Das Rätsel des Bösen - ein Vortrag von Wolfgang Peter in Düsseldorf, 2026

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Dr. Wolfgang Peter am 23. April 2026 in der Christengemeinschaft Düsseldorf. Hier klicken um zum Video zu gelangen

Transkription des Vortrages vom 23. April 2026 in Düsseldorf

+++ Dieser Text ist maschinell transkribiert und bedarf noch der Überarbeitung von Menschenhand/Geist. Willst du MitTun? +++

Das Böse als zugelassene Kraft: Freiheit und Widersacher 00:00:16

Wir werden versuchen, auch die positiven Seiten des Bösen zu erkennen und warum wir uns damit abquälen müssen und was wir vielleicht daraus gewinnen können, auch aus der Auseinandersetzung mit dem Bösen.

Sie sind ja zugelassen in gewisser Weise in der Welt, von der höchsten Göttlichkeit her durchaus zugelassen. Es ist nicht nur eine Rebellion, weil das Interessante ist, schon selbst diese Wesenheiten haben nicht die volle Freiheit, die die Gottheit hat und von der wir die Chance haben, sie irgendwann einmal wirklich zu entwickeln. Das ist ein großer Punkt.

Wenn wir uns denken, selbst die höchsten geistigen Hierarchien haben nicht die Freiheit, die schöpferische Freiheit, die die Gottheit selber hat, die der Christus hat als Weltschöpfer, als Weltbaumeister eigentlich – und das Brautau dazu sind wir, das kleinste, jüngste geistige Wesen in der Welt, das diese Chance bekommen soll. Aus eigener Kraft, aus eigener Entscheidung den Weg, wenn man will, zum Guten zu finden, das heißt eine gute Welt zu bauen, mitzubauen an einer guten Welt.

Wir sind also nicht nur hierher gesetzt, um sie zu genießen. Das war das Paradiesesbild, dass einmal da war eine Welt, in der alles geboten wird, was der Mensch braucht, in der er aber keine Freiheit hat. Und dann, wie Sie das ja wohl alle kennen aus der Bibel, aus der Geschichte, kommt halt die Schlange ins Paradies, die luziferische Schlange zunächst einmal, die den Menschen verführt und sagt, isst doch vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Und auf dem Weg sind wir, diese Erkenntnis des Guten und des Bösen so langsam wirklich zu greifen. Das ist der Weg, auf den wir von Anfang an gekommen sind. Und das ist der Weg zur Freiheit.

Die höheren Hierarchien, die geistigen Wesenheiten, die über uns stehen, wissen, was das Gute und das Böse ist. Aber sie wissen es nicht aus sich selbst, sondern sie wissen es dadurch, dass sie es eigentlich lesen in dem, was die Gottheit ausströmt.

Wir sind zunächst einmal auf uns selbst gestellt, diesen Weg zu finden. Es wird uns diese Wahrheit, diese Kraft, zwischen dem Guten und dem Bösen zu unterscheiden, nicht einfach geschenkt, sondern wir müssen sie uns mühsam erarbeiten. Und es sind sogar Wesenheiten im Grunde bestellt dazu, uns immer wieder von unserem Weg abzubringen, uns in Versuchung zu führen. Das geht das ganze Leben durch und viele Erdenleben vielleicht sogar durch, wenn man an den größeren Gedanken denkt, dass der Mensch nicht nur einmal auf Erden sich inkarniert, sondern dass er viele, viele Stationen durchgeht auf Erden und immer wieder ein Stückchen weiterkommt, oder die Chance hat, ein Stückchen weiterzukommen, manchmal vielleicht auch einen Rückschlag erlebt, in dem man ganz, ganz dagegen verstößt.

Aber es ist ein Weg, der uns immer mehr hinführt zur Freiheit, selbst zu entscheiden, selbst aus uns selbst heraus zu wissen, was das Gute und Böse ist.

Das Gewissen: Euripides, Orest und die Erinnyen 00:03:52

Eine Vorstufe dazu gab es ja schon in der vorangegangenen großen Kulturepoche, also die griechisch-lateinische Zeit, was in Griechenland, in Rom und so entwickelt wurde. Es gab vorher das Gewissen nicht. Das Gewissen heißt, ich weiß aus mir selbst, etwas Schlechtes getan zu haben. Das tritt erstmals auf in einer Schilderung des Dichters Euripides, des jüngsten der drei großen Tragödiendichter, der das das erste Mal sagt oder es dem Orest in den Mund legt, der seine Mutter ermordet hat, getötet hat, aus Rache dafür, dass die Mutter seinen Vater getötet hat. Also diese tragische Geschichte. Und die Mutter hatte aber einen guten Grund, weil der Vater geopfert hat, die Tochter, um in den Trojanischen Krieg ziehen zu können.

Also der Agamemnon opfert die Iphigenie, die Tochter, weil so kam es über ihn, so hat das Orakel gesprochen, er muss die Tochter opfern, dann wird der Wind günstig sein, dass er segeln und Troja zerstören kann. Das ist die griechische Geschichte. Und es war Windstille, die Flotte lag bereit zum Ausfahren, aber es war absolute Windstille, und dann gab ihm Diana die Anweisung, er muss seine Tochter töten, dass sie, seine Tochter, sozusagen Gehilfin im Geistigen der Diana werden kann, dieser göttlichen Gestalt. Und Agamemnon tat das, allerdings wurde sie nicht wirklich getötet, die Iphigenie, sondern sie wurde in eine Wolke gehüllt und entführt woanders hin.

Die Geschichte geht dann weiter, es gibt die Nebengeschichte, dass sie auf die Krim dann gekommen ist und dort den König Thoas gefunden hat, den sie dann bekehrt hat irgendwie zum Guten, weil auf der Halbinsel Krim dort war die Sitte, dass jeder Fremde, der dieses Land betritt, getötet werden muss. Ein Fremder hat dort nichts zu suchen. Das erinnert mich manchmal ein bisschen an die ukrainische Geschichte mit der Krim – die Krim gehört ja dazu –, irgendwo ist eine moderne Auflage, irgendwo im Hintergrund.

Also diese Geschichten sind nicht so ganz aus der Luft gegriffen, sondern sie haben eine Bedeutung über die Epochen hinaus, so als eine Grundstimmung, die drinnen ist. Und wie gesagt, die Mutter hat dann, der Agamemnon konnte dann in den Krieg ziehen, und wir wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist. Also Troja wurde erobert mit Hilfe des Trojanischen Pferdes, der listenreiche Odysseus hat sich diese List einfallen lassen, wie man Troja besiegen kann, indem man ein großes hölzernes Pferd hinstellt, und die haben das in die Stadt hineingebracht, und drinnen waren die Krieger versteckt, und dann haben sie von innen heraus Troja erobert.

Das ist die große Heldentat dabei, aber die tragische Seite ist eben, Iphigenie wurde geopfert und niemand wusste, dass sie eigentlich gerettet wurde von der Diana und dass sie dann zu ihrer Priesterin gemacht wurde. Das wusste niemand, zu der Zeit, der Agamemnon wusste es nicht. Und die Mutter hat eben diese Tötung, diese Opferung der Iphigenie für diesen blödsinnigen Krieg sozusagen einfach nicht verkraftet und hat mit Hilfe eines Liebhabers, den sie hatte, ihren Mann umgebracht, aus Rache.

Der Gedanke der Rache ist heute noch bei nicht so wenigen Menschen da, wenn mir jemand etwas Böses tut, dann muss ich es ihm vergelten und vielleicht sogar noch mit mehr, als er mir getan hat. Wenn man denkt an die Bibel, das berühmte Prinzip, das dort ausgesprochen wird, Auge um Auge, Zahn um Zahn – wo man halt sagt, das ist ja barbarisch irgendwo –, aber das war ein großer Fortschritt, ein großer Fortschritt, weil es war das erste Mal, dass gesagt wurde, ja, aber die Rache muss in einem Verhältnis stehen zu der Tat, die man rächt. Also wenn man dir ein Auge ausgestochen hat, dann hast du sozusagen das Recht, dem anderen auch ein Auge auszustechen.

Das ist für heutige Begriffe trotzdem noch sehr grausam, ist sicher nicht christlich, ist sicher nicht wirklich menschlich gedacht, wo ein Mensch aus der Freiheit heraus, aus der Liebe heraus, selbst des Feindes Begehren agiert – und das ist ja das, was das Christentum auszeichnet, was durch den Christus in die Welt gekommen ist als Prinzip –, dass man selbst die Feinde liebt. Das heißt nicht natürlich, dass man sie einfach walten lässt und sich zurückzieht und sagt, wenn sie alles verwüstet, ist es halt so, ich nehme es zur Kenntnis, sondern man hat schon sehr wohl die Pflicht, möchte ich sagen, sich zu wehren dagegen, aber trotzdem mit menschlichen Mitteln.

Mit menschlichen Mitteln, also das heißt, zu versuchen, die Gewalt auf das allernotwendigste Maß zu beschränken und vor allem nicht den anderen zu quälen, dass er dadurch Leid erfährt, zu foltern und so weiter, was heute noch in der Welt tätig ist und durchaus auch nicht nur in den diktatorischen Staaten, sondern auch von mehr oder weniger zivilisierten Staaten aus passiert.

Die Widersacher als Erzieher zur Freiheit: Luzifer und das Paradies 00:10:02

Wir leben noch, wir haben diese ganze Palette eigentlich seit der Urzeit immer noch irgendwo versteckt im Geschehen drinnen. Und das sind aber alles Dinge, die von den Widersacherkräften angestoßen sind. Der Mensch kommt nicht von selbst auf die Idee oder auf die Empfindung, das zu wollen. Das wird uns zwar gesagt, eigentlich von Anfang an gibt es ja nichts anderes, Kampf aller gegen alle und wer stärker ist, setzt sich durch. Das ist unsere heutige Perspektive aus dem Rückblick auf die ganze Menschheitsgeschichte. In der Praxis ist das vielfach passiert, aber es ist nicht aus freiem Entschluss entstanden, sondern es ist entstanden aus dem, dass eben diese Widersacherkräfte, also Luzifer zunächst einmal, der uns dazu ermuntert hat, so zu werden wie Gott, so steht es ja drinnen, ihr werdet das Gute und Böse erkennen und werdet gerade dadurch sein wie Gott.

Das war die Versuchung, die drinnen ist vom Anfang. Und damit war aber das Leben der Menschheit oder des Menschen, des Urmenschenpaares in einer paradiesischen geistigen Welt – das Paradies war niemals auf der Erde, nicht so, jedenfalls nicht wie wir uns es vorstellen als einen äußeren Garten, in dem wir leben, sondern es war eine höhere Welt, eine Welt, in der es nicht Tod gibt, auch nicht Geburt in Wahrheit, sondern wo es das Leben ewig wird und wo alles, was man dazu braucht, um das Leben zu erhalten, da ist. So ist es in gewisser Weise in der geistigen Welt. Nur wenn man dort verbleibt, bleibt man auch immer ein unfreies Wesen, das im Anblick der Gottheit, oder weitergegeben durch andere geistige Wesenheiten, den Willen Gottes erfüllt, eins zu eins.

Und das Interessante ist, dass eigentlich die Gottheit das nicht wollte, sondern sie wollte eine neue Art von geistigem Wesen. Wie gesagt, das haben die Engel nicht, die Erzengel nicht, die Urengel nicht, es haben nicht die höheren Hierarchien bis zu den Seraphim hinauf, die den unmittelbaren Anblick der Gottheit haben und gar nicht anders können, als diesem Willen der Gottheit zu folgen, so gut, als sie es eben vermögen. Sie können sagen, ja, aber ich stelle mir eigentlich anders vor die Welt. Wir können das sagen, ja, wir sollen es sogar sagen. Und wir sollen auch immer selber erkennen, ist das jetzt wirklich eine Verbesserung der Welt oder ist es eine Zerstörung, ein Abbau der Welt? Bringen wir Gutes hinein, bringen wir Böses hinein?

Und jeder Mensch in jeder Weltregion ist mit dieser Aufgabe konfrontiert, ob er will oder nicht. Aber er ist frei darin, wie er damit umgeht. Die Aufgabe springt uns immer wieder an.

Und eben diese Sache mit dem Orest, der seine Mutter ermordet hat aus Rache, war das, dass er das erste Mal – ist das in der Geschichte festgehalten –, es entsteht das Gewissen, weil ich aus mir selbst weiß, etwas Böses getan zu haben. Vorher war das Erlebnis ganz anders. Es war ein dramatisches, visionäres, geistiges Erlebnis. Man wurde verfolgt von den Erinnyen, von den Rachegeistern. Also wenn man einen Menschen getötet hat, dann haben einen diese Rachegeister, die Erinnyen – eigentlich weibliche Gestalten in gewisser Weise, aber mit Schlangenhaar und mit fürchterlichem Anblick –, verfolgt.

Der Schiller beschreibt es so schön in der Ballade von den Kranichen des Ibykus. Da ist es am Ende so, dass die Mörder dieses wunderbaren Sängers, der ihnen halt in die Quere gekommen ist, den sie überfallen haben und getötet haben, dass die sich selbst verraten, selbst eigentlich dadurch ausliefern der Justiz, wenn man so will, weil die Kraniche des Ibykus, die den Ibykus begleitet haben, die waren auch da, wie sie den Ibykus ermordet haben, und sie ziehen über dieses ganze Stadion, wo sich alles versammelt, wo man hören wollte diesen Sänger, und sie sehen die Kraniche des Ibykus und alle horchen auf – des Ibykus, der geliebte Künstler war –, was ist da los? Und dann sagen sie sofort, ja die, die wissen was, die haben was mit dem Mord zu tun. Sie verraten sich selbst, ohne es wirklich zu wollen, aber sie können gar nicht anders, als sich zu verraten.

Und es wird vorher schon geschildert, wie da im Inneren dieses Theaters sozusagen die Erinnyen einziehen. Es sind eigentlich übersinnliche Gestalten, es sind furchtbare Frauengestalten, düster gekleidet, riesengroß, und sie kommen im Rhythmus mit blutigen Augen und Quallen in den Händen, Schlangen in den Haaren. Ja, das war das Erlebnis, das Menschen hatten, wenn sie eine wirklich schreckliche Tat begangen haben. Also egal ob jetzt irgendein Richter war, ob sie jemand angeklagt hat oder was, sie haben jemand ermordet, und was innerlich aus dem inneren seelisch-geistigen Erleben aufstieg, waren diese Erinnyen, die die Menschen verfolgt haben, sodass damals wirklich viele sich selbst an die Justiz überliefert haben, um getötet zu werden, in der Hoffnung, dass es dann endlich los sind. Was natürlich eh nicht der Fall ist, weil man es nicht los wird dadurch. Aber es war das Leben für sie nicht mehr erträglich.

Und mit dem Orest ändert sich das, so wie es Euripides eben schildert, dass er niedergeschlagen jetzt am Marktplatz sitzt. Und sagt – ja, warum sitzt du da so traurig, fragt ihn jemand –, ja, weil ich aus mir selbst heraus weiß, eine böse Tat begangen zu haben, indem ich meine Mutter getötet habe, zwar aus Rache, aus eigentlich gerechtfertigter Rache im damaligen Sinn, aber trotzdem, es ist eine böse Tat und ich erkenne es. Das ist die Stimme des Gewissens.

Das Gewissen heute: Aus Freiheit erkennen, was gut und böse ist 00:16:47

Und wir stehen heute aber in einer Zeit, wo wir ja doch um einige Jahrhunderte, fast Jahrtausende weiter sind, dass ich dieses Wahrnehmen, wenn Sie so wollen, der moralischen Qualität einer Tat, einer Handlung, selbst dessen, wie ich spreche, ob ich einen Menschen verletze vielleicht durch mein Sprechen, ob ich mir daraus ein Gewissen mache, selbst mache, selbst erkenne, nicht einfach nur deswegen, weil ich folge einer Regel, die irgendwo steht, weil es im Gesetz steht oder weil es in der Kirche gesagt wird, weil es in der Heiligen Schrift steht, sondern dass ich aus mir selbst erkenne, in jeder Situation des Lebens, was ist das Gute, was ist das Böse, was kann ich tun mit meinen Fähigkeiten, was soll ich tun und was sollte ich lieber nicht tun.

Und wir sind noch nicht, lange noch nicht, am Ende dieses Weges, wir stehen gerade mittendrin. Aber warum diese Frage mit dem Rätsel des Bösen für uns so wichtig ist, weil jetzt die Zeit ist, das aus der Freiheit heraus zu erkennen, jetzt das zu beginnen, ganz bewusst. Das heißt nicht immer sich zu geißeln und mea culpa, mea culpa, das ist ja ganz nett, um sich zu erinnern dran, aber das führt uns noch nicht weiter in Wahrheit. Es geht nicht darum, dass wir uns geißeln und bestrafen, sondern dass wir einen Weg finden, der ein Ausgleich ist für diese Sache.

Ein Gedanke, der ja im Grunde auch der Reinkarnationslehre, der Wiedergeburtslehre innewohnt, auf andere Art: Nicht bewusst, sondern da kommt halt das Schicksal, dann schlägt es dich, weil du in einem früheren Leben etwas verbrochen hast, es holt dich ein. Die Frage ist nur, wer ist denn das Wesen, das uns dorthin führt, wenn wir es jetzt im Sinne der Reinkarnation deuten. Wir selber sind es in Wahrheit, aber nicht ohne Hilfe, sondern lange Zeit, bis in unsere Tage hinein, begleiten uns ja höhere geistige Wesenheiten in Wahrheit.

Also auch wenn wir hier scheinbar allein und verlassen auf der Erde stehen, erstens begleiten uns andere Menschen, aber es begleitet uns auch eine Wesenheit, die man früher als Schutzengel bezeichnet hat, als den Engel, der uns begleitet, der aber nichts anderes ist, als dass er uns hilft, bewusst zu werden dessen, was wir im Guten tun können, um ein Böses auszugleichen. Der uns auch errettet von manchen Dingen, indem man es wach werden lässt in einer Sekunde, da kommt ein Auto, ich habe es gar nicht gesehen, aber doch, ich zucke weg und entkomme dem Ganzen. Oder es passiert mir anders.

Und Rudolf Steiner schildert ja so schön manchmal, wie man sich so bildhaft vorstellen kann, wie das Schicksal funktioniert. Also da gehe ich die Straße entlang, da sind die Häuser, aber ich bin auch ein zweiter Mensch, nämlich mein höherer, mein geistiger Mensch. Der läuft schnell voraus, klettert auf das Haus hinauf, wo ich vorbeigehen werde, zwei Minuten später, und lockert dort einen Dachziegel und lockert ihn so geschickt, dass er genau dann, wenn ich als der Erdenmensch unten vorbeigehe, mir genau dieser Ziegel auf den Kopf fällt und ich vielleicht tot bin. So funktioniert das Karma, als Bild. Wir selber sind es, niemand anderes. Es ist nicht der liebe Gott, der uns straft, es ist kein höherer Engel, der uns straft, es sind nicht die Widersacher, die uns strafen, sondern wir selber führen uns in eine Situation, die einen gewissen Anstoß gibt, das, was wir falsch gemacht haben in der Vergangenheit, gut zu machen. Also zum Beispiel auch einmal zu erleben, wie das ist, wenn man plötzlich aus dem Leben herausgerissen wird, weil ich vielleicht in einer früheren Zeit das bei einem anderen Menschen gemacht habe.

Also dass wir lernen, an uns selbst diese Erfahrungen zu machen und jetzt eine richtige Wahl zu treffen. Das ist das Große. Und damit wir aber überhaupt immer in diese Situation kommen, aus der wir lernen können, muss es in gewisser Weise die Widersacher geben. Weil wenn wir wirklich einfach dem göttlichen Willen folgen würden, wenn wir im Paradies schon diesem Willen gefolgt wären, hätten wir diese ganzen Probleme nicht. Aber wir hätten auch nicht die Chance, das Gute und das Böse zu erkennen. Wir würden uns leiten lassen und würden nie zur eigenen Ich-Kraft finden, aus uns heraus schöpferisch zu sagen, ich gehe meinen Weg.

Und das Gute lässt sich in tausendfältiger Form verwirklichen. Es kann nicht so sein, dass ein höherer Engel, der als Bote Gottes kommt, sagt, du musst jetzt das machen. In der Vergangenheit war das sehr wohl so, dass die Menschen Eingebungen hatten von oben, was sie machen sollen. Da war also diese Entwicklung noch nicht so weit. Wir kommen jetzt immer mehr in die Entwicklung hinein, dass wir ganz bewusst entscheiden können. Und das ist zwar ein sicher nicht wenig anstrengender Weg, aber es ist ein Weg, der uns ganz zu uns selber führt. Es ist ein Weg, der natürlich auch erfordert, dass wir Mut haben, den Mut haben nämlich, zu uns selbst zu stehen. Und zu wissen aber, dass es Gott gewollt ist, dass es der Christus ist, der Christus in uns, gerade die Kraft ist, die uns unterstützt dabei.

Apokalypse als Enthüllung: Schöpferische Kraft im Kleinen 00:29:54

Und aus Freiheit heraus eben auch Schlimmes zu erdulden vielleicht, um anderen Menschen zu helfen. Also es geht dann sogar so weit, dass ich nicht nur einen Ausgleich suche für Dinge, die ich in der Vergangenheit falsch gemacht habe, wo ich Menschen Leid zugefügt habe, und dann kommt das Karma, das Schicksal und schlägt mich in gleichem Maße. Nein, sondern wo ich vielleicht sogar ein Leid, eine Erschwernis auf mich nehme, weil ich jemand anderem helfen will. Es bringt mir sozusagen äußerlich gar nichts. Ich habe nicht einmal äußere Schuld abzutragen, aber ich habe die Kraft, einem anderen Menschen zu helfen. Auch wenn es vielleicht viel Kraft erfordert. Das ist die Zukunftsperspektive.

Und da wirken in gewisser Weise die Widersacherkräfte, die uns immer wieder anstacheln, immer wieder uns das Problem servieren in gewisser Weise. Wir brauchen diesen Anschubser irgendwo, um da weiterzukommen.

Und die eine Seite haben wir schon genannt, das ist die luziferische Seite. Das ist schon mit dem Fall aus dem Paradies verbunden. In den Weihnachtsspielen, im Paradiesspiel, wird das so schön geschildert, wie am Ende aber Gott selbst sagt, wie es Adam worden so reich, einem Gode ist er worden gleich, weil er das Gute und das Böse weiß. Und das kommt deutlich durch in dieser volkstümlichen Aussprache, dass Gott damit einverstanden ist. Der Satan wird eh rausgeschmissen dann, oder der Luzifer in dem Fall, aus dem Paradies auch. Und wir werden auch hinausgeworfen. Ja, wir sind nicht mehr in dieser heilen Welt, wo wir einfach entgegennehmen und versuchen es umzusetzen, sondern wir stehen da und müssen uns unseren Weg selbst suchen.

Und es wird in gewisser Weise immer schwieriger, aber auch unsere Fähigkeiten wachsen immer mehr damit umzugehen. Und es funktioniert aber tatsächlich, auch in der Menschheitsgeschichte kann man das sehen, nicht mehr, dass ein soziales Zusammenleben einfach irgendwo von oben geleitet wird, gelenkt wird, und man sagt, die machen das so gut, dass alles funktioniert. Wenn nicht jeder einzelne Mensch mitspielt dabei und aus eigenem nach einem guten sozialen Verhältnis zu den anderen Menschen sucht.

Das heißt nicht, dass man mit allen liebkind sein muss. Es kann gut manchmal sein, wenn man eine Ohrfeige gibt, sagt, hör endlich einmal mit dem Blödsinn auf, du reitest dich ja selber hinein, du gehst den falschen Weg – ich meine das jetzt eher bildlich gesprochen. Also das heißt nicht immer nur lieb und nett zu sein, gar nicht. Man kann vielleicht einmal ganz energisch sagen, so geht es nicht, das will ich nicht, dass das in der Welt ist. Und das sage ich auch deutlich, ich dulde es nicht nur still und sage mir, um Gottes Willen, was passiert, sondern ich wage es auch ganz deutlich, öffentlich vielleicht zu sagen. Das passiert ja vielfach oft, oft Dissidenten oder wo die sich hinstellen, ihr Leben sogar opfern im Grunde, um zu sagen, nein, da läuft etwas schief, das ist nicht gut, das ist nicht gut, weil es gibt genug Menschen, die sagen, das Gute kann nur sein, wenn ein großer Führer im Grunde da ist, der genau weiß, wie er uns lenken soll, dann funktioniert alles.

Also das war nicht nur in der Nazizeit so, das haben wir jetzt auch an mehreren Orten in der Welt, wo das besonders stark ist. Und im kleineren Maßstab finden wir es praktisch überall, wo irgendwer weiß, was das Heil der Welt ist, und wenn die anderen das nicht auch alle geschlossen einsehen, dann muss man was unternehmen, weil das sind dann die Bösen. Und diese Spaltung in der Welt haben wir in letzter Zeit öfter erlebt und werden es immer mehr erleben. Denken Sie nur, was in der Corona-Krise war. Wer sind die Guten, wer sind die Bösen? Keiner hat recht. Keiner hat recht, wenn es einseitig ist. Es ist nicht Ja und Nein. Es ist immer etwas, was in der Situation schöpferisch gefunden werden muss, eine schöpferische Antwort im Grunde. Es gibt keine fertigen Antworten.

Natürlich, es gibt die zehn Gebote in der Bibel und die sind richtig, aber damit man sie wirklich anwenden kann, muss man selber etwas dazu beitragen. Man muss wissen, wie setze ich denn das um? Nur nichts zu tun, um keinen Fehler zu machen, ist zu wenig. Das ist vielleicht der größte Fehler. Wenn wir nicht den Mut aufbringen, uns hinzustellen und zu sagen, ich versuche es wenigstens. Ich mache mir selbst ein Gewissen aus der Sache.

Selbst ein Gewissen machen, das ist in gewisser Weise noch eine höhere Stufe als das, was der Orest erreicht hat. So wirklich selbst es zu überschauen, was kann ich tun, welche Fähigkeiten habe ich und wie kann ich sie einsetzen in der Welt. Das heißt nicht, dass man das Helfersyndrom kriegt und überall hinläuft, wo kann ich bitte was tun, sondern zu erkennen in einer Situation, da kann ich eingreifen. Intuitiv, da ist Intuition drinnen. Das hat nichts mit intellektuellem Wissen zu tun, das hat nichts zu tun, dass man weiß Gott wie viele Bücher studiert hat, in denen steht, wie man es vielleicht machen sollte, sondern es ist die eigene Entscheidung. Es ist der Weg zur Freiheit hin. Der ist dornig, aber der führt uns auf eine viel, viel höhere Stufe, als wir sie sonst erreichen könnten.

Damit wir nicht schläfrig werden – das wird ja dann das Thema sein –, dass wir aufwachen, geistig nämlich aufwachen, und das bezieht sich insbesondere natürlich auch darauf, die Widersacher zu erkennen und es zu wagen, ihnen bildlich gesprochen ins Gesicht zu sehen. Den Kopf einzuziehen und zu sagen, wird fürchterlich, sondern zu sagen, ich will sehen.

So als Randbemerkung sage ich Ihnen, wir sprechen immer wieder, gerade jetzt auch in unserer Zeit, von apokalyptischen Zeiten. Der Ausdruck ist sehr geläufig, ich habe gar nichts gegen den Ausdruck, aber alle sagen immer, Katastrophe, Weltuntergang, es wird schrecklich, es wird fürchterlich, wie entkommen wir dem? Apokalypsis Jesu Christus, die ersten drei Worte der Apokalypse, und das heißt nichts anderes als Enthüllung des Wesens Jesu Christi. Enthüllung, das heißt wirklich erleben, ganz konkret erleben den Christus. Als natürlich nicht jetzt auf Erden verkörpertes Wesen, aber als geistiges Wesen, das mit uns ganz eng verbunden ist, das uns unterstützt, aber nicht uns etwas befiehlt, sondern uns etwas nahe legt, nämlich schenkt in Wahrheit den Menschen, den Mitmenschen Liebe.

Das klingt wieder vielleicht sehr banal, das Wort Liebe ist sehr abgebraucht, und viele, die sich den Frieden wünschen, sagen ja Liebe, Liebe, Liebe, aber das kann ich noch so oft wiederholen, das alleine wird es nicht ändern, sondern ich muss an mir arbeiten, ich muss an mir arbeiten, eine Kraft entwickeln in mir. Und das ist eine schöpferische geistige Kraft, die ich in mir entwickle, indem ich aus mir heraus schöpferisch Wege schaffe, die Welt zum Guten zu verändern, im ganz Kleinen.

Das kann ein gutes, wirksames Wort sein, das ich einem anderen Menschen sage, vielleicht gar nicht mehr. Ein liebes Wort in einer entscheidenden Situation, die für den vielleicht das Leben ihm zeigt, wo es für ihn weitergeht, wo er in seiner Verzweiflung drinnen war, ohne dass ich ihm jetzt predige, wie er gehen muss, gar nicht. Aber es ist oft ein einziges Wort, ein liebes Wort. Oder auch vielleicht sogar noch weniger: einem Menschen, der verzweifelt ist, zuzuhören. Einfach zuzuhören, ein offenes Ohr, nicht so dasitzen und bitte, ich höre ein, das zieht durch, sondern wo ich wirklich bereit bin, einzutauchen in das, was er mir erzählt. Und er findet die Lösung selber dann, weil er es ausspricht einem offenen Ohr gegenüber.

Das sind so, und das sind im Kleinen, nicht immer hochdramatische Dinge. Wir brauchen nicht zu glauben, dass es immer um die großen Dinge geht. Wir schauen immer auf die ganz großen Katastrophen, aber die großen Katastrophen entstehen dadurch, dass die kleinen Aufgaben nicht bewältigt werden, die Menschen mit ihnen nicht fertig werden. Wir werden keinen Frieden in der Welt bekommen, der von oben verordnet ist. Im Gegenteil, die Mächte von oben provozieren eigentlich immer wieder kriegerische Situationen, Auseinandersetzungen, weil es da immer im Grunde um die Macht geht, egal was sie reden dabei. Und da entsteht immer Leid daraus und das kompliziert in der Regel die Situation. Friede entsteht dann vielleicht nur, wenn es zu viele Kriege erschöpft sind und niemand mehr kann, aber das ist kein wirklicher Weg zum Frieden hin, das ist eine Erschöpfungspause.

Und das sehen wir in der Welt eigentlich. Und wir haben auch immer mehr Mittel, zerstörerisch zu wirken, Leid zu erzeugen auf verschiedensten Weisen. Wir werden da auch immer raffinierter. Wer tut das? Nicht nur wir alleine, sondern da haben wir eben die Hilfe, die tatkräftige Hilfe von gewissen Widersacherwesenheiten. Also der Luzifer, der uns zeigt, wodurch wir uns größer, besser, schöner fühlen – wir sind die Schönsten, die Besten, die Stärksten. Und dann der Ahriman, der das Ganze, der dunkle, der finstere Geist, der uns zeigt, wie uns der Intellekt zeigt. Ja, es müssen Entscheidungen getroffen werden, sie sind bittere Entscheidungen, es werden viele Menschen zugrunde gehen dadurch, aber wir müssen das machen. Eine Lösung wird es nicht bringen. Es wird keine wirkliche Lösung bringen. Die Lösung wird man finden, wenn man von Mensch zu Mensch Kontakt findet und den anderen Menschen versteht.

Wenn Sie jetzt gehen in Palästina, seit Ewigkeiten gibt es dort Schwierigkeiten. Es gab es im Alten Testament, lesen Sie das Alte Testament. Es gibt Passagen, die entsetzlich sind. Da geht es eigentlich dauernd um versuchten Völkermord und vielleicht sogar wirklich gelungenen Völkermord. Es ist Kampf gegeneinander, ganz stark. Und es ist wirklich fast das, was der Darwin gesagt hat, Kampf ums Dasein. Da ist vieles drinnen. Das spiegelt aber schon etwas wider, was als Aufgabe da ist. Es ist natürlich nicht dort geschildert, weil es so besonders nachahmungswürdig ist, sondern es ist einfach eine Bestandsaufnahme der Situation, wie es in der Menschheit in der Vergangenheit ausgeschaut hat.

Ich weiß nicht, ob es wirklich so viel besser geworden ist. Wir sind etwas zivilisierter geworden. Wir gehen nicht gleich mit dem Schwert hinaus in die Welt, sondern wir haben andere, subtilere Wege erfunden. Die sind aber deswegen auch nicht besser. Aber das alles ist ein Weg, der zu uns dort hinzubringen – unsere eigentliche Kraft, die uns geschenkt ist. Die Freiheit in unserem Ich. Die Freiheit in unserem geistigen Sein. Dass wir sie entwickeln können. Sie wird uns nicht fertig geschenkt, aber sie wird uns ermöglicht, der Weg dorthin.

Und wenn wir das entwickeln, dann werden wir wirklich Herr über uns selbst. Und daran besteht zunächst einmal die Freiheit. Der Schiller sagt es so schön, der Mensch ist frei, und wenn er in Ketten läge, an dem liegt es. Ich kann eingekerkert sein, und ich kann trotzdem frei sein. Im Inneren frei sein. Geistig frei sein. Und kann widerstehen, selbst dort. Selbst wenn das eigene Leben geopfert wird. Es ist was Hohes, und es gilt es zu erhalten mit allem was man tun kann, aber wenn es die Situation fordert, ist man vielleicht auch bereit, das eigene Leben zu opfern. Das passiert ja auch im Leben. Eine Mutter opfert ihr Leben für ihr Kind. Der Kinderwagen rollt auf die Fahrbahn. Sie stellt es noch hinaus und wird vom Auto überfahren. Und das Kind kommt davon. Nur als Beispiel. Es geht nicht darum, dass sie jetzt stirbt, sondern dass sie bereit ist, ihr Leben einzusetzen.

Und das muss natürlich nicht immer so dramatisch ablaufen. Viel wichtiger, weil viel verbreiteter ist es im Kleinen, sich einzusetzen. Nicht vorbeizugehen an den Nöten der anderen Menschen. Das heißt nicht, dass man alle beglücken muss. Aber wenn es die Situation gibt – das ist in der Regel auch eine Situation, die sich aus früheren Erdenleben ergibt –, dass zwei Menschen zusammenkommen und dass wir ihn kennen, den Menschen, in gewisser Weise. Ich will gar nicht sagen, dass wir ihm etwas schuldig sein müssen. Das ist nämlich so, dass Karma heute nicht mehr nur darauf beruht, wir haben eine Schuld abzutragen. Es ist eigentlich mehr. Wir können dem anderen was geben, ohne dass wir ihm was schuldig sind. An geistiger Kraft, an Seelenkraft, an einem guten Wort, einem ganz präzisen guten Wort im richtigen Moment.

Das heißt, etwas zu tun, was ähnlich dem ist, wie große Eingeweihte mit ihren Schülern umgehen. Weil wir das eigentlich alle werden sollten. Wenn wir die ganze Menschheitsentwicklung einmal weiter fortgeschritten sind darin, dann sollten wir alle eigentlich zu solchen Eingeweihten werden, die wissend sind bezüglich dessen, was das Gute, was das Böse ist, und über welche Kraft sie selber verfügen. Wir sollten es aus uns selber erkennen können. Das ist dieses Aufwachen. Und das ist eigentlich das, was in unserer Zeit begonnen hat.

Kali-Yuga und das neue Zeitalter der geistigen Wahrnehmung 00:39:28

Rudolf Steiner spricht davon, dass bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein finsteres Zeitalter gewaltet hat. Das hat schon begonnen kurz vor Beginn der ägyptischen Kulturepoche. Wir kommen also in weite Vergangenheiten zurück. Und die Inder kennen das auch, er hat von dort auch den Begriff übernommen, den Namen, die Bezeichnung, das Kali-Yuga, das Zeitalter der Kali. Die Kali war die finstere Göttin des Todes im Grunde, des Bösen überhaupt. Also weiblich in dem Fall sogar. Weil es mit dunklen Seelenkräften zu tun hatte und das Weibliche oft mit den Seelenkräften in Verbindung gebracht wird, wo die Frage ist, ob da Liebe drinnen herrschen kann im Seelischen oder das Gegenteil davon.

Und dieses Kali-Yuga hat bewirkt, dass die Menschen stärker irdisch geworden sind, als ursprünglich vorgesehen waren. Das heißt, wo sie den Einblick in das Geistige verloren haben. So etwas wie in der griechisch-lateinischen Zeit, was ich Ihnen geschildert habe mit den Erinnyen, sind noch Reste von dem, was aus der Vergangenheit da war. Also man kann sagen, dass schon die Griechen – und es sind auch nicht nur mehr die Dichter, die das wirklich so stark schildern –, natürlich auch manche Menschen haben das noch erlebt, aber das ist so ganz Reste von dem, was früher viel stärker war. Wir haben die negativen Gestalten, aber auch die positiven geistigen Gestalten gesehen, erlebt, gesehen jetzt im übertragenen Sinn, nicht mit äußeren sinnlichen Augen, aber mit unserer Seele haben wir sie gesehen. Dort haben wir sie erlebt.

Und als Mensch, der wirklich frei sein will, frei sein will mit den Widersachern umzugehen, sollte auch dorthin kommen, sie wirklich sehen, erkennen zu können. Das heißt, zu spüren, wo ist etwas Luziferisches drinnen. In vielen esoterischen Strömungen ist viel Luziferisches drinnen. Es wird viel von Liebe, von Licht und von Göttlichem und von viel Glanz gesprochen, und es ist natürlich schön und es ist angenehmer, als jetzt vom düsteren Ahriman zu sprechen, wo Tod und Verzweiflung das Hauptthema ist, aber es ist, wenn man es nicht selber ergreift und umsetzen kann, sondern sich nur erfreut an dem Bild und glaubt, nur das wird mich schon stärken, dass es eh das Gute macht, dann wird man sich täuschen.

Das ist nämlich auch eine Einflüsterung der Widersacher, dass sie uns sagen, ja, das ist ja wunderschön eigentlich alles. Aber es ist erst wunderschön, wenn wir unsere Aufgabe bewältigt haben. Aber es ist auch nicht so schrecklich, wie es uns das andere Gegenbild zeigt, wenn du das nicht tust, dann wird der Weltuntergang kommen und weiß Gott was. Sondern wo wir wirklich abwägen können, was in der Welt geschehen kann, geschehen soll, mitgeschehen soll durch uns.

Das Schicksal der Menschheit liegt damit primär einmal in unserer Hand. Wir haben viel Hilfe, wenn wir bereit sind, sie anzunehmen und uns hinzuwenden, aber wissend uns hinzuwenden. Und dazu wird es in der Zukunft nicht reichen, einfach zu sagen, ja, bitte lieber Gott hilf mir, wenn ich schon gar nicht mehr weiter weiß. Dann fällt mir der liebe Gott ein, der helfen sollte. Was jetzt gefordert ist, dass wir langsam, langsam lernen, selber Mitwirkende zu werden, und zwar mit unseren eigenen kreativen Einfällen, sag ich einmal, wie man die Welt verbessern kann. Wir können das. Das liegt in der Schöpfung der Menschheit drinnen. Darum ist der Christus Mensch geworden. Damit der Mensch etwas, wenn es nur so klein ist, von dem göttlichen Funken in sich zum Leuchten bringen kann.

Und dieser Funke heißt aber nicht, ein lieber Gott flüstert einem etwas ein, sondern ich erschaffe etwas aus dem Nichts heraus. Aus dem Nichts. Ich schlage in kein Handbuch nach, sondern es ist ein intuitives Erfassen, was ich mit meinen Fähigkeiten bewirken kann an Gutem in der Welt. Wie ich etwas von mir sozusagen verschenken kann dadurch an die Welt. Weil wenn ich etwas Schöpferisches aus dem Geist heraus fasse, verschenke ich etwas von mir. Ich verschenke, wenn ich Liebe zum Beispiel entwickle, sicher nicht nur ein erhabenes Gefühl. Das ist die Grundlage. Aber es ist noch viel mehr. Ich verschenke etwas, was auch der Christus so stark verschenkt hat, aber in natürlich kleinerem Maßstab. Ich verschenke Lebenskraft. Ich muss nicht gleich so weit gehen, dass ich Tote erwecken kann, aber wo doch allein das Wort, das ich spreche, heilsam ist. Für den anderen Menschen, für eine Menschengemeinschaft.

Und es sind immer wieder, trotzdem in der Menschheitsgeschichte auch in den jüngeren Zeiten, Menschen aufgetreten, die in ihren Worten, in ihrer Sprache etwas von dieser Kraft in die Welt gesetzt haben. Und dadurch einen Impuls gegeben haben, der doch etwas verändert hat. Wenn Sie nur denken, Martin Luther King zum Beispiel. Seine Reden, seine Sprache, da ist etwas von der Kraft drinnen, die andere Menschen ermutigt, erkraftet, die Situation zu ändern. Und ein bisschen was hat sich geändert an der Situation. Natürlich ist es noch nicht das Ende, es ist ein kleiner Schritt, aber in jedem von uns steckt so etwas drinnen. In jedem von uns. Es sind nicht nur die Menschen, die in höchsten Positionen sind oder die jetzt ausersehen von irgendwem sind, sondern das, was wir entwickeln. Und aus dem können wir tätig werden.

Das heißt, wir haben diese Wirkungen der Widersacherkräfte, und die dunkle Seite davon ist, sie werden stärker werden. Wir stehen jetzt in einem Zeitalter drinnen, in dem diese Widersacherkräfte so stark werden in der Zukunft. Unsere Kulturepoche geht noch eine ganz schöne Weile, da ist noch viel Gelegenheit drin, dass wir so stark werden, ihnen Parole zu bieten. Und dann kann sich das abschwächen. Einen anderen Weg wird es nicht geben. Das ist die schwierige Seite der Botschaft drinnen, aber die andere Seite ist, dass wir es können.

Die Vollmacht des Ich: Ahriman, Angst und das Martyrium im dritten Mysterientrama 00:46:55

Es gibt eine wunderbare Übersetzung von Emil Bock in der Apokalypse, betrifft eh die Gemeinde von Thyatira, das ist das alte Griechenland, diese Kulturepoche. Und da wird gesagt vom Menschen, dass er die gleiche Vollmacht, das Ich, so sagt es der Christus, die gleiche Vollmacht, das Ich, erlangen soll, die ich von meinem Vater bekommen habe. Das heißt, die göttliche Kraft unmittelbar soll in uns erweckt werden. Die gleiche Vollmacht, das Ich. Das ist das, was uns Menschen auszeichnet.

Und eben noch einmal zur Betonung, die geistigen Hierarchien, die über uns stehen – an die heute die meisten Menschen ja gar nicht mehr glauben oder die sie gar nicht mehr kennen –, und wenn wir es auch gelehrt aufzählen können, haben wir damit auch noch nicht sehr viel gemacht. Erst interessant wird es, wenn wir sie wirklich erleben, erfahren können, im Sinnlichen das Übersinnliche mitzuschauen, wie es Der Goethe in Ansätzen gefunden hat, indem er zum Beispiel die geistigen Kräfte in Wahrheit erlebt hat, die die Pflanzen zum Wachsen bringen, die wirken in ihnen drinnen. Oder auch welche Seelenkräfte in den Farben leben zum Beispiel drinnen. Also wo er spricht vom übersinnlichen Schauen eigentlich, vom sinnlich-sittlichen Erleben der Welt, so drückt er das aus, das sinnlich-sittliche Erleben der Welt. Das heißt, wo alles, was ich beobachte auch mit den Sinnen draußen – und er war nicht im eigentlichen Sinn hellsichtig, der Goethe –, aber er hat im Sinnlichen gesehen, was dahinter steckt, eine seelische, eine geistige Kraft. Das hat er erlebt. Dann wäre er nie auf die Idee gekommen, die Pflanzen, das sind diese oder jene Biomoleküle, die irgendwie zusammengewürfelt sind, da ist die Erbanlage drinnen, aus dem entwickelt sich das. Das wäre eine viel zu banale Erklärung gewesen. Sondern da ist eine starke geistige Kraft, die die Materie erfasst und ihrer höheren Bestimmung zuführt, in gewisser Weise.

Wobei selbst das Mineralische auch darin geistiges hat, auch in jedem einzelnen Kristall, der sich bildet auf Erden, ist etwas Einzigartiges drinnen, ist eine geistige, eine Lebenskraft, eine gestaltende Lebenskraft drinnen. Der Kristall selber, wenn er fertig ist, lebt nicht mehr. Es ist die Lebenskraft, der Ätherleib, wie es Rudolf Steiner nennt, nicht in ihm. Aber im Prozess der Bildung der mineralischen Welt. Und die mineralische Welt bietet die Grundlage unseres Erdendaseins hier. Was täte man, wenn man das mineralisch-Stoffliche nicht hätte auf Erden? Also wir könnten es gar nicht. Aber da ist ein Lebensprozess auch drinnen. Und so ist in allem Leben drinnen.

Der Weg auf die Erde ist eben der, der aus einem höheren, schöpferischen, geistigen kommt, aus diesem Impuls ein seelisches aus dem Nichts erschafft, seelische Kräfte, Sympathiekräfte, Antipathiekräfte, wenn man es jetzt grob nimmt, aber differenziert in unendlich viele Facetten und Variationen drinnen. Aber irgendwo ist es einmal aus dem Nichts entstanden. Das gab es nicht immer. Das Einzige, was es gibt, das geistig-Schöpferische, diese Kraft, gibt es immer. Und die ist in unserem Ich drinnen. Die liegt dort drinnen. Und auch das sagt Rudolf Steiner so richtig an vielen Stellen, das Ich hat es immer gegeben und wird es immer geben. Es ist Ewigkeit. Ewigkeit dadurch, dass es sich ewig selbst schafft. Das ist das, was jedes Wesen hat, das über eine Ich-Kraft verfügt. Die Frage ist, ob er diese Kraft in Freiheit führen kann.

Auch die höchsten Hierarchien haben diese Kraft natürlich in sich. Und auch durch ihr Ich sind sie von Ewigkeit zu Ewigkeit vorhanden. Unzerstörbar, sind die eigentliche Grundlage der Welt in Wahrheit. Wir denken nur heute immer, wenn ich es angreifen kann, dann glaube ich es. Dabei ist das das Unwirklichste, in gewisser Weise.

Das heißt nicht, dass es unwichtig ist. Es zeigt ja deutlich, dass wir uns inkarnieren sollen auf Erden und gerade hier unsere Lektion lernen. Aber um immer mehr auch das Geistige, das den Hintergrund bildet, erkannt, ergriffen wird und weitergeführt wird in eine neue Zukunft. Und das soll uns lehren in gewisser Weise, die Auseinandersetzung mit den Widersachern.

Also es sind eben vor allem die zwei, Luzifer und Ahriman, die da stehen. Und die, wie es Rudolf Steiner öfters genannt hat, die zu ihrer Aufgabe abkommandiert wurden. In der Bibel steht das nicht so direkt drinnen, aber es stimmt. Sie sind nicht freiwillig zu dem geworden. Aus Hochmut heraus. Ja, natürlich entwickelt sich der in ihnen drinnen, aber das ist etwas, was von der Gottheit bestimmt wurde zunächst einmal. Sie sind also zu ihrer Aufgabe bestimmt worden. Sie haben keine Chance gehabt, Nein zu sagen. Nein, das will ich nicht. Sondern sie sind zu dieser Aufgabe bestimmt worden. Und es ist eine schwere Aufgabe. Und in Wahrheit leiden sie darunter.

Das ist das, was du am Anfang in der Begrüßung schon gesagt hast. Ja, insbesondere der finstere Geist, der Ahriman. Also dieser Ahriman, dieser Name kommt aus der urpersischen Zeit, also aus der uralten persischen Kultur heraus. Da war die Rede von Ormuzd und Ahriman, der lichte Geist, Ormuzd, und der finstere Geist. Der Ahriman wurde so genannt, weil in dieser urpersischen Zeit die Menschen erstmals ansatzweise die irdische, äußere, sinnliche Welt als bloß sinnliche Welt erleben konnten. Bis dahin war für alle Menschen klar, dass zwar langsam das Sinnliche auch da ist, aber sie haben immer mitgesehen ein Höheres, ein Geistiges, ein Seelisches, das dahinter wirkt, bis ins Mineralische. Dann sind es eben Elementarwesen, die drinnen sind. So etwas, was Kinder oft noch sehen können. Also wenn sie in der Natur aufwachsen oder irgendwo und dann den Eltern das erzählen und die sagen, ja, ist schon gut. Und wir glauben es gar nicht. Es ist öfter, als man denkt. Ich meine, heute ist es schon schwieriger, weil die Natur im Rückzug ist, weil wir alles überfluten mit unserem Beton und Asphalt und so weiter, wo sich das zurückzieht. Es wird also schwieriger. Ist aber auch ein Teil dessen, dass wir halt mehr Kraft aufbringen müssen, um uns dem wieder nähern zu können.

Und selbst wir Erwachsene könnten es, wenn wir nur wollten. Wenn wir die Welt draußen anders betrachten. Wir müssen nicht gleich große Hellseher werden – das mag ich das Wort gar nicht so, weil das so missverstanden wird. Aber die Sinneswelt ergreifen mit Liebe, mit Interesse. Liebe und Interesse hängen auch sehr stark zusammen. Interesse, dazwischen sein, drinnen sein, wollen in den Dingen sich verbinden damit. Etwas erleben. Einfach einmal mit dem Sinnlichen etwas zu spüren. Nicht nur, ja, es ist grün und der Wind bewegt die Blätter, das war es schon. Nein, sondern dieses spezielle Grün, auf das das Licht, so wie es gerade jetzt hier und da drauf fällt, was erzeugt es? Das erzeugt eine Stimmung in mir, wenn ich offen bin. Man kann sagen, das ist subjektiv. Hat sicher subjektive Seiten auch, aber es lebt auch ein objektives Empfinden drinnen, wenn man offen ist dafür. Man kann etwas wahrnehmen.

Man kann es insbesondere wahrnehmen, da ist es sogar in gewisser Weise noch leichter, bei anderen Menschen. Wenn ich nicht nur auf seine Worte höre, was er mir sagt, und sage, das gefällt mir nicht, was er sagt, sondern wenn ich tiefer hinein höre, wie er die Stimme moduliert, wie er das ausspricht. Da liegt sehr viel von dem drinnen, was ihn wirklich innerlich bewegt. Es sind oft die Worte äußerlich nur ein müder Abglanz von dem, was wirklich in einem Menschen lebt.

Und wenn man nur manchmal merkt, an Betonungen oder so, die drinnen sind, und mit welcher Intensität er in die Sprache hineingeht – das wird, wenn wir uns nicht anstrengen, bald verloren gehen, weil wir in einer sehr arimanisierten Sprachwelt leben heute, die immer abstrakter wird, keine Emotionen zeigt. Logisch richtig muss es sein, soll es ja auch, ist ja was Gutes. Aber wenn es nur logisch richtig ist, ist es tot. Dann ist es tot, dann lebt nichts drinnen. Das heißt, dann erfahre ich nur etwas vom Toten in dem anderen Menschen. Vom Berechenbaren vielleicht.

Denn wir sind heute so Fanatiker des Berechenbaren. Die Zukunft vorher berechnen am besten. Das ist es, was Ahriman will und kann. Und manche glauben, wenn wir das genug berechnen können, dann haben wir die beste aller Welten geschaffen. Wird nicht der Fall sein. Es geht darum, die Welt immer wieder umzuschaffen, in Bewegung zu halten. Und es gibt eigentlich nicht die beste Welt, sondern die Welt, die ständiger Veränderung und Entwicklung ist. Und dann sogar einen Metamorphosesprung in noch was Höheres macht. Wenn wir als Menschheit wach genug sind, lernen aus der Auseinandersetzung mit den Widersachern, dann wird einmal eine neue Welt entstehen, die ganz anders ist als unsere, die eine Stufe höher ist. Wo Rudolf Steiner sagt, da wird die Liebe das Naturgesetz sein, wenn alles gut läuft. Es ist nicht gesichert, dass es so kommt. Die Liebe. Bis ins kleinste Detail, bis in die Grundlage dieser Welt wird das wirken.

[Zwischenruf, Gerät]

Kein Problem. Der Ahriman meldet sich. Er ruft auch zwischendurch. Mit dem müssen wir umgehen. Da müssen wir lächeln. Er hat jetzt nämlich langsam schon Angst, dass was passiert. Das wollte ich ja noch deutlicher sagen. Tatsächlich, Ahriman wird ja auch sehr mit Angst verbunden. Also man fürchtet sich gerade vor dem, es ist immer wieder viel in anthroposophischen Kreisen, die reden davon. Ahriman wird sich verkörpern, oder ist es vielleicht schon. Also er wird auch Mensch werden. Offenbar sehr interessant. Alle wollen Mensch werden. Der Christus ist Mensch geworden, er wusste, warum er es ist. Der Luzifer war verkörpert in der Vergangenheit, in China, vor langen, langen Zeiten. Und Ahriman heißt es, wird sich jetzt in unserer Zeit, in unserer Kulturepoche auf jeden Fall inkarnieren. Das heißt, er wird wirklich ein Mensch sein, der ganz von Ahriman erfüllt ist, von diesen ahrimanischen Kräften. Ja, ist schon da.

Und alle haben Angst davor. Und Ahriman selber hat Angst vor den Menschen. Er hat nämlich nicht den Einblick, warum er so ist, wie er ist und warum er diese Aufgabe hat. Er kann in gewisser Weise gar nicht anders. Er spult sein Programm ab, uns halt zu verführen, uns zu immer seelenloseren Wesen zu machen. Das ist seine Aufgabe.

Der Luzifer hat eigentlich im Seelischen eine wunderbare Aufgabe gehabt. Er wollte uns immer beseelter und beseelter machen, das Erleben immer reicher, schöner, glänzender und so weiter. Das ist ja nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. Nur wenn man nur mehr in dem Glanz darin leben will und nicht auch die andere Seite kennenlernen, halt anzupacken, um die Welt zu verändern, dann sind wir abgehoben, schweben irgendwo in einer Scheingeistigkeit herum. Die banale äußere Welt interessiert mich nicht, ich meditiere nur den ganzen Tag. Kann gut sein, aber es kann auch sein, dass ich vielleicht meine eigentliche Aufgabe versäume, weil dazu gehört auch der praktische Umgang mit den Menschen. Nur allein im Kloster zu sitzen oder sonstwo zu meditieren, ist vor allem in heutigen Zeiten, wo der ahrimanische Einfluss sehr stark da ist, sehr schwer, dass es wirklich funktioniert. Und die Frage ist, ob das ausreicht, die Welt so zu verändern, indem ich mich dort zurückziehe, um das auszugleichen, was das Ahrimanische in der Welt macht. Nämlich vor allem an unserem abstrakten Denken.

Was wir äußerlich sehen an den ganzen Gebäuden, wie sie stehen, in ihrer Schönheit oder eher Hässlichkeit, wie sie dastehen, aber in ihrer technischen Genialität, die durchaus da ist, soll alles in die Welt kommen, muss in die Welt kommen, aber wir sollen nicht Sklaven werden dieser Welt. Wir sollten es erkennen, erkennen können.

Aber der Ahriman hat immer, immer gespürt, was auch immer ich tue, es hat zwar gewisse Wirkungen, aber es kommt nie ans Ziel. Und der Mensch ist es, der das immer verhindert. Es ist gar nicht der liebe Gott, der verhindert, sondern der Mensch ist es. Und Ahriman hat extreme Angst vor den Menschen.

Es ist so schön geschildert im dritten Mysterientrama von Rudolf Steiner. Da ist eine Szene geschildert im Reiche Ahrimans. Und man sieht Bürger und Bürgerinnen, die einem Mysterienbund angehören oder angehören wollen, dort im schlafenden Zustand, im tiefschlafenden. Das heißt, sie erleben es nicht bewusst, aber sie sind in diesem geistigen Bereich drinnen. Nur eine Figur ist drinnen, der Dr. Strader, eine Figur aus dem Mysterientrama, der so die meiste Zeit wach das erlebt und erkennt eigentlich, was diesen Ahriman umtreibt. Bis auf ein paar kleine Stücke gibt es, wo der Ahriman symbolisch die Ohren zuhält auf der Bühne. Und das heißt, das ist der Teil, der dem Strader dann nicht bewusst ist. Aber sonst wird es ihm bewusst, welche Aufgabe er hat. Und er kriegt auch mit, dass der Ahriman aber immer wieder scheitert. Immer wieder scheitert, immer wieder scheitert, wirklich die Menschen dort ganz hinzubringen. Es geht immer so ein bisschen, aber dann zerfällt das Ganze wieder. Und er wird eigentlich wieder überwunden. Und er merkt immer mehr, er kann nicht gewinnen in gewisser Weise gegenüber den Menschen. Und das bedeutet für ihn aber tiefes Leid, tiefen Schmerz.

Ist vielleicht sogar für einen Ahriman insofern was Besonderes, als er eigentlich ein mehr oder weniger seelenloses Wesen ist. Das heißt, er empfindet normalerweise nichts bei dem, was er tut. Er hat die geistige Präzision, den Intellekt, wenn Sie so wollen. Wir haben den Intellekt von ihm, und er ist ja nicht grundsätzlich was Schlechtes, aber er ist kalt, er ist nüchtern, er ist seelenlos. Und herzlos auch in diesem Sinne. Er tut, was notwendig ist oder was ihm notwendig scheint. Also wir müssen eine Eisenbahn durchlegen, wurscht, dann ist alles weg, die Felder müssen weg, wir brauchen das. Vielleicht würden wir es gar nicht brauchen. Ich will gar nicht schimpfen gegen die Technik, überhaupt nicht. Das ist nur so ein Bild dafür.

Und es wird ihm aber immer wieder zerstört, dem Ahriman. Und er leidet da. Er leidet bitter. Und er spürt irgendwo in Wahrheit, dass er nicht gewinnen kann. Dass er nicht gewinnen kann, und er weiß, der Mensch ist schuld. Der Mensch. Der ist schuld daran. Der lässt uns leiden. Der macht mich leiden und meine Gefolgschaft sozusagen. Und als diese Szene dann zu Ende geht und dieser Dr. Strader wieder aus dem Reich Ahrimans herauskommt, sagt er das ganz deutlich: Ich kann über dich eigentlich nur weinen. Ich kann nur weinen, wenn ich an dich denke. Das heißt, er bekommt eigentlich Mitleid mit diesem Ahriman. Und da fängt der Weg der Erlösung der Widersacher an. Zu sehen, dass sie eine Aufgabe bekommen haben, eine schwere Aufgabe.

Der Luzifer hat halt vielleicht mehr die Kraft, das trotzdem ein bisschen leichter zu nehmen, aber um den großen Preis, dass er zwar in einer lichten Welt lebt, aber in einer sehr niederen lichten Welt. Die luziferische Welt ist eine seelenvolle Welt, aber sie ist bei Weitem nicht erreicht in die höchsten und schönsten Bereiche der Seelenwelt hinein, sondern er ist in einem relativ tiefen Bereich gehalten. Aber immerhin, dort fühlt er sich noch recht wohl.

Aber der Ahriman im Gegensatz ist in einer eiskalten Welt. In einer seelenlosen Welt. Und da sind drinnen diese verhärteten Kräfte, und das sind die Kräfte, die Schmerzen machen. Wirkliche Schmerzen. Keine äußeren, wie wir sie heute haben, sondern tief im Geistigen eigentlich. Das zu erleben. Und das Einzige, was seelisches Erlebnis bei Ahriman ist, ist eben dieser Schmerz. Nichts anderes. Das kommt hinein. Eigentlich wäre er ein völlig seelenloses Wesen. Völlig seelenlos. Aber durch die Wirkung des Menschen nimmt er etwas von seelischem Erleben in sich auf und leidet darunter. Und das spornt ihn wieder an: Ich muss den Menschen auf die richtige Spur bringen, also wo er halt glaubt, dass das die richtige Spur ist, damit ich mich von meinen Leiden befreie. Damit ich mich von meiner Aufgabe befreie. Aber eigentlich ist es umgekehrt. Wir Menschen sollen beitragen dazu, ihn zu befreien von seinen Leiden. Das heißt, es geht darum, dass wir Mitleid bekommen. Gerade auch mit dieser geistigen Kraft, die dahinter ist. Und die auch in vielen Menschen wirkt, die, wenn man so will, Handlanger dieses Ahrimans sind.

Das Geistige Licht ausstrahlen: Intuition und das schöpferische Wort 01:07:59

Und das heißt, Ahriman verstehen. Im praktischen äußeren Leben heißt das, wir sollen auch den abstrakten Intellekt lernen, verstehen, daraus arbeiten können und trotzdem ganz selbstbewusst dastehen. Aber das ist noch nicht alles. Wenn man logisch beweist, so und so soll das sein, gibt es noch einen anderen und höheren Aspekt.

Und das Berechenbare, das Vorausberechenbare, alleine wird es nicht sein, sondern es ist das, was wir als Menschen geben können, Liebe, Lebenskraft, belebende Kraft. Der Ahriman hat eigentlich im seelischen Grund nur diese Schmerzschichte, das ist wenig. Und er arbeitet sehr viel mit Ätherkräften, mit Lebenskräften, aber er tötet sie ab. Das heißt, er erlebt immer das, dass das Leben stirbt. Er erlebt immer in allem den Tod. Er ist der Herr des Todes, auch wenn man so will. Also auch, dass wir sterben auf Erden, dass die Welt halt so ist, wie sie ist, dass alles Leben auf Erden sterben muss – und das sogar dringend notwendig ist –, aber da hilft der Ahriman mit. Das ist sogar eine Notwendigkeit.

Stellen Sie sich vor, niemand würde mehr sterben auf der Welt. Die Tiere nicht, die Pflanzen nicht. Die Welt würde untergehen unter dem vielen Leben, das da ist. Nehmen Sie an, in uns würde nicht ununterbrochen etwas abgetötet werden. Wir würden immer mehr wuchern, wuchern, wuchern. Es würde eigentlich ein unendliches Krebswachstum entstehen in uns. Wir würden gar nicht nachkommen, das zu gestalten, sondern wir würden überquellen, zu zerfallen vor lauter Leben in Wahrheit. Also es muss beschränkt werden. Es ist ja gerade das, was einen Organismus ausmacht, dass das Leben sich in einem beschränkten Raum entfalten muss.

Also es muss im Gleichgewicht sein. Es muss die Kräfte des Lebens mit den Kräften des Todes im Gleichgewicht sein. Und genauso muss das Licht und die Finsternis im Gleichgewicht sein. Was im Umgang mit dem Luzifer wichtig ist, das geistige Licht und die geistige Finsternis. Mit der geistigen Finsternis kommen wir eben eh schon ins ahrimanische Reich. Aber das geistige Licht alleine, wenn das Dunkle weg wäre, würde uns so blenden, dass wir auch nichts erleben. Weil wie kann man Geistiges erleben? Oder wie viel vom Geistigen kann man erleben? Wenn man jetzt die Lichtmetapher nimmt für das Geistige, es ist so blendend hell, dass wir nichts erkennen würden.

Warum wir heute im Allgemeinen nicht die geistige Welt erleben und die geistigen Wesen, die drinnen sind, liegt daran, weil dieses Licht so hell ist. Und wir völlig geblendet sind, so wie wenn wir zu lange in die Sonne schauen und dann gar nichts mehr sehen, weil die Augen erschöpft sind und man dann für eine gewisse kurze Zeitspanne sogar erblindet ist. Ich errate nicht, das selber zu versuchen, so lange in die Sonne zu schauen, aber Sie werden es vielleicht schon einmal erlebt haben, wenn man zu lange hineinschaut und dann woanders hinschaut, sieht man gar nicht richtig. Die Sehkraft hält das nicht aus. Das Rhodopsin in den Augen, das für die Lichtaufnahme notwendig ist, erschöpft, es wird verbraucht, je mehr Licht kommt, und dann ist Finsternis für uns da.

Also wir müssen eine Kraft entgegenschicken. Und eigentlich ist die Kraft, um Geistiges wahrzunehmen, dieses geistige Licht wahrzunehmen, dass wir im gleichen Maße geistiges Licht ausstrahlen müssen. Wir sehen das Geistige eigentlich nur dadurch, dass wir eine vergleichbare Geistigkeit ausstrahlen. Sonst sind wir geblendet vom Geistigen. Sonst blendet es uns.

Ich habe manchmal scherzhaft gesagt, Anthroposophie ist die geistige Sonnenbrille. Die hilft uns, dass wir durch das noch wenige Bescheidene – und es ist bescheiden, so viel auch Rudolf Steiner da gegeben hat, es ist ein kleines Zipfel von dem Geistigen, was es überhaupt gibt, es ist noch viel, viel größer –, aber dieses Kleine reicht schon mal aus, dass wir es entgegenhalten können, dem geistigen Licht, das uns entgegenkommt, und es auf das Maß dadurch dämpfen können, dass wir wirklich etwas wahrnehmen können. Weil wenn wir nichts entgegenstellen, nichts gleichwertiges Geistiges entgegenstellen, dann kriegen wir gar nichts mit. Wir sind an der Vorwahrnehmung, das heißt, nur im Äußeren mache ich meine äußeren Augen auf, im Geistigen mache ich halt das geistige Auge auf. Muss ich eine Schulung machen? Ja, dann mache ich das geistige Auge auf und dann sieht es. Aber es ist vielmehr notwendig. Es ist nicht einfach ein passives Wahrnehmen, sondern ein aktives Sehen. Das heißt Licht, geistiges Licht aussenden.

Das ist etwas, was auch in den Mysteriendramen, auch bei diesem Dr. Strader, den ich heute schon genannt habe, geschildert wird. Er ist verzweifelt eigentlich irgendwo, er kommt nicht weiter mit seinen Sachen. Und Maria, eine andere Geistesschülerin drinnen, sagt ihm ganz deutlich, und zwar in seinem geistigen Erleben spricht sie gewissermaßen zu ihm, ja, du strahlst ja dein Licht nicht aus. Wo ist dein Licht? Wo ist dein Licht? Du beschwerst dich, dass du nicht zurechtkommst mit der geistigen Welt. Wo ist dein Licht?

Und offenbar stehen wir alle heute noch, manche mehr, manche weniger, vor dem Problem, dass wir das Licht, das wir eigentlich haben, noch nicht gelernt haben auszustrahlen, zu verschenken an die Welt. Es wäre ein anderer Begriff dafür. Das, was wir schöpferisch aus uns schaffen, dort lebt Geist drin. Dass wir sehr viel studiert haben und auswendig wissen, was dort steht, was da steht, was wir im Gedächtnis tragen, das ist noch nicht das geistige Licht. Das ist der Abglanz des geistigen Lichtes, das die hatten, die das geschrieben haben vielleicht, die das erstmals in die Welt gestellt hätten. Wenn wir das heute immer wiederholen, selbst wenn wir Steiner hernehmen und immer wieder zitieren – Steiner hat gesagt –, da lebt gar nichts Geistiges drin. Wenn wir es nur tot wieder erzählen, Steiner hat gesagt, das ist das Eingesagte. Ich muss es in mir lebendig machen und dann kann ich aus dem sprechen. Und dann brauche ich wahrscheinlich auch nicht dauernd sagen, der hat gesagt. Wir müssen so weit kommen, selber zu sagen, vielleicht auch was, was noch nie wer gesagt hat und was noch nirgendwo geschrieben ist. Im ganz Kleinen.

Deswegen sind wir nicht der große Hellseher und der große geistige Führer, sondern im ganz Kleinen, Bescheidenen. Im Umgang mit den anderen Menschen. Sozusagen zu sehen, was kann ich dir geben, geistig. Einen Impuls, ein Wort vielleicht. Große Eingeweihte erwecken ihre Schüler dadurch, dass sie ein entsprechendes Wort sagen, das für ihn das Tor eröffnet, dass er wagt, seine Kraft in die Welt zu tragen. Ein Wort kann ein Auslöser sein. Das heißt nicht, dass ich dem anderen etwas vorschreibe damit, ganz und gar nicht, sondern es ist das Wort, das nur sagt, du hast die Kraft. Aber es wird es nicht in diesen Worten sein, aber es hat diese Wirkung auf jeden Fall.

Und er redet vielleicht eine Viertelstunde oder was, aber es ist ein Wort drinnen, das den Schlüssel bringt. Das Aufwecken bringt. Und die Kunst ist, hier und dort das richtige Wort zu treffen. In der Sprache liegt sehr viel. Am Anfang war das Wort. Das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Am Beginn des Johannesevangeliums. Da steckt wirklich viel drinnen.

Aber der richtige Zugang, sag ich mal, für unsere Zeit ist durchaus mit dem Selbstvertrauen zu sagen, ich muss das in mir selber erwecken, selber verstehen, selber anwenden. Ich kann nicht nur dem Buchstaben folgen, sondern ich muss es aus mir holen. Ich kann es aus mir holen. Ich will es aus mir holen. Der Wille ist gefordert. Der wirkliche Wille. Aber eben nicht ein blinder Wille, sondern ein Wille, der die richtigen Intuitionen hat, mit der er in die Welt eingreifen kann. Intuition heißt eigentlich eintauchen in den anderen Menschen, in die Natur, in alles drinnen, drinnen sein, und aus dem heraus das richtige Wort treffen, die richtige Handlung treffen. Aus der tiefen Erkenntnis dessen, was vor mir steht, der Mensch, der vor mir steht, das Tier, das vor mir steht, die Pflanzenwelt, die da ist, die erzählt mir eigentlich, was sie braucht und was sie will. Wenn ich es wahrnehmen kann.

Das aus Selbstbewusstsein heraus, aus Freiheit heraus können. Dabei helfen uns die Widersacher. In Wahrheit. Auch wenn sie uns das Leben schwer machen.

Karma und Schicksalsaufgaben: Das Dachziegel-Bild 01:18:53

Und sie geben uns sogar, sie lassen uns sogar die Freiheit. Nicht einmal, wenn sie Karma nehmen, das Schicksal, Schicksalsschläge, die eigentlich uns helfen weiterzukommen, die eine Erziehung sind. Aber die Widersacher sind nicht die, die uns diese karmischen Sachen schicken. Die schicken wir uns selber. Die schicken wir uns selber.

Es gibt ein schönes Bild dafür, wie Karma funktioniert. Ich habe es gestern im Vortrag auch erzählt. Wie stellt man sich das vor? Also, ich als geistiger Mensch zunächst, habe einen Schicksalsschlag jetzt vor mir. Den muss ich machen, um eine Tat aus der Vergangenheit auszugleichen. Ich habe da einen umgebracht von mir, sogar. Ja, ich muss jetzt auch jetzt sterben, mitten aus dem Leben gerissen werden. Wie mache ich das? Aha, da ist ein Hausdach. Ich klettere da hinauf, dieser zweite geistige Mensch, und ich lockere dort einen Dachziegel. Und ich mache das so geschickt und so präzise, dass ich jetzt, wenn ich als irdischer Mensch dort vorbeigehe, genau in dem Moment der Dachziegel herunterfällt und mich trifft. So funktioniert das Schicksal. Ich treffe mich selbst mit hoher Präzision.

Und niemand anderes ist schuld daran, weil ich es eigentlich will. Mein wirkliches Ich will das. Es ist jetzt ein sehr drastisches Beispiel natürlich, aber es ist bewusst so plakativ gewählt. Aber es geht darum, wir führen uns das zu. Nicht der liebe Gott straft uns damit. Niemand straft uns damit. Auch wir strafen uns nicht damit, sondern wir bringen uns nur dazu, eine Aufgabe bewältigen zu müssen. Weil wir sie bewältigen wollen, um weiterzukommen. Das ist keine Widersacherwirkung.

Die Widersacher heute führen uns eher dazu, dass wir diesen karmischen Ausgleich umgehen oder abschwächen, abmildern, sodass es... Ja, gut, ein bisschen zwicken, aber das war es dann schon. Wo wir also einfach herumgeführt werden. Und wir werden aber diese Fehler, die wir gemacht haben in der Vergangenheit, nur dadurch ausbügeln können, dass wir selber aktiv werden. Das braucht man niemandem anderen zuschieben. Das können wir nur selber machen.

Und das heißt auch, dass wir wach werden sollten, langsam oder ein bisschen schneller vielleicht sogar, wirklich unsere Schicksalsaufgaben im Leben zu erkennen. Das ist in Wahrheit gar nicht so schwer. Und das erfordert nicht jetzt großes Hellsehen oder irgendetwas, sondern wir werden in unserem ganzen Leben immer wieder in Situationen geführt, die Schicksalssituationen sind. Die Kunst ist nur, sie zu erkennen.

Wir müssen uns eigentlich gar nicht darum kümmern, dass wir mit unserem kleinen Ich, das heißt mit unserem Ego im Erdenbewusstsein, jetzt grübeln müssen, wo muss ich hinfahren, jetzt muss ich sicher mindestens nach Südamerika fahren, dass mich dort irgendein Pfeil trifft oder weiß ich nicht was. Das brauchen wir uns gar keine Sorgen machen. Da wird uns durchaus geholfen durch unser höheres Ich, dass uns genau dorthin führt. Wir machen vielleicht zufällig eine Reise dorthin genau, wo wir den Menschen treffen, mit dem wir karmisch etwas auszugleichen haben. Und in vielen Fällen ist es so, dass das aber ganz was Unspektakuläres ist. Man kommt vielleicht nur mit einem Menschen von dort ins Gespräch, begegnet dem und sagt zum Beispiel gerade das Wort, das den geistig erweckt. Und damit habe ich meine Schuld, die ich ihm gegenüber habe, getilgt. Und in mir ist aber eine große Kraft entwickelt worden dadurch, dass ich das richtige Wort gesagt habe. Das ist meine schöpferische Tat, dass ich das richtige Wort sage.

Und da geht es nicht um diese Äußerlichkeiten, wie es eh schon gut ist und sowas. Um das geht es gar nicht. Das ist eben dieses, was ich schon erwähnt habe im Vortrag jetzt, dieser Schlüssel eigentlich, der da ist. Das Schlüsselwort, mit dem der andere erweckt ist, dass er selber erkennt, wie er sein Problem, das er vielleicht hat, lösen kann. Weil es geht nie darum, dass wir dem anderen die Aufgabe abnehmen. Das kann es gar nicht geben. Wir können ihm nur zeigen, du kannst das. Und ihm den Anstoß geben. Da steht was an.

Publikumsgespräch: Der Nationalsozialismus und die Kraft des Mitleids 01:24:32

Publikumsfrage: Ja, also das ist unsere Zeit, bitte. Ich hätte eine Frage. Es geht ja jetzt immer um uns selber. Ich bin hier gegen Menschheitsprobleme. Oder sagen wir, ich bin in den 30er, 40er Jahren geboren. Und wir sind ja dann mit dem Nationalsozialismus, mit diesen Verbrechen, die kommen ja auch im Augenblick wieder. Wie kann man das denn verarbeiten? Ich habe immer das Böse in bestimmten Menschen gesehen. Wenn man diese Verbrechen sieht, das ist ja überhaupt nicht vorstellbar.

Das ist richtig, ja. Was ist das denn für ein Böse? Naja, das passiert genau dann, wenn man diesen Einflüsterungen der Widersacher verfällt und die eigene Kraft verleugnet. Weil die Lösung besteht immer drinnen, dass wir an uns arbeiten müssen. Letztlich bewusst. Und jetzt kommt es hin, ich meine nur als Ding, wie viele Christuserlebnisse die Menschen hatten, die im KZ waren. Und die ihr Los, ihr Leid auf sich genommen haben und vor allem eines überwunden haben, den Hass auf ihre Peiniger. Das ist das schlimmste Verderbnis, das es gibt.

Das war das Große Ding, was die Nazis hatten, was sie wussten: Ich muss den anderen Menschen dazu bringen, dass er sich selbst moralisch verleugnet. Sie wollten eigentlich viele gar nicht dem folgen, aber hätten sie es nicht getan, hätten sie Schwierigkeiten bekommen, sie haben Angst gehabt davor. Lieber trete ich den Nebenmann hinunter, als dass mich erwischen. Und dort wird das Böse am stärksten, lebt dann in dem Menschen, der zu schwach war, sich zu wehren dagegen. Das zieht es letztlich hinunter. Die ganzen Schergen waren die, die gefolgt sind. So viele Menschen sind das.

Und wir glauben immer, es gibt irgendeine äußere Lösung, wie man das verhindern kann. Wenn nicht letztlich alle Menschen an dem mit sind, oder möglichst viele mit sind an dieser Entwicklung, zu sagen, selbst jetzt ist ein Schicksalsmoment da, ich muss mich entscheiden, bin ich mir selber wichtiger und nehme dafür, dass ich überleben kann, aber jetzt einfach meine moralische Situation zu Ende, die erschießt halt den anderen, weil es geht ich oder er. Und damit setzt sich aber das wirklich absolut Böse gerade in dem, der unter Druck gesetzt ist.

Man sagt, aus Angst macht man das. Man darf nicht glauben, dass die Menschen das machen aus der Freiheit, ich will wegen meiner Macht mache ich das. Und die Überzeugungstäter sind alle, die die ahrimanische Angst in sich haben. Die Angst um ihre kleine Existenz. Das ist die Angst. Und das haben die Nazis wirklich perfekt beherrscht, und heute beherrschen es viele Menschen. Von denen haben viele gelernt. Und das ist gerade in unserer Zeit so viel bewusster geworden, wie man das machen kann. Menschen moralisch dadurch zu verderben, dass man ihnen die entsprechende Angst macht. Und sie dann zu blinden Handlangern werden. Weil in dem Moment, wo ich das zwei, dreimal gemacht habe, kann ich mir selber nicht mehr in den Spiegel schauen. Ich kann mich selber nicht mehr sehen, und dann ist es schon egal. Dann mache ich halt einfach mit und kriege vielleicht sogar Vergünstigungen dadurch. Ich errege mich innerlich nicht mehr auf. Meine Moral ist zerstört.

Ich weiß, das ist schwer. Wer wählt, lieber selbst zu sterben oder wen anderen zu retten? Das ist nicht leicht.

Publikumsfrage: Und in Zukunft wird es sicher keine Lösung von oben geben?

Das wäre genau das Gegenteil. Das wäre der Diktator, der von oben ist. Die wollen ja eigentlich eine perfekte Welt, die nach ihren Regeln spielt und wo alle brav folgen. Dann gibt es keinen Streit, wenn das so wirklich wäre. Jeder folgt brav, Führerbefehl, wir folgen. Und das gilt in allen Bereichen.

Das Geheimnis ist, dass wir die Möglichkeit haben, uns aus unserer Freiheit heraus auf uns selbst zu stellen. Und es ist der Christus in uns, die Kraft, die uns unterstützt.

Publikumsfrage: Zum Beispiel in Russland, der Stalin wird wieder als guter Mensch, der Stalin, der wird jetzt umgewandelt. Und diese ganzen Prozesse, die sind ja auch absolut bösartig.

Ja, absolut. Menschen verarschen.

Absolut, absolut. Ja, man muss sehr genau schauen, das ist richtig.

Und wir leben in interessanten Zeiten.

Ja, ja, ja.

Publikumsfrage: Es gibt keine Zufälle, wie du ja auch schon gesagt hast, dass wir jetzt inkarniert jetzt sind.

Ja, sicher. Das heißt, wir wollten eigentlich da dabei sein jetzt. Wir haben uns das ausgesucht. Wir brauchen uns bei niemandem zu beschweren.

Publikumsfrage: Ja. Wir hatten Helfer, das wird das ermöglichen.

Dankeschön. Vielen Dank.

Glossar

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