedischen Philosophie heißt das Apayam, Angstlosigkeit. Die Angst vor dem Tod zu verlieren, das klingt zunächst mal sehr hoch aufgehängt, aber wenn wir mal in uns hineinspüren, wie viele Lebensängste sind genau aus dieser Quelle gespeist, wie viel Unsicherheiten, Resignation, Traurigkeit kommt genau daher. Und je stärker unsere Verbindung zum Christus ist und zur Auferstehung, desto mehr können wir Kraft schöpfen, um das zu überwinden. Und das bedeutet also, den Kindern etwas mitzugeben, dass sie den Zugang finden können, auf den Tod folgt wieder etwas. Nichts, was wir tun, ist umsonst und nichts, was wir tun, kann nicht wieder in etwas Höheres, etwas Edles verwandelt werden. Scheitern gehört dazu. Mut zum Scheitern. Auch das schafft Vertrauen in das eigene Leben. Und dieses Vertrauen, diese Kraft des Vertrauens, die brauchen wir sehr dringend.
Jetzt öffnen wir ganz kurz mal die ganz große Perspektive. Dieser Erdenplanet wird eines Tages sterben. Aber wenn wir Menschen unser inneres Licht entzünden durch den Christusimpuls, dann wird die Erde zwar vergehen, aber es wird ein neuer Planet kommen. Den bezeichnet Rudolf Steiner als den neuen Jupiter. Das heißt, wir Menschen werden diesen Planeten auf eine völlig neue Stufe heben. Wir werden ihn verwandeln von einem Kosmos der Weisheit in den Kosmos der Liebe. Aber das wird nur stattfinden, wenn wir diese Liebe, Fähigkeit, dieses Vertrauen in uns, in den Christus gestärkt haben. Und das beginnt am ersten Schultag in der Waldorfschule.
Den Kindern Orientierung geben 00:52:12
Diesbezüglich haben wir einige Aussagen Rudolf Steiners, dass er sehr deutlich sagt, wir können heute, beziehungsweise damals zu seiner Zeit, wir können beobachten, dass die Kinder beginnen, sich zu verändern. Er sagte also, dass es früher so war, dass die Kinder noch nicht so betrübt mit einer leichten Traurigkeit zur Welt kamen. Aber dass dies nun langsam beginnt, dass diese Schwere der Aufgaben, die uns Menschen gestellt werden, die Kinder spüren das, wenn sie in dieses Leben gehen. Und wenn wir Erwachsenen es nicht schaffen, den Kindern ein Licht zu geben, das aus der Geisterkenntnis heraus entzündet worden ist, dann erziehen wir die Kinder zu Skeptikern. Die Kinder werden skeptisch gegenüber der Welt, skeptisch gegenüber anderen Menschen, skeptisch auch gegenüber dem Christus und der Göttlichkeit. Denn diese Erdenschwere wird immer mehr zunehmen. Die Todeskräfte werden zunehmen. Denn dieser Planet wird, wie wir eben gesagt haben, nun in eine Zukunft geführt, die nicht mehr aufbauend ist, sondern es sind abbauende Kräfte, die nun in Aktion treten. Und darüber müssen wir den Kindern etwas geben, dass sie es schaffen, über diesen Abgrund hinauszukommen. Und ganz besonders den Kindern der Mitte. Rudolf Steiner sagt, dass die Kinder, die im Westen geboren werden und die Kinder, die im Osten geboren werden, bekommen aufgrund des Ortes ihrer Inkarnation und der Kräfte, die in diesen, wenn wir es mal ganz grob einteilen, in West, Ost und Mitte. In West und Ost haben wir noch orientierunggebende Kräfte vorhanden. Aber bei uns müssen diese Kräfte aus dem Menschen selbst kommen. Das heißt, gerade bei uns in der Mitte ist die Erziehung des Kindes zwingend notwendig. Und daher brauchen wir eine starke Waldorfpädagogik.
Zusammenhang von Geburt, Tod und neuer Geburt 00:55:26
Noch einmal zur Veranschaulichung. Geburt, der Mensch tritt ins Leben als Willenswesen. Es entfaltet sich sein Seelisches, die Gefühlswelt tritt hinzu, dann schließlich das Denken. Und wenn wir es dann schaffen, das Denken zu erweitern, unser Bewusstsein dahingehend zu schulen, dass wir in dieses lebendige Denken, in die Geisterkenntnis hineinkommen, dann arbeitet unser geistiger Wesenskern, ausgehend vom Denken in das Seelische hinein, auch der Kinder, wie wir eben gesagt haben, und darüber auch in unseren Willen. Und wenn wir dann den Körper ablegen, werden diese Hüllen wieder aufgelöst nach dem Tode, reduziert bis auf unseren geistigen Wesenskern, der dann wieder zum Vorschein kommt. Sich wieder äußert, wieder sich mit Seele umkleidet, in das Denken hineinkommt und dann beginnt es wieder, dass wir an uns arbeiten können. Ein langer Weg von Inkarnation zu Inkarnation. Immer eine neue Chance, den Christus zu finden und ihm nachzufolgen.
Jahresfeste als Kraftquellen 00:57:08
Und ich möchte in dem Zusammenhang vielleicht zum Schluss noch zwei Dinge fokussieren. Eine wunderbare Gelegenheit aus meiner Sicht, den Kindern etwas in die Seele zu legen, um das zu bewirken, was wir vorher besprochen haben. Und das sind die Jahresfeste. Und derer besonders zwei, nämlich zum einen das Osterfest und zum anderen Michaeli. Wenn wir es schaffen, dass wir einen ganz besonderen Blick, ein ganz besonderes Verhältnis zu besonders diesen beiden Jahresfesten haben und mit den Kindern zusammen diese Jahresfeste begehen, dann können wir aus meiner Sicht einen ganz fruchtbaren Keim legen. Wichtig dabei ist, dass wir als Erwachsene das Osterfest ganz konkret vielleicht zusammengefasst als etwas sehen. Ostern bedeutet die Auferstehung der Natur und der Naturwesen, denn alles in der Natur, wie wir gesagt haben, ist wesenhaft. Das Wichtige ist aber, dass wir diese Natur und ihre Wesen in der Gefolgschaft des Christus sehen. Nicht unpersönlich, sondern wie wir wissen, durch das Mysterium von Golgatha hat der Christus sich mit der gesamten Erde verbunden. Und das heißt, wenn wir in eine gedeihliche Zukunft gehen wollen, dann sollten wir die gesamte Natur in der Gefolgschaft des Christus sehen. Und schließlich haben wir im Herbst, und das ist ja das Fest der Zukunft, sagt Rudolf Steiner, dass dieses Fest, die Bedeutung dieses Festes eigentlich noch gar nicht richtig herausgeschält worden ist, noch gar nicht so richtig klar ist. Und das ist eine Zukunftsaufgabe für uns alle, dass wir in diesem Michaelifest nämlich in unseren Seelen hervorrufen, diese Verbindung dazu: Hier handelt es sich um die Auferstehung des Menschen innerhalb der todwerdenden Natur.
Diesen Eindruck in unserer Seele immer mehr lebendig zu machen. Der auferstehende Mensch innerhalb der vergehenden Erdenkräfte. Das wird aus meiner Sicht die Kraftquelle sein, um den Kindern etwas mitzugeben, das ungeahnte Kräfte entfalten kann. Und damit würde ich den Vortragsteil langsam zu Ende führen und würde mich freuen, wenn wir noch in einen gemeinsamen Austausch kommen. Vielen Dank.
Austausch mit dem Publikum 01:02:20
Frage zur Skepsis in der heutigen Welt 01:02:20
Vielen Dank für Ihren Vortrag, das war sehr inspirierend. Ich habe jetzt eine Frage dazu, dass Sie gesagt haben, die Kinder werden als Skeptiker geboren und wir als Eltern müssen dafür Sorge tragen, dass diese Skepsis in gewisser Weise abgebaut wird. Wenn ich heute die Zeit angucke, Trickbetrug, sonstige Betrügereien, irgendwelche Fallen, die einem gestellt werden, wie soll ich meinem Kind die Skepsis aberziehen, wenn das Kind doch die Skepsis braucht, um sich davor zu schützen.
Antwort von Christoph:
Ich glaube, was Sie sagen, ist mehr eine gesunde Vorsicht. Zunächst einmal werden die Kinder nicht als Skeptiker geboren, sondern sie werden mit einer bestimmten Traurigkeit geboren. Man spürt, dass das Leben nicht mehr so leicht ist. Und nur wenn die Kinder durch die Erziehung nicht dieses Selbstvertrauen gewinnen können, dann werden sie zu Skeptikern. Man kennt diese Züge vielleicht auch an sich selber, also ich kenne sie, dass man überhaupt nicht mehr unvoreingenommen irgendwo in eine Situation hineingehen kann oder einem Menschen gegenüber treten kann, sondern man fängt sofort an, diese Schubladen zu öffnen. Aha, das ist wahrscheinlich so einer, das ist wahrscheinlich so einer und an den Ort gehe ich nicht und das vermeide ich usw. Also das nähert im Grunde diese Weltangst. Aber wenn man jetzt sagt, es ist gut im Leben zu wissen, wo man sich in Acht nehmen sollte, würde ich jetzt nicht in diese Kategorie bringen. Also nochmal so ein Unterschied zwischen Skepsis und Weltangst vielleicht.
Rückfrage des Fragestellers:
Gut, aber die Gesellschaft, wie sie heute ist, lehrt uns ja eine gewisse Weltangst. Man kriegt ja ständig irgendwelche Horrorszenarien vorgeführt, man kriegt Nachrichten, die negativ sind. Nochmal, es ist so schlecht, die Vorsicht zu haben oder die Skepsis gegenüber allem und erstmal zu gucken, ob es Sinn macht oder nicht und sich an Stellen zu begeben, wo man vielleicht nicht hingehen sollte, anstatt weltoffen zu sein und dann vielleicht das Leben etwas vorher beendet zu bekommen. Ja. Nur als Beispiel.
Antwort von Christoph:
Na klar. Also, wie gesagt, das kann man nicht gegeneinander aufwiegen. Ich glaube, es geht um die Fähigkeit, sich diese zu bewahren, dass man sich also nicht von einer gewissen skeptischen Lebenshaltung übermannen lässt, sondern dass man auch immer wieder sagt, ich habe jetzt fünfmal eine Enttäuschung erlebt, vor allem im Sozialen ist das wichtig, ich habe jetzt fünfmal mit diesem Menschen eine schlechte Erfahrung gemacht, aber ich gehe jetzt nochmal auf ihn zu und halte es für möglich, dass es diesmal anders wird. Da geht es um die Fähigkeit.
Frage zum lebendiges Denken 01:06:20
Ja, danke für den Vortrag. Ich hätte eine Frage zu dem lebendigen Denken, was ja so die Voraussetzung ist, damit Erziehung vielleicht gelingt. Wir haben in unserem Arbeitskreis Waldorfpädagogik oft die Diskussion, was es überhaupt ist, dieses lebendige Denken. Und da kommen wir oft auch dahin, dass man ja eigentlich mit einer guten Intention dem Kind alles recht machen will und jeden Wunsch erfüllen, aber das manchmal irgendwie vielleicht gar nicht sinnvoll in der Erziehung ist. Vielleicht können Sie da nochmal differenzieren, was das lebendige Denken wirklich ist, im Vergleich zu dem, dass man dem Kind immer alles recht machen will.
Antwort von Christoph:
Naja, also wenn man einem Kind immer alles recht macht, würde ich sagen, das ist ja alles andere als lebendig. Sondern Lebendigkeit besteht ja auch, wie gesagt, darin, dass man, wenn man es jetzt mal bildlich fassen möchte, wenn ich zur Tür rausgehe und jeden Tag ist frühlingshafter Sonnenschein und Windstille, dann lerne ich eigentlich viel, viel weniger, als wenn ich auch mal rausgehe und draußen stürmt es und regnet es. Denn die Seele ist ja sehr stark mit dem flüssigen Element verbunden. Und die Seele lebt von dieser Lebendigkeit, immer wieder neue Eindrücke zu bekommen. Und da ist es eben für die Persönlichkeitsbildung eines Kindes auch sehr wichtig, dass so ein Kind auch mal Widerstände erlebt. Sei es durch den Lehrer. Aber es gibt ja durchaus auch diese tollen Fächer an der Waldorfschule, wie zum Beispiel Gartenbau, Handarbeit, Werken, wo die Kinder dann einfach von selbst merken, da gibt es Widerstände in der Welt, die überwunden werden müssen. Und das heißt eben genau dieses immer alles recht machen, ist eigentlich kontraproduktiv.
Rückfrage des Fragestellers:
Ja genau, das haben wir auch fast gedacht. Die Frage war auch vielmehr, also das war jetzt das Beispiel, das haben Sie gut erklärt auch. Aber die Frage war vielmehr auch, worauf muss das Bewusstsein des Erwachsenen drauf leuchten, sage ich mal, um in dieses lebendige Denken hineinzukommen, um auch mit dem Kind halt dann so umgehen zu können, dass man wirklich ein Verständnis für die Seele des Kindes bekommt.
Antwort von Christoph:
Ja, also ich würde nicht empfehlen, das lebendige Denken am Kind zu lernen. Das wird nicht so gut funktionieren. Sondern dafür ist ja genau diese eigenverantwortliche Selbsterziehung des Lehrers gedacht, dass er eben außerhalb des Unterrichts mit den anthroposophischen Inhalten arbeitet. Und in das lebendige Denken hereinzukommen, das ist tatsächlich ein Übungsweg. Also es beginnt zunächst mal mit dem, was ich versucht habe heute zu skizzieren, dass man sich klar macht, es gibt da einen Unterschied zwischen diesem Denken, was rein über den physischen Leib abläuft, und dann gibt es da eine Öffnung nach oben. Ich verorte das jetzt mal, es hat natürlich nichts mit oben und unten zu tun, aber schon, dass man sagen kann, über dieser Ebene des physischen Denkens, da gibt es noch etwas. Da befindet sich, um es nach Goethes Faust zu sagen, diese Kraft, die die Welt im Innersten zusammenhält. Wir dürfen ja nicht vergessen, die gesamte Welt ist gestaltet aus Gedanken. Und diese Gedankenebene, die können wir, indem wir unser Bewusstsein öffnen, erreichen. Wir können uns also quasi einklinken in diese Gedankenwelt. Und dann kommt es eben darauf an, ein Feingefühl zu entwickeln. Ich trage jetzt einmal einen Gedanken aus mir heraus, und dann warte ich mal ab, was für eine Resonanz kommt da. Das ist was ganz Sensibles. Und wenn man sich darin schult, dann merkt man irgendwann, man schaut die Menschen anders an. Und man hat andere Eindrücke, wenn man den Menschen gegenüber tritt. Und das ist bei Kindern besonders stark, weil die Kinder so offen sind. Wir Erwachsenen sind ziemlich geschlossen. Jeder trägt ja seine Persönlichkeit vor sich her. Aber die Kinder sind ja offen. Wir dürfen nicht vergessen, der Ätherleib des Menschen ist schon wesentlich herausragend über den physischen Leib. Und der Astralleib noch viel weiter.
Frage zu Alltagsherausforderungen, Stichwort Soziale Medien 01:14:03
Ich würde mal gerne diese hochgeistige Ebene verlassen und mal ein bisschen in die reale Welt, in die Realität gehen. Ich glaube, das ist mit die größte gesellschaftliche Herausforderung und auch vielleicht für die Waldorfpädagogik. Man hat ja das Gefühl, die Menschheit radikalisiert sich und verdummt auch ein Stück weit. Und die Kombination daraus, die ist ja recht gefährlich. Und durch die sozialen Medien, und das sind ja die Kinder, das geht ja im Prinzip dann los irgendwo ab einem gewissen Alter, die nehmen ja unwahrscheinlich viel auf. Und jetzt die Kinder, und das ist ja unsere primäre Aufgabe, auch von der Schule und vom Elternhaus, die Kinder zu kritischen Menschen mit Selbstvertrauen zu erziehen, die freiheitsliebend werden. Also genau die Punkte, die Sie ja angesprochen haben. Aber die Frage ist auch, wie wir diese Aufgabe, auch mit der Schule, wir müssen es ja weiterentwickeln, weil die Einflüsse von außen sind ganz andere wie vor 10 Jahren, vor 20 Jahren, vielleicht sogar wie vor 3 Jahren. Es wird immer schneller und schnelllebiger. Und das ist so diese große Herausforderung, wie kriegen wir denn die Kinder dahin, dass sie bei diesen ganzen Einflüssen, die da sind, dass sie diese Entwicklung überhaupt nehmen können?
Antwort von Chrstoph:
Ja, also ich muss ehrlich gestehen, darauf habe ich natürlich jetzt auch keine vollumfängliche Antwort, weil das, was da durch die sozialen Medien losgetreten worden ist, ist tatsächlich eine absolute Katastrophe. Das kann man nicht anders sagen. Also man muss sich das so vorstellen, dass die Kinder bewegen sich permanent auf einer oberflächlichen Informationsebene. Es fließen permanent Informationen aus der ganzen Welt und aus ganz unterschiedlichen Richtungen permanent auf die Kinder ein. Und diese Informationen haben keine Zeit, verarbeitet zu werden. Normalerweise ist es ja so, dass wir eine Information aufnehmen und dann muss die zunächst mal in unserem Inneren gewisse Prozesse durchmachen, dass wir diese Information auch verarbeiten können. Und dieser Verarbeitungsprozess findet nicht statt, weil die Informationsflut so groß ist, dass das gar nicht mehr bewältigt werden kann. Und das versetzt den Menschen, die Seele, in einen Zustand der Dauererregung. Das läuft über das Nervensystem, denn das Nervensystem des Menschen ist ein Abbild seines Astralleibes, seiner Seele. Das heißt, die Kinder werden nervös. Und das einzige Gegenmittel, was mir einfällt, wo die Waldorfschule einen wichtigen Beitrag leisten kann, das sind wirklich diese Fächer Gartenbau, Handarbeit, Eurythmie. Dass die Kinder das Handy wirklich mal weglegen und nicht nur weglegen und dann die ganze Zeit dran denken, sondern dass sie durch die Erfahrung mit der physischen Welt in einen neuen Zustand versetzt werden, der sie herausholt aus dieser Dauererregung. Dass sie Ruhe finden. Und diese Zustände muss man herbeiführen. Das kann man auch zu Hause machen. Ich kann mir vorstellen, wie schwer das ist.
Hinweis zur Selbstreflexion 01:18:16
Ich möchte mal diesen Begriff Dauererregung aufgreifen. Und wenn wir sagen, dass wir das jetzt fokussieren auf die Kinder, dass dort die Dauererregung geschmälert wird oder überhaupt erst mal erkannt wird, dann sehe ich die Problematik vor allen Dingen erst mal auch darin, dass das Umfeld des Kindes und nicht nur die Schule, sondern Eltern, Großeltern, Tante, Onkel oder so, aber auch als Nachbar, mich selber reflektiere. Wo habe ich den nicht selber schon? Wo bin ich den nicht selber schon in dieser Dauererregung gefangen? Und ich denke mal, dass es gut tut uns allen Erwachsenen, wenn wir denn erwachsen sind, dass wir so eine Selbsterkenntnis noch mal neu betrachten und eine Selbstreflektion. Ich glaube, ich zitiere Steiner wenn ich sage, ohne Schuld und Reue, sondern dieses Vorwärtsschreiten. Wie mache ich es morgen? Ich kann es besser. Und nicht mit einem falschen Ehrgeiz, sondern eben auf der Gefühlsebene der Liebe.
Anmerkung zu Mut der Eltern und Geschwisterkinder 01:20:36
Ich wollte da noch etwas dazu sagen, das erscheint mir doch sehr wichtig, dass man sich selber anschauen muss als Erwachsener. Aber zur gleichen Zeit, denke ich, muss man auch Mut besitzen. Und das ist als Elternteil gar nicht ohne. Denn da kommen ja dann die Kinder nach Hause und das Fritzchen nebendran hat ja das und jetzt gibt es eine Gruppe innerhalb der Klasse. Sie nennt sich Chat irgendwas und so weiter. Und ich denke, da braucht man als Erwachsener Mut. Also erstens muss man sich selber anschauen, wie man mit den Dingen umgeht. Aber dann irgendwie, also man muss dem Kind auch vermitteln, wir kommen durchs Leben ohne das. Ja, ja, wir benutzen es irgendwann mal. Aber auch als Schule muss man den Mut haben. Also diese Schule zum Beispiel, die hat kürzlich eine ganze Stunde damit zugebracht, was für Wege und Möglichkeiten man doch schaffen könnte. Was machen wir mit diesen Geräten? Bauen wir extra Boxen, wo wir die Geräte hineinlegen? Und wann dürfen wir sie wiederholen? Und so weiter. Das, finde ich, ist sehr wichtig. Vor allem, wenn wir dann zwölf und 13 und 14 und noch älter sind, dass wir da auch hinstehen können und sagen, okay, das zum Beispiel ist unsere Schule und da wollen wir die Dinge nicht. Nein, wir wollen sie nicht. Fertig, Schluss. So, das ist mal das Erste.
Anmerkung zu automatischer Aufnahme von Geschwisterkindern 01:22:29
Und dann habe ich noch ein Anliegen, weil Sie haben ja erwähnt, dass eben die Schule eine Familie ist. Man spricht von Menschheitsfamilie. Und hier sind die Kinder zuerst da, dann haben wir die Lehrer, dann haben wir die Eltern. Und wir wissen, wie Sie so schön dargestellt haben, dass die Kinder nicht plötzlich auf die Erde kommen und da sind sie. Und wir wundern uns, ach wie schön. Nein, wir wissen, da ist vorher, das Kind kommt schon mit etwas. Und so empfangen wir die Kinder. Sie als Eltern, wir als Lehrer. Und wir wissen, wir haben nicht nur die Schüler in der Klasse, wir haben auch was anderes in der Klasse. Und jetzt komme ich zu einem Punkt. Wir haben Eltern an der Schule, die haben ein Kind hier, die haben zwei oder drei. Wir haben sozusagen, ja, wir haben mehrere Kinder. Und nun ist das natürlich eine große Sache jedes Jahr. Wie bringen wir alle die Kinder unter, denn das Thema ist, Waldorf ist ja so wichtig heute und wir wissen es. Nun haben wir diese Familien, die schon mehrere Kinder haben und die nun wirklich ahnen oder wissen, warum sie die Kinder hier haben. Und nun entstehen solche Lagen, dass eine Familie ein paar Kinder hier hat und plötzlich Nummer so und so, nein, kann nicht kommen. Was ist das für ein Drama, für ein Seelendrama, nicht nur für die Eltern, für die Lehrer und alles und so weiter. Jetzt weiß ich, Sie sind kein Lehrer, Sie sind ein Anthroposoph. Haben Sie in der Richtung Erfahrungen, wir ringen an der Schule damit, kommen Geschwisterkinder automatisch in die Schule oder nein?
Christophs Antwort:
Also meine Antwort darauf wäre, dass jede Schule einzigartig ist, jeder Schulorganismus ist einzigartig und genauso wenig, wie man sagen kann, heutzutage machen wir einfach alles möglich. Genauso wenig sollte man auch nicht immer sagen, wir machen jetzt ganz strikt nur eine gewisse Auswahl. Also es kommt immer darauf an, im Lebendigen zu bleiben und warum jetzt gewisse Schüler an der Schule nicht akzeptiert werden, da müsste man dann den Einzelfall anschauen.
Wunsch nach Inspiration auf Erzieher-Konferenzen 01:26:21
Erstmal herzlichen Dank und ich würde mir wünschen, ich bin kein Lehrer an der Schule, sondern Erzieher und schon ziemlich lange Zeit und ich würde mir wünschen, dass Sie mal zu uns in die Konferenz kämen und was wir heute Abend hier gehört und erlebt haben in der pädagogischen Konferenz vielleicht erleben dürften und auch ins Gespräch kommen könnten, weil ich denke, wir müssen uns damit immer wieder befassen. Im Alltag verschwindet es und wir kommen in so einen Pragmatismus rein und wir vergessen ganz viel und immer wieder müsste das wie ein Rhythmus sein, dass wir wie heute Abend Sie hören und dann, ach ja, ich muss mich auch wieder erinnern. Weil wir sind im Alltag so gefordert, nicht nur die Kinder sind anders, sondern auch die Eltern sind anders. Wir sind eigentlich mehr bei Waldorf eine Dienstleistung und ich zahle dafür und ich möchte, dass der Lehrer das macht, was ich mache und da brauchen wir einfach Eltern, die Sie hören oder die das jetzt gehört haben. Wir brauchen aber auch die Lehrer und die Erzieher, weil wir befassen uns an der Schule ganz viel mit Brandschutz. Ja, wirklich, aber das ist wichtig, aber das kann uns nicht der Überbau sein, sondern der Überbau ist das und ja, das würde ich mir wünschen. Es ist nicht einfach, also ich weiß das auch mit den Geschwisterkindern, es kommen immer wieder neue Aufgaben und damit auch Konflikte, aber wir müssen das oder wenn wir eine Entscheidung treffen, da brauchen wir das, was wir heute Abend gehört haben und das wird uns auch helfen, wieder in den Alltag zu gehen und dann wirklich das Kind zu sehen, die Eltern zu sehen und dann eine Entscheidung zu treffen, die dann Hand und Fuß hat und auch wenn das ein Nein ist, dann ist das begründet und dann würde ich mich freuen, wenn wir Sie mal einladen dürften.
Antwort von Christoph:
Sehr gerne. Vielen Dank. So, wer möchte noch?
Wichtigkeit des Vorbilds der Erwachsenen, in den Wald gehen 01:28:50
Ich möchte noch mal zurückkommen, auf das, was Sie vorhin gesagt haben, in den Wald gehen und sehen, man ist von Wesenheiten umgeben. Ich möchte appellieren an die Selbsterziehung der Erwachsenen und dass wir unseren Blick weiten für das, was um uns herum ist und dass wir unser Herz so öffnen, dass wir diese Liebe zur Natur und so weiter weitergeben können an die Kinder und dadurch, wenn die Kinder sich dann verbinden lernen mit dem, was sie tun, dann werden sie gestärkt. Das war meine Lebenserfahrung. Und ich möchte wirklich appellieren, viel in den Wald zu gehen.
Christoph:
Absolut. Gut.
Dank an Christoph 01:30:16
Also ich wollte mich jetzt nur noch, nicht, dass ich jetzt unbedingt noch mal reden muss, aber ich wollte mich noch mal sehr bedanken für diese wirklich tiefen Worte und ich wollte mich auch noch bedanken bei dem Kreis, der das veranlasst hat. Vielen Dank von der Lehrerseite her. Dann nehme ich mal das Mikro. Und sage nochmals vielen herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.
Transkription 100% Ursula Dziambor
Glossar
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar A
- „Weil wir die Schwelle zum lebendigen Denken nicht überschritten haben in der Selbsterziehung. Denn in der anthroposophischen Selbsterziehung ist es wichtig, die Verbindung aufzunehmen, zunächst einmal über die Erkenntnis, aber dann auch über das Erleben, was diese Erkenntnis in mir bewirkt, dass nämlich das lebendige Denken in erster Linie eine Tätigkeit des Ätherleibes ist.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:29:38
- „Die Angst vor dem Tod zu verlieren, das klingt zunächst mal sehr hoch aufgehängt, aber wenn wir mal in uns hineinspüren, wie viele Lebensängste sind genau aus dieser Quelle gespeist, wie viel Unsicherheiten, Resignation, Traurigkeit kommt genau daher. Und je stärker unsere Verbindung zum Christus ist und zur Auferstehung, desto mehr können wir Kraft schöpfen, um das zu überwinden.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:48:31
- „Es gibt ja diesen drastischen Ausspruch Rudolf Steiners: "Das Wesen der Erde ist der Tod." Aber es gibt eben noch diese ethischen Kräfte, die aus dem Höheren, aus dem Edlen geschöpft werden und inmitten dieses Todes gibt es die Auferstehung. Und genau diese Verbindung zur Auferstehung ist es, was den Kindern im späteren Leben, dieses Urvertrauen, ich werde mit jeder Situation im Leben fertig, das kommt hierher“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:44:25
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar B
B
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar C
- „Und was diese Moralität zum Kern haben - ich darf sagen - muss, aus meiner Sicht, das ist eben der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Anthroposophie. Nämlich, dass wir in der Waldorfschule zunächst einmal wir als Lehrer oder als Eltern und dann durch unser Beispiel den Kindern die Möglichkeit geben, eine innige Verbindung zum Christuswesen zu bekommen. Diese Verbindung immer mehr zu stärken, die Kinder da heranzuführen. Nicht mit Gewalt. Wir machen ja mit den Kindern keine Anthroposophie in der Schule, das ist klar.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:44:25
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar D
- „Der Weg zur Seele des Kindes führt über eine neue Art des Denkens. Und das heißt, wir müssen das Denken oder auch Vorstellen, das müssen wir neu fassen. Wir müssen eine Art Paradigmenwechsel in uns vollziehen, dass wir die Frage stellen, welche Arten des Denkens gibt es denn? Und Rudolf Steiner unterscheidet hier zwei Arten des Denkens, nämlich einmal das sogenannte gewöhnliche Denken und das lebendig-schöpferische Denken.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:29:38
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar E
- „Vielmehr ist Waldorfpädagogik Erziehungskunst, so drückt es Rudolf Steiner aus. Und in diesem Begriff sehen wir zwei Worte zusammengeführt, nämlich einmal die Erziehung. Das heißt, es soll also so sein, dass die Kinder in irgendeiner Form erzogen werden. Man geht also nicht davon aus, wie es heute auch manche moderne Formen der Pädagogik gibt, dass die Kinder schon alles mitbringen und die müssen sich nur ausleben, sondern es geht in der Waldorfpädagogik um Erziehung und diese Erziehung soll künstlerisch getätigt werden. Das heißt, die Kunst, das künstlerische Element, das Lebendige steht im Vordergrund und Grundlage dieser Erziehungskunst ist die Menschenerkenntnis.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:07:25
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar F
F
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar G
- „Der Geist, der in die Materie eingreifen möchte, also das Höhere, Edle, Moralische greift in die Welt ein. Das müssen die Kinder erleben. Und das müssen sie auch erleben im Klassenzusammenhang.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:40:06
- „Und um an diesen Punkt zu kommen, ist es dann aus meiner Sicht unvermeidlich, unbedingt nötig, dass wir versuchen dahinter zu kommen, was Rudolf Steiner meint mit Geisterkenntnis. Dieses Element der Geisterkenntnis soll sich im Unterricht direkt widerspiegeln. [...] Wenn jemand im Äußerlichen Dinge beweisen kann. Das beeindruckt uns. Aber das ist nicht das, was die Kinder brauchen, sondern die Kinder brauchen seelische Lebendigkeit.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:36:33
- „Wenn Ungerechtigkeiten auftreten, dann muss man dafür sorgen, dass die Kinder spüren, Moment mal, das war nicht gut. Also Rudolf Steiner sagt ganz konkret, die Kinder müssen lernen, das Gute zu lieben und nicht das Böse lieb zu haben. Ganz einfach. Und dafür sorgt die liebevolle Autorität." | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:40:06
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar H
H
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar I
- „Und wenn wir dann den Körper ablegen, werden diese Hüllen wieder aufgelöst nach dem Tode, reduziert bis auf unseren geistigen Wesenskern, der dann wieder zum Vorschein kommt. Sich wieder äußert, wieder sich mit Seele umkleidet, in das Denken hineinkommt und dann beginnt es wieder, dass wir an uns arbeiten können. Ein langer Weg von Inkarnation zu Inkarnation. Immer eine neue Chance, den Christus zu finden und ihm nachzufolgen.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:55:26
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar J
- „Eine wunderbare Gelegenheit aus meiner Sicht, den Kindern etwas in die Seele zu legen, um das zu bewirken, was wir vorher besprochen haben. Und das sind die Jahresfeste. Und derer besonders zwei, nämlich zum einen das Osterfest und zum anderen Michaeli. Wenn wir es schaffen, dass wir einen ganz besonderen Blick, ein ganz besonderes Verhältnis zu besonders diesen beiden Jahresfesten haben und mit den Kindern zusammen diese Jahresfeste begehen, dann können wir aus meiner Sicht einen ganz fruchtbaren Keim legen.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:57:08
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar K
K
Kind
- „Wir merken schon, dieser Blick auf den Menschen verändert viel, wie wir dem anderen Menschen, wie wir dem Kind gegenüber treten. Diese Arbeit daran, dieser Frage nachzugehen, ist ein erster Schritt, um sich selber so zu positionieren, dass wir in die Lage versetzt werden, in der Waldorfpädagogik zu stehen und mit den Kindern gemeinsam den Weg zu gehen.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:09:28
- „Und man kann heute sehr stark beobachten, dass die Kinder im sehr frühen Alter durch die Erwachsenen, das ist nicht bewusst so, aber die Erwachsenen versuchen, die Kinder so schnell wie möglich in diese denkerisch-rationale Welt hineinzuholen.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:16:55
- „Diesbezüglich haben wir einige Aussagen Rudolf Steiners, dass er sehr deutlich sagt, wir können heute, beziehungsweise damals zu seiner Zeit, wir können beobachten, dass die Kinder beginnen, sich zu verändern. Er sagte also, dass es früher so war, dass die Kinder noch nicht so betrübt mit einer leichten Traurigkeit zur Welt kamen. Aber dass dies nun langsam beginnt, dass diese Schwere der Aufgaben, die uns Menschen gestellt werden, die Kinder spüren das, wenn sie in dieses Leben gehen.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:52:12
- „Das heißt, wir Menschen werden diesen Planeten auf eine völlig neue Stufe heben. Wir werden ihn verwandeln von einem Kosmos der Weisheit in den Kosmos der Liebe. Aber das wird nur stattfinden, wenn wir diese Liebe, Fähigkeit, dieses Vertrauen in uns, in den Christus gestärkt haben. Und das beginnt am ersten Schultag in der Waldorfschule.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:48:31
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar L
- „Weil wir die Schwelle zum lebendigen Denken nicht überschritten haben in der Selbsterziehung. Denn in der anthroposophischen Selbsterziehung ist es wichtig, die Verbindung aufzunehmen, zunächst einmal über die Erkenntnis, aber dann auch über das Erleben, was diese Erkenntnis in mir bewirkt, dass nämlich das lebendige Denken in erster Linie eine Tätigkeit des Ätherleibes ist.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:29:38
- „ Der Lehrer soll Liebe hineingießen in die Seele des Kindes. Das heißt, wenn wir also in uns Moralisches, Ethisches tragen, Liebevolles tragen, dann wird das auf die Kinder ausstrahlen, ohne dass man viele Worte machen muss.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:36:33
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar M
- „... der Mensch ist ein dreigliedertes Wesen. [...] Der Mensch ist also nicht nur Leib, sondern der Mensch ist auch Seele und wie wir noch sehen werden, wird der Mensch dann auch immer mehr seinen Anteil entfalten am Geist.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:11:49
- „Und schließlich haben wir im Herbst, und das ist ja das Fest der Zukunft, sagt Rudolf Steiner, dass dieses Fest, die Bedeutung dieses Festes eigentlich noch gar nicht richtig herausgeschält worden ist, noch gar nicht so richtig klar ist. Und das ist eine Zukunftsaufgabe für uns alle, dass wir in diesem Michaeli-Fest nämlich in unseren Seelen hervorrufen, diese Verbindung dazu: Hier handelt es sich um die Auferstehung des Menschen innerhalb der todwerdenden Natur.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:57:08
- „Rudolf Steiner sagt, dass die Kinder, die im Westen geboren werden und die Kinder, die im Osten geboren werden, bekommen aufgrund des Ortes ihrer Inkarnation und der Kräfte, die in diesen, wenn wir es mal ganz grob einteilen, in West, Ost und Mitte. In West und Ost haben wir noch orientierunggebende Kräfte vorhanden. Aber bei uns müssen diese Kräfte aus dem Menschen selbst kommen. Das heißt, gerade bei uns in der Mitte ist die Erziehung des Kindes zwingend notwendig. Und daher brauchen wir eine starke Waldorfpädagogik.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:52:12
- „Das ist etwas, was besonders die Kinder der Mitte, darauf kommen wir gleich noch, Westen, Osten, Mitte, wir befinden uns Mitteleuropa, wir sind Menschen der Mitte. Und besonders für die Menschen der Mitte ist diese Aufrichtekraft enorm wichtig, vor allem für die Kinder, dass sie dies beispielhaft lernen.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:19:14
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar N
- „Das wird später noch früh genug Teil des Lebens werden müssen, denn unser Leben ist auch dadurch gekennzeichnet, dass wir uns heute mit dieser materialistischen Naturwissenschaft auseinanderzusetzen haben. Aber wenn sie zu früh an den Menschen herankommt als dominante Kraft, dann ist das der Tod der Seele. Denn diese materialistische Naturwissenschaft verhärtet, die Gedanken werden bis zur unmittelbaren Verhärtung geführt - das ist auch notwendig in bestimmten Lebensbereichen, um Dinge klar darstellen zu können - aber im Unterricht an der Waldorfschule sollte das nicht forciert werden.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:36:33
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar O
- „Ostern bedeutet die Auferstehung der Natur und der Naturwesen, denn alles in der Natur, wie wir gesagt haben, ist wesenhaft. Das Wichtige ist aber, dass wir diese Natur und ihre Wesen in der Gefolgschaft des Christus sehen. Nicht unpersönlich, sondern wie wir wissen, durch das Mysterium von Golgatha hat der Christus sich mit der gesamten Erde verbunden.” | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:57:08
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar P
- „Da gibt es ja diesen Spruch "Wegen Umbau geschlossen" - das ist das Motto der Pubertät. Und hier wird es dann ganz wichtig, die Kinder hinzuführen, heranzuführen an das Denken und sie dann in die Freiheit zu entlassen. Das ist dann so Richtung Oberstufe, Abitur, da sollte man dann schon diesen Freiheitsaspekt sehr stark betonen.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:27:27
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar Q
Q
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar R Reformpädagogik
- „Und Waldorfpädagogik ist ebenso keine Reformpädagogik. Wenn man heute einmal nachschaut im Internet und bei Wikipedia Waldorfpädagogik eingibt, dann kommt da ganz selbstverständlich, Waldorfpädagogik ist eine Form der Reformpädagogik. Das ist aus meiner Sicht nicht zutreffend, weil Reformpädagogik eben genau das, was ich vorher gesagt habe, nicht anstrebt. Bei der Reformpädagogik geht es eigentlich darum, gewisse Programme aufzustellen und diese Programme dann mehr oder weniger an den Kindern abzuarbeiten. Und das ist in der Waldorfpädagogik eben nicht gewünscht.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:04:47
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar S
- „Und wenn wir Erwachsenen es nicht schaffen, den Kindern ein Licht zu geben, das aus der Geisterkenntnis heraus entzündet worden ist, dann erziehen wir die Kinder zu Skeptikern. Die Kinder werden skeptisch gegenüber der Welt, skeptisch gegenüber anderen Menschen, skeptisch auch gegenüber dem Christus und der Göttlichkeit“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:52:12
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar T
T
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar U
U
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar V
- „Und wir dürfen nicht vergessen, dass das Ziel der Waldorfschule am Ende ist, das Kind in Freiheit zu entlassen. Wir brauchen selbstsichere Menschen, nicht Obrigkeitsgehorsam. Selbstvertrauen, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Zu wissen, es gehört auch mal eine Niederlage dazu. Man kann auch mal daneben hauen. Spielt keine Rolle. Bleib dir treu, hab Vertrauen in dich.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:40:06
- „Scheitern gehört dazu. Mut zum Scheitern. Auch das schafft Vertrauen in das eigene Leben. Und dieses Vertrauen, diese Kraft des Vertrauens, die brauchen wir sehr dringend.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:48:31
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0-9 | Gesamtglossar W
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Waldorflehrer
- „Diejenigen, die die allgemeine Menschenkunde, die Vorträge zur allgemeinen Menschenkunde gelesen haben, die wissen wahrscheinlich, dass Rudolf Steiner diese Formulierung benutzt, dass er sagt, also wer als Waldorflehrer agieren möchte, der kann also nicht mit einer intellektuellen, gemütlichen Tätigkeit rechnen, sondern als Waldorflehrer steht man im Grunde genommen jeden Tag wieder vor der Klasse und soll die Fähigkeit haben, sich täglich neu unvoreingenommen auf das einzulassen, was die Kinder zeigen, was die Kinder entgegenbringen.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:04:47
- „Und für den Waldorflehrer ist es dann wichtig, so sagt Rudolf Steiner, dass er vor den Kindern auftritt als liebevolle Autorität. Und wir erkennen zwei Elemente, liebevoll, aber auch Autorität.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:19:14
- „Zunächst einmal nach der Frage, was ist denn eigentlich Waldorfpädagogik, wie können wir sie heute verorten, einordnen? Und da können wir zunächst einmal sagen, also Waldorfpädagogik ist nicht intellektuell gemütlich. ... Das heißt, die Waldorfschule soll also nicht eine Art Abarbeiten von vorgefertigten Regeln und Normen und Weisungen sein, sondern bei dieser Waldorfpädagogik soll es darauf ankommen, die unmittelbare Begegnung zwischen Lehrer und Schüler soll im Mittelpunkt stehen.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:04:47
- „Und ausgehend von dieser Menschenerkenntnis ruht die Waldorfpädagogik diese Erziehungskunst auf zwei Säulen. Die erste Säule ist die Seelenkunde und die zweite Säule die Sittlichkeit.“ | Bolleßen, C, Waldorfpädagogik, 00:07:25
- „Und dann beginnt der Weg, wenn man sich mit der Waldorfpädagogik vertraut machen möchte, dieser Weg beginnt in aller Regel oder sollte beginnen mit der Frage, was ist der Mensch? Und diese Frage ist nicht unerheblich, denn diese Frage hat direkten Einfluss darauf, wie wir zum Beispiel als Lehrer, aber auch als Elternteil das Kind anschauen.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:09:28
- „Und nun haben wir diesen wunderbaren Satz von Rudolf Steiner, den er den Waldorflehrern mit auf den Weg gibt, viele werden ihn vielleicht kennen: "Das Kind in Ehrfurcht empfangen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen." Das ist eine wunderbare, künstlerische, tiefe Zusammenfassung von dem, was die Waldorfpädagogik sein soll, was die Waldorfpädagogik sein kann.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:22:09
- „Und das bedeutet im Grunde, dass Waldorfpädagogik möchte, dass die Seelenvermögen des Menschen, nämlich Denken, Fühlen und Wollen, so gut wie möglich vorbereitet werden für das spätere Leben.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:28:50
- „Und vor diesem Willenswesen und vor diesen Motiven, die dieser Mensch hat, ich möchte jetzt in dieses Erdenleben und möchte bestimmte Dinge umsetzen, möchte mir bestimmte spirituelle Aufgaben vielleicht stellen, ich möchte bestimmte Menschen treffen, alte Konflikte wiedergutmachen und so weiter.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:23:25
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar X
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1. Jahrsiebt
- „Das Kind in Ehrfurcht empfangen, das bezieht sich auf das erste Jahrsiebt, das heißt von der Geburt bis zum siebten Lebensjahr. Dass wir uns also klar machen, dieser Mensch, der da vor uns liegt, zunächst mal, und strampelt und schreit, dieser Mensch ist nicht zum ersten Mal inkarniert, sondern dieser Mensch hat eine Vorgeschichte.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:23:25
- „Und wenn wir nun versuchen, einmal diesen Kontext im Bewusstsein zu behalten, und weitergehen jetzt konkret zur Pädagogik, so sagt Rudolf Steiner, die Erziehung des Kindes ist besonders anzustreben im zweiten Jahrsiebt. Das heißt also, wenn das Kind im Alter zwischen sieben und 14 Jahren alt ist. Und in diesem zweiten Jahrsiebt ist es ganz wichtig, sowohl für die Lehrer, aber auch für die Eltern, dass man sich als erwachsener Mensch klar macht, in dieser Zeit sollte das Kind besonders über das Gefühl erreicht werden, nicht über das Denken.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 00:16:55
- „Dann haben wir dieses Schuljahrsiebt von sieben bis 14 Jahren. ... Dieser Wille wird gezähmt, könnte man sagen, und das Gefühlsleben wird in Gang gesetzt zugunsten der Erfahrungsfähigkeit dieses Menschen in diesem Leben. Und diesem sich werdenden Gefühlsmenschen sollten wir uns liebevoll nähern.“ | Bolleßen, C. Waldorfpädagogik, 2025, 00:26:58





