Licht und Schatten der Selbsterkenntnis Teil 2 - ein Vortrag von Christoph Bolleßen, 2025

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Veröffentlicht am 8. September 2025 von Christoph Bolleßen. Hier klicken um zum Video zu gelangen

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Einleitung: Rückblick und Ausblick 00:00:52

Sprecher 1

Also, ich habe gerade die Idee gehabt, wir machen eine kurze Runde, wo ihr zumindest sagen könnt, wie ihr geschlafen habt oder ob was Wichtiges aufgepoppt ist. Gleich ist ja ganz viel Platz für Fragen, aber vielleicht irgendwas, was am Morgen war oder habt ihr geschlafen oder war es sehr schwer verdaulich oder was auch immer. Ich habe überraschend gut geschlafen, obwohl ich sehr unterschiedliche Rückmeldungen bekommen habe gestern Abend, von Wut bis Tränen vor Rührung. Und noch ein intensives Nachgespräch zu Hause mit meiner Frau. Ich habe aber dann gut geschlafen. Ich finde das so schön, bei dem Wetter morgens dann loszufahren und mit dem Rad durch die Natur. Ich habe die Fragen von gestern noch und mal gucken, was gleich passiert.

Sprecher 2

Ja, ich habe wunderbar geschlafen, aber es war für mich, also gestern Abend der Vortrag war schon schwere Kost, sage ich mal. Aber ich fand es sehr, sehr interessant und spannend, das wirklich zu verfolgen. Ich war aber so voll, ich habe also nicht mehr darüber nachgedacht. Ich habe das einfach so wirken lassen. Also ich habe zum Glück gut geschlafen, weil ich gestern etwas nebenhöhlenmäßig angeschlagen war und bin heute fit und fand den Vortrag total konzentriert und habe so gedacht, wie gut, dass ich doch schon länger auf dem YouTube-Kanal das eifrig verfolge, sage ich mal. Und ich total entspannt war und nichts mitgeschrieben habe, weil ich gedacht habe, ich kann das ja alles später noch nacharbeiten.

Sprecher 1

Ich bin auch sehr entspannt, habe mal nicht mitgeschrieben, weil ich ja wusste, es ist nachher auf YouTube. Für mich treibt eine Frage hauptsächlich hierher. Eigentlich war ich unsicher, ob ich noch kommen kann, will, weil im Moment so viel ist. Aber ich habe eine Frage gestern Abend gehabt nach dem Vortrag, die ich gerne auch heute stellen möchte, die so auftauchte. Das ist die Hauptmotivation, warum ich hier bin, abgesehen davon, dass ich es immer schön finde, hier zu sein mit euch.

Sprecher 2

Für mich ist es ein theoretischer Anhang an eine Woche in Dornach, wo es auch viel um den Christus ging, aber mehr im Sinne der Meditation, weniger so über das Erkenntnismäßige und das Denken. Und das finde ich wunderbar, was du da gestern beschrieben hast. Das ist nochmal eine unglaublich schöne Zusammenfassung, die aber noch viele Fragen für mich auch enthält. Danke.

Sprecher 1

Zu der Frage des Gutgeschlafens. Ich habe fast kaum geschlafen oder gar nicht, aber das hat gar nichts mit dem Vortrag zu tun. Das hat eher mit dieser ganzen Mond-, Vollmond- und Sternenkonstellation zu tun. Ich bin aber sehr wach hier und nutze immer dann auch, weil ich fast eine Stunde Fahrt habe, die Fahrt, um es schon nachklingen zu lassen oder mich schon darauf einzustellen, was heute kommt. Ich habe auch so meine Fragen und hatte manche Aha-Erlebnisse im Auto auf der Heimfahrt. Ich bin sehr gespannt heute.

Sprecher 2

Das ist ja ein Thema, was mir sehr am Herzen liegt. Karma. Und es ist eine schöne Ergänzung auch zu dem, was ich auch schon in Bochum mache. Karma- und Reinkarnationsmodule mit den verschiedenen Emotionen.

Sprecher 1

Ich bin Bianca. Ich bin sehr spät ins Bett gegangen, weil ich innerlich aufgewühlt war. Ich weiß auch nicht, warum. Aber ich habe dann letztendlich doch sehr gut geschlafen. Ich habe dann auch so einige Fragen noch heute.

Sprecher 2

Ich bin Marion. Ich habe sehr gut geschlafen, sehr tief. Ich bin sehr dankbar für den Vortrag, den ich auch extrem konzentriert und positiv fand. Und dann haben sich irgendwie zwei Fragen herauskristallisiert, die ich heute gerne stellen würde.

Sprecher 1

Ich bin Konrad. Ich habe gestern nach dem Vortrag noch einfach eine Verabredung gehabt, wo ich dann auch noch bis zwei Uhr unterwegs war und dabei auch nicht großartig jetzt noch die Inhalte bewegen konnte. Und dann habe ich gut geschlafen, relativ kurz. Und habe dann eigentlich morgens auch nicht wirklich Zeit gehabt, darüber nachzudenken, weil viele andere Dinge so familiär mit zwei kleinen Kindern zu planen waren. Und dann habe ich aber doch gemerkt, dass dann die Fragen auch kommen. Also dass es mich schon beschäftigt hat.

Sprecher 2

Ja, ich hatte ein bisschen Schwierigkeiten beim Einschlafen, weil mir noch sehr viel durch den Kopf ging. Auch in der Nachbereitung von der Eurythmie und in der Vorbereitung für die Eurythmie heute. Also ich bereite mich prinzipiell gefühlt lange darauf vor, aber weiß bis fünf Minuten vorher nicht, was kommt. Aber gestern Abend kam mir dann der entscheidende Moment oder die entscheidende Idee, was wir heute Morgen machen. Und das war auch unglaublich schön für alle, die da waren. Und da nehme ich immer sehr viel von mit, auch von den Vorträgen natürlich, aber vor allem von den Begegnungen und vom Austausch.

Sprecher 1

Ja, ich kann mich anschließen. Ich habe auch sehr gut geschlafen. Aber der Vortrag gestern, der war fordernd, das habe ich gemerkt. Also das war sehr intensiv, auch von Seiten der Teilnehmer. Aber es war insgesamt eine sehr intensive, aber schöne Resonanz. Und dieses Thema Karma, ich kann sehr gut verstehen, dass uns das alle umtreibt, was uns alle betrifft. Und da gibt es mit Sicherheit noch ganz viel gemeinsam zu arbeiten dazu. Und heute versuchen wir einfach ein kleines Stück da noch in die Tiefe zu kommen.

Frage: Christusimpuls jenseits des Christentums 00:09:22

Sprecher 2

Ich würde gerne die erste Frage zugestehen. Gestern hat jemand die Frage gestellt, vom Sinn her, es gibt doch auch Menschen, die Christus verinnerlicht haben, auch wenn sie sich nicht Christen nennen, offiziell. Und diese Frage, die bewegt mich schon seit meiner Kindheit. Wie ist das, wenn die Christen in den Himmel kommen und die Heiden nicht? Das kann doch kein Gott sein, der sowas erlaubt. Ich habe da nie eine Antwort drauf bekommen. Und gestern tauchte die Frage in ein bisschen mehr Komplexität eigentlich wieder auf. Und ich habe natürlich auch Freunde in meinem Umfeld, die in einer anderen Richtung unterwegs sind, als jetzt hier im anthroposophisch-christlichen, die sich entweder Atheisten nennen. Oder ich bin früher auch lange Zeit in dieser Art Ost-Richtung unterwegs gewesen, Buddhismus und durch den Yoga auch so ein bisschen ins Hinduistische mit reingerutscht. Und ich war halt immer auf der Suche und habe dann lange Zeit auch so auf diese Lehre meditiert und die Ichlosigkeit. Und es gab eigentlich schon fast so einen Wettstreit, wer am schnellsten erleuchtet ist und nicht mehr zurückinkarnieren muss auf diesem Planeten.

Ja, und meine konkrete Frage jetzt in Bezug auf dieses Thema ist, ich suche Wege, wie ich mit Menschen da noch mehr zusammenkomme, die andere Begriffe verwenden, die aber glaube ich eigentlich schon auf diesem Weg sind und das auch spüren. Und gestern eine Antwort war, dass wenn man im Herzen ist oder in der Liebe, das nehme ich auch so wahr, das ist schon der Weg dahin, aber ich glaube es ist noch mehr, weil es hat ja auch was mit Erkenntnis zu tun, wie du hier schon sagst, Selbsterkenntnis und dieses Ich wirklich zu ergreifen und der Selbstverantwortung, weil ich glaube auf einer unbewussten Ebene sind ganz viele Menschen in der Liebe. Und ich weiß nicht, ob es das dann, das ist ein Weg dorthin, aber ist es das schon?

Sprecher 1

Ja, da fällt mir eine Stelle bei Rudolf Steiner ein, wo er eine kleine Volksweisheit aus seiner Kindheit zitiert. Der Spruch lautet so ungefähr, das mit der Liebe ist eine ganz besondere Sache. Wenn man sie kauft, kauft man eigentlich nur das Herz und den Kopf gibt es umsonst mit dazu. Und daraus leitet er dann eben genau diesen Unterschied aus meiner Sicht her, was das Besondere an der Anthroposophie ist. Nämlich, natürlich geht es um das Herz und um das Fühlen und um die Liebe, aber Rudolf Steiner gibt dann zu bedenken, das Herz schlägt nicht ohne Kopf. Und das baut die Brücke wieder zu diesem Verständnis. Also dass es heutzutage für uns ganz wichtig ist, auch über das Denken, über das Verständnis auf diese Ebene zu kommen, dass uns höhere Zusammenhänge wirklich bewusst werden. Und nicht nur, dass wir es mit dem Herzen sozusagen in so einer diffusen Art und Weise schon irgendwo erreichen können, aber wir verstehen es nicht. Und diese Geistesklarheit, dieses Geisteslicht, also Licht bedeutet ja, wir sehen wirklich, was da vor uns ist. Und das gibt es aus meiner Sicht so in dieser Klarheit und in dieser Fülle nur in der Anthroposophie.

Sprecher 2

Darf ich dazu noch eine Ergänzungsfrage stellen? Ich meditiere nur als Beispiel. Meine Freundin meditiert auch. Und ich meditiere auf die Christuskraft und kann mich damit verbinden. Und natürlich kommen wir beide irgendwann, wenn wir gut drin sind, in einen Zustand von Einssein, wo wirklich für einen Moment das Gefühl von Ich sich wirklich auflöst. Aber das Ich löst sich eigentlich nicht auf. Früher dachte ich immer, es löst sich auf. Aber es erweitert sich eigentlich, so empfinde ich das.

Sprecher 1

Du sprichst von Samadhi, dieser Stimmung.

Sprecher 2

Ja, genau, so würde wahrscheinlich meine Freundin das auch bezeichnen. Was ich jetzt durch die Anthroposophie bewusst damit bekomme, ist, dass dadurch irgendwas in mir aber geschieht, was mein Denken und Handeln auch wieder beeinflusst. Für mich ist zusätzlich noch die Frage, wie bekomme ich bei Menschen, die schon auf einem spirituellen Weg sind und die ähnliche Erfahrungen machen wie ich, die aber diesen Schritt vielleicht vom Bewusstsein noch nicht tun, ich muss es ja nicht Christuskraft nennen, weil Christus hat ja was mit dem Ich Bin zu tun. Und nicht mit dem Ich-löse-mich-auf.

Sprecher 1

Ja, also es gibt ja immer zwei Möglichkeiten, innerlich Fortschritte zu machen. Es gibt ja so Menschen, die haben mehr so die Tendenz, in sich hineinzubrüten. Das sind die, die dann schnell auch zur Meditation kommen. Und dann gibt es Menschen, die sind unheimlich im Außen. Und diese Kräfte ein bisschen auszubalancieren, also vielleicht wäre das ein Weg, deiner Freundin einfach auch mal zu ermöglichen, in einem Theaterstück mitzuspielen zum Beispiel. Oder mal ins Singen zu kommen oder Eurythmie zu machen. Weil, wie wir ja gestern im Vortrag gesagt haben, wir erleben unser Ich ja besonders dadurch, dass es durch andere Menschen uns vermittelt wird. Und wenn ich das anstrebe, dann muss ich ja in der Welt irgendwie interagieren. Und am besten ist es halt, mit anderen Menschen zusammen an etwas Geistigem zu arbeiten. Und dann spürt man auf einmal, naja, wenn ich jetzt die Rolle des Bettlers oder des Königs spiele, da passiert ja was mit mir. Da erlebe ich ja das, was mein Selbst bereits gearbeitet hat, beziehungsweise wie mein Selbst sich nach außen hin präsentiert. Und wenn diese Erlebnisse dann vielleicht zahlreicher werden, dann findet der Mensch den Zugang auch zum Ich.

Ich glaube, dass diese missionarische Arbeit, andere Menschen vom Ich irgendwie überzeugen zu wollen, da habe ich auch nicht so positive Erfahrungen. Es kommt eher zu einer Abwehrhaltung, weil wir ja von Rudolf Steiner wissen, dass eben jeder von uns auch so seine Liebesbeziehungen mit den Widersachern hat. Und das finde ich eine sehr gute Formulierung, weil wir ja nicht davon ausgehen können, dass diese Widersacher für alle Menschen so ein rotes Tuch sind, sondern im Gegenteil. Die haben ja wirklich mit uns auch eine Bande geknüpft, die tief in uns verankert ist. Und deshalb ist es eben so wichtig, sich daran zu halten, wir müssen die Freiheit der anderen respektieren. Es geht nicht anders.

Frage: Karma, die Erde und Aufstiegsprozesse 00:26:23

Sprecher 2

Ja, ich weiß gar nicht, wie ich die formulieren kann. Also mich hat beschäftigt noch mit diesem Christusimpuls. Was ich da nachvollziehen kann, ist, dass es unsere Aufgabe ist, uns auf den Weg zu machen zum Christus. Aber dann war dieser Teil mit der Erde, dass er in der Erde quasi, es war ja so eine große Dunkelheit auf der Erde, so habe ich das verstanden, und deshalb kam der Christus und hat eigentlich wie ein Stück Erlösung gebracht. Dass er auf jeden Fall in der Erde ist und die Erde mit ihm in diesen Aufstiegsprozess geht. Und mit diesem Karma, was ein Teil vom Karma darüber aufgelöst wird und wir unser persönliches Karma auflösen, aber unser persönliches Karma hat doch was mit der Erde zu tun. Also da habe ich irgendwas, das verstehe ich nicht richtig.

Sprecher 1

Natürlich, ja. Also es ist so, mit der Erde und mit dem Christus, also alles das, was an Dunkelheit auf der Erde existiert, das hat eigentlich seinen Ursprung in erster Linie von den Menschen ausgehend. Nur es sind gerade, sage ich mal, in der atlantischen Zeit und auch schon beginnend in der lemurischen Zeit, da kam es zu großen Verwerfungen mit den Ätherkräften der Erde. Also auch die Erde hat ja einen Ätherleib und in diesem ätherischen Leib haben die Menschen, weil sie damals Zugang hatten zu diesen Bildekräften, wirklich große Verbrechen an der Erde aus einem Egoismus heraus vollzogen. Und diese Vergehen sind so schwerwiegend, dass es für uns eine Überforderung wäre, wenn wir diese Sachen alle jetzt wieder gut zu machen hätten. Also die Erde war schon mehrmals an einem Punkt, so sagt Rudolf Steiner, dass es also drohte wirklich zu scheitern alles. Zum Beispiel auch vor dem Mysterium von Golgatha. Da waren die Menschen so in der Verhärtung durch den Verstand und durch den Intellekt, dass nur durch die Intervention des Christus das Ganze nochmal abgewendet werden konnte. Und wenn der Christus nicht gekommen wäre, dann würde es heute noch ganz anders aussehen. Aber unser Päckchen ist jetzt sozusagen, dass wir vorwiegend das, was wir dann nach der atlantischen Zeit verursacht haben, den anderen Menschen angetan haben, dass wir das wieder durchlichten und wiedergutmachen.

Sprecher 2

Schweres Erbe. Also für mich ist es schon ein Teil darin, dass ich mir manches leichter vorgestellt habe.

Sprecher 1

Ja, genau. Es ist halt nur, Christus ist natürlich der Lichtspender, aber es gibt ja noch einen anderen.

Frage: Das Ich im Diesseits und Jenseits 00:32:45

Sprecher 2

Meine Frage würde eher so auf die Ich-Organisation nochmal hinaus zielen. Das war für mich nochmal gestern so ein erweitertes Verständnis meines Ichs, dass es eben auch im Umkreis zu finden ist, durch die Begegnung mit dem Du, wo ich von außen durch das, was mir entgegenkommt, einen Teil meiner selbst gespiegelt bekomme. Und jetzt wollte ich mal fragen, ob mein Aha-Erlebnis, das ich gestern im Auto hatte, tatsächlich auch ein richtiges Verständnis ist, weil es ist ja so, im Nachtodlichen erlebe ich ja mein Ich im Außen. Was auf mich zukommt im Kamaloka, beziehungsweise erlebe ich das, was ich den Anderen angetan habe, in meinem Inneren.

Sprecher 1

Und das war für mich so, auch da wird mir nochmal von außen was über mich selbst herangetragen.

Sprecher 2

Ist das jetzt ein richtiges Verständnis, wo es für mich so wie im Irdischen wie auch im Nachtodlichen die Möglichkeit gibt, über mich selber viel zu erfahren?

Sprecher 1

Ja, unbedingt. Nur mit dem Unterschied, dass wir nach dem Tode mit den anderen Wesen verwebt sind, verwoben sind. Und hier auf der Erde haben wir dieses ganz klare Erlebnis von Grenzen, zunächst mal. Das heißt, es wird also nach dem Tode, wenn wir die Kamaloka-Zeit gemacht haben, dann wird es immer schwieriger zu lokalisieren, bin das jetzt ich oder ist das schon jemand anderes? Und das bedeutet eben auch, die Ich-Kraft zu stärken, dass wir die Ich-Kraft auch in den höheren Bereichen, wo die Verwebung und das Durchdringen der Wesen stärker wird, dass wir dann dieses Selbst, dieses Ich-Bin nicht verlieren.

Sprecher 2

Ja, mir kam einfach nur ganz kurz, mir kam dieser Ausspruch auch von Rudolf Steiner gerade in den Sinn, das geistig denken und das gibt uns einfach auch die Chance, unser eigenes Karma zu bearbeiten. Also ich fand diesen Ausdruck von dir gestern, karmisch denken, einfach total wunderbar.

Sprecher 1

Der ist übrigens von Rudolf Steiner, der Begriff karmisch denken, den verwendet er, der ist von ihm.

Sprecher 2

Ich frage mich in dem Zusammenhang nur, ob, wenn wir da nachtodlich gar nicht wissen, bin ich das oder nicht, das wissen wir doch hier im Leben auch nicht. Ist das jetzt der Ahriman in mir oder mein Eltern-Ich? Wir können natürlich hier im Leben ein Bewusstsein dafür erzeugen, aber das können wir vielleicht drüben auch.

Sprecher 1

Ja, nur es ist viel schwerer. Also ich denke, wenn du dir eine Rose abschneidest, dann merkst du den Unterschied schon dazu, ob du dir einen Finger abschneidest. Das ist halt einfach, also hier sind wir sehr reduziert. Das ist ja, wenn man so will, auch ein Segen, dass uns die Chance gegeben wird, erstmal in diesem kleinen Umkreis für Ordnung zu sorgen und nicht gleich das ganze Haus aufräumen zu müssen.

Sprecher 2

Also dazu kann ich nur sagen, dass ich die Verantwortung, wenn man von der Anthroposophie weiß, was es für eine Bedeutung hat, dass ich mich jetzt hier inkarnieren darf, das ist manchmal auch etwas belastend, aber andererseits, durch karmisches Denken ist es auch wieder leicht.

Sprecher 1

Und vor allen Dingen auch nicht den Rückschluss zu ziehen, wenn ich das ergänzen darf, Rudolf Steiner sagt ganz klar, wer sich auf den geistigen Weg macht, wer beginnt zu arbeiten, da werden die Widerstände größer. Und die Helfer werden auch da sein, aber zunehmend kann man sich auch daran gewöhnen, man ist dann auch mit sich allein. Also man muss dann wirklich irgendwie durchgehen.

Frage: Die Natur des Bösen und der Tagesrückblick 00:40:48

Sprecher 2

Ich habe zwei eigene Fragen und eine, die mir meine Freundin noch vermittelt hat. Und zwar war die Frage meiner Freundin, dass wie du das eben gestern mit den Widersachermächten dargestellt hast, dass die ja eine der Entwicklung des Menschen dienende Funktion haben. Und ihre daran anknüpfende Frage war dann, in welchem Sinne, also einerseits spricht man vom Bösen, aber in einem bestimmten Sinne spricht man von dem Guten. Und in diesem Sinne, würde man ja dann auch sagen, das Böse wirkt sehr gewaltig und so stark und so zerstörerisch, aber im letzten Sinne hat es eigentlich kein Sein.

Sprecher 1

Eigentlich ist es eine Art Illusion. Und ein Gedanke dazu noch, dass eben Rudolf Steiner ja auch bei dem Tagesrückblick, wenn er den anleitet, sagt, dass man ohne Reue schauen soll. Ja, richtig, ganz genau. Die Eigenschaft des Menschen-Ich, die Christus gemeinsam mit den Elohim, mit den Geistern der Form, dieses Erden-Ich geschaffen hat, das muss man sich halt mal auf der Zunge zergehen lassen. Und dementsprechend hat unser Ich auch Kräfte, die die anderen Wesen, die über uns stehen, beeinflussen. Und das Problem mit dem Bösen ist, dass, wie du sagst, eigentlich hat das Böse kein Sein, bis es im Menschen wirkt. In dem Moment, wo ein Mensch sich entscheidet, mit den Widersachern zu kooperieren, da wird es dann gefährlich.

Sprecher 2

Da würde sich dann vielleicht meine Frage anschließen, und zwar die Geister der Finsternis. Du meintest gestern, das sind Wesen. Sind das jetzt geistige Wesen, physische Wesen, oder tritt diese Wesenheit dann erst in Kraft, wenn der Mensch sich dazu entschieden hat, Böses zu tun?

Sprecher 1

Ja, das sind zunächst einmal diese Geister der Finsternis. Das sind in erster Linie einmal ahrimanische Engel. Und diese Engel sind ahrimanisch geworden, vor allen Dingen auch dadurch, dass die Menschen egoistisch-materialistische Gedankenkräfte in die geistige Welt hineingetragen haben. Die Engel sind ja vorwiegend Engel geworden oder sind eng verbunden mit der Geistigkeit. Die Entwicklung des alten Mondes, auf dem alten Mond haben wir unseren Astralleib erhalten, und der Astralleib steht halt sehr stark in Bezug zum Denken. Und das heißt, über die Gedankenkräfte sind wir zunächst einmal bei den Engeln, die über uns stehen. Die sind auf Gedeih und Verderb mit uns verbunden. Und durch diese enge Verbindung zur Engelssphäre können wir Menschen halt dadurch Unstimmigkeiten in die geistige Welt hineintragen, wenn wir nach dem Tode uns zu stark mit dem identifizieren, was uns hier in der irdischen Verkörperung widerfährt.

Frage: Die Geburt aus dem Kehlkopf 01:03:07

Sprecher 2

Und zwar sagt Rudolf Steiner, dass wir ab dem Jahr 5700 die Menschheit unfruchtbar wird. Ich habe dann auch gelesen, dass die Menschen sich später durch den Kehlkopf vermehren. Wie hat man sich das vorzustellen? Durch die Sprache?

Sprecher 1

Ja, durch das Wort.

Sprecher 2

Einfach das sagen?

Sprecher 1

Ja, einfach sagen. Da sind wir jetzt wieder bei dem, was der Wolfgang eben schon so angerissen hat. Also im Moment haben wir ja die Gnade, dass wir Mist bauen dürfen. Und dass es jetzt keine so großen Auswirkungen hat. Aber es wird einmal so sein, dass wenn wir Gedanken in Kräfte verwandeln und diese Kräfte nach außen strömen, das manifestiert sich. Und das muss eben passieren, weil die ganze Erde und auch die Menschheit wird dann irgendwann nicht mehr ins Mineralische herabsteigen. Wir werden also keinen stofflichen Leib in dem Sinne mehr haben. Aber das ist natürlich nur dann sinnvoll, wenn wir unser Karma aufgeräumt haben.

Sprecher 2

Da gibt es natürlich den Krieg alle gegen alle. Wird das dann vorher sein oder nachher?

Sprecher 1

Ja, das kommt auf uns an. Also eigentlich soll es danach sein, aber Rudolf Steiner sagt, dieser Krieg aller gegen alle wirft schon seine Schatten voraus. Es gibt ja schon seit Jahren, Jahrzehnten von manchen Coaches diese Sprüche, da ist ja was dran, Gedanken werden Dinge. Und viele Menschen auch außerhalb der Anthroposophie lernen das ja auch. Natürlich auch im ahrimanischen Sinne, um Erfolg und Business und Geld zu manifestieren. Das wird dann missbraucht, einseitig. Und das ist auch schon ein Schatten, eigentlich wissen wir es schon, dass das so ist.

Wenn ich zu der Frage noch ergänzen darf, mit der Geburt aus dem Kehlkopf heraus, die Eurythmie ist da in meinen Augen die Vorbereitung, die Rudolf Steiner uns gibt, indem wir lernen, mit unserer Gestalt zu sprechen. Also ohne das Wort, dass wir Formen lernen, also unser Inneres durch die körperliche Gestaltung in die Welt zu bringen und diese sprechen zu lassen. Man kann das in der Eurythmie wunderschön erleben. Und da ist für mich unmittelbare Verbindung zu dieser Frage, wie kann das sein, dass aus unserem Kehlkopf heraus eine Geburt, also dass da etwas wirklich entstehen kann und eine Form annimmt. Und da ist für mich die Antwort die Eurythmie, weil nichts anderes machen wir da.

Abschlussfragen und Ausklang 01:10:08

Sprecher 2

Ich hatte ja eingangs erwähnt, dass ich drei Fragen habe, ich habe bisher zwei gestellt, jetzt kommt die dritte, wo ich nicht sicher bin, ob ich die überhaupt in Frageform formuliert kriege. Es geht um eine Art Gesamtbild dieser Entwicklung, was das eigentlich, wenn man zurücktritt und draufblickt, bedeutet. Was es vielleicht auch für das eigene Leben bedeutet. Und dass, wie ich das verstanden habe, mit eben diesem Christusimpuls, diese Vorstellung der individuellen Errettung eigentlich obsolet geworden ist. Dass es diese Bewegung hat, dass man diese Bemühung um die eigene Befreiung eigentlich ein Stück weit opfert. Und dass es auch dazu passt, dass dieses Zurückbleiben des Mineralischen, des Pflanzlichen und des Tierischen, dass etwas zurückbleibt, damit etwas anderes sich weiterentwickeln kann.

Sprecher 1

Also du meinst jetzt im Zuge der Wiedervergeistigung der Erde. Also es wird so sein, dass man ganz klar sagen muss, es wird eine ganze Menge an Schlacke zurückbleiben. Das ist notwendig. Und das wird auch mit der Menschheit so sein. Also Rudolf Steiner beschreibt, dass es also schon in nicht allzu ferner Zeit so sein wird, dass die Menschen sich trennen werden. Wie er sagt, in eine gute Gruppe und in eine böse Gruppe. Und diese gute Gruppe wird aus dem Christusbewusstsein heraus das Bestreben haben, die anderen mitzuerlösen. Weil der Egoismus wird, man könnte sagen, erweitert. Jeder Mensch hat Fähigkeiten, die der andere nicht hat. Und die auch nur durch ihn in die Welt kommen können. Und das heißt konkret, wenn wir dann hinübergehen in eine neue planetarische Verkörperung, dann wird die Welt ärmer sein. Und aus diesem Bewusstsein heraus wird es dann ein Bestreben der guten Menschen sein, die dem Christus folgen, die anderen mitzuholen. Und das wird dann so weit gehen bis zur neuen Venus. Im letzten Drittel der neuen Venusentwicklung, dort wird dann die letzte Entscheidung sein. Dort wird dann der Punkt kommen, wo ein Teil der Menschen mit Christus geht, hoffentlich ein möglichst großer, aber es wird auch ein Teil der Menschheit mit Sorat gehen.

Sprecher 2

Meine Frage geht jetzt mal ganz woanders hin. Du hast gestern auch davon gesprochen, dass wir uns lösen von Volk, Familie, Blut, Verwandtschaft. Aber wie geht das? Wie kann es einen guten Familienzusammenhang geben?

Sprecher 1

Also mir kommt in so einem Zusammenhang immer das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Und vielleicht jetzt nicht so in dem Kontext, den man so kennt, sondern sich auf diesem Wege mal nicht so sehr mit dem verlorenen Sohn zu beschäftigen, sondern mit der Rolle und den Eigenschaften des Vaters. Der Vater ist ja ein Mysterium. Wir wissen ja, dass wenn wir eine Inkarnation anstreben, unser Ich sucht sich den Vater aus. Unser Astralleib die Mutter. Und wenn man das jetzt mal von der höheren Ebene aussieht, dann ist der Vater ja zunächst einmal der göttliche Weltengrund. Im Rosenkreuzer Spruch heißt es „Aus Gott bin ich geboren.“ Aber er ist gleichzeitig auch das höchste Mysterium, denn wir kehren ja alle zum Vater zurück.

Sprecher 2

Wir haben so ein romantisches Bild in den Kirchen und überall. Und hier auch. Von einem bis auf den Punkt gebrachten Christus. Aber er ist ein Sonnenwesen, er ist eine Sonnenkraft. Sind die Bilder, die wir uns da machen, Helfer oder eigentlich Abirrer?

Sprecher 1

Also aus meiner persönlichen Sicht würde ich sagen, sie sind Helfer. Gerade auch dieses Bild, da sagt ja Rudolf Steiner dazu, dass dieses Bild sehr genau, vor allem der Gesichtsausdruck, sehr gut den Auferstandenen zeigt. Il Redentore heißt ja dieses Bild. Sieht ganz anders aus als der Menschheitsrepräsentant. Der Menschheitsrepräsentant, da geht es ja um die Kraft. Aber hier kommt es eher darauf an, einfach zu zeigen, wenn wir uns entscheiden, durch einen Golgatha hindurch zu gehen, dann sieht man erst mal nicht aus wie das blühende Leben. Aber das kommt dann. Danach.

Sprecher 2

Gibt es eigentlich von Rudolf Steiner Anweisungen, wenn man sich selber im Sterbeprozess befindet? Gibt es da irgendwelche Anweisungen, was da zu tun ist?

Sprecher 1

Direkt sind mir jetzt keine bekannt. Ich weiß nur, dass es durchaus Sinn macht, im Moment des Todes, sich möglichst mit einem hohen Göttlichen zu verbinden. Dass man also versucht, das Wesentliche im Bewusstsein zu behalten. Weil diesen Eindruck nehmen wir dann sozusagen als Starthilfe mit. Vielen, vielen Dank. Ich hatte den Eindruck, wir haben einen Moment erlebt, wo du Antworten gegeben hast, die du selbst empfunden hast. Ich freue mich, wenn wir uns wiedersehen. Vielen Dank, dass ihr gekommen seid.

Glossar

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