Eine freie Initiative von Menschen bei mit online Lesekreisen, Übungsgruppen, Vorträgen ... |
| Use Google Translate for a raw translation of our pages into more than 100 languages. Please note that some mistranslations can occur due to machine translation. |
Gralsimpuls und Gegenwart - Rudolf Steiner und die Aufgaben unserer Zeit. Ein Interview von Michael Birnthaler mit Michael Rheinheimer, 2026
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9
| zurück zu Michael Rheinheimer |
Am 30.3.2026, dem 101. Todestag Rudolf Steiners führte Michael Birnthaler ein Gespräch mit Michael Rheinheimer, dem Pfarrer der Christengemeinschaft Bonn-Bad Godesberg zum Thema Gralsmysterium im Zusammenhang mit den Aufgaben unserer Zeit.
Transkription des Interviews vom 30. März 2026
von Elke J., April 2026
Begrüßung 00:00:08
Michael Birnthaler: Liebe Zuschauer, ich freue mich heute wirklich sehr, dass wir heute zum Interview Michael Reinheimer gewinnen konnten, auch ein Freund von uns, der schon öfters mit uns auch Projekte zusammen gemacht hat. Pfarrer der Christengemeinschaft in der Gemeinde in Bonn, wo er schon einige Zeit dort tätig und wirksam ist und ein ausgewiesener Spezialist ist für das Thema Gral. Er macht jährlich mit gemeinsamen Freunden, Steffen Hartmann und Johannes Greiner zusammen eine Gralstagung. Dieses Jahr natürlich auch wieder, zu der alle natürlich herzlich eingeladen sind. Informationen dafür findet ihr dann unter diesem Video.
Der 101. Todestag Rudolf Steiners
Ich freue mich wirklich sehr, dass wir an diesem ganz besonderen Tag, dem 30. März, zusammen sind, heute mit Michael Reinheimer und euch allen, die wir ganz herzlich begrüßen wollen, denn es ist ein ganz besonderer Tag: 101 Jahre Tod-, Totengedenken für Rudolf Steiner. Es ist ein besonderes Datum, einfach auch deswegen, weil es das erste Jahr nach diesen 100 Jahren ist, wo es darauf ankommt, dass wir quasi wie selbstständig uns erarbeiten das Werk von Rudolf Steiner. Da beginnt eine neue Ära, in meinen Augen, im Verhältnis zu Rudolf Steiner mit dem heutigen Tag. Deswegen freuen wir uns sehr und würden euch dann auch gerne bitten, dass ihr, wenn ihr möchtet, über eure persönliche Beziehung zu Rudolf Steiner berichtet.
In dem Sinne, Michael, ich freue mich wirklich sehr, dass wir heute ins Gespräch kommen.
Michael Reinheimer: Ja, danke Michael, ich freue mich auch über die Einladung.
Es gibt eigentlich kein Arbeitsgebiet der Anthroposophie, das Rudolf Steiner in seinem Wirken für die Geisteswissenschaft nicht in irgendeiner Weise mit dem Gral verknüpft hat 00:02:11
Michael Birnthaler: Und ich glaube, wir starten auch schon mal in dieses gewaltige Thema, das bisher relativ wenig auch diskutiert worden ist: Rudolf Steiner und sein Verhältnis zum Gral, seine Verbindung zu dem Gralsmysterium. Du hast dich sehr intensiv damit beschäftigt, Michael, und wir lauschen gespannt, was du uns darüber berichten willst.
Michael Reinheimer: Welche Beziehung hat Rudolf Steiner zum Gral? Man muss wahrscheinlich anders fragen: In welchem Bereich der Anthroposophie hat Rudolf Steiner keine Beziehung oder keine Verbindung zum Gralsmysterium geschaffen? Also, es hat vor genau 100 Jahren, 1926, hat auch ein ganz ausgewiesener Gralskenner, einer der markantesten Schüler Rudolf Steiners, einer der ersten Waldorflehrer, Walter Johannes Stein, der hat einen Vortrag – ich glaube, das war in Stuttgart – gehalten, wo er einfach mal versucht hat zu untersuchen oder darzustellen, in welchen Bereichen, in welchen Arbeitsgebieten der Anthroposophie Rudolf Steiner über den Gral gesprochen hat oder welche Bereiche oder Arbeitsgebiete er mit dem Gral in Beziehung gebracht hat. Und er hat sehr schnell festgestellt, dass es eigentlich keinen Bereich, kein Arbeitsgebiet der Anthroposophie gibt, den Rudolf Steiner in seinem, sagen wir mal, 23-, 24-, 25-jährigen Wirken für die Geisteswissenschaft nicht doch in irgendeiner Weise mit dem Gral verknüpft hat.
Und der Walter Johannes Stein hat für mich und auch für Johannes Greiner und Steffen Hartmann einen ganz berührenden Impuls damit in die Welt gesetzt. Der hat gesagt, ein einzelner Mensch alleine kann das im Grunde gar nicht ausarbeiten. Dazu braucht er die Hilfe der Freunde. Und er hat gesagt, es müssten sich eigentlich einmal in einer Tagung oder in einem Arbeitszusammenhang der Arzt, der Historiker, der Künstler, der Landwirt, der Dreigliederer, der Astronom, der Waldorflehrer und viele andere Bereiche auch einmal zusammentreffen, um diese Darstellung Rudolf Steiners über den Gral wirklich auszuarbeiten. Und ich glaube... der Stein, der hat erst mal am Anfang gedacht, es gibt sieben Aspekte des Gral. Johannes, Steffen und ich haben dann irgendwann mal so im Bereich der zwölf gesucht und sehr schnell festgestellt, zahlenmäßig kann man das überhaupt nicht verifizieren.
Der Gral ist für Rudolf Steiner eine überzeitliche oder gegenräumliche Realität der Erden- und Menschheitsgeschichte, die in allen Zeiten vielleicht anders wirkt, aber letztlich das Zentralgestirn unseres Mensch- und Weltenseins ist 00:06:00
Das Wesentliche ist, dass der Gral für Rudolf Steiner kein Symbolum ist einer mittelalterlichen Geschichte, sondern eigentlich eine überzeitliche oder gegenräumliche Realität der Erden- und Menschheitsgeschichte, die in allen Zeiten vielleicht anders wirkt, anders aufgesucht, vielleicht auch andere Herausforderungen jeweils bietet, aber der letztlich das Zentralgestirn unseres Mensch- und Weltenseins ist. Und der Name Gral, das weißt du wahrscheinlich, ist ja provenzalisch. Gradalis heißt stufenweise. Dieses stufenweise Werden des Grales - das ist eigentlich Rudolf Steiners Beziehung zum Gralsmysterium. Und auch da werden wir ja vielleicht später uns ein bisschen noch darüber unterhalten. Du sagtest ja gerade anlässlich dieses 101. Geburtstages - ich glaube, er selber hat mal gesagt - dass man nach 100 Jahren einen Eingeweihten erst wirklich fragen kann, wer der eigentlich war, oder dass nach 100 Jahren ein Eingeweihter erst die Möglichkeit hat, sich wirklich auch zu zeigen.
Michael Birnthaler: Ja, erst mal ganz lieben Dank für den ersten hochinteressanten Aufschlag. Du hast es ja schon auch angedeutet. Rudolf Steiner hat verschiedene Lebensgebiete, Arbeitsgebiete mit dem Gral auch in Zusammenhang gebracht. Willst du da nochmal beschreiben, welche Gebiete das denn konkret auch waren?
Michael Reinheimer: Ja, vielleicht kann ich mal drei ganz besonders herausgreifen. Man könnte – das ist ja klar – über jedes einzelne abendfüllende Vorträge, wenn nicht ganze Tagungen gewissermaßen machen, weil man natürlich sich immer klar sein muss: Es gibt bestimmte Arbeitsgebiete, die Rudolf Steiner vielleicht gar nicht expressis verbis mit dem Gral verbunden hat und wo er trotzdem hindurch leuchtet. Ja, nur ein kleines Beispiel - das war Sergej Prokofieff ja immer ganz wichtig - den Grundstein der anthroposophischen Gesellschaft als den Grals-Stein unserer Gegenwart wahrzunehmen. Das hat er bei Rudolf Steiner so nie gesagt. Und trotzdem glaube ich, dass gerade auch die Weihnachtstagung, mit der ja auch du sehr verbunden bist, eigentlich auch ein... können wir vielleicht später noch darüber sprechen, auch so ein Aspekt des Grales ist.
Rudolf Steiner hat verschiedene Lebensgebiete mit dem Gral in Zusammenhang gebracht. Z.B. die Anthroposophie als eine Wissenschaft des Grales
Aber drei Aspekte, die ich gerne herausgreifen würde. Also das eine ist in der Geheimwissenschaft im Umriss. Da hat Rudolf Steiner ja mal die Geisteswissenschaft als eine Wissenschaft des Grales bezeichnet. Also jeder Erkenntnistheoretiker, jeder Geisteswissenschaftler ist ein Gralswissenschaftler und er hat auch über Einweihungen gesprochen und gesagt, jede Einweihung ist heute eine Gralseinweihung mit dem Christusgeheimnis in der Mitte. Und das hat mich in meiner eigenen Beziehung zum Gral, in meiner eigenen Auseinandersetzung mit diesem Thema immer sehr beschäftigt. Aber ich glaube, das sind Erfahrungen, die ja jeder selber auch kennt. Wenn man anfängt, Fragen zu stellen - Steiner sagt, geisteswissenschaftliche Forschung geht heute immer nur da weiter, wo man Fragen stellt, nicht einfach, wo man ihn nur zitiert. Und er sagt, es ist eine Qualität der Parzivalseelen, dass sie anfangen, Fragen zu stellen.
Und das kennt, glaube ich, jeder von uns, wenn er wirklich mit einer Fragestellung an einen Bereich der Anthroposophie herangeht, dass das früher oder später nicht unbeantwortet bleibt, dass man durch menschliche Begegnungen oder durch Schicksalsereignisse doch manchmal einen Schritt weitermachen darf. Und da das Vertrauen zu haben, dass man jede Nacht das an die Quelle, an den Gral selber doch heranträgt, der einem dann schon die richtigen Gralshinweise weiter auf seinem eigenen Schicksalsweg entgegentragen wird.
Also das ist ein Aspekt, ja, die Anthroposophie als eine Wissenschaft des Grales. Wo ich glaube, dass wir da heute gerade nach 100 Jahren noch viel mutiger werden dürfen, viel wacher, die Dinge, die wir durch Rudolf Steiner alle geschenkt bekommen haben, in Frage zu stellen – nicht im Sinne eines unlebendigen Zweifels, sondern wirklich Dinge sich zu einer Frage zu machen, in dem Vertrauen darauf, dass einem dann durch den Gral und, wer weiß, auch durch Rudolf Steiner selber, neue Hinweise oder Arbeitsmöglichkeiten entgegenkommen. Das ist ein Aspekt, ja, die Wissenschaft des Grales.
Man kann die Gralsgeschichte auch so lesen, dass man die einzelnen Gralsorte als physiologische Orte unseres geistig-körperlichen Menschenseins auffasst. Rudolf Steiner nennt das die Imagination des Grales im Leibesinnern
Er hat einen anderen auch beschrieben, den würde ich auch gerne dazunehmen, dass er einmal gesagt hat, man kann die ganze Gralsgeschichte auch einmal so lesen, dass man die einzelnen Gralsorte als physiologische Orte unseres geistig-körperlichen Menschenseins auffasst. Er nennt das die Imagination des Grales im Leibesinnern. Also zum Beispiel sagt er, wir alle tragen ja auf unseren Schultern eine Gralsburg. Unser Haupt ist nicht nur ein Abbild der Erde, unser Haupt, was kann das sein? Das kann eine Schädelstätte sein, ein Golgatha. Immer dann, wenn ich Urteile fälle, immer dann, wenn ich abstrakt denke, immer dann, wenn ich in Begriffen erst einmal versuche, Dinge zu fassen, dann ist mein Haupt eine Schädelstätte, ein Golgatha.
Gestern habe ich von dir, Michael, dieses bemerkenswerte Video auch gesehen über Gondishapur und über den Iran und über Persien. Eine Mysterienstätte aus dem siebten nachchristlichen Jahrhundert, wo man durch verfrühte intellektuelle Kräfte versucht hat, die ahrimanischen, die soratischen Kräfte in das Erden- und Menschensein hineinzubringen. Ich meine, wir können natürlich auch so eine Akademie von Gondishapur auf unseren Schultern haben. Auch das kann unser Haupt sein. Ich denke, alles das, was in Medizin oder Waffentechnik, diese wirklich teuflische Intelligenz, die in diesen Bereich reingeht - das sind Menschen, die eine Akademie von Gondishapur auf ihren Schultern tragen.
Rudolf Steiner: Im 21. Jahrhundert soll aus dem Gralsmysterium Gewisses auch wieder erneuert werden 00:11:17
Michael Birnthaler: Vielen, vielen Dank! Das waren jetzt wirklich unglaublich tiefe Ausführungen, die aber auch schon zeigen, wie sehr Rudolf Steiner diesen gesamten Kosmos der Gralsmysterien durchdrungen hat. Da fragt man sich ja natürlich automatisch, wie ist denn Rudolf Steiner selbst als Individualität mit diesem Gralsmysterium … du hast ja auch von diesem Gralsrittertum gesprochen, wo er auch im Gralskönigtum dazugehört – wie könnte Rudolf Steiner denn persönlich, er selbst als Wesenheit, mit diesem Gralsmysterium verbunden gewesen sein? Heute ist ja auch der große Tag wieder, der Erinnerungstag an ihn. Da würde ich dich gerne fragen wollen, wenn es jetzt nicht quasi zu sehr in etwas Intimes reingeht, aber ich glaube, es wäre dennoch gut - es sind ja hundert Jahre vergangen, wo man vielleicht auch mehr sagen kann und darf wie davor. Deswegen die Frage jetzt an dich, du hast dich sehr intensiv beschäftigt - wie siehst denn du persönlich das Verhältnis, das Rudolf Steiner hatte oder hat mit dem gesamten Gralsmysterium?
Michael Reinheimer: Ja, das ist ein unendlich unauslotbarer Bereich. Das geht ja schon damit los, wo er geboren ist. Er ist ja in Kraljevec geboren, gehört heute zu Kroatien. Das ist etwa eine Stunde entfernt von Slowenien, von der österreichischen Steiermark. Die Steiermark hat damals vor 100 Jahren – also gehört eigentlich äthergeografisch zu dem Staatsgebiet Sloweniens heute herein. Und der große Gralsdichter Wolfram von Eschenbach, der berichtet ja in seiner neunten Aventiure, dass Trevrizent eine Reise unternommen hat in die Steiermark, in das Gebiet von Slowenien heute, und dort auch den Vater von Parzival, Gahmuret, getroffen hat. Da geht es um eine Stadt Pettau, es geht um den Fluss Drau, also ein Gralsgebiet, das auf die Herkunft von Parzivals Vater zurückgeht. Und eine Stunde entfernt davon ist der Ort Kraljevec.
Ita Wegman, das weiß man, hat nach seinem Tod diese Orte auch aufgesucht, hat einen Ort besucht, Ankenstein, wo sie offenbar innerlich auch Erlebnisse dort hatte. Sie sagt sinngemäß: „Ich erkannte es als eine Burg Parzivals.” Und ich glaube, dass sie selber auch dort einfach gesucht hat, dieses Gralsmysterium oder ihre gemeinsame Herkunft Rudolf Steiners oder ihre gemeinsame Beziehung Rudolf Steiners mit diesem Gralsmysterium auf so einer Reise auch weiter zu vertiefen und zu untersuchen. Also man merkt, dass allein schon das Eingangstor in seine Inkarnation dort gewissermaßen etwas aufleuchten lässt, wo man, wenn man sich ein bisschen mit dieser Gegend auskennt, wenn man das bereist … Ich habe das in den letzten Jahren ein paar Mal gemacht, doch deutlich merkt, dass das so ein Schlaglicht auch auf seine Beziehung zu dem Gral oder zu dem Gralsmysterium wirft.
Rudolf Steiner selber erlebe ich immer als eine Brücke, was diese Fragestellung betrifft. Also er selber, das ist ja bekannt, das ist auch schon seit einigen Jahrzehnten bekannt, hat sich ja selber schicksalsmäßig gemeinsam mit Ita Wegman in dem Gralsmysterium im 9. Jahrhundert auch karmisch beheimatet. Es ist bekannt, dass auch einem seiner Schüler, Walter Johannes Stein, von dem ich schon gesprochen habe, dass es da ähnliche Beziehungen zueinander gab. Aber entscheidend auch ist, dass Rudolf Steiner vor 100 Jahren ja Hinweise für unsere Zukunft, also für unser heutiges 21. Jahrhundert, gegeben hat. Und den Satz sagt: Im 21. Jahrhundert soll aus dem Gralsmysterium Gewisses auch wieder erneuert werden. Und ich glaube, dass es ihm da ganz wichtig war, da auf etwas zu verweisen – auch alles das, womit du dich im Augenblick dieses Jahr sehr beschäftigen wirst, die Michaels-Prophetie –, dass es da um Arbeitsaufgaben geht, die er da vor 100 Jahren bereits gewisse Samenkörner eingelegt hat, wo es dann heute, glaube ich, an den Menschen ist, dafür wach zu werden und sich das zu einer Aufgabe zu machen. Und sei es, dass man erst mal einfach anfängt, Fragen zu stellen, und dann anhand dieser Fragen ja auch merkt, inwieweit eine Resonanz aus dem Umkreis oder von der Gralswelt selber uns mal etwas … ja, sozusagen einem da auch neu entgegenkommen kann.
Rudolf Steiner als der verwundete Gralskönig. Er war sich der Herausforderungen der Anti-Gralskräfte voll bewusst 00:18:10
Also ich glaube, um das vielleicht abschließend auf diese Frage, darüber hatten wir uns ja im Vorfeld auch ausgetauscht, dass ich manchmal dachte, Rudolf Steiner ist so etwas wie der Gralskönig unserer Zeit. Das meine ich ohne jeden Pathos. Das meine ich auch nicht irgendwie mystifizierend. Und ein Gralskönig, der vielleicht in einer ganz eigenen Weise auch gesucht werden muss, vielleicht auch ein verwundeter Gralskönig. Aber nicht eine Verwundung wie der alte Amfortas, der Gralsgebote verletzt hat, sondern ein verwundeter Gralskönig, weil er sein eigenes Schicksal auch durch die Weihnachtstagung an unseren weiteren Weg mit der Anthroposophie und mit dem, was er uns geschenkt hat, gewissermaßen verknüpft hat. Und in der Art und Weise, wie wir da uns bemühen können, etwas gerecht zu werden und manchmal auch daran scheitern, haben wir vermutlich auch unmittelbaren Einfluss auf die Wunden oder auf die Möglichkeiten, die dieser Gralskönig jetzt und in der weiteren Zukunft mit uns gemeinsam geht.
Michael Birnthaler: Jetzt höre ich bei dir raus. Vielen Dank! Du hattest jetzt auch Namen genannt schon. Und dann sind wir ins neunzehnte Jahrhundert gekommen. Da hattest du den Namen genannt Kaspar Hauser. Das ist ja verbunden mit dem Jahr 1833, ja? Und dann waren wir ja in der Zeit zwanzigstes Jahrhundert. Da hast du den Namen Rudolf Steiner genannt. Wenn wir jetzt aber wissen, dass es zwei Richtungen gibt des gleichen Grals, die helle, lichte Seite, aber es gibt auch eine dunkle Seite des Grals, der sogenannte Antigral, ja? Und dann kommen wir ja auf das Jahr 1933. Und mit dem, was 1933 alles so aus dem Abgrund aufgestiegen ist, kann man das ja auch eventuell verbinden mit der Seite des Antigrals. Und da ist meine Frage jetzt an dich: Wenn du sprichst vom verwundeten Gralskönig Rudolf Steiner - siehst du da auch Verbindungen , diese Verwundung zu dem, was dann letztlich auch geschehen ist im 20. Jahrhundert durch die Kräfte des Antigrals?
Michael Reinheimer: Ganz sicher. Wenn man sich bewusst macht, dass er schon im Ersten Weltkrieg – ich zitiere das jetzt sinngemäß – die Hoffnung hatte, dass durch den Bau des Ersten Goetheanums, der ein Gralstempel ist, eine Friedenskraft in der Welt gestärkt oder entwickelt werden kann, der diesen Ersten Weltkrieg, wenn nicht verhindert, dann doch in einer Weise abmildert, dass es nicht zu der Zivilisationskatastrophe gekommen ist, dann ist, glaube ich, ganz deutlich, dass Rudolf Steiners existenziellstes Wirken nach dem Scheitern der Dreigliederungsbewegung eigentlich bis zum letzten Tag seines Erdenlebens in dem vollen Bewusstsein war, welche Prüfungen, welche Herausforderungen durch diese Antigrals-Kräfte in wenigen Jahren später, vielleicht ja schon in der Zeit selber unmittelbar, auf die Menschheit hinzukommen würden.
Und ich glaube … und das ist ja das, was immer wieder ganz andere Menschen, auch schon Sergej Prokofieff und viele andere, ja immer versucht haben, auch bewusst zu machen, in welcher Weise Rudolf Steiner sein eigenes Schicksal doch auch an das Wirken, an das Gedeihen der Menschen in der anthroposophischen Bewegung verknüpft hat. Das ist ja schon mit dieser ersten Frage, dieser sogenannte Giftangriff dann am 1. Januar 1924, wo eine offene Frage ist: Ja, ist es eine äußere Vergiftung gewesen oder ist es ein Rückschlag gewesen? Weil er doch merkte, dieser Weihnachts-Gral, den er in die Herzen eines jeden einzelnen Gralsritters gelegt hat, dass jeder Einzelne ihn dort hüten, pflegen, gut werden lassen soll … das ist nicht in der Weise aufgenommen worden. Und er hat ja immer wieder die Frage gestellt: „Merkt ihr, dass etwas anders ist?” Und dass man die Frage stellen kann, vielleicht stimmt ja beides. Ich habe da nicht die Antwort. Vielleicht war es auch eine Vergiftung. Aber dass man das Gefühl haben kann, dass in dem Moment schon so etwas wie eine Wunde auf ihn zurückschlägt. Und diese Erkrankung, die da ja dann im Jahr 1924 war, eine Frage, inwieweit die mit ihm zu tun hatte. Das ist ja eigentlich alles von diesem „verwundeten Gralskönig.”
Die Kräfte des Anti-Grals
Michael Birnthaler: Ja, also ich kann das sehr, sehr gut nachvollziehen, so diesen Gedankenfaden, den du da jetzt gesponnen hast. Und ich würde da aber an einer Stelle noch mal bei diesem Faden noch mal eine Abzweigung gerne machen wollen. Und dann können wir vielleicht da noch mal darauf zurückkommen, auf diesen verwundeten Gralskönig und heute, weil es mich einfach doch sehr umtreibt diese Thematik. Du behauptest ja, dass vieles von dem, was Rudolf Steiner vorhatte – der Brand vom Goetheanum, davor könnte man auch viele sagen: Wie gescheitert war schon dann die Vergiftung und einiges andere, was er liegen lassen musste: Der verwundete Tod, diese letzte Ansprache, die er nach 20 Minuten abbrechen musste und vieles, vieles andere. Da, wenn ich dich richtig verstanden habe, sagst du, war schon der Grund mit, dass da schon die Kräfte des Antigrals mit hereingewirkt hatten, die dann im Jahr 1933... und angeblich war es ja auch der Lebensplan von Rudolf Steiner, dass er bis hätte 1933 leben sollen. Er ist im Jahr 1925 ja schon verstorben und dadurch, dass er früh verstorben ist, sind mit großer Macht diese Antigralskräfte 1933 aus dem Abgrund aufgestiegen. Das würde ich gerne nochmal vertiefen wollen und verbunden vielleicht auch die Frage: Kaspar Hauser 1833 vereitelt worden, Rudolf Steiner 1933, Lebensaufgabe bis 1933 vereitelt worden und jetzt gehen wir nochmal 100 Jahre in die Zukunft und kommen auf das Jahr 2033. Siehst du da eine logisch-spirituelle Kette in dieser gesamten Gralsgeschichte? Wie siehst du das?
Michael Reinheimer: Ja, also da kann ich eigentlich nur daran anknüpfen, was ich vorhin schon versucht habe, kurz darzustellen, dass ich glaube, dass der Gral in jeder Zeit uns natürlich andere Aufgaben stellt. Vielleicht erst mal … Steiner spricht ja davon, dass schon 1840 – da weiß ich jetzt nicht ganz genau – der Sturz der Geister der Finsternis, die Michael aus der geistigen Welt auf die Erde gestürzt hat, eine Auseinandersetzung, die dann spätestens ab Beginn des Michael-Zeitalters eigentlich in jeder einzelnen Menschenseele ausgefochten und sich damit auseinandergesetzt werden muss. Dann die ganze Frage natürlich mit Kaspar Hauser als einem verhinderten Gralskönig. Ja, Richard Wagner war derjenige, der eigentlich diese Kaspar-Hauser-Geschichte in seinem Lohengrin Mitte des 19. Jahrhunderts um diesen verhinderten Herzog von Brabant auf die Bühne gebracht hat und natürlich gezeigt hat, auf welcher Weise natürlich immer auch aus gewissen Kreisen versucht wird, aktiv gegen diese Dinge voranzuschreiten.
Buchhinweis 00:18:54
Ein michaelischer Gralskönig, ein michaelischer Parzival ist vielleicht eine Aufgabe für das 21. Jahrhundert 00:21:16
Ja, ich glaube immer, dass wir da aber in einen Bereich kommen, dass das natürlich immer auch an uns anderen liegt oder an den Menschen, die mit dem Gralsimpuls verbunden sind, in welcher Weise diese Dinge auch in der Welt wirksam werden können. Also Steiner sagt ja 1933, ja: "Ehe denn der ätherische Christus in der rechten Weise erscheinen kann, müssen die Menschen fertig werden mit dem Tier aus dem Abgrund." Das sagt er. Man muss beides zusammen sehen. Ja, und offenbar scheint es nicht so zu sein, dass so ein Erlebnis einfach kommt, sondern in dem Augenblick, wo eine solche Erfahrung an die Menschheit herankommt, wird das andere vielleicht notwendigerweise auch wie hereingerufen und man muss sich damit auseinandersetzen. Und das hat ja schon Richard Wagner in seinem Parzival aufgezeigt, Ende des ersten Aktes. Dann dreht sich das Bühnenbild und auf der anderen Seite des Gralsberges ist die Klingsorburg. Das ist eben immer dabei.
Ich glaube aber auch, dass in jeder Zeit diese Kräfte auch anders an den Menschen herantreten. Also die alten Gralsritter, die mussten sich mit dem klingsorschen Wonnegarten auseinandersetzen. Nicht alle waren davor gefeit, in diese Falle zu gehen. Man merkt schon, zur Zeit des Lohengrin wird ganz anders gearbeitet. Ja, die Ortrud arbeitet mit okkulten Intrigen und sie arbeitet mit dem Zweifel, die Elsa anzustiften, zu fragen. Auch gegenwärtig wird mit dem Zweifel gearbeitet: War Kaspar Hauser nicht doch ein Betrüger? Man merkt, der Richard Wagner hat auf einiges dieser Methoden aufmerksam gemacht. Und vermutlich heute im 21. Jahrhundert wird es wieder anders sein, in welcher Weise wir auf diesem Gebiet herausgefordert werden. Ich denke mir manchmal, wenn wir nach dem Weihnachtsgral vor 100 Jahren ein Weihnachtslicht im Gral haben, ist es vielleicht die Aufgabe im 21. Jahrhundert, das Gralsmysterium mit dem Michaelsfest oder mit dem Michael … einen michaelischen Gral zu schaffen, einen Gralsweg im Lichte des Michael-Festes zu gehen und damit möglicherweise auch den Gral wieder mit einer Kraft neu zu begaben, der auch wieder in einer anderen Weise auf diese Antigralskräfte wirken, zurückweisen, heilen oder zumindest einen gedeihlichen Fortschritt bedeuten kann. Ein michaelischer Gralskönig, ein michaelischer Parzival, ich glaube, das ist vielleicht eine Aufgabe für das 21. Jahrhundert. So schreitet diese Weltgeschichte im Lichte des Heiligen Gral sozusagen nacheinander durch die christlichen Jahresfeste hindurch. Das ist ein bisschen meine Vorstellung. Aber nach dem Karfreitags-, dem Pfingst- und dem Weihnachtsgral suche ich heute eigentlich nach dieser Qualität des michaelischen Grales.
Der Gral im Zusammenhang mit der Michael-Prophetie - das ist wie ein Epochenheft, das immer weiter geschrieben wird (Walter Johannes Stein) 00:28:27
Michael Birnthaler: Vielen Dank auch noch mal dafür, für diese Klarstellung. Ich höre zwischen den Zeilen auch immer wieder so ein bisschen raus, dass du diesen Weihnachtstagungsgral ansprichst, wo aus der Michaelschule auch zu diesem Impuls - Anthroposophie, Anthroposophia ist ganz stark verbunden mit jetzt diesen Michaelskräften - und dazwischen höre ich auch raus, dass du den Gral im Zusammenhang siehst auch mit dieser sogenannten Michael-Prophetie. Weil immer wieder kommt es bei dir durch, so wie den Zusammenhang zwischen der damaligen Zeit, Rudolf Steiner, Gralskönig, Fragezeichen - und jetzt sagt Rudolf Steiner, dadurch, dass so vieles gescheitert ist, haben wir die Aufgabe in diesen herausfordernden Zeiten heute, also die Schüler von ihm damals, dass die heute wieder zusammenwirken würden und mit ihm zusammen. Ist das so, dass ich das richtig zwischen den Zeilen bei dir heraushöre?
Michael Reinheimer: Ja, durchaus. Also da gibt es eine ganz wunderbare Überlieferung über den schon genannten Walter Johannes Stein, einem der ersten Waldorflehrer. Der hat ja ein sehr profundes Buch geschrieben, das habe ich hier gerade neben mir liegen, ein etwas zerlesenes Exemplar [00:28:42]: Weltgeschichte im Lichte des heiligen Gral. Und Rudolf Steiner hat ihn 1923, 14 Tage nach dem Brand des Goetheanums, hatte der Stein die Aufgabe, die erste Parzival-Epoche in der Stuttgarter Waldorfschule zu geben. Da spricht er gerade über das zerbrochene Gralschwert, von dem es bei Wolfram heißt, das Gralschwert zerbricht nach dem ersten Schlag und da muss man es zur Quelle bringen. Rudolf Steiner verweist dann im Unterricht darauf hin, dass er sagt: "Gralschwerter zerbrechen und dann muss der Weg zur Quelle gefunden werden, denn Gralsritter sind immer Diener des Wortes." Und der Stein hat sich das dann zur Aufgabe gemacht, den Weg zur Quelle zu finden, hat dort mit diesem Buch Weltgeschichte im Lichte des heiligen Gral versucht, so eine Art Quellenbuch zu schreiben. Hat aber gesagt – und das finde ich auf deine Frage bezogen ganz berührend –, dass er dieses Buch jetzt gar nicht als fertiges Opus Magnum sieht, sondern er sieht dieses Buch im Grunde genommen als ein Epochenheft. Als sein Epochenheft als Waldorflehrer, und sagt: "Dieses Epochenheft werde ich am Ende des Jahrhunderts brauchen, wenn ich mit meinen Schülern wiederkomme, um es gemeinsam weiterzuschreiben."
Also das ist ja ein sehr konkreter Hinweis auf das, was du fragst, eines markanten Gralswissenschaftlers, eines Gralssuchers. Es ist bekannt, dass er selber sich mit dem Trevrizent-Schicksal stark verbunden hat. Auch mit dieser Frage, Trevrizent, der damals Parzival ja sinngemäß sagte: "Wenn du einmal nicht gefragt hast, wenn dein Schwert einmal zerbrochen ist, eine zweite Chance bekommst du nicht." Und dann am Schluss ist Parzival der Lehrer seines Lehrers und sagt: "Ich habe doch den Weg zur Quelle gefunden." Und der hat jetzt den Impuls, ja selber sozusagen einen Anker vielleicht in die Zukunft zu schlagen mit der Fragestellung: Was kann ich jetzt, jetzt - von vor 100 Jahren gesprochen - erarbeiten, dass ich sozusagen einen Lichtpunkt in das 20. Jahrhundert setze, dass ich das, wenn ich im 20., 21. Jahrhundert wiederkomme, nicht alleine, mit meinen Schülern weiter daran arbeiten kann.
Ich bin mir nicht bewusst, ob Stein die Aussage Rudolf Steiners kannte, der ja gesagt hat, dass die Parzival-Individualität Mani im 21. Jahrhundert wiederkommen soll. Und da sagt er das, was ich vorhin schon angedeutet habe, seine Aufgabe wird es sein, aus der Kraft der Gralsmysterien zu handeln. Und er sagt in dem Sinne auch, wenn ich das richtig erinnere, er wird erneuernd wirken auf den Gebieten der Kunst, der Religion und er wird die Menschen anleiten, selber über Gut und Böse entscheiden zu können. Und er knüpft aber das Kommen dieses Mani-Parzivals an eine Bedingung. Er sagt: Nur wenn die Waldorfschule - diese Individualität, der braucht sozusagen die Waldorfschule, um gesund und gedeihlich seine Entwicklung durchlaufen zu können und er braucht einen Leib, in dem er überhaupt wiederkommen kann. Ich will jetzt die Bedingungen jetzt nicht nur den Waldorfschulen und der Medizin auferlegen. Vermutlich ist damit die ganze Anthroposophie gemeint in ihrem Gralsaspekt, da etwas weiter zu erarbeiten, dass es durch so eine Individualität auch weitergehen kann.
Und in diesem Zusammenhang sehe ich ein bisschen die Michaels-Prophetie, die ja ganz zu Recht immer auch mit einer Verbindung der verschiedenen Strömungen gesehen wird. Man betont dann die Platoniker, die Aristoteliker, die Rosenkreuzer, also den Johannesstrom. Aber ich glaube, dass da eben im Sinne des michaelischen Grales eben auch stark damit zusammenhängt, diese Aussage Rudolf Steiners auf eine Erneuerung der Gralsmysterien im 21. Jahrhundert. Und der Stein ist da so etwas wie ein Zeuge, ja, oder wie ein Prophet, kann man gewissermaßen sagen, der damals gesagt hat: "Ich setze einen Impuls und will wiederkommen und mit meinen Schülern daran arbeiten."
Aber vielleicht... ja, das ist eine Frage, Michael, das, was du vorhin auch gefragt hast, inwieweit wird so etwas auch verhindert? Ahriman versucht laut Steiner das Karma der Menschen anzugreifen. Was ist im 20. Jahrhundert alles passiert an den Kriegen, an dem Holocaust, an den gewaltigen Menschheitskatastrophen, wo in einer Weise ja auch die karmischen Fäden mitunter auch durcheinandergekommen sind, dass ich manchmal auch das Gefühl habe, es gibt so viele Einzelkämpfer auf diesem Gebiet. Und das ist eine große Aufgabe, wie die Menschen, die sich da vielleicht vor 100 Jahren Dinge vorgenommen haben, doch heute so weit zusammenfinden, dass sie die Aufgaben, die sie sich vorgenommen haben, doch sinnvoll auch ergreifen können.
Das Erkennen der Seelen in der Gegenwart. Literaturhinweise 00:34:33
Michael Birnthaler: Ja, danke, das hat mich doch sehr bewegt auch. Auch dieses Beispiel, was du jetzt gebracht hast mit Walter Johannes Stein und seinen Schülern. Ich hatte das noch gar nicht gekannt auch. Unglaublich bewegend auch.
Michael Reinheimer: Steht in dem Buch von Frans Lutters, den du ja gut kennst, bei Daniel van Bemmelen. Einiges Schönes über Stein auch gesammelt, ja.
Michael Birnthaler: Ja, aber was mich da sehr anspricht, ist einfach auch dieses damalige Wissen schon: Wir kommen wieder, so in 100 Jahren, auch als Gemeinschaft, die karmisch verbunden ist. Vielleicht auch ein bisschen eine persönliche Frage: Was denkst du, sind denn heute viele von damals wieder da, auch spezifisch vielleicht von denen, die in diesem Gralsmysterium zu Hause sind? Und ich bringe gleich nochmal eine Zusatzfrage rein, wenn es erlaubt ist. Wie können die sich denn wiedererkennen eigentlich? Was hast du da für Erfahrungen gemacht?
Menschen, die sich in der Michaels-Prophetie heute erkennen, haben oft diese lebendige Frage: Inwieweit kann man gemeinsam Dinge zur Reife bringen und einander vielleicht ergänzen? 00:37:35
Michael Reinheimer: Also ich bin immer ganz berührt, das kenne ich aus meinem Schicksal, aber auch in der Wahrnehmung von Schicksalen anderer, dass sich solche Prophezeiungen, die vor 100 Jahren gemacht sind, ja manchmal erst mal in ganz persönlichen Beziehungen auch erst mal erfüllen können. Ich kenne Ehepaare oder auch enge Freundschaften erst mal zwischen zwei Menschen, wo relativ deutlich ist, dass sich da eine platonische und eine aristotelische Seele verbunden haben. Ob das immer das Leichteste für eine Freundschaft oder eine Ehe ist, ist eine andere Frage. Aber ich glaube, das habe ich oft wahrgenommen, dass sich diese Kulmination ja manchmal im ganz konkret Persönlichen zwischen Menschen auch vollziehen kann.
Ich glaube, immer ganz wichtig ist, dass man sich bewusst macht, dass es da wirklich um Arbeitsaufgaben auch geht. Und vermutlich – das ist jetzt ein bisschen ins Blaue gesprochen – aber ich glaube, ein Mensch, der so eine Michaels-Prophetie heute verwirklicht, ich glaube, der würde sich vielleicht auch erst mal für die Strömung der anderen möglicherweise mehr interessieren als für seine eigene. Also da ist Rudolf Steiner uns ja ein leuchtendes Vorbild, der vor 100 Jahren in Dornach kein Aristotelicum begründet hat oder ein Schianatolandum oder ein Cratylum oder ein Thomas-von-Aquinum, sondern ein Goetheanum. Einen an die platonische Strömung anknüpfenden geistigen Wirkensort. Goethes Weltanschauung. Als Aristoteliker bringt er den Platonismus gewissermaßen zur Reife. Und ich glaube sozusagen, dass Menschen, die in der Michaels-Prophetie sich heute vielleicht erkennen, Menschen sind, die gar nicht so sehr jetzt mit der eigenen Strömung vielleicht manchmal verbunden sind, sondern diese lebendige Frage haben: Was ist die der anderen, inwieweit kann man da Dinge zur Reife bringen und vielleicht ergänzen und in eine Fruchtbarkeit? Das war die erste Frage. Du hast noch eine zweite gestellt, was war die nochmal?
Michael Birnthaler: Wenn du magst noch, einfach gerne, was hast du für einen Eindruck oder für eine Erfahrung, wie sich dann diese Wiedergekommenen und vielleicht gerade die aus der Gralsströmung – das ist ja heute an dem Tag von Rudolf Steiner, vielleicht auch diejenigen, die mit Rudolf Steiner zu tun haben –, wie können die sich heute denn quasi wiedererkennen?
Michael Reinheimer: Ich glaube, dass das oft auch Gnade ist einfach, dass man Schicksalsbegegnungen im Sinne von Freundschaften einem entgegenkommen und die gemeinsame Begeisterung, die gemeinsamen Fragen für die Sache, so würde ich es einfach benennen. Du arbeitest da in Hohenfels ja ganz intensiv daran, da auch ein wirkliches Forum, einen Raum für Menschen zu schaffen, die sich da begegnen können. Eigentlich könnte ich dir die Frage auch stellen, welche Erfahrung du da gemacht hast. Da bist du mir möglicherweise doch auch voraus. Ich glaube tatsächlich, dass in dem gemeinsamen Sich-Erkennen, indem man dieselben Impulse des anderen vielleicht versucht weiterzubringen, zu befruchten, dass sich da Menschen ganz gut dann auch erkennen können, an der Möglichkeit, Fragen zu stellen und vielleicht auch an der Möglichkeit, an Menschen - 100 Jahre hat die Anthroposophie auch stark mit Feindbildern gelebt, Menschen auszugrenzen, die aus anderen Strömungen kamen oder Ähnliches. Und sich da auch klarzumachen, dass man diesen eigenen Schulungs- oder Arbeitsweg ja auch in der eigenen Verwandlung geht, um dann auch ein hilfreicher Arbeiter zusammen mit anderen zu sein.
Wie können wir an dieser Grals-Tafelrunde heute zusammen kommen? 00:39:49
Michael Birnthaler: Ganz herzlichen Dank. Ich bin auch sehr, sehr froh. Ich hatte eine unglaublich starke Resonanz zu dem, was du da auch sagst. Auch, dass sich die Menschen heute aus der Michael-Prophetie vor allem für die anderen Strömungen interessieren und versuchen, so gut es geht, einfach zu integrieren, diese Strömungen, weil sie einfach erleben: "Ich habe das erlebt, in einer Strömung zu sein, mich interessieren jetzt auch vor allem die anderen Strömungen und wie können wir jetzt quasi an dieser Gralstafelrunde, wie können wir da zusammenkommen?"
Michael Reinheimer: Ganz genau. Denk an die beiden Johannese. Der Abelid des Johannes des Täufers wird dann bei Novalis zum Bergmann und der Rosenkreuzer, der Kainid, wird zum Inspirator. Die bringen gegenseitig ihre Strömungen zur Reife und vielleicht ist das eine Aufgabe für die Gegenwart, uns gegenseitig zu helfen, unsere Strömungen zur Reife zu bringen und in dem konkreten Interesse einfach für den anderen Menschen. Ich glaube, das ist eine konkrete Möglichkeit an dieser Michael-Prophetie, auch für den Gral in unserer heutigen Gegenwart im 21. Jahrhundert zu arbeiten.
Einladung zu einem Lese-Projekt in der Karwoche. Dank und Verabschiedung 00:42:07
Michael Birnthaler: Ganz, ganz lieben Dank dir, Michael. Und wir gehen ja jetzt gemeinsam alle in die Karwoche hinein und das ist ja auch quasi wie so eine Art Gralswoche.
Michael Reinheimer: Ja.
Michael Birnthaler: Das ist die ganz besondere Geschichte ja vom Parzival, die wir kennen, die ja auch beginnt mit dem Gründonnerstag, dann der Karfreitag.
Michael Reinheimer: Der Karfreitagszauber.
Michael Birnthaler: Genau, Karfreitagszauber, diese quasi Einweihung mit Trevrizent, diese Erkenntnis, diese große Erkenntnis. Also das steht uns auch bevor. Dann hast du gesprochen eben von - du als Priester in besonderer Weise ja verbunden bist mit diesem Sakrament, mit diesem Kelch, diesem Gralskelch natürlich. Deswegen nochmal ganz, ganz lieben Dank dir, Michael. Ich fand es unglaublich bewegend, was wir gesprochen haben und irgendwie schon auch – das war ja auch unser Bemühen –, so ein Stück weit der Versuch, Rudolf Steiner in einer würdigen Weise gedenken zu wollen. Gerade jetzt nach 101 Jahren, wo die Gefahr ist, dass er in Vergessenheit gerät, viel, viel größer ist. Deswegen nochmal ganz lieben Dank, Michael.
Michael Reinheimer: Danke dir auch, Michael. Es hat mich gefreut, mit dir ins Gespräch zu kommen.
Michael Birnthaler: Ja, schön. Und vielleicht nochmal für alle, die jetzt zugeschaut haben, zugehört haben: Dürfen wir euch ganz herzlich einladen. Wir werden zusammen versuchen, Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag, dass wir da gemeinsam im Gedenken an Rudolf Steiner einen Vortragszyklus von ihm lesen, den er eigenartigerweise zu Ostern 1913 gehalten hat, aber auch mit dem Thema die Gralsmysterien. Insofern laden wir euch ganz herzlich ein. Das Gespräch mit Michael Reinheimer war jetzt der erste Auftakt schon zu unserem Leseprojekt Gründonnerstag bis Ostersonntag. Jeden Tag, wenn es irgendwie geht, um 18 Uhr. Ihr findet weitere Informationen unter diesem Video. Ihr könnt euch sehr, sehr gerne da noch einbinden in dieses kleine Leseprojekt. Wir haben den Eindruck, dass wir, wenn wir möglichst viele wären, die ihm gedenken und seine Gedanken über den Gral nachdenken, dass wir uns in einer besonderen Weise mit seiner großen Seele verbinden dürfen und natürlich auch so etwas wie ein Lichtnetzwerk über die Erde ein Stück weit bilden dürfen.
Michael Reinheimer: Vielen Dank.
Michael Birnthaler: Vielen Dank dir, Michael, und alles Gute. Gute Karwoche. Bis zum nächsten Mal.
Michael Reinheimer: Danke, bis zum nächsten Mal.
Glossar
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar A
A
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar B
B
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar C
C
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar D
D
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar E
E
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar F
F
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar G
G
- „Immer dann, wenn ich Urteile fälle, immer dann, wenn ich abstrakt denke, immer dann, wenn ich in Begriffen erst einmal versuche, Dinge zu fassen, dann ist mein Haupt eine Schädelstätte, ein Golgatha.“ | Rheinheimer, M. Gralsimpuls und Gegenwart, 2026, 00:06:00
- „[…] Gondishapur […] Eine Mysterienstätte aus dem siebten nachchristlichen Jahrhundert, wo man durch verfrühte intellektuelle Kräfte versucht hat, die ahrimanischen, die soratischen Kräfte in das Erden- und Menschensein hineinzubringen.“ | Rheinheimer, M. Gralsimpuls und Gegenwart, 2026, 00:06:00
- „[…] man kann die ganze Gralsgeschichte auch einmal so lesen, dass man die einzelnen Gralsorte als physiologische Orte unseres geistig-körperlichen Menschenseins auffasst. Er nennt das die Imagination des Grales im Leibesinnern.“ | Rheinheimer, M. Gralsimpuls und Gegenwart, 2026, 00:06:00
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar H
H
- „[…] ein ganz ausgewiesener Gralskenner, einer der markantesten Schüler Rudolf Steiners, einer der ersten Waldorflehrer, Walter Johannes Stein […]“ | Rheinheimer, M. Gralsimpuls und Gegenwart, 2026, 00:02:11
- „[Walter Johannes Stein] hat […] festgestellt, dass es eigentlich […] kein Arbeitsgebiet der Anthroposophie gibt, den Rudolf Steiner […] für die Geisteswissenschaft nicht doch in irgendeiner Weise mit dem Gral verknüpft hat.” | Rheinheimer, M. Gralsimpuls und Gegenwart, 2026, 00:02:11
- „[…] der Name Gral […] ist ja provenzalisch. „Gradalis“ heißt stufenweise. Dieses stufenweise Werden des Grales, das ist eigentlich Rudolf Steiners Beziehung zum Gralsmysterium“ | Rheinheimer, M. Gralsimpuls und Gegenwart, 2026, 00:06:00
- „[…] Steiner sein eigenes Schicksal […] an das Gedeihen der Menschen in der anthroposophischen Bewegung verknüpft hat […] er doch merkte, dieser Weihnachts-Gral, den er in die Herzen eines jeden einzelnen Gralsritters gelegt hat […] das ist nicht in der Weise aufgenommen worden.” | Rheinheimer, M. Gralsimpuls und Gegenwart, 2026, 00:18:10
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar I
I
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar J
J
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar K
K
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar L
L
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar M
M
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar N
N
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar O
O
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar P
P
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar Q
Q
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar R
R
- „[…] der Name Gral […] ist ja provenzalisch. „Gradalis“ heißt stufenweise. Dieses stufenweise Werden des Grales, das ist eigentlich Rudolf Steiners Beziehung zum Gralsmysterium“ | Rheinheimer, M. Gralsimpuls und Gegenwart, 2026, 00:06:00
- „[…] Steiner sein eigenes Schicksal […] an das Gedeihen der Menschen in der anthroposophischen Bewegung verknüpft hat […] er doch merkte, dieser Weihnachts-Gral, den er in die Herzen eines jeden einzelnen Gralsritters gelegt hat […] das ist nicht in der Weise aufgenommen worden.” | Rheinheimer, M. Gralsimpuls und Gegenwart, 2026, 00:18:10
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar S
S
- „[…] ein ganz ausgewiesener Gralskenner, einer der markantesten Schüler Rudolf Steiners, einer der ersten Waldorflehrer, Walter Johannes Stein […]“ | Rheinheimer, M. Gralsimpuls und Gegenwart, 2026, 00:02:11
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar T
T
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar U
U
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar V
V
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar W
W
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar X
X
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar Y
Y
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar Z
Z
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar 0-9
0-9
Literaturhinweise
- Walter Johannes Stein, Weltgeschichte im Lichte des Heiligen Gral. Das neunte Jahrhundert, Orient-Occident-Verlag, Stuttgart 1928; 5. Aufl. Mellinger, Stuttgart 2003
- Frans Lutters, Eine karmische Untersuchung - zum Schicksal der Freien Waldorfschule, Freiburg 2019
Das Grals-Thema in der GA Rudolf Steiners
Sammlung nicht vollzählig! Kann ergänzt werden.
- GA 54 – Die Welträtsel und die Anthroposophie: Parzival und Lohengrin, S. 430
- GA 92 – Die okkulten Wahrheiten alter Mythen und Sagen, Griechische und germanische Mythologie Richard Wagner im Lichte der Geisteswissenschaft
- GA 93 – Die Tempellegende und die Goldene Legende
- GA 97 – Das christliche Mysterium
- Das Gralsgeheimnis im Werk Richard Wagners Landin (Mark), 29.Juli 1906, S. 258
- Die Musik des «Parzival» als Ausdruck des Übersinnlichen, Kassel, 16.Januar 1907, S. 269
- GA 144 – Die Mysterien des Morgenlandes und des Christentums, Vier Vorträge, gehalten in Berlin vom 3. bis 6. Februar 1913, 4. Vortrag S. 61
- GA 145 – Welche Bedeutung hat die okkulte Entwicklung des Menschen für seine Hüllen (physischen Leib, Ätherleib, Astralleib) und sein Selbst ? Ein Zyklus von zehn Vorträgen gehalten in Den Haag vom 20. bis 29. März 1913, Die Paradieses- und die Gralslegende S. 99
- GA 148 – Aus der Akasha-Forschung, Das Fünfte Evangelium, Achtzehn Vorträge, gehalten 1913 und 1914, ab S. 161 Christus-Ereignis/Parzival-Ereignis
- GA 149 – Christus und die geistige Welt. Von der Suche nach dem heiligen Gral, Leipzig, 28.12.1913–02.01.1914




