WOLLEN WIR WEITER SCHLAFEN - ein Vortrag von Wolfgang Peter in Kempen, 2026

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Dr. Wolfgang Peter am 25. April 2026 in Kempen. Hier klicken um zum Video zu gelangen

Transkription des Vortrages vom 25. April 2026 in Kempen

+++ Dieser Text ist maschinell transkribiert und bedarf noch der Überarbeitung von Menschenhand/Geist. Willst du MitTun? +++

Begrüßung und Einleitung: Wollen wir erwachen?

Sprecher 2:

Grüßt euch alle miteinander. Es ist total schön, dass ihr heute wieder da seid. Und im Namen meiner Geschwister Ursula und Maria heiße ich euch ganz herzlich willkommen hier. Und natürlich eben den Wolfgang und die Margaretha. Wir freuen uns sehr, sehr auf diesen Vortrag. Danke.

Sprecher 1:

Wir wünschen uns alle einen schönen Tag. Ja, wir haben ein spannendes, vielleicht auch schwieriges Thema. Es geht darum: Wollen wir weiter schlafen, wollen wir erwachen? Erwachen zu einem geistigen Wahrnehmen der Geschehnisse, die um uns sind, der Welt, die um uns sind. Wir leben eigentlich schon in einem ganz lichten Zeitalter, man soll es gar nicht glauben. Wir sagen immer Katastrophe, eine Katastrophe jagt die andere, Kriege, Unfrieden in der Welt. Es gibt viele Spannungen, es gibt viele große Probleme in unserer Welt. Aber das ist die große Herausforderung, unsere geistige, schöpferische Kraft in Tätigkeit zu bringen und Bewusstsein in Tätigkeit zu bringen.

Das heißt, unsere eigenen Fähigkeiten zu erkennen und an dem Ort, an dem wir stehen, etwas daraus schöpferisch einzubringen in die Welt. Und sei es ein liebes Wort zu einem Mitmenschen. Auch das ist schon etwas, was etwas bewegen kann, und das ist sogar das Wichtigste, dass man die Verbindung zu den Menschen hält. Mit dem Thema werden wir uns beschäftigen. Und wir werden aber auch berücksichtigen dabei, dass dieses Erwachen, dieses bewusste Gehen eines geistigen Weges auch sehr wohl aber auch bodenständig zugleich sein muss. Sonst können wir in der Erde nichts bewirken. Also beides verbinden können, Himmel und Erde, Himmel und Hölle vielleicht sogar zu verbinden.

Lucifer und Ahriman: Die widerstrebenden Kräfte

Sprecher 1:

Und damit haben wir das Thema auch: Es sind Kräfte da, auch die dem widerstreben, ganz deutlich. Die wirken in uns. Oft, das ist der innere Schweinehund einmal. Man kann es auch etwas anders sagen: Es sind Kräfte wie Lucifer und Ahriman.

Der Lucifer ist der, der uns zwar in Begeisterung bringt, in Höhen bringt, aber vielleicht nicht in die ganz wahren Welten hineinbringt, sondern vielfach auch in die Illusion uns führt. In ein Scheinlicht, das uns zwar beglückt für kurze Zeit, aber von der Wahrheit entfernt, und dann ist der Absturz umso schlimmer.

Der Andere ist der Ahriman. Der, der der Führer des strengen Intellekts ist, des Berechenbaren. Was wir durchaus brauchen in der Welt. Unsere heutige moderne Welt besteht großteils aus den Schöpfungen, die mit dem Ahrimanischen zusammenhängen. Also mit dem, was durch den rationalen, nüchternen Verstand geprägt ist. Durch das, was sicher vorherberechenbar ist, was, wie man in der Naturwissenschaft sagt, reproduzierbar ist. Was nicht abhängt von unseren Wünschen oder Abneigungen, die wir haben, sondern wo wir einfach die Tatsachen der Welt zur Kenntnis nehmen.

Aber diese Tatsachen dürfen auch nicht so sein, dass sie uns behindern und dass wir sagen: Die Naturgesetze zwingen uns, wir sind unfrei vielleicht. Nein, wir sind nicht unfrei. Das Bild, das die Naturwissenschaft entwirft, ist ein sehr präzises Bild der Welt, aber sie bietet nur ein Bild in Wahrheit des Toten. Dessen, was nicht aus sich selbst heraus schöpferisch, lebendig, tätig wird. Entweder indem es sich selbst umgestaltet – das Leben verstehen wir eigentlich naturwissenschaftlich nicht heute. Da können wir noch so viel – ich bin Chemiker von meiner Ausbildung her – können wir noch so viel Biochemie studieren und was die Erbanlagen alles tun, was die DNA alles tut in uns. Das sind wichtige Erkenntnisse, keine Frage. Aber das Leben als gesamte Erscheinung verstehen wir dadurch nicht.

Also das heißt, das, was wir wirklich auch in strengen, mathematisch beschreibbaren Naturgesetzen fassen können, ist das Tote in der Welt. Und es gibt noch mehr. Also wenn wir heute die Evolutionslehre haben, die sagt, es entstehen zufällige Mutationen, dadurch verändern sich die Lebewesen und irgendeines bleibt halt dann über, das ist das Kräftigste und das pflanzt sich weiter fort. Das hat eine gewisse Richtigkeit, aber erklärt den Prozess, wie die Neuerungen zustande kommen, nicht wirklich. Es ist nicht bloß ein Zufall, sondern da wirken Kräfte drinnen, die höher sind.

Leben als kreativ gestaltende Kraft

Sprecher 1:

Da wirken in uns ja auch Kräfte, die höher sind als bloß das, was physikalisch, chemisch zu erfassen ist in uns. Leben ist schon eine höhere Stufe. Wir werden auf das noch näher kommen, was dann in dem Leben noch alles drinnen wirkt. Leben ist eine ganz wichtige Kraft. Eine kreativ gestaltende Kraft, in uns, aber auch in der Natur draußen. Also da haben wir eine starke Verwandtschaft.

Das ist das, was Rudolf Steiner auch die Ätherkräfte nennt, die Lebenskräfte. Die eine Rolle spielen und die auch mit den Veränderungen im Zeitlauf zu tun haben. Mit den formgestaltenden Veränderungen, wo etwas wachsen, reifen, sich verändern kann und zu immer neueren Erfindungen sozusagen in der Welt... aber in der Erfindung des Lebendigen kommen können. Und wir sind heute aufgefordert, in Wahrheit sehr viel mitzuarbeiten, auch an der Entfaltung des Lebens auf der Erde.

Wenn man so jetzt in die Zeit hineinschaut, hat man eher den Eindruck, dass das Gegenteil passiert. Dass durch die Technik, mit der wir alles durchpflastern, [es] immer mehr überhandnimmt und das tötet eigentlich die Erde ab. Das gehört durchaus auch zu unseren Aufgaben dazu. Also wir sollten nicht einfach in die Höhle wieder zurück und mit dem Faustkeil herumlaufen, und dann wären wir eine ökologischere Gesellschaft. Das würde auch nicht sein.

Nein, die Erde braucht uns. Also es wird so oft gesagt, der Mensch zerstört die Erde. Das ist bis zu einem gewissen Grad wahr, aber er hat auch die Kraft, ihr neues Leben zu geben, was sie selbst so aus ihren eigenen Kräften nicht mehr kann. Die Erde ist bereits in einem absterbenden Zustand. Da braucht man sich jetzt nicht Sorgen machen, dass morgen gleich alles vorbei ist. Das sind viele Milliarden Jahre noch, die das betrifft. Aber trotzdem, wir Menschen sind gefordert, Impulse zu geben. Wie können wir eigentlich der Erde neue Lebenskräfte zuführen, etwas verändern? Es geht darum, in unserer eigenen Entwicklung, aber auch in der Entwicklung der Erde darum, dass wir immer mehr mitwirken, gestaltend. Aber mit dem richtigen Ansatz eben mitgestalten. Leben der Natur geben, Beseelung geben in die Welt hinein und aus dem Geiste heraus gestalten. Der Geist ist in uns die schöpferische Kraft.

Das wunderbare Prinzip, wo wir aus dem Nichts heraus etwas schaffen. Wie es ein Künstler zum Beispiel macht in einem Werk und vielleicht ganz was Neues, eine ganz neue Stilepoche [schafft]. Oder heute ist jeder Künstler seine eigene Stilepoche in Wahrheit, weil keiner ist mit dem anderen wirklich vergleichbar. Also man bringt etwas ganz Neues in die Welt, das Schaffen aus dem Nichts heraus. Wir sind eingeladen, Mitwirkende an dieser Schöpfung zu werden. Also nicht nur Geschöpf zu sein, sondern auch Schöpfer zu werden, Mitschöpfer im Kleinen und vor allem auch Mitschöpfer unserer selbst.

Das heißt, an uns selbst zu arbeiten. Das ist die Voraussetzung. Wenn wir es nicht tun, dann tun es Widersacherkräfte. Nicht die höheren geistigen Wesenheiten, die auch da sind, aber die – damit wir die Freiheit entwickeln können – sich immer mehr zurückziehen. Und wir können sie schon einladen mitzuwirken, aber sie machen nicht einfach die Dinge für uns. Können sie auch so nicht machen, weil wir spezielle Qualitäten auch haben.

Sprecher 2:

Wie wir sie einladen werden, muss man erklären.

Sprecher 1:

Ja, das kommt noch. Den Impuls, im Vorfeld kann ich das schon einflechten: Er muss aus uns kommen. Wir warten heute auch immer gerne... es gibt so viele Probleme auf der Welt, wie lösen wir sie bitte? Wo finde ich das nächste Handbuch? Wo steht drinnen, was ich tun soll? Was hat Rudolf Steiner gesagt, oder was hat der oder jener gesagt? Ja, es ist Gutes zu studieren, aber das reicht noch nicht. Sondern wir müssen sagen: Ich selber, ich stehe hier, ich schaue mir die Welt an, ich schaue mir die Zusammenhänge an, und dann kommt vielleicht ein schöpferischer Impuls. Das ist nicht einfach ein Impuls aus dem Intellekt heraus. Er ist da, in dem Moment, wo er kommt, und man spürt: Er ist richtig.

Sprecher 2:

Aber wiederum ärgerlich.

Sprecher 1:

Ja, das ist sicher die große Schwierigkeit heute. Das ist auch das soziale Problem in gewisser Weise im Zusammenleben. Dass wir tatsächlich in einer Zeit leben, wo mehr solche Impulse kommen, aber bei jedem Menschen ganz individuell. Es ist also eine ganz [große] Schwierigkeit, sich auf eine Linie zu einigen, zu sagen: Ja, das ist das Richtige. Es gibt so viele richtige Wege, als es Menschen gibt. Und die Kunst ist nur, wie führe ich das zusammen, dass wir trotzdem gemeinsam ein großes Ganzes zusammenbringen.

Und es ist eine der größten Schwierigkeiten, wenn jemand fanatisch wird, sagt: "Ich habe die Wahrheit erkannt." Kann durchaus sein, aber es ist eine Facette der Wahrheit, eine von Millionen Facetten. Und wenn man sagt: "So muss die Welt werden, und wenn ihr nicht mitzieht, dann muss ich euch bekämpfen."

Sprecher 2:

Aber in solchen Zeiten heute scheint ja gerade das so zu sein.

Sprecher 1:

Ja, jedenfalls setzen sich die Strukturen durch irgendwo. Das ist richtig. Es ist nur die Frage, aus welchem Geist heraus sie das gestalten, wenn sehr viel vom Ego mitwirkt. Wir müssen nämlich unterscheiden zwischen unserem wirklichen Ich, unserer wirklichen Individualität – das ist aber noch nicht unser Alltags-Ego, unser Alltags-Ich sozusagen. Das sagt: "Ich will das, ich möchte das, ich weiß das genau. Ich, ich, ich." Aber es ist nicht das Ich. Das Ich macht etwas, man könnte sagen, aus Selbstlosigkeit. Und sei es nur die Befriedigung: "Ja, meine Idee hat sich durchgesetzt." Das ist für viele schon der Punkt: "Ich habe denen den Weg gegeben."

Schaut euch die Politik an, wie sie läuft. Unser amerikanischer Präsident, er macht, was er will im Grunde. Er setzt sich über alles hinweg, und es ist viel Eitelkeit darin. Er erreicht damit sehr schnell etwas. Aber ob es unbedingt zu einem besseren Ablauf der Welt führt, das stelle ich einmal infrage ein bisschen. Aber natürlich, er hat es sehr leicht, er hat Macht dahinter und hat einen ganz starken Willen, seins durchzuziehen. Jetzt müsste noch die Fähigkeit dazu kommen, sich mit anderen abzusprechen: "Was habt denn ihr für Impulse?" Weil, so sehr wir schöpferische Impulse durchaus haben können und sollen auch, aber andere haben auch Impulse, die als Ergänzung notwendig dazu sind. Also eigentlich müssten wir alle zusammenfinden. Das ist ein weiter Weg.

Und das eben nicht im Sinne des Ego dann missbrauchen. Diese schöpferischen Impulse, die vielleicht ja wirklich hereinkommen. Aber wenn ich sie zu meinem Eigennutz, zu meinem Eigenwohl sozusagen betreibe – "Ich bin der Größte, der die Welt gestaltet, ich habe einen wirtschaftlichen Vorteil, ich habe einen politischen Vorteil oder sonst etwas" – dann kommen halt Schwierigkeiten heraus. Weil andere sind auch so ähnlich, aber mit anderen Ideen und anderen Impulsen, und dann scheppert es einfach, dann funkt es.

Rückblick in die Antike: Vom Kollektiv zur Individuation

Sprecher 1:

Ich meine, je weiter wir in die Vergangenheit zurückgehen, war es bis zu einem gewissen Grad sogar heilsam und notwendig, dass ein großer Herrscher [da war], der im Grunde die Devise ausgibt, wonach diese Region, dieses Land regiert werden soll, gestaltet werden soll. Wenn man denkt an die ägyptische Zeit noch, also da gehen wir weiter in die Vergangenheit, die Pyramide ist ein Bild dafür. Von oben, von der Spitze geht die Weisheit aus und strömt bis nach unten. Und alle haben letztlich mitzumarschieren im Grunde, weil sie es auch gar nicht anders konnten. Alleine wären sie verloren gewesen. Oft war in alten Zeiten, im alten Ägypten, wenn der Pharao gestorben ist, war wirklich tiefe Verzweiflung in allen drinnen, weil niemand mehr gewusst hat: Wie geht es weiter? Später wurde das auch korrumpiert, also in der späteren ägyptischen Zeit. Und das war eine Zeit... aber die ägyptische Zeit, wo im Großen und Ganzen die Menschheit bereits den Blick für große geistige Zusammenhänge verloren hatte.

Je weiter wir in die Vergangenheit kommen, desto mehr Menschen hatten einen traumartig hellsichtigen Einblick in die geistigen Zusammenhänge und das hat sie geleitet in ihrem Tun. Nur kurz bereits vor der ägyptischen Periode beginnt das sogenannte dunkle Zeitalter. Kali-Yuga haben sie die Inder genannt, also in der indischen Philosophie. Es kommt aber bei anderen Kulturen auch vor. Eine Verdunkelung, weil vorher war es selbstverständlich...

Sprecher 2:

Ich weiß nicht, ob ich störe, aber mich erinnert es an den Moses, weil da hieß es ja, er wurde in aller Weisheit der Ägypter bewährt. Das war die Weisheit, die sie meinten.

Sprecher 1:

Ja, genau. Und Moses hat wieder einen neuen Impuls gebracht, der einen Fortschritt brachte, und natürlich sind sie dann ausgezogen aus Ägypten, um ihren eigenen Weg zu gehen. Das war ein nächster Schritt. Aber bei den Ägyptern war es so, also diese Verdunklung war dadurch das Kali-Yuga und man konnte eigentlich nicht mehr so selbstverständlich die geistige Welt miterleben.

Also musste man einen Einweihungsweg gehen, um wieder heranzukommen. Und der war eigentlich sehr drastisch in Ägypten. Indem man den einzuweihenden Menschen in einen todesähnlichen Zustand versetzt hat. In einen Tieftrancezustand, den der Mensch drei, dreieinhalb Tage aushält, länger nicht. Und dann wurde er aufgeweckt, zum richtigen, letztmöglichen Zeitpunkt aufgeweckt. Und dann hat er aus diesem Tieftranceerlebnis heraus noch das in Worte gefasst, was er erlebt hat. Hat erzählt von dem. Und die Priester, die ihn umgeben haben, haben das aufgenommen, haben das im Gedächtnis bewahrt, noch gar nicht gleich in der Schrift, sondern im Gedächtnis bewahrt, in der Anfangszeit überhaupt. Und daraus wurden die Regeln gefunden, wie man heute die Welt gestaltet, das Leben führt unter den Bedingungen dort. Da waren wichtige Impulse.

Das abstrakte Denken, wie wir es heute haben, das technische Denken, das logische Denken, gab es in dem Sinn noch nicht. Ich versuche einmal einen ersten Einblick zu geben, wo es hingehen könnte.

[...]

Die Grenzen der Logik und die Notwendigkeit geistiger Erkenntnis

Sprecher 1:

Die Klarheit des Denkens hereinspaziert. Wir haben durch das Denken, wie wir es heute kennen – also das streng logische, das berechnende Denken, das ableitende Denken, wo man alles prüft, am Experiment auch prüft, äußerlich, das gehört auch dazu – dadurch haben wir sehr viel gelernt und sehr viel an Wachheit. Aber es ist noch nicht das wirkliche geistige Erleben drinnen, sondern wir sehen die Hälfte der Welt oder vielleicht sogar einen noch größeren Teil eigentlich nicht. Wir sehen nicht das, was in uns Leben ist, wir sehen nicht das, was Seelisches ist. Seele kennt die Wissenschaft kaum mehr. Selbst wenn die Psychologen sprechen im Grunde von einer Seelenlehre ohne Seele. Das gibt es eigentlich gar nicht, es sind nur Nervenreaktionen. Es ist aber zu wenig.

Und was kaum jemand erkennt, ist das schöpferische Ich. Diese wirkliche geistige Kraft, die die wunderbare Fähigkeit hat, aus dem Nichts etwas ganz Neues zu finden. Und nicht durch einen Zufall alles zusammenwürfeln. Die künstliche Intelligenz, wie man sie heute hat, kann scheinbar auch Neues erfinden, aber das ist nur eine Mischung von Altem. Das ist nicht wirklich etwas Neues, Schöpferisches, das einen sinnvollen Zusammenhang zur ganzen Welt herstellt, mit dem, was man hineinbringt. Das ist die eigentliche Fähigkeit des Ichs.

Und das meine ich heute auch mit dem geistigen Erwachen, mit dem "Wollen wir weiter schlafen?". Das heißt, dieses geistige Erwachen. Und das heißt, sich selber bei dem schöpferischen Prozess in Wahrheit zuzuschauen. Selber ganz bewusst, ganz wach dabei zu sein. Dann kommen wir zu einer geistigen Wahrnehmung des Weltgeschehens, die absolute Sicherheit hat. Deswegen, weil wir bei jedem Schritt mit dabei sind. Wir sind also auch in geistiger Beziehung in einer Zeit des großen Umbruchs. Es geht nicht mehr darum: Wir kriegen eine große Offenbarung von weiß man nicht wo, von oben oder vielleicht auch von unten, man kann es nicht unterscheiden, das wäre heute ganz ungesund.

Also das heißt, alles was so mediumistisches Hellsehen ist, Trance-Erlebnisse, Medien, Schreibmedien, die völlig im Trance-Zustand irgendwas niederschreiben oder so. Das kann richtig sein, wenn man Glück hat, aber man kann es in Wahrheit nicht beurteilen. Beurteilen kann man es, wenn man bei jedem Schritt bewusst wach dabei ist. Das heißt, die Suche, die schon viele Generationen oder nach Indien oder irgendwelchen [Ashrams?] oder was auch immer gegangen ist, da hat man das gesucht? Ja, da hat man das gesucht und da kamen auch große Anregungen. Aber eben noch in einem trancebewussten Zustand in Wahrheit, wo man nicht mit Bewusstsein selber beurteilen konnte. Sondern man hat sich unterworfen. "Ja, etwas Göttliches erscheint mir." Nur mit der Zeit ist es nicht mehr das Göttliche, sondern es sind andere geistige Wesen, die – man könnte sagen – gerade dazu abgestellt sind, uns dauernd zu verführen, in die eine oder in die andere Richtung. Zu sehr im weltabgewandten, wolkigen Licht zu leben oder ganz im materiellen, rein logisch Toten zu versinken. Das sind eigentlich die beiden Kräfte, die immer an uns zerren.

Das ist eben das eine, was man nennt den Lucifer, der schon im Paradies sagt – unseren Hochmut schürt irgendwo: "Er wird sein wie Gott und das Gute und das Böse erkennen." Aber in Wahrheit tut er nicht viel dazu, dass wir es wirklich richtig unterscheiden, sondern er führt uns eher dazu, missverständlich das zu sehen. Weil gut ist, was mir guttut. Das heizt der viel mehr an. Und schlecht ist, was mir im Weg steht. Das ist aber nicht das wirklich Höhere, sondern da versinke ich im Ego. War aber auch ein wichtiger Entwicklungsschritt, dass wir uns auf unser Ego wenigstens stellen.

Also uns als nicht mehr Kollektivwesen aufzufassen. Wenn Sie nehmen in der Bibel die Schilderung Methusalem. Wie der so alt wird, dieser Methusalem, denkt man sich: Das kann ja nicht stimmen. Wie alt der wird, weiß ich nicht, 800 oder mehr Jahre, das kann es ja nicht geben. Das war nicht der eine Mensch Methusalem, sondern das war der Gründer einer ganzen Dynastie. Und die hat 800 Jahre gelebt. Und in ihnen... er war halt der Gründungsvater und sein Impuls lebt in den Nachkommen allen fort, bis auch dieser Stamm ausstirbt irgendwann. Dann ist es dort zu Ende. Das ist das Geheimnis dieser großen Lebensspanne dieser Personen, die im Alten Testament genannt werden. Das ist ein ganzer Stamm. Es ist das Kollektiv. Und als Kollektiv weiß man auch viele Dinge, die der Einzelne so gar nicht hätte, aber im ganzen Stamm lebt es. Und der Stammvater war halt der, der diesen Impuls in die Welt gesetzt hat.

Aber es war noch nichts wirklich Individuelles drinnen. Also ganz auch "Der Stamm ist der Beste" oder "Der Stamm ist der Beste und die anderen muss man eigentlich bekämpfen, weil die haben nicht die richtige Ansicht." Lesen Sie die Bibel, das Alte Testament, da geht es Mord und Totschlag die ganze Zeit lang zu. Da geht es wirklich darum, andere Stämme, andere Völker auszurotten im Grunde. Und jeder glaubt, dass er der von Gott auserwählte Stamm ist. Das ist gewaltig. Und das hat eine gewaltige Kraft, wenn das durch so ein Volkskollektiv oder so ein großes Stammeskollektiv getragen wird, dieser Impuls. Da gibt es eben nicht eigentlich Miteinander-Auskommen, sondern wichtig ist nur, was wir in die Welt setzen wollen. Alles andere ist verfehlt.

Sprecher 2:

Ja, ja, ja, natürlich. Das ist ja der Wahnsinn. Man versteht von den Hintergründen nichts.

Sprecher 1:

Das ist natürlich komplex. Ich meine, Persien, der Iran ist eine uralte Kultur im Grunde, die dahinter steht. Und urpersische Zeit, von der spricht Rudolf Steiner. Da gab es zum Beispiel damals in der urpersischen Zeit die Lehre von Ormuzd und Ahriman. Da haben wir den Ahriman schon. Das ist die Zeit, wo die Verdunklung aber anfängt bereits. Der Ahriman ist der Dunkle. Der verdunkelt uns das geistige Wissen. Und der Ormuzd ist das Bild für das Lichte, für das geistige Licht. Vielleicht auch ein bisschen luziferisch dabei auch. Aber der Dunkle ist der Ahriman. Aber der wird eigentlich immer stärker. Und mit Beginn der ägyptischen Zeit dann ist die Dunkelheit im Grunde schon da, dass die Menschen natürlicherweise von dem Licht, von dem geistigen Licht kaum mehr etwas wahrnehmen. Mit einzelnen wenigen Ausnahmen, die dann als Propheten oder irgend so in der Welt drinnen sind und solche Erfahrungen haben. Aber sie auch nicht aus eigener Ich-Kraft heraus beurteilen können in Wahrheit. Sondern sie sind halt auserwählt. Einzelne. Damit überhaupt noch etwas Geistiges in der Welt drinnen ist.

Aber heute ist die Zeit da... das Dunkle ist immer größer geworden in Wahrheit. Und Geist ist für uns ja im Grunde: Wenn einer gescheit ist, dann hat er viel Geist. Aber Gescheite, die alles wissen, die vielleicht Universalgelehrte sind... was heute eh nicht mehr geht, weil das Wissen so groß geworden ist. Aber es ist totes Wissen. Sie haben das gelernt, was im Grunde Generationen vor ihnen entdeckt haben und das sammeln sie zusammen. Ja, hier und da gibt es schon einen schöpferischen Funken drinnen, aber im Großen und Ganzen ist es festgeschriebenes Wissen. Und an das klammern wir uns dann. Und das reicht aber nicht, um die Zukunft wirklich zu gestalten.

Weil Leben rechnet immer mit dem Neuen, mit dem Überraschenden. Mit dem, was sozusagen den nächsten Schritt der Entwicklung bedeutet. Und wir sind heute in der Phase drinnen, wo wir bewusst an dem mitarbeiten könnten. Wir sind nicht mehr nur Produkt einer Lenkung von oben oder von unten oder von sonst wo. Sondern es geht darum, uns auf uns selbst zu stellen. Den Mut zu haben: Ich bin auch ein schöpferisches Wesen. Das macht das aus, die Ich-Kraft. Deswegen ist der Christus Mensch geworden. Die höchste göttliche Kraft in gewisser Weise, ich sage es bewusst, weil die Vatergottheit, wenn man sie im christlichen Glauben nimmt, ruht im Hintergrund, hält sich zurück. Große christliche Gelehrte haben sogar gesagt: Er ist die nicht geschaffene und nicht schaffende Wesenheit. Er tut nichts. Gar nichts.

Der Christus macht es. "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Alle Dinge sind durch dasselbe geworden und ohne dasselbe ist nichts geworden, was geworden ist." Das ist der Christus. Das Wort, das lebendige Wort ist der Christus. Und Wort ist gemeint mit wirklich dieser Schöpferkraft, die die Welt gestaltet. So wie wir im Kleinen in unserem menschlichen Wort, durch unsere Sprache, ja im Grunde ein natürlich sehr flüchtiges Bild der Welt gestalten. In unseren Worten, die wir bilden. Das ist natürlich nur etwas Kleines. Und Sprache ist auch etwas Lebendiges.

Die großen Dichter, die Künstler verändern die Sprache auch. Es ist wieder so eine Attacke gegen die Entwicklung der Sprache und des Geistigen: Was im Wörterbuch drinnen steht, das gibt es. Ein Goethe hat sich nicht daran gehalten. Wenn es ein Wort nicht gibt, erfindet er es. Er findet etwas, was vom Klang, von der Art, wie es klingt, einfach passt. Und wenn ein Reim sich nicht ausgeht, dann findet er es. Jung und genung. "Genung" gibt es eigentlich nicht, aber für den Reim braucht er das aus. Und sagt mit Recht: Ich halte mich da nicht an ein Wörterbuch. Das Wörterbuch hat mir zu folgen, aber nicht umgekehrt. Das ist der Herr Ahriman, der sagt: "Nein, nein, das steht nicht im Wörterbuch, kommt gar nicht infrage. Das stört die ganze Ordnung drinnen."

Aber eigentlich die Menschen, die geistig tätig sind, die kreativ sind, stören dauernd die Ordnung. In gewisser Weise. Weil wir brauchen keine tote Ordnung, wo alles wie in einer Maschinerie auf Schienen läuft. Ja, das ist bequem vielleicht, aber das ist der schnellste Weg in den Abgang. Weil das wird immer toter damit. Nichts Neues mehr. Nichts, was wirklich lebt. Leben ist Veränderung.

Sprecher 2:

Auf dem Gleis sind wir gerade.

Sprecher 1:

Ja, auf dem Gleis sind wir. Und darum sage ich, es ist Zeit, da auszubrechen. Wir brauchen nicht die Schienen.

Sprecher 2:

Absolut.

Der persönliche Weg: Goethe, Sprachgestaltung und die Anthroposophie

Sprecher 1:

Ich will Ihnen was erzählen, wie ich zur Anthroposophie, also zu den Ideen von Rudolf Steiner gekommen bin. Ganz kurios, ich hatte Angst, vor Menschen zu sprechen. Das habe ich schon in der Schule gehabt. Ich habe mich um jedes Referat gedrückt irgendwo. Dann habe ich kennengelernt, einen Kurs Sprachgestaltung. Gab es bei mir in einer Volkshochschule ganz in der Nähe: Sprachgestaltung und Rhetorik. Ich habe mir gedacht, da gehst du hin, vielleicht hilft das irgendwie. Und nach drei Abenden habe ich Lust und Freude dabei gehabt, vor Menschen Gedichte zu rezitieren. Und ich habe die Sprache erlebt in einer ganz anderen Weise, als ich sie vorher hatte. Jedes Wort, jeder einzelne Laut wurde Bild für mich. Wirkliches Erleben. Nicht: Es ist ein Text, den ich spreche aus, eine Information, die ich weitergebe. Sondern es ist ein schöpferisches Erleben drinnen. Und jeder Mensch muss es jedes Mal wieder neu und anders betonen, anders formen. Es gibt nicht die eine Idealform. Wenn ich das Gedicht das zweite Mal rezitiere, ist es schon wieder anders. Und dann schreibe ich vielleicht selber eins. Und wie auch immer.

So schnell nicht, aber doch. Relativ bald hat der Mensch, der den Kurs geleitet hat, gesagt: "Ja Herr Peter, jetzt übernehmen Sie einmal den Unterricht." Das habe ich dann gemacht und irgendwann hat er gesagt: "Jetzt brauche ich eigentlich eh nicht mehr kommen. Machen Sie das Ganze." Aber ich habe also wirklich viel gelernt dabei an dem Erleben und auch an der Freude. Aber es ist eben keine luziferische Freude. "So toll, was ich alles mache." Sondern einfach zu erleben, diese Kraft, die da drinnen ist. Im Gestalten.

Sprecher 2:

Ja, ja, das will, wenn der Schüler das will.

Sprecher 1:

Ja, das stimmt, ja. Auch, dass ich dort hingegangen bin, ist so: Vielleicht bin ich schon zehnmal vorbeigegangen und habe das gar nicht bemerkt, was das ist. Aber einmal bleibe ich hängen und sage: "Da muss ich hingehen. Jetzt, hier und jetzt und sofort, da muss ich hingehen." Ich habe nicht gewusst, was wirklich auf mich zukommt. Und es war Schicksalsbegegnung im Grunde. Ja, es war wirklich Schicksalsbegegnung, weil es hat sich weitergesponnen. Und dann hat mir ein Kollege gesagt, der hält auch so Vorträge über Kulturgeschichte. Acht Semester lang. Spannend, spannend, hochspannend. Da habe ich mir gedacht: Der Mensch hat einen Hintergrund. Wo kommt das her? Keine Ahnung.

Dann hat mir ein Kollege gesagt, der hält auch so andere Vorträge über Anthroposophie. Ich habe gesagt: "Anthropo-was? Kenne ich nicht. Was ist das?" "Naja, Rudolf Steiner, aha, Waldorfschulen." Waldorf, ich betone das bewusst, weil so habe ich es mir vorgestellt. Im Wald der Naturschule oder was weiß ich nicht. Keine Ahnung. Und dann schenkt sie mir ein Buch von Rudolf Steiner, "Goethes Weltanschauung". Und ich muss jetzt dazu sagen, seit meinem 15. Lebensjahr habe ich mich mit Goethes Faust beschäftigt. Und mit seiner Farbenlehre. Und mit seinen naturwissenschaftlichen Schriften überhaupt. Die waren für mich der entscheidende Punkt, Naturwissenschaften zu studieren. Und sie schenkt mir das Buch zu Weihnachten und ich fange es an zu lesen. Nach zwei Seiten habe ich gewusst: Da bin ich zu Hause. Da gehöre ich hin. Da finde ich das, was ich eigentlich gesucht habe. Das war ganz klar.

Aber da bin ich nicht wissend hingegangen, sondern das ist auf mich zugekommen. Das ist passiert. Das ist mir begegnet. Und das hat mich gelehrt: Es geht vielfach darum, die Momente nicht zu versäumen, wo so etwas auf mich zukommt. Und nicht daran vorbeizugehen, auf die Impulse zu hören. Weil das haben alle Menschen in Wahrheit. Viele verschlafen es, manche ergreifen den Moment. Da ist etwas, was uns wohin führt. Wir sind es eigentlich in Wahrheit selber.

Wenn wir es jetzt ein bisschen weiterspannen und gleich aus dem Anthroposophischen, aus dem Geistigen heraus, ein bisschen die Welt betrachten, dann leben wir ja nicht nur einmal auf der Erde. Das ist auch etwas, was sich heute viele überhaupt nicht vorstellen können. Obwohl der Gedanke von einer Reinkarnation und so weiter sich mittlerweile schon mehr verbreitet. Auch in Deutschland ist ein nicht so kleiner Anteil, [der] hält es zumindest irgendwie für möglich. Und in dieser Reinkarnationslehre steckt aber auch drin, dass wir [mit] Menschen, mit denen wir in der Vergangenheit zu tun hatten, in einer früheren Inkarnation, mit denen unter Umständen wieder zusammenkommen und etwas austauschen miteinander. Sagen wir es einmal vorsichtig so: Vielleicht haben wir ihm etwas zuleide getan und können jetzt das ausgleichen. Wir werden auf jeden Fall zu Situationen hingeführt, im Grunde zunächst einmal unwissend. Das passiert uns, weil unser wirkliches Ich noch nicht wach genug ist dafür. Also passiert es uns halt dann. Kann auch sein, dass wir irgendwo stolpern und uns die Nase einhauen und dann kommen wir zum richtigen Arzt und der sagt uns vielleicht, was wir für unser Leben brauchen, neben dem, dass er die Nase repariert. Kann auch sein. Es sind oft wenige Worte oder oft nur ein Wort, das etwas wecken kann im Menschen.

Sprecher 2:

Dass Sie mit 15 schon Goethe gelesen oder auch studiert haben.

Sprecher 1:

Ich habe vor allen Dingen den Goethe's Faust gelesen, gelesen, gelesen. Und vor allen Dingen den Faust 2. Ich habe zwar nichts verstanden, weil mir einfach die Grundlagen gefehlt haben, aber ich habe so stark gespürt, es geht mich etwas an. Wenn ich das lese, bewegt das etwas in mir. Es war mir dann völlig egal, ob ich es verstehe oder nicht. Ich musste es lesen.

Sprecher 2:

Die Wahrheit daran erkannt?

Sprecher 1:

Erkannt will ich noch gar nicht sagen, aber ich habe gespürt, ganz sicher: Da ist eine Wahrheit drinnen. Und diese Wahrheit betrifft mich. Auch wenn ich sie noch nicht wirklich greifen kann. Ich habe zwar schon ein bisschen Mythologie gekannt, aber nicht so tief wie es Goethe halt [kannte]. Und der verändert sich dann auch noch drinnen. Also die Symbole habe ich nicht so gekannt irgendwo. Aber mit der Zeit ist es so lebendig geworden. Geradezu ein Lebenselixier, möchte ich sagen. Und das begleitet mich bis heute. Also wir spielen jetzt den Faust 1 und 2 seit 25 Jahren.

Sprecher 2:

Bitte?

Sprecher 1:

Ja, es gibt sicher heute schon Ausgaben, die verwendet sind. Ja, wo es ein bisschen begradigt sind. Das ist klar, damit man sich auch dem Intellekt anpasst unserer Zeit. Und Goethe geht aber weit über das hinaus.

Sprecher 2:

Letztens war in Deutschland gesagt, dass man Goethe abschaffen will in der Pädagogik.

Sprecher 1:

Ja, ja. Sicher, sie halten ihn für altmodisch und überholt. Natürlich, es ist lange Zeit schon her, seit Goethe gelebt hat und dann nicht mehr gelebt hat danach. Aber es sind starke Impulse drinnen. Und die sollte man nicht verschenken.

Sprecher 2:

Aber es scheint auch zu wenig Schüler zu geben, die diesen Impuls haben, Goethe zu lesen.

Sprecher 1:

Ja, aber ich sage Ihnen ganz deutlich: Das liegt daran, wie man es ihnen nahebringt. Ich mache zum Beispiel bei uns in der Waldorfschule Chemieunterricht. Das ist mein Hobby, das zu machen. Ich mag es gern mit Freude. Und jedes Mal, jeden Tag, wenn wir so eine Chemie-Epoche haben, jeden Tag bei der Morgen-Einstimmung, machen wir zum Beispiel den Zauberlehrling. Am Anfang immer: "Das ist zu lang, das ist so anstrengend." Dann tun wir uns ein bisschen gemeinsam anstrengend. Dann machen wir halt ein bisschen Schwung. Und innerhalb kürzester Zeit können sie ihn in- und auswendig, ohne dass sie ihn zu Hause studieren müssen, weil wir es einfach jeden Tag sprechen, dann können sie es. Also nach einer Woche können sie ihn eigentlich. Und dann sind sie eh dabei. Weil es Spaß macht. Es macht einfach Spaß. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn ich sage: "Ja, das ist höchste Bildung, das müsst ihr lernen", dann würde ich mich auch unterweinen gehen. Man muss auch die Freude sehen, dann mit dem umzugehen. Es gefällt ihnen. Weil sie es selber tun können. Sonst machen sie den Mund kaum auf. Dann machen sie ihn auf. Wenn es dramatisch wird, machen sie ihn auf. Weil ich es ihnen halt auch ungeniert vormache. Ich habe es ja gelernt mit der Sprachgestaltung, also geht das. Nein, da haben sie Freude dran, total. Und wir erleben immer wieder tolle Schulaufführungen oder so, wo sie total mitgehen.

Das wird halt natürlich nicht überall gefördert. Das ist das Problem. Weil viele sagen, die Kunst, das ist alles unwichtig. Wichtig sind die technischen Berufe, die sogenannten MINT-Fächer. Mathematik, Informatik und so weiter, das ist wichtig. Alles andere, Kultur, das ist lächerlich. Das braucht man nur als Randbemerkung irgendwo drinnen. Dann versiegt aber die schöpferische Kraft. Dann versiegt sie irgendwann. Dann ist man ganz im Intellekt, ist sehr gescheit, kann gut berechnen. Aber man hat dann nicht einmal vielleicht die kreative Idee, auch in der Technik, in der Naturwissenschaft, etwas wirklich Neues zu entdecken. So beweglich ist man dann nicht. Man kann sehr gut anwenden das abgestorbene Wissen aus der Vergangenheit, das sicher nützlich ist, weil wir sehr viel Totes in der Welt auch haben.

Und noch einmal als Betonung: Die Naturgesetze beschreiben nur das Tote in der Welt. Und aus dem machen wir unsere Technik, die im Grunde auch aus Totenteilen besteht, aus einer toten Maschinerie. Selbst die Künstliche Intelligenz stützt im Verein die tote Maschinerie. Und da fehlt etwas drinnen. Ich kann viel besser, als wir, mittlerweile mit riesigen Datenmengen umgehen und was herausfinden, da benutze ich es auch gern. Selbst wenn ich sage, im Werk Steiners, über 500 Bände mittlerweile, suche ich etwas. Ich weiß, ich habe einmal etwas gelesen dort, aber wo war das? Ich habe keine Ahnung, keine Ahnung. Und mit den normalen Suchmöglichkeiten findet man es meistens gar nicht, weil da kriegt man dann 100 Stellen oder mehr und es wird mühsam, es zu finden. Die Künstliche Intelligenz sucht das geschwind daraus. Da habe ich mittlerweile viele Dinge gefunden, die ich vorher vergebens gesucht habe, auch in meiner wissenschaftlichen Tätigkeit. Aber sie kann nicht denken, nicht wirklich denken. Das heißt, sie kann ein Werkzeug sein, aber wir müssen das Werkzeug bedienen. Dann macht es Sinn.

Sprecher 2:

Dann könnte ich ja eigentlich dankbar sein, dass es die Waldorfschulen gibt und dass es vielleicht den Waldorflehrern gelungen ist...

Sprecher 1:

Ja, sicher, das ist der Gedanke drinnen. Also man muss einfach auf den Menschen schauen. Es gibt sicher andere Privatschulen, vor allem Privatschulen, die auch etwas Gutes machen. Aber man muss wirklich den Menschen sehen. Den Menschen und das Schöpferische in ihm und das Wecken irgendwo. Nicht nur nach strengen Regeln zu reagieren. Das ist vielleicht für politische Führer angenehm, wenn man Menschen hat, die brav bestimmten Regeln folgen. Das ist bequemer, sie zu führen dann. Aber was wir brauchen, ist wirklich lebendige, kreative Menschen, die die Zukunft gestalten, die sagen: "Ich bringe etwas Neues hinein. Ich habe eine Idee. Ich habe den Mut, das auch durchzuziehen." Und auch in Bereichen, wo ich nicht gleich die großen Verdienste vielleicht habe. Aber Sie haben ja von mir eine kreative Rede bekommen. Die kann man scheinbar nicht kaufen. Die kann man nicht kaufen. Das ist wichtig.

Die Macht der eigenen Gestaltungskraft 43:39

Sprecher 1:

Also ich habe sehr viel gelernt, zum Beispiel durch die Sprachgestaltung. Das Arbeiten, das andere Arbeiten mit der Sprache, wo ich gelernt habe, nicht nur zu sprechen, sondern mir auch zuzuhören beim Sprechen. Mir zuzuschauen, wie das im ganzen Körper lebt. Wie das was tut. Das heißt, es ist nicht nur unbewusst, wir haben halt sprechen gelernt, durch Nachahmung im Grunde, durch Nachahmung, wie die Eltern gesprochen haben. Und wir wissen gar nicht, wie wir dazu gekommen sind. Wir können es halt irgendwie. Aber wie viel mehr herauskommen kann, wenn ich mich beobachten kann? Wie spreche ich denn? Wie klingt es, wenn ich es verändere? Jeder Sprachkünstler kann das sowieso, muss das können. Aber es sollte eigentlich jeder Mensch können. Da lernt man sehr viel über schöpferische Kraft. Wie man sie anwenden kann, wie man gestalten kann. Wie man einen Text, wenn man es das zweite Mal macht, schon wieder anders macht. Anders machen kann. Wie man es ganz anders machen kann. Vielleicht ganz schräg auch. Kann gut sein.

Und manche sagen, das ist der Text "Verballhorn". Wie kann man das machen mit einem Goethegedicht? Alles kann man machen. Wenn man mit seinem Erleben eintaucht und damit anfängt zu tun, dann wird es etwas Gutes, ist es eine Bereicherung. Auch wenn manche sagen: "Nein, das stört jetzt meine Gewohnheit. So kann man das nicht machen." Ja, sorry, dann ist der oder das, was abgestorben ist, nur noch Regeln. Da brauche ich das Gedicht nicht nur noch regeln. Da verstehe ich es nicht mehr. Sondern wenn ich es ergreife und mit vollen Händen ergreife und tue, was kann ich damit tun? Mache ich einen Rap aus einem Goethegedicht? Warum nicht? Es ist keine Verballhornung. Wenn es gut gemacht ist, ist es was. Durchaus. Es muss nicht sein, dass man immer brav wie vor 100 oder mehr Jahren es gemacht hat, sondern es soll immer wieder neu ergriffen, neu belebt werden. Neu von der Wurzel auf. Eigentlich nachgeschaffen und weitergeschaffen werden.

Also den Mut, glaube ich, brauchen wir in unserer Zeit. Das nicht immer zu sagen: "Ja, es ist alles schlecht, aber wieso?" Wir kommen mit unseren Rezepten nicht weiter. Es liegt nicht daran, an den vielen Regelverstößen sozusagen. Eigentlich eher im Umgekehrten an den zu wenigen Regelverstößen. Dass man brav den ausgetretenen Weg weitergeht. Da haben uns die Widersacher. Die sagen uns: "Ja, schau, das ist schön, da kriegst du viel Geld dafür, da kriegst du viel Anerkennung dafür, wenn du den Weg gehst." Ja, das ist sehr verführerisch, oder? Das Andere hat die logische Präzision. Das Eine ist halt der Lucifer, das Andere der Ahriman. Das sind die Widersacherkräfte, die halt diese Namen haben. Man darf sich natürlich nicht vorstellen, dass das irgendein Nachtgespenst ist, das uns umschwebt. Sondern das sind Kräfte, die aber um uns wirken in der Technik und so weiter. Da lebt zum Beispiel das Ahrimanische oder in der ganzen Filmindustrie, was über die Bildschirme flimmert. Das hat schon einen starken luziferischen Zug. Auch mit Ahriman im Hintergrund, der die Technik besorgt. Mit dem sind wir umgeben.

Aber wo bin ich da wirklich gestaltet? Wenn ich nur konsumiere, ist es zu wenig. Mit den Größen, was mir da begegnet, wie gehst du damit um? Ja, indem ich es ins Gleichgewicht bringe. Die ahrimanischen Kräfte sind da, die luziferischen sind da. Also das Luziferische ist das Selbstgefällige, Eitle irgendwo, das eigentlich jede Verantwortung Abstreifende, das von der Erde wegschwebende, Sich-wohlfühlen. "Ach, ich habe schon wieder meditiert und habe einen Engel erlebt, wie schön es war." Da sage ich nur: Bitte lest in der Bibel nach, wie das ist, eine Engelerscheinung. Da steht immer als erstes: Fürchte dich nicht. Weil es ist fürchterlich. Es ist das Erlebnis einer so niederschmetternd starken Kraft, dass man nicht sagt: "Ah, schön, ein Engel ist mir begegnet." Das kommt erst dann in der Nachwirkung vielleicht, dass ich das erfasse. Aber da muss ich mich sehr stärken. Da muss ich selber eigentlich so stark werden, fast wie der Engel, um das auszuhalten. Aber dann spüre ich: Ja, das ist eine Realität, auch wenn sie nicht eine äußerlich greifbare Realität ist, aber es ist eine geistige Kraft da, die in gewisser Weise mit mir verwandt ist, aber noch stärker und noch höher ist in gewisser Weise.

Aber einen großen Unterschied hat zu uns Menschen, wenn Engel diese Freiheit, die der Mensch erwerben kann, nicht haben. Sie sind durch die höheren Hierarchien, durch das Göttliche, wenn man so will, geleitet. Sie schöpfen aus dem Anblick der Gottheit unmittelbar, und was von dort strömt, das führen sie aus oder versuchen es auszuführen. Man kann auch manchmal scheitern. Es ist nicht gesagt, dass höhere Wesen alles richtig machen. Sie können auch scheitern. Und die, die wir als Widersacherkräfte haben, haben sich dadurch qualifiziert, dass sie manchmal gescheitert sind an bestimmten Dingen und dadurch gerade die Fähigkeit haben, uns in Verwirrung zu bringen, uns zum Scheitern zu bringen.

Und wenn wir uns aus eigener Kraft dagegen wehren oder etwas entgegensetzen, indem wir das Luziferische und das Ahrimanische erkennen und im Gleichgewicht halten, dann haben wir eine Chance, aus Freiheit wirklich einen eigenen Weg zu gehen. Und gerade durch diese Verführung ist es wichtig. Die hilft uns dabei. Der ewige Stachel, der uns lehrt, der passt auf. Der nächste Schritt, da kannst du schon wieder stolpern. Und wenn du nicht aufpasst, stolperst du auch. Und das tut weh, sozusagen. Und an dem lernen wir. Und das macht Erkenntnis.

Ja, das ist der Punkt, das ist Erkenntnis. Das ist das, was in der Bibel kurz drinnen steht, durch die luziferische Verführung: "Ihr werdet das Gute und das Böse erkennen. Und deswegen werdet ihr sein wie Gott." Ja, in gewisser Weise stimmt das. Auch nur, es ist ein weiter Weg dorthin. Auch eine annähernd göttliche Schöpferkraft zu entwickeln. Im winzig Kleinen natürlich. Also wir können noch nicht den ganzen Kosmos schaffen, sozusagen. Aber im Kleinen können wir es, sollen wir es. Das heißt, wir sollen eigenständige Mitgestalter werden. Eben in unserer Erdenwelt, in unserer Erdennatur, in unserem sozialen Zusammenleben. Und wir brauchen keinen, der uns vorschreibt, wie das von oben herunter gestaltet sein soll. Sondern wir müssen selber miteinander zurande kommen. Und uns abstimmen und auch anerkennen, dass ein anderer Mensch andere Impulse hat. Und wir schauen müssen, wie können wir die zu einem funktionierenden Ganzen zusammenbringen, zu einem lebendigen Ganzen zusammenbringen.

Das ist das große Problem. Wir werden keinen Frieden auf der Welt haben, wenn er nicht in den einzelnen Menschen entsteht. Wir brauchen nicht warten auf den großen Weltenherrscher, der es von oben her regelt und alles so macht, dass die Welt ohne Probleme funktioniert. Jeder einzelne Mensch ist gefordert. In Wahrheit.

Wenn der Wolfgang Ambros anruft und schreit nach dem Frieden, wird ja die Luft ganz schwer. Wo kommt denn der Frieden her? Das ist der Wolfgang Ambros, glaube ich.

Sprecher 2:

Ja, ja, ich glaube.

Sprecher 1:

Ja, ja, ja. Ja, absolut. Da sind wir gefordert. Aber wir müssen uns selber fordern. Es gibt uns niemanden [den] Tritt dazu. Vielleicht wir selber uns durch das Schicksal, das wir uns zubereiten, wenn wir allzu oft Gelegenheiten, das zu entwickeln, versäumen. Das ist der alte Gedanke von Reinkarnation und Karma, sogar durch viele Erdenleben hindurch, dass die Fehler verschwinden nicht von selber, sondern sie klopfen immer als Aufgabe an. Bis wir sie gelöst haben, dann ist es vorbei.

Exkurs: Begegnungen in Palästina und der Umgang mit fremden Kulturen 52:41

Sprecher 2:

Sie sprechen immer nach meiner Geduldfrage [?]. Für mich ist das... ja, wir Menschen haben viel in uns, in vielen Menschen.

Sprecher 1:

Richtig, genau. Und das fehlt mir, gerade auch hier bei Ihnen.

Sprecher 2:

Ja, ja, ich habe es ganz bewusst noch nicht erwähnt. Das ist der Ausgangspunkt. Dass der Christus Mensch geworden ist, ist die Voraussetzung dafür, dass der Mensch diese Freiheit entwickeln kann. Das, das und das, und wir müssen das machen.

Sprecher 1:

Ja, nur das Wichtige dabei ist, der Christus macht nichts für uns.

Sprecher 2:

Nein, aber trotzdem.

Sprecher 1:

Ja, natürlich, natürlich, natürlich. Und der Christus lebt in uns, wenn wir tätig werden in dieser Kraft. Genau. Und es ist sogar ganz wichtig zu sehen, um unsere Freiheit nicht zu gefährden: Die ganze geistige Welt hält sich zurück, uns gute Tipps sozusagen zu geben. Und zu sagen: "Mach doch das." Das ist der wichtige Punkt. Weil doch viele sagen: "Ja, ich bete eh immer zu Christus und dann wird es schon gut werden." Das ist zu wenig. Also das heißt, da muss man ganz konkret in dem Lebensumfeld, in dem man steht, tätig werden. Und dann ist mit alledem die Christuskraft mit uns. Und verstärkt es sogar in gewisser Weise. Aber wenn wir uns nicht rühren, passiert gar nichts. Das ist das, was natürlich unsere Bequemlichkeit herausfordert, weil immer, wenn es schwierig ist: Ja, wie sorge ich für Frieden? Wie wird das gehen? Es gibt kein Patentrezept dafür. Aber es gibt die Möglichkeit, intuitiv das in einer Gemeinschaft, in der man drinnen steht, zu finden. Und da fängt es an. Ich brauche nicht gleich im großen Weltmaßstab anfangen, da haben wir nur einen weiten Weg bis dorthin, dass das funktionieren wird. Weil die Menschen sind eben... jeder ist anders. Jeder hat andere schöpferische Impulse oder ist gefangen in gewissen Gewohnheiten drinnen. Also etwas, was wir eigentlich überwinden müssen, ohne das Gute der alten Zeit zu verlieren, aber auch nicht an einer sturen Tradition festzuhalten und zu glauben, wir können heute im 21. Jahrhundert so leben wie im 19. Jahrhundert oder noch früher.

Das funktioniert nicht, wenn wir es zurückschrauben wollen: "Da war die Welt noch in Ordnung." Ich frage mich auch, wie viel sie in Ordnung war, wenn ich mir die politischen Ereignisse im 19. oder 18. Jahrhundert anschaue, war es auch nicht das Optimale. Es sind große Geister da gewesen, haben große Werke geschaffen, haben es aber im 20. Jahrhundert auch im Grunde... Man ist da manchmal nur schockiert, weil die alte klassische Form nicht mehr ist, die ist zerstört. Die Expressionisten, die Impressionisten und was alles gefolgt ist. Zwölftonmusik und brrr. Und heute ist es noch schlimmer, aber das ist notwendig. Das ist notwendig. Notwendig. Anders zu gehen. Nicht in einer Gewohnheit verfallen als ganze Menschheit, "Das war das Optimale, das Perfekte und das soll jetzt bestehen bis ans Ende der Welt" oder "Es soll ja gar kein Ende kommen." Weiß ich nicht.

Das funktioniert nicht. Es ist eigentlich immer wieder neu zu finden und selbst das Alte, wenn man es ergreift, muss man es jetzt und hier neu ergreifen. Nämlich selber ergreifen. Nicht nach einer Schablone folgen. So muss man es machen. Also das heißt, wenn wir ein bisschen was von dem nehmen, werden wir wirklich Lebenskünstler. Ich sage das bewusst so, weil es geht nicht darum äußere Kunstwerke zu schaffen, das kann auch schön sein natürlich, aber indem wir das Leben zu einer Kunst machen sozusagen. Da sind wir alle gefordert.

Sprecher 2:

Ich kann das nicht sagen, aber im Fernsehen waren Flüchtlinge, die da flohen, die sagten dann alle im Gespräch: "Ja, so Gott will." Wir gucken einander an. Und danach... man kennt muslimische Menschen, aber ich kenne muslimische Menschen überhaupt nicht wirklich, wo dann die Maxime ist: Gott regelt das alles, oder? Ja, ist das eigentlich, das ist das Problem.

Sprecher 1:

Ja natürlich, da ist ein gewisses Problem drinnen. Jetzt muss man aber nur schauen, welche Anlagen sind bei den Menschen trotzdem noch drinnen. Und ich erzähle Ihnen, wie ich in Palästina war, ich habe beste Erfahrungen mit den Palästinensern gemacht. Ich bin in einer relativ ruhigen Zeit heruntergefahren, es war zu einer Weihnachtszeit und da waren gerade nicht so wilde Auseinandersetzungen da, aber was ich an Herzlichkeit erlebt habe bei den Palästinensern, das habe ich bei den Israelis nicht gefunden. Die waren sehr korrekt und sehr ordentliche Menschen, also ich will nichts Böses über sie sagen, aber diese Herzlichkeit, diese Offenheit, habe ich dort gefunden. Wir haben einen Führer gehabt, der hat uns durch die Al-Aqsa-Moschee geführt, und gesagt: "Wollt ihr Fotos haben?" Er war ganz dunkelhäutig und er hatte rote Haare. Er hatte eine irische Mutter. Er war ganz kurios, blitzblaue Augen, rote Haare und ganz dunkel. Und ich habe ihm meine Kamera gegeben: "Fotografiere!" Ich habe eigentlich keine Sorge gehabt, dass er jetzt davonrennt damit, war auch nicht der Fall. Und dann hat er gesagt: "Jetzt muss ich schnell telefonieren, ich habe doch sicher Hunger." Gut, hat er telefoniert und hat gesagt: "So, jetzt gehen wir."

Und dann waren wir eingeladen zu einer Hochzeitsfeier. Eine riesige Tafel in einem Lokal, das die dafür gemietet haben, und dort waren wir mitten drunter und die haben uns bewirtet mit allem, was es gab. Einfach so. Einfach so. Und ich bin gefahren durch die Gegenden, ich habe einfach ein Mietauto gehabt und bin gefahren und wo es uns gefallen hat, haben wir übernachtet. Ist uns später ziemlich zum Vorwurf gemacht worden von den Polizeikräften beim Abflug. "Ja, Sie haben in einem Palästinenser-Hotel übernachtet. Sie haben Ihre Reise nicht vorgeplant. Wieso? Warum? Was ist das?" Wir waren höchst verdächtig irgendwo. Drei Stunden haben sie uns verhört. Der Flieger hat warten müssen. Dreimal die israelische Polizistin, einmal meine Gattin, dann mich allein, dann zu zweit, ob Widersprüche vielleicht drinnen sind. Das ist gefährlich, wenn man da auf eigenen Wegen sozusagen durchfährt.

Wie gesagt, damit sage ich nichts Böses über die Israelis. Gar nicht. Sie sind sehr präzise. Sie sind sehr intelligent. Sie haben nicht immer diese Offenheit, vielleicht sogar naive seelische Offenheit, wie es die Palästinenser haben. Wenn ich denke, im Basar, das Handeln mit den Leuten dort ist eigentlich überhaupt nicht meins, aber es war ihr Erlebnis. Und es ging den Menschen nicht darum, dass sie möglichst viel verkaufen. Unter Umständen bin ich gar nichts, auf ein gutes Gespräch. Das dauert eine Stunde oder länger. Einfach: "Ich will dich kennenlernen. Was brauchst du? Vielleicht habe ich was, was dir gefällt." Aber du merkst, es ist von Herz zu Herz eigentlich. Also das ist ganz toll. Um das geht es. Also diese Beziehung von Mensch zu Mensch. Und da war es auch nicht wichtig, dass ich Palästinenser bin. Ganz offensichtlich nicht. Ganz klar, sondern eine Begegnung.

Ich habe Jugendliche mitgenommen, die den Autostopp gemacht haben. Ich habe eigentlich keine Angst gehabt. Ich habe das gespürt, da passiert ja nichts. Ich habe auch gespürt, es gab Orte, Ramallah zum Beispiel war so ein Krisenherd, damals sehr stark, da schnell durch. Da war wie eine aufgeladene Stimmung. Das hat man gemerkt. Da gärt es. Klar, in einer Stadt, die praktisch vollkommen zerstört ist. Es gibt in keinem Haus Fensterscheiben, nichts, alle Häuser sind Ruinen und dort leben die Menschen. Und da entsteht ein Hasspotenzial. Ganz klar, weil sie mit dem dann nicht umgehen können. Die Leute sitzen auf den Schutthaufen und da kochen sie einen Tee drauf. Und das ist sowas von trist, dass man sich das gar nicht vorstellen kann.

Sprecher 2:

In welchem Jahr war das?

Sprecher 1:

Ja, das war in den 90er Jahren. Irgendwann in den 92, 93. Also schon eine Weile her. Schon eine Weile her. Es ist ein spannendes Land. Auch von der Landschaft, von dem allen. Aber man merkt, es ist wie ein Brennpunkt der Welt, wo gewisse Spannungen, die in der Welt da sind, dort sich fokussieren. Es ist schon eine besondere Gegend.

Sprecher 2:

Ja, natürlich.

Sprecher 1:

Ja, es ist auch von der ganzen Geografie und so ist es etwas Ausgezeichnetes. Es hat schon was. Es ist nicht zufällig, dass dort verschiedene Religionen entstanden sind. Ich bin ein bisschen neugierig, wie der Vortrag noch weitergeht. Weil wir gerade das...

Sprecher 2:

Ja.

Sprecher 1:

Also, danke.

Sprecher 2:

Ich folge auch darauf. Ich werde es zumindest versuchen. Nein, finde ich auch toll. Welche Bedürfnisse da sind.

Das Kreuzigungs-Mysterium als Freiheitsimpuls 1:03:46

Sprecher 1:

Ja. Ein Spannendes, ich habe das schon erwähnt, dass wir die Freiheit entwickeln können, dass wir dadurch wirklich voll Mensch werden können. Dafür ist die Voraussetzung, dass der Christus der Welt, den Schöpfer in gewisser Weise, der Former, der Gestalter der Welt, also diese gewaltige göttliche Kraft, dass die Mensch geworden ist. Das ist einmal die erste Voraussetzung. Das muss man sich einmal vorstellen, dass so ein gewaltiges Wesen, das eigentlich im Grunde den ganzen Kosmos geschaffen hat, gestaltet hat, dass die sich in einen Menschen verkörpert. Dieses göttliche Ich, wenn man so will. Gott der Christus ist insbesondere dieser Träger der göttlichen Ich-Kraft. Der Repräsentant ist am allerstärksten.

Und der verkörpert sich in einen Menschen und dadurch geht einmal der Impuls aus, dass im Prinzip jeder Mensch aus seinem Ich heraus diesem nachstreben kann, selber eine Kraft zu entwickeln, im ganz Kleinen natürlich, die aber die Christuskraft ist. Und die besteht im Kern darin, dass es eine Liebeskraft ist. Und diese Liebeskraft ist aber ganz konkret. Nicht einfach nur: "Ja, ich liebe euch alle", das ist viel zu wenig. Sondern es ist ganz konkret Lebenskraft, die ich verschenke. Lebenskraft, die ich in mir schöpferisch erzeuge und verschenke, dass dem Anderen... dass sie für den Anderen, für die anderen Menschen belebend wirkt. Das ist Liebe. Ein sentimentales Gefühl, "ach, ich liebe euch alle", das reicht überhaupt nicht. Sondern es ist ganz konkrete lebensfördernde Kraft, die ich anderen Menschen schenke, die ich der Natur schenken kann zum Beispiel.

Und das wird wichtig sein. Die Erde wird früher sterben, wenn wir uns nicht um sie kümmern. Weil es ist oft die Meinung, ja, am besten, wenn der Mensch nicht da wäre, ginge es der Erde besser. Das stimmt aber nicht. Wir haben viel kaputt gemacht, das ist richtig, das heißt, wir haben ein ganz schönes Karma auf uns geladen, was wir ausgleichen können und sollten. Wozu uns aber niemand zwingt, weil wir die Freiheit haben. Und das ist nämlich auch das Tückische fast in gewisser Weise: Je mehr diese Freiheit in uns zur Geltung kommt, desto mehr kommt auch, dass wir den karmischen Ausgleich für Dinge, die wir in der Vergangenheit, in einem früheren Leben falsch gemacht haben, selber suchen müssen.

Und es ist nicht mehr so gesagt, dass das einfach uns entgegenkommt und ich kann eh nicht anders. "Also jetzt kommt ein großer Schicksalsschlag und der zeigt mir endlich, was ich lernen muss." Sondern wir müssen eigentlich immer mehr aktiv auf das zugehen. Das heißt, aktiv erkennen: Was fehlt mir noch? Wo habe ich etwas falsch gemacht? Wo habe ich etwas, aus dem ich noch lernen kann? Das ist die Zukunft. Und eben auch, wenn ich jetzt etwas begehe, dass ich eine Art Vorerleben habe dessen, was als Ausgleich einmal notwendig sein wird dafür. Als Ausgleich dafür notwendig sein muss. Das ist eine Steigerung dessen, was wir als Gewissen kennen.

Die Entstehung des Gewissens in der Antike 1:07:26

Sprecher 1:

Vielleicht erzähle ich auch ein bisschen zur Entstehung des Gewissens, wann das entstanden ist. Weil es ja auch zusammenhängt mit dem, was ich am Anfang sagte: "Also ihr werdet sein wie Gott und das Gute und das Böse erkennen." Also das war lange Zeit nicht in der griechischen Kulturepoche. In den älteren Zeiten davor war das auch noch nicht der Fall. Wenn jemand einen anderen Menschen geschädigt hat, ihn getötet hat vielleicht, dann haben ihn die Erinnyen überfallen. Das waren geistige Erlebnisse von schrecklichen Frauengestalten, die den Menschen gequält haben so sehr, dass viele sich selbst der Justiz überliefert haben, sind dann hingerichtet worden, in der Hoffnung, dass sie dann diesen Erinnyen entkommen. Was natürlich in Wahrheit nicht der Fall ist, weil es geht weiter nach dem Tod und dann wird es noch schrecklicher dort. Wenn man hier auf Erden dem entflieht, dann wird es dort noch schrecklicher.

Und so ist es auch in den großen Tragödien von den großen Tragödiendichtern geschrieben. Besonders stark ist die Erzählung von Agamemnon, Orest und Iphigenie und so weiter. Der Agamemnon lässt seine Tochter opfern, die Iphigenie, auf Anweisung der Diana, die fordert das. Und er tut das, weil dann würde die Windstille aufhören, die die Flotte hindert, nach Troja zu ziehen und Troja zu bekämpfen. Also in Wahrheit geht die Geschichte erweitert, dass die Iphigenie in Wahrheit nicht umkommt, sondern von der Diana gerettet wird und dann auf die Halbinsel Krim versetzt wird. Und dort den König Thoas, sogar den großen Herrscher dort, zu einem feineren Umgehen mit den Menschen bewegen kann. Weil die Sitte war, wenn ein Fremder auf die Insel kommt, wird er umgebracht. Fremde gibt es ja nicht, wollen wir nicht. Die werden sofort getötet, egal woher sie kommen, ohne weiter zu fragen. Und die Iphigenie setzt sich dann ein. Aber das ist die Nebengeschichte.

Aber alle glauben jedenfalls, dass die Iphigenie getötet wurde. Und die Mutter der Iphigenie aus Rache bringt sie ihren Mann um, den Agamemnon. Er wird getötet. Ganz heimtückisch mit Hilfe eines Liebhabers, den sie sich auch noch angeschafft hat. Wird er getötet, im Bad getötet. Und der Orest, der Sohn, kann gar nicht anders, als den Vater zu rächen. Das ist ja ein Film dieser griechischen Tragödien drinnen, dass ein Unheil das nächste provoziert und die Kette der Rache kein Ende nimmt im Grunde. Und das als moralische Verpflichtung empfunden wird. Blut kann nur mit Blut gerächt werden. Nur das kann der Ausgleich sein.

Einzig beim Euripides, dem Jüngsten der großen Tragödiendichter, ist die Geschichte ein bisschen anders. Also der Orest wird nämlich immer von den Erinnyen verfolgt. Das ist immer die Schilderung dann, als er flüchtet in die Welt hinaus. Er weiß gar nicht wohin, weil er diesen Erinnyen nicht entkommen kann. Beim Euripides ist es anders. Orest sitzt am Marktplatz, ganz niedergeschlagen. Man fragt ihn: "Was ist denn los?" "Ja, weil ich aus mir heraus weiß, etwas Böses getan zu haben." Keine Erinnyen. Überhaupt nicht. "Weil ich aus mir heraus weiß, etwas Böses getan zu haben." Die Stimme des Gewissens erwacht. Das kann man fast auf den Punkt festlegen, wann das sozusagen war, als der Euripides das festgehalten hat. Das heißt, da war die Zeit reif dafür, etwas aus sich selbst heraus zu erkennen, was vorher nur durch geistige Erfahrungen, geistige Erscheinungen [kam], wie ein Tagtraum, wenn man so will, aber ein Horrortraum im Grunde, der die Menschen geleitet hat. Da ist keine Freiheit drinnen. Aber er weiß aus sich selbst heraus, dass er Böses getan hat. Das ist noch ganz was anderes. Das ist ein neuer, nächster Schritt. Da fängt schon etwas an, dass der Mensch immer wacher für sein eigenes Ich wird. Das kann nämlich nur das Ich erkennen. Das Ego wird getrieben.

Was war das für eine Zeit? Die Zeit, wo es spielt, ist eigentlich schon in der frühen griechischen Zeit, also der Zeit, als Homer geschrieben hat, das ist so, weiß ich nicht, 8., 9. Jahrhundert vor Christus. Das ist ziemlich früh. Dort spielt auch die ganze Odyssee. Und Ilias und Odyssee spielt in dieser Zeit. Die Dichter haben es allerdings später geschrieben, so 4. Jahrhundert vor Christus ungefähr. Aber da erwacht es. Und eben der Jüngste der drei Dichter, das sind drei Generationen eigentlich. Und der Jüngste, der sieht bereits dieses Erwachen des eigenen Ichs drinnen. Ich weiß es aus mir selbst. Nicht irgendwelche Geister schildern mir das sehr drastisch, sondern ich erkenne es aus mir selbst.

Das ist im Übrigen ein Motiv, das Rudolf Steiner in seinem 4. Mysteriendrama aufgegriffen hat. Das spielt in der ägyptischen Zeit teilweise, also es ist eine Rückschau auf die ägyptische Zeit, wo viele der handelnden Personen verkörpert waren gemeinsam. Und da geht es um die Einweihung eines Geistesschülers und diese Einweihung scheitert. Also das war eigentlich der Weg, wo der in Tieftrance versetzt wird und dann aufgeweckt wird und dann soll er schildern, was er in der geistigen Welt erlebt hat. Und er schildert aber jetzt nur, welche Lust es war, in seinen Körper zu fahren und in die sinnliche Welt zu gehen. Und alle Priester sind entsetzt.

Und dazu eine kleine Anmerkung noch. Damit das eben nicht passiert, nicht passieren kann, das heißt das eigene Ich oder das eigene Ego sich nicht einmischt in das Ganze, sondern rein nur die Schilderung dessen kommt, was wirklich in der geistigen Welt los ist, dazu musste einer der handelnden Priester ein inneres Gebet, eine Meditation durchführen, die den Geistesschüler daran hindert, sein Ego störend da hineinzumischen. Sein Ich. Aber sein Spiegelbild, das Ich, sein kleines Ich irgendwo, das sich raushalten muss. Und wenn dieser Priester das nicht macht, dann kann die ganze Sache schiefgehen.

Und der, der dafür verantwortlich war, der eigentlich die Rolle des Pharaos hatte und einen Berater gesucht hat. Und der Geistesschüler sollte der Berater werden. Und er hat gefunden: Der ist nicht geeignet dafür. Der ist zu schwärmerisch, der ist viel zu luziferisch, würde man heute sagen. Den kann ich nicht brauchen. Aber die Regeln sind halt so wie sie sind. Aber er hat die Stärke zu sagen: Ich denke diesen Meditationsspruch nicht. Und damit geht die Einweihung schief. Also nicht zufällig, sondern ganz gewollt geht sie schief. Ist natürlich Frevel und weiß Gott was alles, hat natürlich einen Mordsaufruhr gegeben. Aber er sagt auch dann ganz genau warum. Weil er schon kommen sieht, eine neue Epoche, die griechisch-lateinische Zeit, so nennt er es nicht, aber es kommt eine Epoche, wo das Ich seine Freiheit erlangen wird. Das sieht er schon voraus irgendwo. Und er ist nicht mehr bereit, weiter zu tun mit dieser ägyptischen Methode, die ganz auf den Trance-Zustand hingeht, nur dort ist die Erkenntnis. "Da nein, sondern wir müssen in die Zukunft schauen." Das wagt er dort.

Also das ist dort ganz stark drinnen und eben diese Freiheit, um es noch einmal deutlich zu sagen, hängt sehr eng zusammen mit dem Erdenleben des Christus und mit dem Sterben am Kreuz. Auch wenn das eigentlich später war, als jetzt das bei Euripides geschildert wird. Aber das Ganze wirft sozusagen... ich will nicht sagen seinen Schatten, sondern sein Licht voraus, so ganz leise. Und das ist etwas, was zum Beispiel der Euripides spürt. Und darum schreibt er das so anders.

Pilatus, Wahrheit und karmischer Ausgleich 1:17:00

Sprecher 2:

Für mich kommt jetzt die Erinnerung an die Kreuzigung, beziehungsweise die Verurteilung. Also ich kann eben nur raten, dieses Pilatus-Ereignis-Gespräch zu studieren. Wohlvermutlich in einer guten Übersetzung.

Sprecher 1:

In einer guten Übersetzung.

Sprecher 2:

"Ich finde keine Schuld an ihm", dass er da, als Nicht-Jude, das so sagen konnte. Auch diese: "Was ist Wahrheit?"

Sprecher 1:

Ja, eben diese Frage: Was ist Wahrheit? Und das ganz Wichtige, der Christus antwortet: "Du musst es sagen. Du! Ich kann das nicht sagen. Das kannst du glauben oder nicht. Du musst es erkennen." Das ist das Starke daran. Also das ist auch eben so ein ganz starkes Zeichen dafür: Das Zeitalter ist da, auf deine Entscheidung kommt es an. Wenn ich das sage, "Ich bin der Sohn Gottes", das kannst du glauben oder nicht, aber du musst es erkennen. Dann hast du Sicherheit drinnen. Und das ist halt...

Sprecher 2:

Ich würde es nicht erkennen. Ich würde es nicht erkennen.

Sprecher 1:

Ja, natürlich. Oder nicht dazu zu stehen, irgendwo anders eh. Aber er hat halt nicht den Mut, das durchzusetzen gegen die Hohenpriester, gegen die Juden, die da den Aufstand machen. Und vielleicht kriegt er dann Schwierigkeiten als Statthalter natürlich auch. Also, weil unter Umständen heißt es, das eigene Leben sogar einzusetzen dafür. So weit geht es wieder nicht bei ihm.

Sprecher 2:

Wenn er das denn noch getan hätte und wenn er gesagt hätte, "Ja, du bist es", dann wäre doch die ganze Kreuzung...

Sprecher 1:

Natürlich. Natürlich. Also es spielt auch eine höhere Führung mit. Da hätten wir dann Probleme bekommen.

Sprecher 2:

Und wir haben es noch immer ziemlich schwer damit. Wir haben es noch immer ziemlich schwer damit.

Sprecher 1:

Ja, natürlich. Wir sind Menschen. Wir haben zwar die Möglichkeit als eigener Schöpfer einen neuen Weg zu finden, einen guten Weg zu finden, aber wir machen zweifellos noch mehr als genug Fehler. Wir haben nicht immer den Mut, dazuzustehen oder wir sehen was falsch, wie auch immer. Aber da haben wir die Gnade durch das wiederholte Erdenleben, durch das Karma, aus den Fehlern zu lernen. Es ist eben nicht so ein Leben, das im Grunde im ganzen Weltenlauf gesehen, was Gutes ist, das entscheidet alles, sondern wir können aus den Fehlern lernen. Mit dem mit, dass wir vielleicht sogar uns unsere Körperlichkeit neu bauen. Also das heißt, neue Fähigkeiten damit entwickeln, weil wir da auch mitbeteiligt sind.

Wenn wir davon gesprochen haben, die Entwicklung, sei es die Evolution, im Kleinen wie im Großen, ist nicht nur durch zufällige Mutationen, sondern da wirkt ein Geistiges mit. Und wenn wir uns inkarnieren, wirken wir sehr wohl auch mit. Wir haben einen Einfluss darauf, wie in welcher Gestalt wir geboren werden. Sicher nicht allein, wir haben Unterstützung, klar, aber trotzdem, es geht um uns. Und es geht darum, dass wir immer mehr zu uns selbst kommen. Als Individualität. Nicht als Schablone des Guten oder Bösen oder sonstig irgendwas, sondern individuell. Dann haben wir die Chance, schöpferisch etwas zum Weltgeschehen beizutragen. Etwas ganz Eigenes. Etwas, auf das sonst niemand gekommen ist. Im Grunde. In der Art, wie wir unser Leben führen einfach.

Auf dem Weg lernen wir aber viel auch aus den Fehlern, die wir gemacht haben. Das wäre das Ahrimanische, wenn wir eine perfekte Welt haben, wo niemand Fehler macht. Die gibt es alle nicht. Wäre doch die ideale Welt, das ist Brave New World, das ist die schöne neue Welt. Aber die wollen wir nicht haben. Dann sind wir alle eigentlich nur Rädchen in dem ganzen Geschehen drinnen. Und das ist gerade nicht das Gottgewollte. Sondern Mitgestalter.

Sprecher 2:

Sind die Fehler richtig?

Sprecher 1:

Ja! Die Fehler sind wichtig. Nicht, dass wir aus Nachlässigkeit noch zehnmal mehr Fehler machen, als notwendig ist. Aber wir werden Fehler machen. Aber wir können lernen aus ihnen und stärker werden dadurch.

Sprecher 2:

Aber dann sind die Fehler in der Weltpolitik, oder wie wir erkennen, auch richtig?

Sprecher 1:

Ja, in gewisser Weise auch. Wir müssen es als Menschheit alle ausbaden und lernen daraus. Ja, natürlich. Und auch die Politiker, die diese Fehler machen, haben es sicher nicht besonders leicht dann. Das ist schon klar. Aber auch für sie ist es sicher heilsam, letztlich. Letztlich, ja. Das ist eben, denke ich mal, das Wichtige für unsere Zeit, dass wir dafür erwachen. Dass wir wirklich etwas tun können, egal wie klein oder groß wir sind, sozusagen. Wie begabt oder unbegabt wir sind. Es geht vor allem einmal darum, dass wir das, was wir tun, immer bewusster tun. Dass es wirklich unser Wille ist und nicht Lucifer oder Ahriman, die uns da oder dorthin ziehen. Bitte.

Sprecher 2:

Und aus Liebe tun.

Sprecher 1:

Ja, aus Liebe tun. Genau. Weil das ist tatsächlich eine wirkende Kraft, wenn es wirklich Liebe ist und nicht mehr nur ein sentimentales Gefühl. Das kann nett sein, aber das reicht nicht. Es ist wirklich eine Lebenskraft, die wir erschaffen. Aus dem Nichts heraus. Das ist das Wichtige daran. Bitte.

Sprecher 2:

[unverständlich] Jetzt in der Karwoche verurteilen dieses jüdische Volk und dann rufen doch die Hohenpriester und die Juden "Kreuzigt ihn".

Sprecher 1:

Ja, ja. Ja. Ja, natürlich. Ja. Ja. Ja. Ja, ja. Ja, absolut. Absolut ist das schwierig. Und die Kaiser, das sind aber welche von ganz anderen Seiten, die ihre Finger drinnen haben in dem Geschehen. Und ihr Süppchen kochen dabei. Und die alle gegeneinander aufhetzen und es schaukelt sich immer mehr hoch. Ja.

Nein, das soll man nicht lieben. Aber man soll genug Liebekraft aufwenden, dass man sich nicht in das hineinsteigern lässt. Ich meine, das wird aber nicht von heute auf morgen passieren. Das braucht man keine Illusion haben, dass das morgen gleich vorbei ist. Man wird einen Frieden vielleicht finden, der eine Zeit lang hält. Aber es gibt genug Machtinteressen dort, besonders dort. Auch wenn es gleich dann... bitte... weil es so eine zentrale Weltgegend eigentlich ist. Also Palästina ist wirklich ein ausgezeichneter Ort irgendwo. Und es ist ein Ort, wo, wie soll ich sagen, wie ein Brennpunkt die Probleme der ganzen Welt, der Menschheit irgendwo gelöst werden müssen. Das wissen die Politiker sicher nicht, die teure Machtinteressen haben. Aber das hat was, dass es gerade in diesem Brennpunkt passiert. Und da geht es wirklich um einen Kampf um die Menschen, um die Menschenseele, um den Menschengeist. Weil das ist so, wie wenn dort alle diese Kräfte, diese Interessen, alle zusammenströmen. Und jeder versucht, es in seine Richtung zu ziehen, und keiner will was Gemeinsames. Und da ist natürlich auch so viel Blut geflossen, seit Jahrhunderten in Wahrheit. Das ist ja nicht neu, dass das heute ist. Es zieht sich immer wieder durch. Also, da haben wir noch viel zu tun. Bitte.

Die Technisierung der Erde und die Rolle der Asuras 1:26:03

Sprecher 2:

[unverständlich]

Sprecher 1:

Ja. Das ist so ganz typisch. Ja. Man könnte sagen, dass... Ja. Ja. Das ist ganz geleitet von diesem ahrimanischen Impuls, von Menschen, die diesem Impuls folgen. Jedes Problem ist technisch lösbar, ist berechenbar, und wenn wir das haben, dann funktioniert es. Und der Mensch wird unsterblich werden, wenn wir die entsprechenden Maschinen bauen, weil man letztlich, weiß ich nicht, in den Speicher hochladen, sein Bewusstsein. Weiß zwar keiner, wie das funktionieren soll, aber das sind halt wirklich so Wunschträume, die dort sind. Ja, ja, ja, natürlich. Das gibt es sowieso schon. Ja, ja, natürlich. Dann wird der Mensch immer mehr in die Technisierung hineingezogen werden.

Aber der Punkt ist, diese Auseinandersetzung wird immer schärfer werden. Und Rudolf Steiner sagt da was sehr Interessantes, Schockierendes, auch in gewisser Weise, dass einerseits wird die Erde ein selbsttätiger elektrischer Apparat werden. Ein selbsttätiger elektrischer Apparat, die ganze Erde. Die ganze Erde. Das heißt, Volldurchtechnisierung der ganzen Erde. Da sind wir schon weit gekommen. Da sind wir schon weit gekommen, genau. Und trotzdem ist das erst der müde Anfang davon. Da wird noch sehr viel mehr kommen. Und das zieht natürlich in alle Lebewesen dann auch ein, dass sie immer mehr, sagen wir mal, elektrifiziert werden. Das heißt, technisch, mit technischen Ausrüstungen versehen werden. Und dort die Gestaltung hinein. Das sind zumindest so die Wunschträume irgendwo drinnen. Und bis zu einem gewissen Grad wird das auch kommen.

Sprecher 2:

Dann ist ja letztendlich immer noch jemand da oben, der wieder Elektrizität steuert und regeln kann.

Sprecher 1:

Natürlich. Es sind in Wahrheit dann beide Widersacher. Beide große. Es gibt sogar noch mehr. Aber das sind die zwei großen Seiten, Luzifer und Ahriman. Steiner erklärt einmal irgendwo, dass der Magnetismus mit dem Ahrimanischen zusammenhängt ganz stark. Und die Elektrizität mit dem Luziferischen. Beides zusammen. Elektromagnetismus sozusagen. Das, was wir in der Technik heute haben. Überall drinnen. Das sind beide großen Widersachermächte.

Und jetzt könnte man sagen, es geht noch weiter. Es gibt zu den ahrimanischen Kräften noch dunklere. Das sind die sogenannten Asuras. Das sind gefallene Urengel, die also vom Urbeginn der Entwicklung mit dabei sind. Die auch als Zeitgeister wirken ganz stark. Also große Zeitepochen. Die Veränderungen lenken irgendwo. Da gibt es lichte Geister, lichte Urengel, lichte Zeitgeister. Und es gibt dunkle. Und die dunklen haben mit der ahrimanischen Seite was zu tun, sind aber trotzdem auch notwendig. Sie sind auch die, die sehr mithelfen, dass unser Bewusstsein eher dunkel ist. Und man will nicht mitkriegen. Dadurch haben wir auch unseren Schlaf, den wir aber brauchen.

Und gerade in der Schlafphase, wo wir nicht bewusst sind, regeneriert sich unser Körper am besten. Wenn wir wach sind... das Wachbewusstsein zerstört eigentlich. Das ist jetzt auch wieder ein bisschen schockierend, weil der Geist überhaupt, wenn er tätig wird, zerstört eigentlich den Körper, indem man Bewusstsein erzeugt. Das ist das, was sich auch andeutet in der Kreuzigung des Christus, aber vorher schon. Er [dass der Körper] es eigentlich nicht mehr aushält. Sie kennen die Geschichte im Garten Gethsemane, wo er fleht und "Lass diesen Kelch an mir vorübergehen". Zu seinem Vater sozusagen. Und die meisten Menschen denken jetzt, "Bitte erspar mir die Kreuzigung, dass ich da nicht durchmuss". Und er meint aber ganz was anderes. "Bitte hilf mir, dass der Körper noch durchhält bis zur Kreuzigung." Weil er eigentlich schon zerfällt. Darum Blutschweiß. Wenn man Blut schwitzt, das ist schon ein sehr übles Zeichen. Wenn die Adern schon so porös werden, dass das Blut austritt, das ist das Zeichen, dass der Tod nahe ist. Ganz nahe ist. Und er betet darum sozusagen, dass er noch durchhält, diese ganze Nacht bis zum nächsten Tag, dass wirklich sich dieses Mysterium von Golgatha vollziehen kann. Dass er bis dorthin kommt. Weil nur dann, wenn er dieses große Opfer bringt, das alles durchzustehen, bis diesen ganzen Schmerz auch zu erleben. Dadurch zu erleben, bis in die kleinste Faser hinein, was es heißt, Mensch zu sein. Bis ins Knochensystem hinein bewusst zu werden.

Warum das Wort steht, "Es sollte ihm kein Bein gebrochen werden". Er soll erleben sich selber als Wesen bis ins Knochensystem hinein. Da sind wir weit weg davon. Das können wir gar nicht nachvollziehen. Das hieße aber, bewusst in jeder Körperregung drinnen zu sein. Dann sind wir ganz bei uns eigentlich erst. Der Christus war der Gott, indem er die Kreuzigung durchlebt hat. Und da bis ins feinste Detail hinein. Wie krank bin ich? Na ja, ja, wir brauchen noch sehr viel Hilfe dazu. Aber der Weg geht dorthin, dass wir es lernen. Das ist im Grunde dann aber, wenn wir das haben, wenn wir diese geistigen Kräfte letztlich haben, die uns helfen, des ganzen Körpergeschehens bewusst zu werden und alles bewusst zu tun, dann hängt das damit zusammen, dass wir den sogenannten Auferstehungsleib erwerben können.

Nämlich das heißt, dass alles das, was unsere Gestalt jetzt ausmacht, die natürlich in der Zukunft in einer anderen Welt anders ausschauen wird, muss man dazu sagen, aber sie wird ganz einmal unsere Schöpfung sein. Bis in die kleinste Faser hinein. Wie immer wir dann ausschauen werden oder in welcher Daseinsform wir leben werden, es wird unsere, wirklich unsere Gestalt sein, die wir willentlich gestalten. Indem wir in irgendeiner Form in die Welt kommen. Das ist jetzt ein Riesenthema, was man glaube ich heute nicht mehr erschöpft. Genau. Aber das sind riesige Dimensionen. Darüber brauchen wir uns heute noch nicht so den Kopf zerbrechen. Ich wüsste nicht, wo wir anfangen sollten. Aber das ist eine Perspektive, die drinnen ist.

Das himmlische Jerusalem als Zukunftsbild 1:33:51

Sprecher 1:

Ein Gedanke darf ich erinnern. Eine Offenbarung zum Schluss wird ja eine Stadt sein. Das neue Jerusalem. Vom Christus aus dem Himmel heraus. Und eben dieser Name Jerusalem. Ich kenne ja, wie gesagt, dieses Land nicht. Warum heißt das denn nicht New York oder Berlin?

Sprecher 2:

Ja, genau.

Sprecher 1:

Wieso Jerusalem? Eigentlich heißt es so viel wie Stadt des Friedens. Ja, ja. Es ist offensichtlich noch nicht fertig. Wenn das mit dem neuen Jerusalem klappt, dann wäre das das Zeichen, dass wir da einen Schritt weiter gekommen sind. Und das geht aber auch nur mit dem, was sich sozusagen von oben sagen wir als Kräfte heruntersenkt, aber auch dazu gehört, was wir entgegenbringen. Wenn wir sozusagen die Basis dafür nicht schaffen, dann wird das neue Jerusalem halt anders ausschauen. Dann wird es ein altes Gemäuer, jedenfalls nicht so wohltuend sein, wie es sein könnte. Weil dieses neue Jerusalem deutet wirklich auf eine neue Welt, eine neue Erde hin, in gewisser Weise. Und in der sollen sogar die Naturgesetze anders sein. Es soll die Liebe die Grundkraft sein. Also die lebenserzeugende Kraft. Das soll die Grundkraft sein, die drinnen ist.

Die Erdentwicklung heißt, alles geht letztlich zum Toten hin, zum Mineralischen. Das war was Neues. Was vorher war, dort gab es das auch noch nicht. So wie es sich jetzt gibt. Also die Inkarnation des Menschen auf Erden hängt zum Beispiel eng zusammen mit der Bildung der Mineralien in Wahrheit. Und wir haben natürlich, als wir erstmals als geistige Wesen dann die Erde betreten haben, waren wir nicht gleich so wie da. Die ersten Spuren, das habe ich jetzt öfters in den Vorträgen schon gesagt, die ersten Spuren, die ersten Leichname des Menschen, die zurückgeblieben sind, sind die Kristalle, die sich gebildet haben. Und das ist was Hohes, was Großes. Und die Kristalle, die Edelsteine spielen aber auch im neuen Jerusalem eine große Rolle. Die zwölf Edelsteine, die drinnen sind. Also das wird veredelt jetzt, dieses eigentlich Sterbeprinzip, weil das Feste ist eigentlich was Totes, aber das soll auf eine höhere Stufe gehoben werden.

Sprecher 2:

Ja, ja, ja.

Sprecher 1:

Also es ist nicht gleich, was sich morgen abspielen wird. Stimmt. Vielleicht dazu noch kurz, dass die Menschheit wird so in dieser körperlichen Form, wie wir sie heute haben, nicht ewig auf der Erde herumwandeln. Es wird eine Zeit kommen, wo wir uns nicht mehr inkarnieren. Das heißt aber nicht, dass wir weg sind, sondern wir leben halt dann in einer höheren Sphäre und haben hoffentlich aber alles das mitgenommen und gelernt, was wir in der Auseinandersetzung gerade mit der festen Materie hier erworben haben. Das ist ganz wichtig. Und dann werden wir aus dieser höheren Sphäre noch kräftig an der Erde weiterarbeiten. Sie wird noch nicht zerfallen sein zu dem Zeitpunkt, sondern da wird es noch eine ganze Menge Leben auf der Erde geben, aber wir nicht mehr.

Wenn man schaut, wie das Rudolf Steiner schildert, wird die Zukunft der Menschheit in physischer Form gar nicht so weit gehen. Er spricht vom 6., 7., 8. Jahrtausend. Das ist geschichtlich gesehen nichts. Im Grunde. Das ist nichts. Und dann werden alle möglichen Wesen auf der Erde herumkrabbeln, aber wir jedenfalls nicht mehr in körperlicher Form. Und wir werden trotzdem mitarbeiten an der Erde. Aus einem höheren Bereich heraus. Das ist so eine Zukunftsperspektive. Die nächste große Zukunftsperspektive. Und dann geht es weiter. Wie liegen wir denn in der Zeit? 1, 7, 33. Genau. Dann würde ich sagen, mache ich einmal Schluss, falls Sie noch irgendeine kurze Frage haben. Gerne. Wir müssen immer schauen, dass wir unseren Flieger auch erreichen. Danke.

Sprecher 2:

Ganz herzlichen Dank. So eine Freude. Ich hoffe, dass jeder ein bisschen was davon mitnimmt. Und sein Bewusstsein entwickelt und seinen Job hat.

Sprecher 1:

Vielleicht sind es ein paar Anregungen. Mehr kann man eh nicht geben. Wie gesagt, das muss eh jeder selber sein entwickeln.

Sprecher 2:

Ja.

Sprecher 1:

Nebenübungen helfen. Das stimmt. Nebenübungen helfen. Ich habe gute Erfahrungen auch mit der Sprache, mit Theatertexten umzugehen, sie zu lernen. Ganz Bösewichte zu gestalten, gute Formen zu gestalten und dabei zuzuschauen. Ganz bewusst. Es ist alles eine Übung.

Sprache und die schöpferische Kraft des Denkens 1:39:31

Sprecher 3:

Und um anderen Menschen über den Geist zu erzählen. Ich spreche nicht so gut Deutsch, ich komme aus den Niederlanden.

Sprecher 1:

Ja.

Sprecher 3:

Ich dachte, ich kann mal ein bisschen beginnen mit: Kommt mal in dieses Zimmer. Alles, was du siehst, ist durch Menschen gemacht. Und alles kommt mit einer Idee vorab. Und die meisten Menschen wissen das, aber wenn es um die Entstehung von von den Pflanzen, Tieren und Menschen [geht], dann denkt man das nicht, dass da eine Idee dabei kommt.

Sprecher 1:

Ja, ja, ja, nein, das ist es. Die Idee, aber wirklich Idee, nicht bloß, ich habe mal einen flüchtigen Einfall, wirklich eine gestaltende Idee. Platon hat gesprochen von der Ideenwelt, die die Welt gestaltet. Und da soll man Mitgestalter werden. Das heißt, durchaus ein Denken entwickeln, ein gestaltendes Denken. Das ist vielleicht auch die Antwort auf viele Fragen. Unser Denken heute ist hilflos. Vielfach demgegenüber. Wir müssen ein gestaltendes Denken entwickeln. Logisch schließen allein ist gut und wichtig für viele Sachen, aber damit begreifen wir nur das Tote.

Wenn wir ein geradezu künstlerisch gestaltendes Denken entwickeln, ein schauendes Denken auch, also indem wir das wirklich geistig schauen können, so kann man sich vorstellen, beginnt ein neues geistiges Erleben. Ich habe oft erzählt: Wenn wir als Kind geboren werden, dass wir sehen können, sinnlich sehen können. Das müssen wir lernen. Nur weil wir Augen haben, können wir es allein noch, deswegen noch nicht, sondern wir müssen trainieren und es üben. Und im geistigen Schauen ist es genauso. Es muss nicht mit der vollen Gedankenklarheit sein und trotzdem zugleich schöpferisch kreativ sein, aber wir müssen voll bewusst dabei sein. Dann schaffen wir etwas, schaffen wir ein Bild des geistigen Geschehens und es ist ein wahres Bild. Und wir können es beurteilen. So wie ein Künstler beurteilen kann, ja da muss noch ein Farbstrich hin und dort muss auch noch was hin. Und jetzt ist es richtig. Wir schauen das zusammen. Was wohin gehört. Das ist nichts logisch abgeleitet.

Nachher kann man es vielleicht auch logisch begreifen. Aber dass man es überhaupt erkennen kann, dass man es erleben kann, dazu muss man es erst hervorbringen. Das ist das Paradoxe anscheinend. Wir denken halt immer, ich darf mich ja nicht einmischen, sonst ist es nicht objektiv. Aber objektiv sind eben nur Objekte, die sind uns eigentlich fremd in Wahrheit. Ich bin da, das Objekt ist dort. Ich bin da, du bist dort. Eigentlich sind wir getrennt voneinander. Und diese Trennung können wir auf dem geistigen Weg überwinden. Wir können in gewisser Weise eins werden mit dem anderen. Das nennt man Intuition. Wirkliche Intuition. Dann bin ich für einen Moment eins mit dem anderen und spüre – das ist nicht Gedankenlesen – aber ich spüre, was den Menschen wirklich bewegt. Und dann muss ich wieder zu mir zurückkommen.

Rudolf Steiner sagt, das ist bei jedem sozialen Prozess, bei jeder Begegnung eigentlich der Fall. Wir schlafen für uns selber ein und schlafen hinüber in den anderen. Nehmen aber etwas mit und jetzt da erwacht es zum Bewusstsein. Und ich habe wirklich in ihm gelebt sozusagen für einen Moment. Und das geht so dauernd hin und her. Das ist doch eine Anregung irgendwo. Dass wir doch etwas Gemeinsames finden und zu einem gemeinsamen Erlebnis kommen. Und ich finde es doch so schön, wenn möglichst viele Menschen möglichst viele Facetten und Richtungen sehen, wie man die Welt betrachten kann. Nicht die eine Wahrheit und nur die. Wer das vertritt, der ist der Diktator im Grunde. Die Welt ist in lebendiger Bewegung und kann und soll sich ständig verändern. Dann lebt sie. Wenn sie das nicht mehr tut, ist sie tot. Da gehört natürlich ein gewisser Mut dazu. Und wir fangen eh aber klein an sowieso.

Es wird nicht von uns erwartet, dass jeder gleich die ganze Welt rettet. Das wird nicht funktionieren, aber man kann sich einen Beitrag liefern dazu. Man wertet sich vielleicht zu gering, um das als gar nicht so relevant zu machen. Ja, natürlich. Wenn die Welt zugrunde geht, was nützt dann da noch meine Geisterkenntnis? Aber deswegen ist der Christus Mensch geworden. Dafür. Und das meine ich jetzt ohne auf ein religiöses Bekenntnis zu schauen. Die höchste geistige gestaltende Kraft wird Mensch, damit wir die Freiheit entwickeln, da mitzuarbeiten. Wir sind eingeladen dazu. Und wir brauchen uns eigentlich nur ein bisschen näher anschauen, um etwas von dieser Kraft in uns zu entdecken. Und sie zu betätigen und zu wissen, wir können Fehler machen, werden Fehler machen, wir werden einen Ausgleich dafür suchen müssen. Ja, das ist nicht immer angenehm, aber der Weg geht weiter.

Das ist das große göttliche Geschenk, das ist die große göttliche Gnade, dass wir diese Kraft entfalten können. Schritt für Schritt. Und dass wir damit immer eigenständiger werden mit der Zeit. Es ist sogar so, wenn höhere geistige Wesen, die uns jetzt unterstützen, der Engel, der uns begleitet vielleicht... wenn wir nichts tun, muss er für uns was tun. Damit wir überhaupt existieren können. Dann wird er aber zurückgehalten. Dann wird er in seiner Entwicklung behindert. Dann wird er vielleicht sogar zu einer Widersacherkraft. Das heißt, das ist zerstörerisch. Und das setzt sich sogar weiter fort, weil dann übergeordnete Engelwesenheiten auch wieder sich um etwas kümmern müssen, was eigentlich unser Engel schon tun sollte. Und dann wird diese Unordnung sogar in die höheren Hierarchien hineingebracht. Es ist nicht nur so, das würde nur uns betreffen. Als Menschheit ist das schon genug. Aber es betrifft die höheren Sphären auch.

Weil das Erdenleben des Christus ist das Bekenntnis dazu: Wir sollen mitarbeiten. Ihr dürft das. Ihr könnt das. Und wenn es auch zu klein am Anfang ist. Und da dürfen wir nicht warten, dass es wer für uns übernimmt. Aber wir haben große Unterstützung dabei. Wenn wir ein bisschen in Schwung kommen.

Abschluss und Verabschiedung 1:46:49

Sprecher 2:

Wir haben noch eine Frage von Herrn Himmler. Bitte.

Sprecher 4:

Herr Himmler ist schon gekommen. Er ist Gebäudeleerer [?]. Er hat gesagt, wenn man keine Probleme mehr hat, dann ist das Leben eigentlich vorbei.

Sprecher 1:

Ja. Absolut. Das sehe ich auch so. Das wäre schrecklich, wenn wir einfach kein Ziel mehr hätten. Es passiert eh alles von oben. Das löscht das Menschsein eigentlich aus. Wir sind eben nicht fertig damit, dass wir bequem leben und es passiert alles zu unserem Wohl. Wir würden das gar nicht aushalten. Unsere Imperfektion ist rechtfertigt. Daher kommt die Entwicklung. Ja, natürlich. Klar. Ich meine, jeden Fehler, den wir erkennen und bearbeiten, bringt uns weiter. Also wenn wir von Haus aus fehlerlos wären, hätte man nichts zu tun im Grunde. Das wäre schrecklich. Das würde ich mir nicht wünschen. Gut.

Sprecher 2:

Es gibt jetzt oben noch Kaffee und Kuchen und zum Austausch. Da seid ihr herzlich eingeladen. Und dann Ursula hat da noch eine Karte hingelegt. Da findet in Köln am 23.05. ein Seminar statt. Also ihr könnt euch da gerne bei ihr auch informieren. Und nochmal ganz ganz herzlichen Dank. Gerne. Danke. Danke, dass Sie so mitgegangen sind. So aktiv. Danke.

Glossar

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