Welt der Anthroposophie Mensch sein - Mensch werden

Liebe Menschen,

 

die zurückliegende Woche wurde vom 28. Spruch aus dem Rudolf Steiner Seelenkalender begleitet:

 

Ich kann im Innern neu belebt

Erfühlen eignen Wesens Weiten

Und krafterfüllt Gedankenstrahlen

Aus Seelensonnenmacht

Den Lebensrätseln lösend spenden,

Erfüllung manchem Wunsche leihen,

Dem Hoffnung schon die Schwingen lähmte.

 

Rückblick:

 

 

 

  • Mittwoch, 13. Oktober um 18h: Die 35. Folge Philosophie der Freiheit. Auf die "Kurze :-)" Zusammenfassung von Matej der Vorwoche folgte von Kurt folgende Antwort (im Kommentarbereich bei anthro.world nachzulesen: "Vielleicht kann ich zu den Fragen im Newsletter 27.Woche von Matej ein klein wenig was beisteuern. 

    Wann wird’s Gewissen zur Intuition? Ich habe mal gehört, wie Wolfgang von Goethe erzählte, der die große Eigenschaft besaß, sinnliche Dinge sehr lange zu beobachten. Beim Blick des Denkens nach aussen staut sich die Denktätigkeit. Das Ich verharrt in der Empfindungsseele (hier regt sich nicht nur Freude, Leid, sondern auch das Gewissen. z.B. eine schlimme Szene) und läßt die Wahrnehmungen auf sich wirken. (Umwandlung zum Geistselbst). 

    Der ichhaft bewusste Denkakt erlöst die Situation in die Dynamik (er ist der Urgrund unserer Freiheit) und überführt sich bei der Ausübung in Denkinhalte (Begriffe und Urbilder individualisieren sich Denkinhalte in ihren eigengesetzlichen Zusammenhängen, als neue Vorstellungen) und hebt dabei auch das Gewissen mit in die Bewusstseinsseele. (Umwandlung zum Geistesmenschen). Dort steigert es zur Intuition, als Ausdruck unseres Denkwillens, der je nach Triebfeder und charakteriologischer Anlage des Individuums zur Beurteilung und wollenden individuellen Handlung wird. Frei ist eine Handlung nur dann, wenn Triebfeder und charakteriologische Anlage widerspruchslos zusammenfallen. (Ähnlich der Äquivalenz von Stoff und Form) Das ist die Struktur, die hinter jedem Denkakt steht. Nur im Alltag wesentlich schneller als beim Beispiel Goethe und meist ganz unbewusst,.

    Die praktische Vernunft ist durch Kant besetzt. Und weil diese praktische Vernunft nicht wahrheitsfähig, aber nach ihm doch wirklich praktisch im Leben anzuwenden ist, hat er die größtmögliche zu denkende Regel als Zugang zur Moral gesetzt, die all die im Text erwähnten Regeln einschließt: Den kategorischen Imperativ. Rudolf Steiner beklagt ihn, weil er dem Menschen die Freiheit nimmt. Aber ich denke, er hat in der praktischen Vernunft den kategorischen Imperativ durch die Philosophie der Freiheit ersetzt. Denn hier werden die einschränkenden Regeln zum lebendigen Geschehen im Verhältnis von Triebfeder und charakteriologischer Anlage innerhalb eines bewusst erlebten Erkenntnisvorgangs und deren Handlungen, durch seelische Beobachtung nach naturwissenschaftlicher Methode im idealtypischen Fall hinfällig. Er hat uns diese neue strukturelle Denkmethode geschenkt, mit der nicht mehr intellektuell fertige Vorstellung mit teilweise unbewussten Elementen (die als Unfreiheit wirken) kausal verknüpft, sondern Strukturen aufgedeckt, die erst zu diesen fertigen Vorstellungen der Denkinhalte (und zwar vollbewusst) zum erzeugenden Ich-Bewusstein im Menschen führen. Jetzt wird erkennbar, dass wir als Menschen diesem Prozess der Schöpfung eine neue Bewusstseinsart hinzu, weil wir als einzige diese Schöpfung von außen wahrnehmen können und sie in der geistigen Welt (Begriffe und Urbilder) neu vollziehen und erleben. Durch und mit dem Menschen nimmt sie sich hier auf weisheitsvollste Art selbst wahr. Der Aufstieg aus dem Materialismus.

    Ich hoffe, ich verstehe, was Matej mit dem Intrinsischen innerhalb der charakteriologischen Anlage gemeint ist. Das Grundelement, dass die Sicherheit bei aller Veränderung der charakteriologischen Anlage gibt? Wäre das das Ich, das sich mit seiner Vereinigung mit dem erzeugten Ich-Bewusstsein vereinigt? Das trägt m.E. all diese Veränderungen als „strukturelle Konstante, zusammenhangswirkend“  mit sich. So, wie Urbilder und Begriffe, die Eigenschaft der Intentionalität bei aller Erweiterung behalten.

    Spannend finde ich auch, dass der freie Wille sich sogar über die angesprochenen (animalischen) Grundtriebe von Hunger und Durst erheben kann. Fakire oder Hungerstreikende zeigen diese Macht des Willens.

    Viele Grüße
    Kurt Niedermeier".

    Damit ihr den Kontext habt, ohne suchen zu müssen, stelle ich im Folgenden den Kommentar von Matej noch mal dar:

    "Nachdem wir im ersten Teil erkannt haben, was wir tun, wenn wir denken, sind wir im zweiten Teil mit dem Menschen als einem willensartigen Wesen beschäftigt. Der Wille zeigt sich da in seinem Reichtum und Mannigfaltigkeit. Nachdem wir unterschieden haben zwischen Motiven und triebhaften Elementen, begannen wir die beiden Bereiche zu erforschen. Die Frage war: Aus welchen Elementen setzt sich das individuelle Leben zusammen?

    Auf der Triebseite finden wir zunächst die Wahrnehmungen wie Hunger und Durst, die unmittelbar zu Handlungen führen (animalisch), dann zeigen sich die Gefühle, die zu Triebfedern des Handelns werden können. In der dritten Sphäre leben die Vorstellungenassoziationen, die uns sagen aus der praktischen Erfahrung, welche Handlungsweise richtig oder falsch ist. Als Menschen können wir aber auch aus reinem (sinnlichkeitsfreiem) Denken Willenselemente finden, die in unser Tun aus den Intuitionen erfliessen (praktische Vernunft). Dieses Element kann man nicht zur charakterlichen Anlage rechnen. Ich tue dann etwas, was von meiner inneren Charakteranlage intrinsisch unabhängig ist und sie sogar fundamental verändern kann. Ein solcher Antrieb nennen wir Motiv des Wollens und kommt aus rein idealer Sphäre.

    Die Motive der Sittlichkeit sind Begriffe und Vorstellungen. Zunächst fanden wir egoistische Motive, wobei das Egoistische nicht bewertet, sondern nur charakterisiert wird. Es gibt viel, was als egoistisch aussieht, ist es aber nicht, und es gibt viel, was nicht egoistisch aussieht, und doch zutiefst aus gerade diesem Motiv stammt.. Als zweites Motiv dient der Begriff der Moral. Ein moralisches System kann in Form der abstrakten Begriffe unser Leben regeln, uns zum Tun und/oder Unterlassen des Guten und/oder des Bösen führen. Das sind Gebote und Verbote, denen wir unterwürfig folgen. In diese Kategorie fällt auch das Gewissen, was mir immer noch zu denken gibt. Es entwickelte sich eine rege Konversation zum Verständnis dieses Begriffes. Dr. Steiner charakterisiert in diesem Absatz das Gewissen als eine Stimme in unserem Innern, der wir uns zu unterwerfen haben (gleich wie bei einem fremden Gebot oder Verbot).

    In mir entstanden viele Fragen, die ich hier als eine Anregung stelle: Ist das Gewissen immer eine Unterwerfung, was für diese Sphäre des Willenslebens charakteristisch ist? Gibt es zwei Formen des Gewissens? Handelte die tragische Heldin Antigone auf dieser Ebene? Wo lag ihre Entscheidung? Wann wird das Gewissen eine Intuition?"

 

 

Mich hat die Gestaltung der Kleingruppenarbeit für die 2. Staffel der Nebenübungen in den letzten Tagen/ Wochen ziemlich in Anspruch genommen, und nun ist es angelaufen, puuhhh. Ich sammelte Eindrücke in allen Gruppen- ich freue mich über eine insgesamt positive Grundstimmung. Die Arbeit mit den Nebenübungen ist für alle Teilnehmer, aber auch für die Moderatoren fordernd. Ich begleite auch eine Kleingruppe (aber mit echter Begegnung), ich mache meine eigenen Nebenübungen dadurch mit einem noch tieferen Bewusstsein, und ich finde alles spannend und aufregend. Übrigens, anders als bei der 1. Staffel, wo Wolfgang als Experte ja auch tiefste Fragen ad hoc kompetent beantworten konnte, müssen wir bei der 2. Staffel umdenken. Adressiert nicht Fachfragen an die Moderatoren, denn das entspräche wieder dem Schüler/ Lehrer Denken. Vielmehr ist es ja bereits vollkommen gehaltvoll, wenn man seine Erfahrungen konkret mit der Gruppe teilt und mit der zurück empfangenen Resonanz arbeitet. Wichtig erscheint mir, dass alle mal zu Wort kommen können. Fast allen Gruppen konnten die vereinbarte Zeit von 60 Minuten nicht pünktlich einhalten. Einzelne mussten pünktlich raus, und das war nicht so harmonisch. Aus Erfahrung sollte rasch mit Erfahrungsaustausch reihum begonnen werden, dann kann die Gruppe auch gemeinsam zum Ende kommen.

Herzliche Grüße

François

Webseite: www.Anthro.World

E-Mail: info@anthro.world

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